Warum Reinigungskräfte endlich sichtbar werden müssen / Julia Seliger über Reinigung & Wertschätzung
Worum es geht
In dieser Folge von „Handwerk spricht“ spricht Oliver Oettgen mit Julia Seliger, Geschäftsführerin des ökologischen Gebäudereinigungsbetriebs Clara Grün in Berlin. Es geht darum, warum Reinigungsarbeit oft unsichtbar bleibt und wie mehr Sichtbarkeit zu echter Wertschätzung führen kann. Themen sind ökologische Reinigung, faire Arbeitsbedingungen, weibliche Führung im Handwerk und die provokante Frage, warum eigentlich nachts gereinigt wird.
Das nimmst du mit
- Sichtbarkeit ist der Schlüssel zu Wertschätzung – wer unsichtbar arbeitet, wird schnell als austauschbar wahrgenommen.
- Tagesreinigung statt Nachtreinigung könnte durch mehr Kontakt zwischen Kunden und Reinigungskräften die gesamte Branche verändern.
- Ein Reinigungsbetrieb lässt sich als ökologisches Sozialunternehmen führen – mit fester Anstellung, übertariflicher Bezahlung und wenig Reinigungsmitteln.
- Gebäudereinigung ist für viele eine wichtige Brücke in den deutschen Arbeitsmarkt, nicht nur ein Plan B.
- Haltung und faire Arbeitsbedingungen können das Imageproblem der Branche adressieren und als Vorbild für andere Handwerksbetriebe dienen.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Julia Seliger hat den konsequent ökologischen Gebäudereinigungsbetrieb Clara Grün in Berlin mitgegründet, der mit rund 60 Mitarbeitenden auf faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Reinigung setzt.
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Transkript
Ja, herzlich willkommen hier bei Handwerk spricht in der neuen Folge mit Julia Seliger. Julia, schön, dass Du hier bist. Danke, dass ich da sein kann. Auch für dich hab ich 3 Thesen vorbereitet, wo wir einmal kurz eintauchen, bevor wir dann in unserem Gespräch starten. Okay.
Julia, die 1. These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr. Es ist nur noch der Plan b für alle, die nicht studiert haben. Ich sprech da gern aus der Perspektive der Gebäudereiniger und Gebäudereinigerinnen, die ja, glaub ich, vielleicht auch noch mal 'n gesonderten Status haben. Das Gebäudereinigerhandwerk ist das Größte in Deutschland.
Es sind wahnsinnig viele Menschen und ja, für viele in diesem Handwerk ist es tatsächlich der Plan b. Gleichzeitig aber auch eine sehr gute Vorbereitung, denn wir haben zum Beispiel sehr viele Studenten, die sind bei uns angestellt. Für die ist es der Plan a, nämlich sie wollen gerne Geld verdienen und eine gute Arbeit leisten neben ihrem Studium, sich dann aufs weitere Leben vorzubereiten. Für viele Personen in der Gebäudereinigung ist es auch der Plan b, weil sie nämlich zugewanderte Menschen sind. Das heißt, sie haben in ihren Ländern eigentlich was ganz anderes gemacht.
Und hier ist ihre Gebäudereinigung superwichtig als Weg in den deutschen Arbeitsmarkt. Also insofern, ich glaub, für unser Handwerk ist es oft 'n Plan b und ich find, das ist eine sehr gute Sache und deswegen auch 'n superwichtiges Handwerk. Also eine Branche, die eine Brücke schlägt sozusagen, ne. Genau. Ja.
Die 2. These, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Ich hab keinen Meisterinnenbrief. Ich hab nicht mal eine Ausbildung in der Gebäudereinigung gemacht. Deswegen tue bin ich sehr vorsichtig mit Aussagen, was das Thema angeht.
Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich über die Arbeit, die ich jetzt mache seit 6, 7 Jahren, in der ich mich auch sehr viel ausprobiert habe, in der ich auch Fortbildung, Weiterbildung gemacht hab, hab ich sehr, sehr viel Ehrfurcht vor dem Handwerk und dementsprechend auch vor Menschen, die ihren Meister machen in der Gebäudereinigung. Gleichzeitig, wie bei vielen Ausbildungen glaub ich, dass die oft nicht mehr die Realität abbilden, dass sie oft veraltete Strukturen haben und wissen, was eigentlich schon überkommen ist, immer noch weitergeben, weil es eben lange dauert, eine Ausbildung jetzt dem Jahr 20 25 anzupassen. Insofern ist es, glaub ich, wichtig, eine solide Grundbasis an Wissen zu haben und auch das Expertenwissen und gleichzeitig offen zu sein für Neues, was eventuell nicht in allen Teilen der Meisterausbildung immer der Fall ist. Ja, leider begleitet uns das ja in der gesamten Bundesrepublik, dass wir immer ja son bisschen hinterherhängen, ne, so dass wir immer so 5 bis 10 Jahre hinterherhängen und die Änderungen halt einfach lange dauern, ne. Genau, deswegen haben wir, glaub ich, auch oder das, was uns auszeichnet und wo wir aber auch sehr viel lernen mussten als Betrieb, ist, dass wir von 'ner ganz anderen Seite rangekommen sind.
Es gibt 2 Gründerinnen, mich und noch eine andere. Wir beide haben keinen Meister gemacht. Wir beide hatten nicht mal Vorerfahrung in der Gebäudereinigung und sind, glaub ich, von eben der ganz anderen Seite rangekommen und haben einfach alles so gedacht, wie wir gehofft haben oder gefühlt haben in dem Moment, dass es gut ist und haben so eben den Betrieb aufgebaut. Mhm. Und letztlich braucht es, glaub ich, beide Seiten, die sich da aufeinander zubewegen.
Ja. Die 3. These. Das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich einfach selber unattraktiv für junge Menschen. Unser Empfinden ist, dass viele Menschen, wenn man sich einfach nur die Arbeitsbedingungen anschaut, auch hier in der Gebäudereinigung, dass der Job eigentlich sehr attraktiv ist, weil er superflexibel ist.
Es gibt unterschiedliche Arbeitszeitmodelle in Vollzeit, Teilzeit. Was das eben unattraktiv macht, sind oft alle Bedingungen, die dann nach außen rum gestrickt werden. Und auch das Thema Image vor allem in der in der Gebäudereinigung, wo viele Menschen Menschen das Gefühl haben, ich will nicht eine Putzkraft sein. Also insofern haben wir, glaub ich, eher ein Imageproblem. Und auch da im Handwerk der Gebäudereinigung, wo viele Menschen keine Ausbildung gemacht haben, auch nie eine machen werden.
Der Großteil der Arbeitnehmer*innen ist es natürlich so, dass wir mit sehr vielen anderen Service- und Dienstleistungsbranchen auch konkurrieren. Und da gilt es halt, glaub ich, die Vorteile als Gebäudereiniger, Gebäudereinigerinnen noch weiter auszustellen. Ja, danke dir schon mal für das Feedback zu den 3 Thesen. Gerne. Ja, möcht ich dich doch offiziell auch dann willkommen heißen, hier Julia Seliger, Du bist Geschäftsführerin der Clara Grün GEOG und wir wollen heute vor allen Dingen über die weiblichen Führungskräfte und Inhaberinnen sprechen, aber auch über das Thema das Image, was Du auch grad schon angekündigt hast, das in dem Bereich der Gebäudereinigung vorliegt.
Aber tu mir doch bitte den Gefallen und stell dich doch einmal kurz noch mal selber gerne vor mit den Punkten, die ich jetzt noch nicht genannt habe. Und sag mir doch mal, wie bist Du denn dazu gekommen, dann in die Frauenpflege zu gehen? Weil Du sagtest ja jetzt schon zweimal, dass Du dass Du quasi Quereinsteigerin bist, wenn ich's richtig verstanden hab. Dann nimm uns da gerne mal mit. Gerne.
Also zuerst einmal noch vielleicht kurz zum Betrieb. Wir mit klarer Grün, also ich bin klarer Grün, wir sind alle klarer Grün, die für das Unternehmen arbeiten. Wir sind der 1. Konsequent ökologische Gebäudereinigungsbetrieb in Berlin. Wir arbeiten im Privatkundenbereich, hauptsächlich aber im Gewerbebereich und es gibt uns seit 2019 hauptsächlich aber im Gewerbebereich und es gibt uns seit 2019 oder in den Anfängen seit 2018 und wir sind ungefähr 60 Mitarbeiter*innen.
