Es gibt Bewegung im Markt für Website-Besucheranalyse und B2B-Datenlösungen: Dealfront und WiredMinds gehen zusammen. Im Gespräch mit dem Podcast erläutert Michael Larche, VP Sales bei Dealfront, was hinter der Ankündigung steckt, welche Vorteile Vertriebs- und Marketingteams künftig erwarten dürfen und warum gerade deutschsprachige Unternehmen von dem Zusammenschluss profitieren.

Wer ist Dealfront – und was passiert mit WiredMinds?

Dealfront ist aus dem Zusammenschluss zweier IT-Unternehmen entstanden: Echobot aus Karlsruhe mit Fokus auf Sales-Intelligence-Daten und Leadfeeder aus Helsinki mit dem Schwerpunkt Website-Besucheranalyse. Larche selbst hat Echobot zuvor zehn Jahre lang mit aufgebaut – von einem kleinen Start-up mit sieben Mitarbeitenden bis zu einem Unternehmen mit 120 Beschäftigten und knapp zehn Millionen Euro ARR, bevor der Merger vollzogen wurde.

Mit WiredMinds kommt nun ein weiterer Anbieter hinzu. Das Unternehmen ist seit über 23 Jahren am deutschsprachigen Markt aktiv und war in den vergangenen Jahren ein direkter Wettbewerber von Leadfeeder. WiredMinds hatte einen starken Fokus auf Industrie – Maschinenbau, Fertigung, Elektrotechnik, IT und Logistik – mit einem Kundenstamm überwiegend aus der DACH-Region.

Wie die Technologie dem Vertrieb konkret hilft

Der Kern der Lösung: Kaufentscheidungen im B2B beginnen heute meist online, lange bevor ein Interessent aktiv über ein Kontaktformular Kontakt aufnimmt. Die Tools erkennen Unternehmen über die IP-Adresse, die auf einer Website bestimmtes Interesse gezeigt haben. So können Vertriebsteams frühzeitig aktiv werden – idealerweise vor dem Wettbewerb.

Für Seller bedeutet das einen unmittelbaren Mehrwert: Wer einen Kunden angerufen, ihm eine E-Mail geschickt oder einen Termin vereinbart hat, kann nachvollziehen, was dieser Kunde anschließend auf der Website getan hat – und ist damit besser auf den nächsten Termin vorbereitet.

Was sich für bestehende WiredMinds-Kunden ändert

Für aktuelle WiredMinds-Kunden ändert sich im Service zunächst nichts – sie arbeiten nahtlos weiter. Gleichzeitig erhalten sie Zugriff auf die gesamte Dealfront-Plattform. Schrittweise sollen Daten, Prozesse und wichtige Funktionen nach Leadfeeder migriert werden. Leadfeeder ist damit die Plattform, die langfristig weitergeführt wird – angereichert mit besseren Daten, IP-Informationen und Features.

Neu hinzu kommen für frühere WiredMinds-Nutzer unter anderem:

  • Firmenkontaktdaten: knapp 50 Millionen Firmen und 300 Millionen Kontaktdaten weltweit
  • Deutlich mehr Filtermöglichkeiten für die präzise Segmentierung der Zielgruppe
  • Bessere Integrationen in CRM-Systeme wie Salesforce, HubSpot oder Pipedrive
  • Hohe Datenschutzstandards, unter anderem eine ISO-27001-Zertifizierung

Umgekehrt bringt WiredMinds Funktionen mit, die Dealfront noch nicht abdeckt. Als Beispiel nennt Larche ein Dashboard, das die Herkunft der Besucher visuell auf einer Karte darstellt – eine Funktion, die inzwischen als Feature-Request in die Entwicklung eingeflossen ist, weil Kunden genau das erwartet haben.

Ein praxisnaher Use Case: das Kontaktformular überspringen

Der Moderator schildert einen Anwendungsfall, den er derzeit testet: Statt Interessenten für ein PDF oder Whitepaper über ein Kontaktformular zur Registrierung zu zwingen, verweist er direkt auf eine Landingpage. Anhand der Besuchererkennung lässt sich anschließend nachvollziehen, welche Unternehmen sich den Inhalt angesehen haben.

Du schickst jemanden auf eine Landingpage und kriegst am nächsten Morgen einfach eine E-Mail zurückgespielt: Guck mal, der hat sich das tatsächlich angeguckt.

Der Vorteil: Man umgeht die Hürde der Formular-Registrierung. Streuverluste bleiben zwar bestehen, doch mit den zusätzlichen IP-Informationen aus dem WiredMinds-Bestand dürfte sich die Identifikationsrate weiter erhöhen.

Warum 30 Prozent mehr sind, als sie klingen

Larche ordnet die häufig genannte Identifizierungsrate von rund 30 Prozent ein. Diese Quote bezieht sich ausschließlich auf Unternehmen. Herausgerechnet sind dabei Privatpersonen und sogenannte ISPs – also Besucher, die über private Accounts wie Gmail oder Freenet kommen und aus Datenschutzgründen ohnehin nicht erkannt werden dürfen. Blendet man diese aus, liegt der tatsächliche Anteil erkannter Unternehmen deutlich höher als 30 Prozent.

Chefsache: Warum Larche selbst zum Hörer greift

Ein Punkt, den das Gespräch am Rande hervorhebt, ist die Rolle der Vertriebsführung im Merger. Larche hat sich vorgenommen, alle offenen Verkaufschancen – rund 20 bis 30 Opportunities von Interessenten, die WiredMinds gerade testen oder kurz vor der Entscheidung stehen – persönlich zu betreuen, statt sie an sein Team weiterzugeben. Er will selbst das Gesicht sein, um Fragen sowohl zum Produkt als auch zum Zusammenschluss zu beantworten.

Der Nutzen ist doppelt: Larche gewinnt aus erster Hand Einblicke in Kundenbedürfnisse und lernt zugleich die Stärken der WiredMinds-Plattform kennen. Denn erst durch die Onboardings und Trainings hat er selbst erkannt, wie tief das System an manchen Stellen aufgebaut ist – Erkenntnisse, die man laut Larche nur durch echte Nutzung und Anleitung gewinnt, nicht durch flüchtige Wettbewerbsanalysen.

Für Neukunden gilt derzeit eine klare Regel: WiredMinds-Bestandskunden werden weiter betreut, neue Verträge auf WiredMinds werden nicht mehr abgeschlossen. Wer sich in der Entscheidungsphase befindet, wird auf die Dealfront-Lösung geleitet – ein Wechsel, der bei ersten Gesprächspartnern positiv aufgenommen wurde.

Fazit: Synergien mit Mehrwert für DACH-Unternehmen

Der Zusammenschluss bringt zwei etablierte Lösungen zusammen, die sich in ihren Stärken ergänzen. WiredMinds steuert tiefe Verankerung im Industrieumfeld und ausgereifte Visualisierungen bei, Dealfront umfangreiche Kontaktdaten, Filter- und Integrationsmöglichkeiten. Für Vertriebs- und Marketingteams im deutschsprachigen Raum entstehen daraus zusätzliche Möglichkeiten, Website-Besucher zu identifizieren, Pipelines besser zu priorisieren und Cross-Selling-Potenziale zu heben. Ein Merger bedeutet zwar viel Arbeit in Kommunikation und Migration – doch die Richtung ist für Larche klar: mehr Daten, mehr Insights und der bestmögliche Service für die Kunden.