Handwerk, Fachkräftemangel & Zukunft der Ausbildung – im Gespräch mit Erik Fonk | Handwerk spricht mit Oliver Oettgen
Worum es geht
Fachkräftemangel im Handwerk – doch liegt das Problem wirklich beim Nachwuchs? Bäckermeister und Unternehmer Erik Fonk erklärt im Gespräch mit Oliver Oettgen, warum es oft eher an der Präsentation des Handwerks liegt und welche Chancen die Branche bietet. Es geht um Meisterbrief, Arbeitsklima, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie um die Frage, wie sich das Handwerk endlich besser verkaufen kann.
Das nimmst du mit
- Fachkräftemangel ist oft weniger ein Nachwuchsproblem als eine Frage, wie attraktiv Betriebe ihr Handwerk nach außen darstellen.
- Der Meisterbrief ist kein Auslaufmodell, sondern kann ein echter Wettbewerbsvorteil sein.
- Ein gutes Arbeitsklima bindet Fachkräfte häufig stärker als ein hoher Stundenlohn – gute Bezahlung allein reicht nicht.
- Modernes Handwerk verbindet Digitalisierung, regionale Rohstoffe, Nachhaltigkeit und klare Mitarbeiterführung.
- Migration, Ausbildungssysteme und neue Arbeitsmodelle spielen eine zentrale Rolle für die Zukunft der Branche.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Erik Fonk ist Unternehmer und Bäckermeister aus Belgien und führt gemeinsam mit seinem Bruder eine traditionsreiche Bäckerei in der dritten Generation. Sein Betrieb steht für modernes Handwerk mit digitalisierten Prozessen, regionalen Rohstoffen und nachhaltiger Produktion.
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Transkript
Herzlich willkommen zur Handwerk spricht der zweiten Staffel unserer Sendung und Sendereihe und heute ist zu Gast Eric Funk. Eric, hallo, schön, dass Du hier bist. Hallo. Wir haben uns Anfang des Jahres in Belgien kennengelernt und dann bist Du ja direkt dann auch der Einladung dann gefolgt, die wir ausgesprochen haben und bevor wir auf die Themen eingehen, die wir auch gleich besprechen wollen, habe ich 3 Thesen mitgebracht, da würde ich gerne mal deine Meinung zuhören, wie Du das siehst. Und zwar die 1.
These ist, Handwerk ist kein Karriereweg mehr. Es ist nur noch der Plan b für alle, die das Studium nicht schaffen. Oh, gefährliche Aussage wird so meiner Meinung nach überhaupt nicht zutreffen. Ohne Handwerk, wo stehen wir da? Also wenn wir nur Studierende haben, haben wir keiner, der was macht, der die Leute satt macht, der was baut.
Also ich denke, dass unser Handwerk doch viele, viele Perspektiven gibt. Vor allem, wenn man den Jugendlichen auch vorführt, welche Möglichkeiten, welche Karrieremöglichkeit man hat, inwieweit die Digitalisierung im Handwerk fortgeschritten ist, welche Unterstützung wir da erfahren. Also denk ich, dass wir da jede Menge Chancen haben, selbst im Handwerk zu studieren, ist ja sogar möglich. Ja, ja, sehr gut, bin ich deiner Meinung. 2.
These, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Bin ich nicht einverstanden, weil der Handwerksbrief ist doch eine besondere Geschichte. Man setzt sich noch mal ganz speziell mit dem Handwerk auseinander und man geht doch tiefer in die Materie rein. Man beschäftigt sich mit Sachen, die im Alltag vielleicht nicht unbedingt üblich sind, aber man bekommt eine ganz andere Sichtweise auf das Handwerk und auf die Möglichkeiten, die wir haben. Mhm.
Man setzt sich noch mal ganz speziell mit dem Handwerk auseinander und man geht doch tiefer in die Materie rein. Man beschäftigt sich mit Sachen, die im Alltag vielleicht nicht unbedingt üblich sind, aber man bekommt eine ganz andere Sichtweise auf das Handwerk und auf die Möglichkeiten, die wir haben. Und das mit dem Gesellenbrief reicht nicht. Also der Handwerksbrief hat doch schon 'n Mehrwert und bringt uns doch noch viel näher ans Handwerk und macht uns zu absoluten Spezialisten. Sehr gut, danke schön.