Das heißt, nicht ganz klein, aber eben auch kein Riesenbetrieb. Und ich hab das Unternehmen mitgegründet, zusammen noch mit 1 anderen Person und bin mittlerweile alleinige Geschäftsführerin. Und genau, führe das Team alltäglich und versuche eben auch, weil wir eben auch 'n Sozialunternehmen sind, versuche auch das mit voranzubringen. Was uns besonders macht, sind zum einen, wie gesagt, das Thema Sozial. Wir sind 'n Sozialunternehmen.
Wir zahlen übertariflich, stellen unsere Mitarbeitenden alle fest an, arbeiten nicht mit Subunternehmen, da gehen wir sicherlich auch gleich noch einmal rein. Aber eben auch das Thema Ökologie, der Grundgedanke des Unternehmens war, wir wollen ökologisch reinigen mit so wenig Reinigungsmitteln wie möglich Und das setzen wir eigentlich bis heute Gegründet wurde das Unternehmen nicht, weil ich oder Luise, meine damalige Mitgründerin, das vorhatten. Klarer Grün ist eher, so beschreiben wir das eigentlich gern, die Schieflage des Reinigungsmarktes, so wie wir das damals gesehen haben. Wir beide haben eine Reinigungskraft gesucht. Luise, meine Mitgründerin, ist der Öko.
Ich bin der Sozi, wir wollten gern jemanden anstellen und haben dann festgestellt, okay, wir finden niemanden, der sich anstellen lassen will. Eine Reinigungsfirma, das war für unseren Privathaushalt, das kam gar nicht infrage. Und wir hatten dann eine Person gefunden, die hat aber darauf bestanden, mit ihren Chemierereinigern zu reinigen, sodass wir uns irgendwann gedacht haben, was wieso wieso klappt das nicht? Wieso finden wir das nicht? 1 kam zum anderen, wir haben den Businessplanwettbewerb mitgemacht eigentlich auch aus Spaß, weil wir tatsächlich nie gedacht haben, ich komm aus der Werbung, hab also vorher Digitalberatung für Unternehmen gemacht, sehr viel Social Media gearbeitet.
Luise, meine Mitgründerin, hat auch sehr viel gemacht Kommunikationsberatung, aber eben auch kein Handwerk. Wir haben nie gedacht, dass es was wird. 1 kommt zum anderen, irgendwann hat man die 1. Angestellte im Unternehmen die ersten Kunden und dann dreht sich die Maschine, die wir Clara Grün genannt haben und dann geht's halt los. Ja und 60 Personen, die jetzt beschäftigt sind, ist ja nun mal auch, Du warst es ja sehr bescheiden eben ausgedrückt, ist halt kein großer großes Unternehmen im Vergleich wahrscheinlich zu manchen Mitbewerbern, die im Markt sind.
Aber fürn Handwerksbetrieb ist ja sind ja 60 Personen, die beschäftigt sind, ja schon eine ganze ganze Hausnummer. Wie ist es denn für dich heute, wenn Du sagst, okay, ist noch gar nicht so lange her? Wir haben gegründet, die 1. Person eingestellt und irgendwie ist dann relativ schnell ja dann auch gewachsen, weil in in 5, 6 Jahren auf auf auf 60 Angestellte und da ist ja schon eine Hausnummer an der Stelle. Wie wie war die Zeit für euch und ja, was nimmst Du mit aus der Zeit?
Und was kannst Du vielleicht den Zuschauerinnen und Zuschauern jetzt auch mal sagen, was so vielleicht, wenn sie selber aus soner Position sind, jetzt grad nicht grade in eurem Metier, aber so generell, Worauf würdest Du heute 'n bisschen mehr achten? Am schwierigsten für uns, wie gesagt, ich bin Theoretikerin, ich hab vorher immer am Schreibtisch gesessen, Werbekonzepte geschrieben, war der Moment des Loslegens. Wir hatten einen sehr soliden Businessplan, würde ich sagen, hinter dem wir uns auch son bisschen versteckt haben. Und wir hatten damals eine Person, die hat uns son bisschen geholfen, indem sie uns beraten hat. Wir haben Wachstumspläne aufgestellt, Finanzpläne aufgestellt und eben dieses nachhaltige Konzept immer weiter rumgefaltet.
