In der Podcast-Folge von Handwerk spricht ist Walter Stuber zu Gast – Unternehmer, Autor, Netzwerker und, wie er sich selbst nennt, Mutmacher. Gemeinsam mit seinem Gesellschafter Dirk Eckert führt er ein Spezialgerüstbauunternehmen und verfolgt dabei ein einfaches Motto: einfach machen. Im Gespräch mit Gastgeber Oliver spricht Stuber über seinen Werdegang, den Umgang mit Rückschlägen und darüber, wie aus Tiefen immer wieder neue Höhen entstehen.

Ein Unternehmen mit vier Marken

Das Kerngeschäft von Stuber und Eckert ist der Spezialgerüstbau. Darüber hinaus haben die beiden weitere Marken aufgebaut. So schreiben sie zusammen Mutmacherbücher, betreiben unter dem Namen "Schutz in Perfektion" Schutzeinhausungen für laufende Produktionen und haben zuletzt eine echte Neuheit entwickelt: eine automatische Gerüstwaschstraße.

Wie diese funktioniert, erklärt Stuber anschaulich: Die Gerüstteile werden aufgelegt, laufen durch die Maschine und werden mit 1.000 Bar und klarem Wasser gereinigt – ohne Zusätze. Am Ende kommen sie "wie neu" wieder heraus. Der Weg dorthin war jedoch teuer. Nach amerikanischem Denkmuster wurde die Maschine gekauft, doch bis sie zuverlässig lief, musste noch einmal derselbe Betrag nachgeschossen werden. Nach zwei Jahren Testlauf reinigt das Unternehmen heute auch für Handwerker und Wiederverkäufer – während sich die Gerüstbauer selbst noch zurückhaltend zeigen.

Vom Niederlassungsleiter zum Firmeninhaber

Seinen Weg beschreibt Stuber als Ergebnis der richtigen Begegnungen zur richtigen Zeit. 1993 war er bei der Firma Gerüstbau Gemeinhardt in München beschäftigt, doch der wenig innovative Betrieb entsprach nicht seinen Vorstellungen. Zugleich stand er privat vor der Scheidung – eine Phase des Umbruchs. Über eine Anzeige in der Deutschen Bauzeitung suchte er eine neue Stelle und ging in mehrere Vertragsverhandlungen.

Ausgerechnet mit seinem damaligen Chef Heinrich Gemeinhardt verstand er sich jedoch besonders gut. Als Stuber ankündigte, in sechs Monaten aufhören zu wollen, bot Gemeinhardt ihm die Leitung einer neu aufzubauenden Niederlassung in Sachsen an. Seit dem 1. Dezember – inzwischen vor 30 Jahren – lebt Stuber in Sachsen. Die Niederlassung leitete er bis 2001. Nachdem sich Gemeinhardt im Jahr 2000 entschied, das Unternehmen zu veräußern, übernahm Stuber gemeinsam mit seinem Gesellschafter und drei weiteren Partnern 70 Prozent der Firma.

Warum Misserfolge dazugehören

Das zentrale Thema der Folge lautet: Erfolg durch Misserfolg. Stuber ist überzeugt, dass Rückschläge in einer gewissen Regelmäßigkeit notwendig sind, um das Geschäft immer wieder neu zu überdenken. Auch heute laufe nicht alles rund. Sein Lebensmotto bringt seine Haltung auf den Punkt:

Nach einem Tief kommt ein Hoch.

Kritisch sieht er, dass viele Menschen zu schnell aufgeben. "Auf halber Strecke sagen sie, das funktioniert nicht", beschreibt er ein aus seiner Sicht gesellschaftliches Muster. Er selbst laufe zur Höchstform auf, ziehe Dinge bis zum Ende durch und wende sich dann Neuem zu. Als Beispiel nennt er seine Vielseitigkeit: Er hat einmal über 50 Kilogramm abgenommen, war leidenschaftlicher Angler, ist gewandert und fährt Kajak – stets mit vollem Einsatz.

Selbstliebe statt Selbstvorwürfe

Besonders offen spricht Stuber über seine persönliche Entwicklung. Früher habe er Fehler stets bei sich selbst gesucht und den Begriff Selbstliebe nie verstanden. Erst im vergangenen Jahr habe er sich – auch mithilfe eines Coachings – intensiv damit auseinandergesetzt. Dabei arbeitete er seine eigene Geschichte auf und sprach mit seiner heute 82-jährigen Schwester über die Zeit seiner Geburt und die Krankheit der damals 44-jährigen Mutter.

Auch sein Auftreten hat sich verändert. Über viele Jahre sei er schnell wütend geworden, habe sich zeitweise wie ein Tyrann verhalten, wenn etwas nicht klappte. Heute geht er sachlicher an Dinge heran – und stellt fest, dass sich dadurch auch Erfolge einstellen.

Ein Team, das auf Hochtouren läuft

Auf die Frage, wie man ein Team durch Misserfolge führt, antwortet Stuber überraschend: Diese Situation habe er so noch nicht erlebt. Sein Team sei sehr erfolgreich – und laufe gerade dann besonders gut, wenn er und Eckert nicht anwesend seien. Als Beleg nennt er eine Reise in die USA: In den vier Wochen nach der Rückkehr schrieb das Unternehmen den höchsten Umsatz seiner Geschichte.

Auch beim Kundenkontakt setzt das Unternehmen auf einen besonderen Ansatz. Seit zwei Jahren unterscheidet es zwischen normalen und besonderen Angeboten. Vor der Erstellung wird intensiv mit dem Kunden telefoniert – über Termintreue, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Dieses Feedback fließt zusammen mit den Informationen der Website in ein fachlich fundiertes Angebot ein. Der Aufwand kostet Geld, doch die Erfolgsquote liegt bei 50 Prozent.

Auszeichnungen und gelebte Transformation

  • Das Unternehmen erhielt den Impact Award in Offenbach bei Frankfurt für Transformation und Nachhaltigkeit.
  • Bei der Veranstaltung waren über 1.000 Start-ups sowie mehr als 1.500 Investoren aus dem Ausland vertreten.
  • In der Gemeinwohl-Ökonomiebilanz erreichte das Unternehmen 375 Punkte – ein Spitzenwert, zumal die Skala erst bei minus 3.000 beginnt.

Stubers Tipp an andere Unternehmer: Berater ins Haus holen – und dabei nicht am Geld sparen. Top-Berater kosteten zwar viel, brächten aber den nötigen Schwung ins Unternehmen, wenn alle gemeinsam wüssten, wohin die Reise gehen soll.

Wertschätzung und offene Baustellen im Handwerk

Abschließend äußert sich Stuber zur Rolle des Handwerks. Grundsätzlich erfahre es aus seiner Sicht genug Wertschätzung. Kritik übt er jedoch am staatlichen Vollzug: Beim Thema Schwarzarbeit werde zu wenig durchgegriffen und zu viel geduldet. Ebenso sieht er beim Arbeitsschutz große Unterschiede. Während viele Betriebe konsequent auf Sicherheit setzen, ihre Mitarbeiter weiterbilden und modernstes Material anschaffen, täten andere gar nichts – und würden dennoch von Gesellschaft, Politik und Berufsgenossenschaften toleriert. Das empfindet Stuber als unfair und fordert dringend Veränderungen.