Und die letzte These, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen. Wir müssen uns besser verkaufen. Das denk ich, das ist diese Geschichte. Wenn ich Leute bei mir in den Betrieb einlade und zeig mal son bisschen, was wir können, was wir machen, dann sind viele erstaunt, wie weit Handwerk geht und was da überhaupt passiert. Und da gibt's Ansätze, wo man auch die jungen Leute in die Betriebe einlädt, mal zum Schnuppern mal für 1, 2, 3 Tage einfach mal hinter die Kulissen zu schauen.
Und viele haben 'n ganz falsches Bild von Handwerk. Ist vielleicht auch geschuldet, dass wir uns in der Vergangenheit sehr schlecht verkauft haben. Ja. Ja Erik, jetzt haben wir schon 'n super Einblick bekommen, auch nach den Thesen. Und jetzt lassen wir mal über dich sprechen.
Wir haben uns in Belgien kennengelernt, Du hast eine Bäckerei, Konditorei. Erzähl uns doch mal bisschen was über dich, über dein Unternehmen und vor allen Dingen, was dich so antreibt am Tag. Ja, wir, ich mach's ja nicht alleine, ich mach's mit meinem Bruder zusammen. Wir sind mittlerweile in der dritten Generation, die 4. Generation ist jetzt mit eingestiegen.
Wir sind auch dabei, eine neue Backstube anbauen und dann auch dem Handwerk eine Zutun zu geben, weil wenn wir 'n Fachkräftemangel haben, dann müssen wir dagegenwerken und das heißt ganz einfach, wir müssen die Leute begeistern für das, was wir machen. Und da, denke ich, haben wir unheimlich viel Chance in unserem Handwerk. Wir haben sehr kurze Anfangswege, wir brauchen nicht mehr zu heben. Wenn wir Belastungen auf der Arbeitsstelle haben, dann sind's doch meistens Belastungen, die auch biologisch abbaubar sind. Also wir haben so viele Sachen, die so ein, die eigentlich verkannt werden.
Man braucht nicht Wert zu heben, wir sind sehr technisch eingerichtet. Wir versuchen alles Mögliche zu machen, die Leute möglichst lang in der Lebensarbeitszeit zu halten. Das ist auch 'n Riesenthema mittlerweile nicht nur in Deutschland, auch in Belgien. Wie lange müssen wir arbeiten? Was kann ich meinen Mitarbeitern zumuten?
Und das sind natürlich die Sachen, wo man die Herausforderung sucht und wo man versucht, auch seine Backstube entsprechend einzurichten und interessant zu gestalten, weil ich glaub, das ist das, was der neue Mitarbeiter sucht, einen interessanten Arbeitsplatz, wo man sich nicht nur mit Handwerk auseinandersetzt, sondern auch mit Geschichten wie Raumklima. Wie ist das Wohlgefühl da, wie geht der Betrieb mit mit Mobbing, geben wir Zahlen preis, nehmen wir die Mitarbeiter ab, wie informieren wir die Mitarbeiter über das, was gemacht wird. Das sind alles Sachen, die vor 30 Jahren nicht so ganggeber war. Damals hat man auch nicht dieses Problem mit den Fachkräften und Fremdsprachen. Gut, in Belgien sind wir 'n bisschen luxuriös unterwegs, wir sind dann mindestens dreisprachig, dass man mittlerweile viele Mitarbeiter haben mit Immigrationshinterbund, ist die nächste Herausforderung, die wir zu stemmen haben.
Aber auch durch die Digitalisierung ist das eigentlich alles heute relativ stressfrei. Ja, Du hast mir ja den neuen Betrieb gezeigt, beziehungsweise die neue Backstube ist ja noch alles in Entwicklung bei euch. Ihr seid mit Sicherheit jetzt schon einige Schritte weiter als das, was ich gesehen hab vor anderthalb Monaten. Und Du machst ja wirklich oder ihr macht euch ja verdammt viele Gedanken, was tun wir, wie tun wir es und warum tun wir es vor allen Dingen und Du hast auch gerade ja im Endeffekt gesagt, ihr nehmt ja auch die Belegschaft komplett mit. Du sagst gerade, klar, vor 30 Jahren war's anders.