Und der hat dann an irgend 'nem Punkt gesagt, so Mädels, jetzt nehmt einfach mal eure Mikrofasertücher in die Hand und geht raus. Und das war son Knackpunkt, weil es natürlich auch ich dann in dem Moment nicht mehr die Gründerin 1 Unternehmens war, sondern wir sind die ersten 6, 7, 8 Monate abends in die Reinigung gegangen, haben unsere ersten Kunden bedient. Wir hatten auch kein Geld für eine für eine Finanzierung. Das heißt, wir haben gearbeitet in unsere Tasche, damit dann das Unternehmen zu gründen. Und das war natürlich für mich schon dann eine ganz andere Art des Arbeitens, aber auch total wichtig, auch diesen Job zu verstehen.
Ich glaube auch, wenn viele Leute über Reinigungskräfte reden, ist es sehr wichtig, auch einmal vor 'ner Toilettenschüssel zu sitzen, die zu reinigen. Und wenn einen jemand dabei sieht, nach oben zu gucken, das war für mich son kleiner Erwachungsmoment und dann eben die Reinigungskraft zu sein, son bisschen das Gefühl der Dynamik zu haben, was ja auch zu diesem Imageproblem teilweise führt, wie Menschen auch mit Reinigungspersonal umgehen. Für uns oder für mich schwierig war tatsächlich beim Wachstum immer das Thema Finanzen. Mir ist es sehr wichtig, dass alle Leute fair bezahlt werden, dass wir auch als kleines Unternehmen soziale Benefits einführen, dass wir Veranstaltungen machen, vor allem das Thema aber auch Training und Ausbildung, was auch sehr viel Geld frisst, wenn man das gut machen möchte. Das sind immer sehr wichtige Themenfelder.
Gleichzeitig haben wir uns natürlich auch immer im Niedriglohn bewegt und auch in 'nem sehr starken Konkurrenzumfeld. Auch wenn wir Sachen anders machen, können wir ja keine Fantasiepreise aufrufen. Das heißt, wir sind schon immer als Sozialunternehmen, was mehr ausgibt, was mehr ausgeben will, vor allem auch für die Angestellten, sind wir ja schon auch in einem Rahmen, der uns sehr stark einschränkt, würd ich sagen. Und das ist bis heute eine große Herausforderung, vor allem auch für mich, die keine Ausbildung in Finanzen hat. Aber wenn mich jemand fragt, würd ich heute sagen, einfach machen und loslegen.
Und selbst wenn die Reise nicht da endet, wo sie hingehen sollte oder man in der Insolvenz endet, dann ist es, glaub ich, trotzdem ein wahnsinnig spannender Weg und besser als immer, als Angestellter täglich zur Arbeit zu gehen und rum zu meckern. Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau. Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu unseren knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den Besten zu gehören. Deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter.
So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen. Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität. Dann lass uns doch einmal so auf die auf das Thema eingehen, was auch für dich ja auch wichtig ist, und zwar die die Führung jetzt von 'ner Frau auf der einen Seite und welche Hürden hast Du denn da erlebt? Gab's gab's wirklich Situationen, wo Du gedacht hast, wenn ich jetzt 'n Mann wär, wär's mir nicht passiert?
Ja, ich versuch da immer 'n bisschen von wegzukommen, weil das sone sone negative Abgrenzung dann ist. Ich glaube Auf der anderen Seite ist ja sonen Transparenz auch wichtig, ne. Also ich sag mal, also Total. Wir müssen ja die Sachen noch ansprechen, weil wenn wir sie nicht ansprechen, dann dann dann ändert sich ja auch nichts, ne. Du hast recht.
Das stimmt natürlich schon. Also ich, wir haben oft darüber gesprochen mit meiner Mitgründerin, hätten wir Geld, fremdes Geld von Investoren, Investorinnen bekommen, wenn wir als Männer gegründet hätten, wenn wir klarer Grün auch gleich größer gedacht hätten? Das war zum Beispiel eine Frage. Es ist natürlich so, vor allem in der Gebäudereinigung, noch einen zweiten Punkt zu nennen, die meisten Geschäftsführer braucht man nicht gendern, vor allem von den großen Unternehmen. Das heißt, es ist natürlich sind wir, kommen wir immer ganz anders rüber.