Jetzt ist das Thema Fachkräftemangel. Seit wann seid ihr dran? Seit wann habt ihr da geswitcht? Seit wann macht ihr dieses dieses Thema Zahlen und Kommunikation? Seit wann habt ihr das geändert?
Das ist son Prozess, der hat schon vor über 20 Jahren angefangen. Da waren wir so in der Digitalisierung unterwegs. Mein Vater war auch früher immer auch begeistert, was Digitalisierung angeht. Wir waren 1 der ersten Betriebe in Sankt Fitt, der überhaupt 'n PC hatte und so hat das eigentlich angefangen. Und hinterher macht man sich Gedanken, wo haben wir die Möglichkeiten, die Chancen zu finden, damit wir weiterkommen und damit wir die Ressourcen, die wir haben, eben schonend einsetzen können und unterstützen können.
Das sind eigentlich so die Anfänge, wo man sich dann mit beschäftigt und man wächst auch da rein. Weil umso mehr man sich mit dieser ganzen Digitalisierung auseinandersetzt, umso mehr Wege öffnen sich und umso mehr Möglichkeiten bekommt man. Und zum Teil haben wir mit im Handwerk entwickelt, haben mit Programme entwickelt, haben mit zum Teil Maschinen entwickelt, weiter im Handwerk zu kommen. Und das spielt uns natürlich heute in die Karten, weil wir genau wissen, was wir haben möchten. Auch natürlich fachlich eben haben wir darüber gesprochen, wie wichtig ist der Meisterbrief?
Und da kommt's jetzt ganz genau drauf an. 'N Meisterbrief hat eine andere Perspektive, eine andere Weitsicht ins Handwerk rein und versteht die Prozesse viel besser, hat eine viel bessere Analytik. Und das ist ja das, was uns ausmacht zu analysieren, was passiert? Wie können wir Ressourcen einsparen? Wie können wir Prozesse optimieren?
Weil egal, wie viel Zeit ich brauch Ende des Tages, bekomm ich nur 'n gewissen Preis von Brot und Brötchen. Und da fragt keiner, ob wir viel oder wenig Mitarbeiter eingesetzt haben, ob die Mitarbeiter krank waren, ob sie 'n Migrationshintergrund haben. Alles da spielt keine Rolle. Und das, was wir verkaufen, ist eine Qualität, ist 'n Gefühl, dass man's das Richtige gekauft hat und dass es irgendwas ist, was ich so im Discounter so nicht zurückfinde. Handwerkerinnen und Handwerker wie Du halten die Welt zusammen.
Und wir halten dir den Rücken frei. Wir stehen für Innovation im Handwerk, für Lösungen, die vorangehen und für Arbeit, die sicher und smarter wird. Weil Handwerk Zukunft ist. Ja, es ist ja immens. Wie viel Produkte habt ihr eigentlich im bei euch im Verkauf und wo kauft ihr ein für eure Produkte?
Produkte im Verkauf, da sind wir unheimlich breit aufgestellt, was eigentlich so im Handwerk nicht üblich ist. Wir haben sehr, sehr viele Kontakte auch zu Erverkreis nach Deutschland rein, wo wir auch mit drin sind. Wir haben in 3, wo wir auch mit drin sind. Wir haben eben versucht, in verschiedenen Domänen zu spezialisieren, ob's jetzt im Snackbereich ist, ob's im Schokoladenbereich ist, in der Speiseeisherstellung oder dann im Brot, Brötchen, auch in der Konditorei. Schokolade ist 'n Thema.
Und wir fühlen uns da irgendwo überall wohl. Und wir haben's geschafft, über die Jahre auch die entsprechenden Spezialisten einzukaufen oder zu beschäftigen. Und da kann son bisschen jeder so seine seine Möglichkeiten ausleben. Und das macht's eigentlich aus, sich dann eben breit aufzustellen. Und selbst wenn es glutenfrei ist, dass wir mit Glutenintoleranz zu tun haben oder mit Glutenallergiker, auch da haben wir eine Lösung, auch da haben wir 'n Angebot.