Und möglicherweise bei sehr traditionellen Kunden hätte ich auch 'n Glaubwürdigkeitsproblem, wenn ich so auftauche, wie ich heute hier aufgetaucht bin, weil eben der Standardgeschäftsführer von 1 Reinigungsfirma anders aussieht als ich, anders spricht als ich. Gleichzeitig haben wir uns, glaub ich, mit dem, was wir sind, eine Nische geschaffen, wo wir sehr dankbare Kunden haben, mit denen wir eine gute Kundenbeziehung haben. Und ich glaube, unsere Aufgabe besteht eher als andere davon zu überzeugen, darin unsere Nische zu über zu vergrößern und eben da auch einen erfolgreichen Business Case zu haben mit dem, was wir machen, dass das Thema Frauen in Führungspositionen positiv wahrgenommen wird und nicht eher erst mal hinterfragt wird. Denn es zeigt sich ja auch, es gibt sehr viele Studien, die kennst Du ja sicher auch, dass Frauen, die Unternehmen führen, mit dem, was sie tun, im Durchschnitt erfolgreicher sind. Und das spricht ja einfach son bisschen dafür, dass das, was wir tun, nicht ganz falsch sein können.
Weiß ich nicht nur aus den Statistiken, sondern tatsächlich, ich weiß es aus der Praxis auch, dass es so ist. Warum es so ist, die Frage, die konnt man bisher noch niemandem beantworten, aber was ich immer fest Das ist ja auch die Frage, was ist erfolgreicher? Also in in welcher Ja, ja, genau, genau. Dimension definiert man ja auch. Ja, definitiv.
Und deswegen ist das immer ist das immer 'n spannendes Thema und freu mich auch darüber, immer darüber zu sprechen, denn es gibt viele Sachen, die ich definitiv immer mitgehe, aber manche Sachen, ich hatte das letztens eine Diskussion mitbekommen, da waren dann ganz viele Punkte, wo's dann auch Familie dann auch ging und so. Dann hieß immer ja, das Unternehmen, das Unternehmen, das Unternehmen. Aber das Unternehmen hat kein Kind bekommen, denke ich mir dann immer, ne. So, sag mal, wenn man die Entscheidung trifft, zum Beispiel ein Kind zu bekommen, dann muss man auch unter Umständen mit gewissen, ja Rahmenbedingungen, die dann entstehen, dadurch auch auch leben, ne. Ich sag, wir haben ja wir haben ja auch eine Familie, ich hab ja auch 'n Kind.
Ich weiß auch, wie es ist, wenn man 'n Kind bekommt, was dann passiert auf einmal und dass die Steuer dann auf einmal anders aussieht und dass es eher negativ ist und so weiter. Also ist mir schon sehr bewusst, aber die die Frage ist ja immer, wie man das dann entsprechend in der Gemeinschaft dann zum Beispiel löst, ne. So und das ja genau dasselbe ja dann auch. Wie ist denn bei dir im Unternehmen der der Frauen Männer Anteil in der in der Belegschaft denn? Gute Frage.
Ich würde sagen, 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen ungefähr. Ja, das ist Prozent Männer und 40 Prozent Frauen ungefähr. Ja, aber das ist, glaub ich, son typischer Schnitt, glaub ich, auch für den für den Reinigungsbereich, ne oder würd ich's sein. Ja, ne, oder? Son Gefühl da würd ich sagen, so, wenn ich wenn ich das mal beobachte, ist das häufig so verteilt.
Und na ja gut, jetzt bist Du eine Frau, Du sagst an, wo's langgeht. Hast Du hast Du schon mal Probleme gehabt, dass Du in irgendeiner Form, dass die Weisung von dir nicht angenommen worden ist? Ich glaube, so lange wie ich überlegen muss, ist die Antwort wahrscheinlich nein oder nicht, dass es mir aufgefallen ist. Ja. Natürlich ist die Antwort ja, aber ich glaube, dass ich vielleicht auch manchmal falsch kommuniziert habe.