Und das ist auch ganz wichtig, dass wir diese Nischen anbieten und dass wir auch den dementsprechend den Endverbraucher beraten können und den auf die sicheren Seite holen, dass wenn man zu uns reinkommt, dass es 'n Verkaufserlebnis ist und dass man gerne zurückkommt, obwohl wir ja nicht, obwohl wir hochpreisig sind. Also wir haben keine Discounterpreise, können wir auch gar nicht, wollen wir auch gar nicht. Und dann ist natürlich ganz wichtig, wo wir dann einkaufen und da schaut man dann auch in die Region rein, was wird angebaut? Oder wir bauen selber an, das haben wir auch seit mittlerweile 15 Jahren, dass wir im Ackerbau unterwegs sind. Da haben wir 'n festen Pacht noch, mittlerweile auch grenzübergreifend, da arbeiten wir mit Luxemburger zusammen, da hab ich eine Bauernkooperative, wo eben Getreide gereinigt wird, gelagert wird.
Und so können wir die Prozesse ganz anders steuern, die Abläufe optimieren und eben auch versuchen, mehr als nachhaltig unterwegs zu sein, weil kurze Wege, weniger Transportkosten, weniger c-o-zwei, alles das spielt uns son bisschen in den Karten und da, wo kein c-o-zwei entsteht, entstehen keine Kosten. Und Kosten, die müssen ich irgendwie aufm Preis umwälzen und das versuchen wir dann darüber zu vermeiden. Also auch da seid ihr ganz bedacht unterwegs und prüft genau, welche Wege ihr geht und wie ihr es dann macht. Thema Nachhaltigkeit ist grade, hast Du ja angesprochen. Ist ja 'n ganz wichtiger Punkt Natürlich.
Mittlerweile, ne. Der wird auch immer mehr wird auch immer mehr fokussiert auch von den Menschen, von den Kunden vor allen Dingen. Richtig. Und da braucht man auch die richtigen Partner und da sind wir jetzt seit gut 8, 9 Monaten BICOP zertifiziert. Wir haben eine spezielle Nachhaltigkeitszertifizierung, die eigentlich weltweit bekannt ist.
Und das ist genau das, was wir brauchen. Wir brauchen diese Nachhaltigkeit im Einkauf, im Verkauf, den Personal gegenüber, der Umwelt gegenüber. Und da hat's unheimlich viele Symbiosen gegeben, wo man Schnittpunkte hat und wo man dann mal entdeckt. Viele Sachen, die wir so machten, werden heute als nachhaltig bewertet, was für uns eigentlich Prozesse waren, die gang und gäbe waren. Das hat sich so vereinleibt bei uns, das geht schon über Generationen.
Da geborene ich 'n Beispiel, die Frischmilch ist für uns doch immer nach wie vor 'n Thema. Mein Bauer liefert morgens die Frischmilch in Kannen an und dann machen wir weiter. Aber dafür brauch ich dann eben spezielle Zertifizierung, alles, das funktioniert nicht so einfach, wie das früher war. Aber diese Herausforderung sollte man sie stellen, sich dann auch abzuheben vom Markt. Ja, das ist ist 'n ganz wichtiger Punkt, vor allen Dingen dieses lokale Einkaufen.
Also wie Du's grade beschreibst, auch mit der Zertifizierung ist natürlich auch 'n Quantensprung fürn Unternehmen, ne. Jede Zertifizierung ist natürlich auch 'n Aufwand, der dahintersteckt. Und ich weiß selber vor den Zertifizierungen, jetzt komme ich ja erst 'n Bauhandwerk, ne. Also da sind ja die Zertifizierungen grade Richtung Arbeitssicherheit noch mal extrem hoch angesetzt. Wie ist bei euch mit Arbeitssicherheit?
Mit Sicherheit ist da auch 'n Ansatz. Arbeitssicherheit ist auch 'n Thema bei uns, ist aber nicht so hoch bewertet, weil wir ja nicht in der Höhe arbeiten und auch nicht schwere Maschinen bewegen. Aber trotzdem Arbeitssicherheit, Schutz am Arbeitsplatz ist uns auch sehr gelegen, weil jeder Arbeitsunfall, den ich vermeiden kann, damit haben wir weniger Kosten. Ja. Der Mitarbeiter fällt aus.