Ja. Das ist ja dann eine andere Geschichte. Aber Kommunikation ist ja immer das Problem. Ist ja Total. Zwischen Mensch und Emergis Thema, ist ja egal.
Ich glaube, ich kommunizier manchmal eben auch so, dass Leute vielleicht am Ende gar nicht verstanden haben, was ich wollte. Tatsächlich, nein. Ich glaub, das liegt daran auch, also ich versuche klar zu kommunizieren. Ich versuche auch, das gelingt mir bestimmt mal schlechter und mal besser, meine Entscheidung mit zu begründen, sodass Leute das auch nachvollziehen können. Und ich versuch tatsächlich auch sehr viel Verantwortung abzugeben.
Bei uns im Betrieb ist das zum einen die ganze fachliche Komponente. Ich sage auch vom Kunden sehr oft, was ich kann, was ich nicht kann. Wenn es Oberflächen geht oder bestimmte Chemie, die wir nutzen, werde ich immer auf jemanden anders verweisen. Das heißt, ich geborene schon dahin ab, wo ich das Gefühl habe, das können die Leute tatsächlich am besten und bin, glaub ich, froh, dass ich noch nicht in soner Situation gelandet bin. Skepsis, ja.
Ich glaube, es werden bei uns vielleicht auch Sachen, vielleicht auch als ökologischer Betrieb oder eben als Sozialbetrieb werden noch mal Dinge hinterfragt, wo's dann eben so ganz knallharte Kalkulation geht. Ja, aber wie macht ihr das denn? Ich glaub, da herrscht halt schon, Leute mögen, was wir tun. Gleichzeitig ist, glaub ich, die Vertrauensschicht etwas dünner als bei 'nem großen klassischen Reinigungsunternehmen. Das interessant.
Wird ich jetzt gar nicht gedacht, hättest Du da Ich glaube, Leute wollen wissen gerne, was wir tun und wie wir das tun und haben vielleicht bei 'nem Sozialunternehmen wie unserem, wenn ich sehr viel von Wertschätzung spreche, das Gefühl, ja, bearbeiten die dann auch schnell? Oder machen die dann auch ihren Job richtig? Und das Ökologische, funktioniert das dann auch wirklich so wie der konventionelle Chemiereiniger? Ich glaub, das wird schon noch mal hinterfragt. Das find ich auch okay, weil das für uns ja auch eine gute Gelegenheit ist, einmal darüber zu sprechen, was kann Verantwortung übergeben?
Was kann Kontrolle abgeben vor allem in der Reinigung? Und was kann eben auch ökologische Reiniger oder vielleicht einfach nachhaltigere Reinigungsmaterialien? Ja, der Businessplan von euch ist aber ja ist ja, zumindest mal, was ich jetzt gehört habe, ist ja total nachvollziehbar und ich find's auch gut, weil Du ja eine Nische in dem Punkt ja auch besetzt. Dann lass uns doch mit dem Gedanken mal in Richtung Image auch gehen. Weil eigentlich hätte ich jetzt vermutet, dass grade weil ihr ökologisch arbeitet, weil ihr anders mit der Belegschaft auch umgeht und das auch in der Kommunikation auch entsprechend wahrscheinlich dann auch nutzt, Ja.
Dass das Vertrauen in eure Richtung größer ist. Also ich bin bin tatsächlich 'n bisschen verwundert, dass Du sagst, Du bist dir nicht sicher, ob's ob's eher positiv oder vielleicht sogar eher sogar noch mal aus der anderen Perspektive betrachtet. Und Du kommst ja aus dem Marketingbereich, wenn Genau. Ne, so und Du wirst es ja auch viel nutzen dieses Bild und das das ist ja so ist ja son Spiegel auch des Handwerks generell in der Gesellschaft, dass das Standing nicht groß also nicht das Standing hat, wie es sein müsste, so nehm ich das jetzt bei dir auch war, dass es eigentlich viel hochwertiger angesehen werden müsste, aber irgendwie nicht zum Punkt kommt. Nehmen wir mal die Parallele.