Die Mitarbeiter kann man nicht so 1 1 ersetzen. Wir haben 9 Mitarbeiter, die bei uns anfangen, die brauchen mindestens eine Eingewöhnungszeit von 6 bis 9 Monaten, bevor die den Prozess überhaupt mal verstanden haben, wie wir funktionieren, weil's so vielseitig ist bei uns. Und dann ist es dann auch noch gebunden an die Jahreszeit, da machen wir dann auch noch mal 'n Unterschied. Und das macht's dann aus und das macht die ganze Sache unheimlich spannend. Aber Mitarbeiter zu schützen, aufzupassen, dass nicht an die Leute reinkommen, weil das ist eine Ressource, die wir da haben.
Und die ist nicht unendlich. Da müssen wir schon sehr vorsichtig mit sein und dann ist eigentlich Sicherheit am Arbeitsplatz ganz normal für uns. Entsprichst Du gerade über Belegschaft und Fachkräfte im Endeffekt. Wie viel Migrationshintergrund habt ihr denn bei euch im Unternehmen? Hat er, hat er mal erfasst, wie das bei euch ist?
Ich denk mal so, nicht nicht richtig erfasst, aber wir sind bestimmt so die 30 Prozent Ja. Regulationshintergrund haben wir bestimmt. Also auch schon gut aufgestellt Ja. Quasi. Also ihr sucht da so aktiv, also auch wirklich dann nach nach Belegschaft im Ausland Ja.
Oder wie macht ihr das? Ja, im Ausland über über Facebook. Es gibt so verschiedene Pisten, wo man die Leute anwerben kann. Nun haben wir dann eben das Problem, also ist alles innereuropäisch. Sonst brauchen wir eine Ewigkeit, damit wir die Leute überhaupt in Europa reinbekommen, bis dann die entsprechenden Diplome anerkannt sind.
Das sind alles sehr, sehr schwierige Geschichten und da brauchen wir unbedingt Vereinfachung. Aber ansonsten, wir jagen praktisch den anderen die Leute weg oder ab, eben durch diesen Fachkräftemangel, den wir auch überregional kennen. Also ist es eine sehr giftige Geschichte, die da passiert. Was eine Region besser bieten kann als die andere, ja, dann fielen die Fachkräfte eben in der benachteiligten Region. Das ist eigentlich langfristig keine Lösung.
Und das macht sehr viel Unmut auch in der Gesellschaft. Ja, zumal wir ja eigentlich, wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, wir müssten uns ja auf der Unternehmerebene, Unternehmerinnenebene ja eigentlich viel mehr und stärker vernetzen, gewisse Prozesse, die gerade auch an Aufgabenstellung ja da sind, gemeinschaftlich zu lösen. Und wenn man dann eben, wie Du schon sagst, dann eben bei den Kollegen nebenan quasi die die die Kapazitäten wegakquiriert, nennen wir's mal, dann sind man ja, ist man ja nicht unbedingt befreundet danach, ne. Dementsprechend wär's eigentlich anders besser. Ja.
Es ist natürlich auch so, dass wir über Covid jede Menge Betriebe verloren haben. In Belgien waren's dann 25 Prozent. Die Betriebe sind weg, der Umsatz muss irgendwie aufgefangen werden. Und dann fängt man natürlich an, wird kreativ. Dann schaut man natürlich über seinen Tellerrand hinweg und schaut mal, was kann der Kollege gut, was wir vielleicht nicht so gut können.
Und dann kommt jetzt natürlich mit KI die ganze Geschichte, wo kann die künstliche Intelligenz uns da unterstützen? Und da haben wir noch viel Möglichkeiten, auf verschiedene Ressourcen einzusparen im Handwerk. Aber trotzdem, den Mitarbeiter wird's nie komplett ersetzen und wir brauchen trotzdem diese Fachkräfte, egal wo sie dann herkommen. Man muss bemüht sein und man muss eben dann eben schauen, was kann ich mehr bieten als der Mitbewerber? Also 'n Anruf und 'n Lohn ist eine Sache, aber der Lohn ist nicht letztendlich nicht ausschlaggebend, ob 'n Mitarbeiter seine Arbeitsstelle jetzt wechselt oder nicht.