Wie wie siehst Du das? Ist da eine Parallele beziehungsweise was könnten wir denn tun? A im Handwerk auf der einen Seite und auf der anderen Seite, was was was meinst Du, was wichtig ist, da noch mal ergänzend zu tun, wirklich diesen Punkt zu erreichen, dass man vielleicht auch aus dem Qualitätsgedanken son bisschen höher auch angesehen wird. Denn im Grunde, wenn Du ökologisch arbeitest, hast Du natürlich auf der einen Seite eine andere Preisfindung, okay. Aber Du hast ja auch etwas für die Menschen getan, die in den Gebäuden sind, ne, weil wenn der, man hat der ganz andere Dämpfe und so weiter und so fort und im Grunde ja eigentlich 'n äußeres positives Vorgehen.
Mhm. Ich kann auf 30 einzelne Punkte gerade eingehen. Starten würd ich gerne mit dem Du fragtest, was kann man besser machen oder was muss besser kommuniziert werden? Was muss anders gestaltet werden? Für uns ist, seitdem wir angefangen haben, ein Punkt wahnsinnig wichtig, den wir versuchen, auch bis heute umzusetzen.
Das ist das Thema Sichtbarkeit. Reinigungskräfte arbeiten nachts im Verborgenen, keiner sieht die. Und die Situation ist, dass unsere Kunden morgens zur Arbeit kommen oder generell Menschen morgens zur Arbeit kommen ins Büro und die ganze Arbeit ist schon passiert, keiner ist mehr da. Wie soll man da ein Gefühl für Qualität von Arbeit entwickeln? Die sehen einmal das Reinigungsergebnis, wissen aber oft nicht, ob die Leute vielleicht nur eine Stunde Zeit hatten, ein 500 Quadratmeter Büro zu reinigen.
Also was was soll da an Qualität passiert sein? Das und daraus ergab sich für uns, dass wir das Thema Sichtbarkeit im Gewerbebereich, aber eben auch bei Privatkunden schaffen wollen, dass Leute in den Austausch kommen. Denn wenn ich das Gefühl hab als Kundin, die Person, die da rein liegt, die kann was und die weiß was, die arbeitet ordentlich. Ich seh die auch, genauso wie ich vielleicht auch jemand bei mir zu Hause sehe, der eine Waschmaschine reparieren kommt, hab ich natürlich eine ganz andere Wahrnehmung und Personen sind nicht mehr so austauschbar. Wir haben festgestellt, dass das nicht nur für die Kunden gut ist, weil sie Vertrauen in unserer Arbeit finden, auch sehen, die Leute nehmen ihren Job ernst, die können eigenverantwortlich arbeiten, sondern das ist auch für die Personen im Handwerk gut, weil die eben nicht mehr die Unsichtbaren sind.
Wir haben auch festgestellt, Leute in Büros fangen auf einmal an, ihre Tassen wegzuräumen und ihre kleinen Taschentücher vom Tisch mit aufzusammeln, wenn sie wissen, dass da nicht irgendjemand einfach nachts kommt und es magisch verschwindet, sondern da kommt eben Christiane morgens vorbei. Das sorgt eben auch für einen ganz anderen Umgang, für eine ganz andere Wertschätzung. Leute bei uns werden, wenn's Weihnachten ist, werden sie mit bedacht. Also die haben eine gute Kundenbeziehung und ich glaub, das ist halt ein sehr wichtiger Bestandteil. Das ist 'n ist 'n ganz wichtiger Punkt.
Dieses Thema Sichtbarkeit seh ich also generell auch fürs Handwerk ja als elementar an. Und ist natürlich in dem Beispiel, wie Du's grade beschrieben hast, noch mal plakativer und glaube ich, wird auch jedem noch mal viel klarer. Mhm. Grade weil ja kein Kundenkontakt da ist. Und genau dieses Thema haben wir ja in der Gesellschaft als Gesamthandwerk gesehen ja auch Absolut.
Nur mal komplett, ne. So so von daher ist eigentlich 'n sehr schönes Bild, was man nutzen kann, darauf auch noch mal intensiver einzugehen in Zukunft, ne. Deswegen das 'n ganz wichtiger ganz wichtiger Punkt gewesen. Ja, wir wollen auch Leute und ich glaub auch das ist wichtig für unser Handwerk begeistern. Es gibt Marie Kondo, ich weiß nicht, ob die dir was sagt, die hat Leute für das langweiligste Thema der Welt begeistern können, nämlich Aufräumen.