Da sind ganz andere Sachen, die meiner Meinung nach viel wichtiger sind, wie der Mitarbeiter aufgenommen wird, wie er sich fühlt, wie das Arbeitsumfeld ist, wie kollegial die ganze Geschichte ist, womit beschäftigt man sich. Auch Nachhaltigkeit ist bei den letzten Mitarbeiter, die wir eingestellt haben, war 'n ganz wichtiges Thema. Vor allem junge Leute wollen wissen, was macht man denn da oder worauf achtet man denn speziell, was die Umwelt angeht oder was den Einkauf angeht oder wo kaufen sie Rohstoffe ein? Alles das stellt mittlerweile auch der Mitarbeiter infrage, weil er nicht mal mit jedem oder mit allem einverstanden ist, weil er auch in sein Privatleben damit sich auseinandersetzen muss. Wenn dann auch noch junge Familien sind, umso mehr in der Schule wird ja vieles schon so erfragt.
Und da muss man sich dann irgendwann auch als Vater oder Mutter positionieren und muss dann nach engen Gedanken schauen. Und dann ist es ganz wichtig, als Arbeitgeber auch diese diesen Mehrwert rauszukristallisieren und uns dann eben über diese Mehrwerte zu verkaufen und nicht letztendlich über 'n besseres Lohnangebot. Ja, ja, definitiv. Ja, ich lass uns mal eben schauen, wie macht ihr das mit der Ausbildung bei euch? Wie wie findet ihr die jungen Menschen und wie funktioniert eigentlich in Belgien 'n Ausbildungssystemen?
Ist das ähnlich wie hier in Deutschland oder wie macht das? Es ist ähnlich wie in Deutschland. Wir haben die duale Ausbildung, das heißt, dass wir die Leute 8 Stunden pro Woche zur Schule schicken. Die haben dann 4 Stunden Allgemeinunterricht und 4 Stunden praktische. Und dann gibt's natürlich auch wie in Deutschland die außerbetrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten, die da sind.
Und bei uns fängt man die Lehrer schon mit 15 oder 16 kann man schon starten. Und dann hängt's dann da natürlich von den von den jungen Leuten ab. Aber mittlerweile haben wir auch son Trend, dass auch immer mehr Abiturienten dann hinterher den Weg ins Handwerk finden. Auch das ist ganz interessant, weil die Leute hat man natürlich viel schneller fit als die Leute, die dann eben schon mit 15 aus der Schule raus sind. Dann wird natürlich vergessen, keinen Bock mehr auf Schule.
Und dann war's eben so klassisch, ja, da musst Du 'n Handwerk lernen, aber damit ist nicht getan. Wenn wir die Leute richtig abholen, kann man auch schon mit Leuten diese 0 Bock Generation auch sagen, ganz da ganz viel damit zu tun, wie ich mich mit den Leuten beschäftige. Viele Familien haben eben das Problem, ja, Kinder sind dann da und dann müssen wir schauen, wie wir da klarkommen. Die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir Kinder haben, aber die Kindererziehung ist eine Geschichte Und auch das Konsumverhalten, weil viele haben eben 'n 'n sehr hohes Konsumverhalten und 'n Konsumbedarf und der geht auf Kosten der Familie und dann die Benachteiligten, die schwächeren, die das sind dann die Kinder. Und dann wird da nicht so, meiner Meinung nach, nicht so drauf geachtet, wie die Erziehung vonstattengeht.
Man drückt die Verantwortung ab an die Schulen, da will keiner mehr richtig Verantwortung übernehmen. Und ja, natürlich, die Lehrer sind überfordert mit der ganzen Geschichte. Die Aufgabe, die eigentlich früher die Familie hatte, die Kinder auch vernünftig zu erziehen, damit die auch solide im Leben stehen, das wird alles so vergessen. Das hat auch vielleicht viel damit zu tun durch die Digitalisierung. Wo wird noch gekocht?
Wo wird noch zusammen gegessen? Diese ganzen sozialen Kontakte auch in der Familie brechen, immer mehr weg. Jeder lebt so sein eigenes Leben und dann auf einmal verstehen wir nicht mehr, dass die Leute, wenn die dann irgendwo einsteigen, keine Sozialkompetenz mehr haben. Ja, definitiv. Wie viele Auszubildenden habt ihr im Betrieb, Frosch?
Leider haben wir nicht viele, haben nur 4 Leute in der Ausbildung. Aber wir denken doch, dass wir jetzt gewaltige Impulse setzen können durch die neue Backstube, weil wir da auch 'n neuen Trend setzen möchten, der in in Deutschland schon läuft bei verschiedenen Kollegen, haben wir's schon gesehen, dass wir die Backstube in die Tagesschau reinbringen möchten und dann bringen wir ganz neue Perspektiven für die jungen Leute. Also ist ein Riesenthema dieses Work Life Balance, ist ja das das Gebot der Stunde. Es wird jedoch vergessen, dass das dann zur Folge hat, dass wir im Alter Armut haben, weil wenn ich als junger Mensch nicht arbeite und in Kassen einbezahle, was möcht ich dann von der Gesellschaft, auch von der solidarischen Gesellschaft am Ende meiner Arbeitskarriere erwarten, wenn ich nicht in die Kasse einbezahlt habe? Das ist 'n Unding und da fehlt's zum Teil auf Aufklärung, dass die jungen Leute mal richtig aufgeklärt werden.
Das ist natürlich cool, nur 4 Tage die Woche zu arbeiten, aber welche Konsequenz hat das langfristig für die Gesellschaft und für den Menschen selber? Da sind viele, viele Leute, die da nicht offen mit diesem Thema umgehen und das 'n bisschen vor 'n bisschen verstecken, weil's eben sehr attraktiv ist, nur mal eine Viertagewoche anstatt Fünftagewoche. Aber letztendlich unterm Strich tut mir da keinem Gefallen mit, weil das wären hinterher riesen soziale Probleme, die da auf uns zukommen. Ja, Du sprachst grad an, Aufklärung ist das eine, aber es ist auch das Thema Eigenverantwortung, ne, dass die Eigenverantwortung auch, ne. Eigenverantwortung ist, glaub ich, 'n riesen, riesen Problem, was wir haben.
Einfach dazu zu stehen, zu 'ner Entscheidung zu stehen. Da sind viele Leute, die tun sich da schwer, man verkriecht sich hinter Paragrafen und keiner hat hat den Mut und den mumm, einfach mal zu sagen, ich entscheide das jetzt und dann wird's wohl richtig sein. Wenn dann tatsächlich eine Entscheidung getroffen wird, ne. Oft kommst Du ja auch nicht mal zu 'ner Entscheidung, ne. Oftmals kriegst Du nicht mal eine Entscheidung.
Genau. Ist sehr, sehr schwierig. Da ist man auch son bisschen Alleinkämpfer auf weiter Flur, wenn man dann in verschiedenen Institutionen sitzt, in Verwaltungsräten. Und da denk ich, dann muss man umso lauter auf den Putz hauen und sich das nicht gefangen lassen und versuchen, die anderen Leute dann eben mal wachzurücken und zu sagen, ohne Verantwortung läuft überhaupt nichts. Und wie sollen wir Leute ausbilden, die keine Verantwortung übernehmen?
Ja. Und dann müssen wir bei uns selber anfangen. Ja, definitiv. Ja, bin ich voll bei dir. Erik, wir kommen schon zur Abschlussfrage.
Ja. Wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit 1 Entscheidung zu verbessern, welche Entscheidung würdest Du für das Handwerk treffen? Schwierige Frage. Ich denk, dass wir im Handwerk zu wenig Gehör haben. Es ist alles selbstverständlich, was wir machen und keiner stellt das infrage.
Wären wir jetzt Börsianer, dann würde jeder auf die Zahlen schauen, was wir an Rendite haben. Ich glaub, das größte Problem, was die Gesellschaft hat, ist die Gier und der Neid. Und wenn wir das abstellen könnten, ich glaub, dann wird's in diesem Handwerk supergut gehen. Das ist eine sehr schöne Antwort, Erik. Vielen Dank schon mal dafür.
Bitte. Dass Du hier gewesen bist, dass Du uns mitgenommen hast. Einmal, wir sind ja gedanklich durch deinen Betrieb gegangen. Wir haben uns da mal alles angeschaut, wie das Bäckerhandwerk in Belgien funktioniert und deswegen vielen Dank dafür, dass Du uns den Eindruck gewehrt hast. Danke schön.
Sehr gerne. Das war Eric Funk aus Belgien. Er ist extra angereist hier bei uns und vergesst nicht zu teilen, zu liken und wir sehen uns dann bald wieder.