Und auf einmal gab es diesen Aufräumen- und Aussortiertrend. Und was Ähnliches wollen wir auch machen für das Thema Reinigung. Es ist, wenn man's jetzt aufm Privatbereich sieht, ist es eigentlich supercool, seine Wohnung zu putzen, wie ja dann viele Leute sagen, auch ökologische Reinigungsmittel selber herzustellen. Das heißt, dieses Thema Wissensvermittlung über unser Handwerk und auch über Techniken, weil es ist eben nicht wisch und weg, sondern es gibt sehr viele Sachen, die man wissen muss, eine gute Reinigungskraft zu sein. Und dieses Wissen auch weiterzugeben, Leute dafür zu begeistern, aber auch unsere eigenen Mitarbeitenden das Gefühl zu vermitteln, es ist nicht so, dass Du 'n Arbeitsvertrag unterschreibst, morgen schicken wir dich zu Kunden x und dann geh und hier hast Du deine Liste abzuarbeiten, sondern den Leuten zu zeigen, wie erarbeitest Du dir dann eine Struktur?
Was ist eigentlich Zeitmanagement in der Gebäudereinigung? Welche Reinigungsmittel nutzt Du für welche Oberflächen et cetera et cetera. Da liegt eben sehr viel Wissen drin. Und mein Gefühl ist, mit dem, was wir machen, wenn Leute auch das verstanden haben, haben sie auch von sich selbst eine andere Wahrnehmung als Reinigungskraft. Und das ist natürlich auch wichtig.
Wir hatten ja vorhin auch über das Thema Nachwuchs oder insgesamt Personalmangel gesprochen, was für uns natürlich auch 'n sehr großes Thema ist. Definitiv. Julia, wir sind schon am Ende unserer Sendung. Es ist sehr kurzweilig gewesen mit dir und zum Abschluss hab ich aber noch eine Frage mitgebracht, wo ich mich freue, wenn Du mit dir noch beantworten würdest an der Stelle. Und zwar, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit 1 möglicherweise radikalen Entscheidung zu verändern, was würdest Du da tun?
Ich würde in allen Bereichen, wo es geht, auf Tagesreinigung switchen. Der Grund dafür haben wir gerade gesprochen. Für mich ist es so, dass Tage oder dass Reinigungskräfte Teil der Gebäude und der Belegschaft auch mit sind, nicht nur Teil von meinem Unternehmen, sondern eben auch dem Unternehmen, in dem sie arbeiten. Dafür muss es Sichtbarkeit und mehr Wertschätzung geben. Und ich bin irgendwann auf den Punkt gekommen, wo ich mich gefragt hab, wer hat erfunden, dass nachts gereinigt werden muss?
Und also was sind die guten Gründe dafür? Und in der Recherche dafür ist mir dann bewusst geworden oder ich hab dann gelesen, dass bis in die, ich glaube, Siebziger- oder Achtzigerreihen gab es eigentlich nur Tagesreinigung. Da sind dann die Leute aus ihren Büros auch rausgegangen. Das hat alles total gut funktioniert. Und in dem Zuge, alles muss wirtschaftlicher werden, alles muss schneller gehen und auch vielleicht unangenehme Dinge, lassen wir son bisschen, nehmen wir aus dem Licht raus, ist das abgeschafft worden und dann wurde es zur Konvention.
Und eine Sache, die wir gerne erreichen wollen, ist, dass diese Konvention zurückgenommen wird, weil sie eben nicht die Arbeit menschlicher und gemeinschaftlicher macht und dementsprechend auch schlechter, als sie überhaupt nicht sein muss. Weil ich hatte eingangs erwähnt, es ist 'n toller Job, der schafft sehr viele Möglichkeiten für Menschen mit allen möglichen Hintergründen, mit hohen Bildungsabschlüssen, mit niedrigeren und ist somit 'n unglaublich wichtiger Job, den auch jedes Büro eigentlich braucht. Und wir sollten den so verträglich und so gut gestalten, wie es auch nur sein kann. Julia, danke, dass Du hier gewesen bist. Danke.
Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das war Julia SILIGER, hier bei uns bei Handwerk spricht heute in der Handwerkskammer in Berlin. Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Bis bald.