Cover: Vielleicht müssen manche Betriebe einfach die Tür zusperren. Marc Schnitzler spricht es aus

Vielleicht müssen manche Betriebe einfach die Tür zusperren. Marc Schnitzler spricht es aus

21. Mai 2026 24:10 Min. Zu Gast: Marc Schnitzler
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Worum es geht

Marc Schnitzler nimmt in dieser Folge kein Blatt vor den Mund und formuliert einen Weckruf fürs Handwerk: Manche Betriebe hätten schlicht keine Zukunft mehr, weil sie die Entwicklungen der letzten 20 Jahre verschlafen haben. Es geht um Fachkräftemangel ohne Ausreden, um oft missverstandene Digitalisierung sowie um KI und Zukunftsstrategien. Gleichzeitig macht Schnitzler klar, warum Handwerk einer der sichersten Zukunftswege bleibt – auch wenn viele Betriebe scheitern werden.

Das nimmst du mit

  • Digitalisierung im Handwerk wird häufig falsch verstanden und ist mehr als nur neue Werkzeuge oder Software.
  • Der Fachkräftemangel ist teils hausgemacht – manche Betriebe verdienen sich ihr Nachwuchsproblem selbst.
  • Eine gelebte Fehlerkultur wird für Handwerksbetriebe überlebenswichtig, während der Anspruch auf Perfektion Innovation oft ausbremst.
  • Handwerk bleibt trotz aller Herausforderungen einer der sichersten Zukunftswege – entscheidend ist die Bereitschaft zur Veränderung.
  • Auch Innungen müssen ihre Rolle grundlegend neu denken, um zukunftsfähig zu bleiben.
Aus dieser Folge
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Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!

Die wichtigsten Antworten

Für wen ist diese Folge gedacht?
Sie richtet sich an Unternehmer, Nachfolger, Azubis, Entscheider und alle, die wissen wollen, wie das Handwerk in zehn Jahren aussehen könnte.
Warum sagt Marc Schnitzler, manche Betriebe müssten die Tür zusperren?
Weil aus seiner Sicht einige Betriebe die Entwicklung der letzten 20 Jahre verschlafen haben und deshalb keine tragfähige Zukunft mehr besitzen.
Ist das Handwerk laut dieser Folge ein Auslaufmodell?
Nein, im Gegenteil: Schnitzler bezeichnet Handwerk als einen der sichersten Zukunftswege – allerdings werden Betriebe scheitern, die sich nicht verändern.
Welche Themen werden konkret angesprochen?
Unter anderem Fachkräftemangel, Digitalisierung, KI und Zukunftsstrategien, die Rolle der Innungen, Perfektion versus Innovation sowie Fehlerkultur im Handwerk.

Zu Gast

Marc Schnitzler äußert sich in dieser Folge offen und kritisch zur Lage des Handwerks und spricht Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, KI und Zukunftsstrategien an.

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Transkript

Herzlich willkommen zu Handwerk spricht und heute haben wir zu Gast Mark Schnittzler. Hallo Mark. Danke für die Einladung. Gerne. Mark, ich hab 3 Thesen vorbereitet, da bin ich gespannt, wie Du darauf reagierst.

Ich lese einfach mal vor. 1. These, Handwerk ist kein Karriereweg mehr, es ist nur noch ein Plan b für alle, die fürs Studium nicht klug genug sind. Soll ich da direkt drauf antworten? Nicht drauf einmal.

Ja, das sehe ich ziemlich genau nicht so. Also ich glaub, dass in der jetzigen Zeit Handwerk eigentlich eine der Zukunftsjobs ist. Also wenn man sich anguckt, wie in Bürojobs viele Leute Gesundheit ringen, psychische Belastungen zunehmen, das trifft auf jemanden, der ins Handeintritt einfällt, einfach nicht zu. Also da ist einmal im Sinne der Gesundheit eine Kombination, dass man aus 'ner selbstwirksamen Tätigkeit und dem Ertrag dabei einfach eine Riesenchance sieht. Und wenn man jetzt aus 'ner etwas größeren Perspektive da drauf guckt, Handwerk erwirtschaftet 'n riesengroßen Anteil unseres Bruttosozialproduktes.

Und in all den Krisen, die gerade da waren, ist ein einziger Wirksamstag nicht aus Deutschland abgerückt und das ist das Handwerk. Also insofern sehe ich das als 'n krisenfesten Motor und kann dem einfach nicht zustimmen. Kann ich akzeptieren die Aussage. Sehr gut. Danke.

2. These, der Meisterbrief und alte Tradition bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Zweiteilige Antwort. Es gibt einen Anteil, der heißt ja, weil da natürlich viele Dinge, ich nenn das mal die Tradition, heute wie 'n Ballast wirkt. Da muss man vieles transportieren, damit man 'n Grundverständnis davon hat, warum man das macht.

Und das dauert eine gewisse Zeit. Es ist aber so, dass das Handwerk genau von diesen Komponenten lebt. Wenn wir uns jetzt in die Kundenperspektive versetzen, schätzen wir das als Kunde oft wert. Wenn wir jetzt nicht so sehr an die Dienstleistungen denken wie Heizungsbau oder so, sondern an die, die Dinge produzieren. Wenn ich zum Schuster geh, dann möchte ich sehen, wie da jemand steht und an diesem Lederding arbeitet.

Und wenn der dann sagt, das Paar Schuhe kostet 1000 Euro, habe ich da 'n hohes Verständnis für und auch 'n hohe Verbindung zu dem Gegenstand. Wenn das eine digitale Prozessmaschine macht, ist das weg. Dann werde ich sagen, das ging schnell, das kostet vielleicht 250 Euro oder sonst was. Also insofern gibt's einen gewissen Teil an Tradition, den man mittragen muss und den finde ich wichtig. Und der Anteil Bremse, ja, diese Inhalte nehmen sehr viel Zeit in der Karriere ein.

Ich will nicht sagen Ausbildung, weil Ausbildung klingt so, als ob das nur in dem Rahmen dieses Lehrformats ist. Jeder muss sich permanent lernen. Wenn's drum geht, die neuen digitalen Tools zu lernen, ist das alles Ballast. Man kann Prozesse total beschleunigen, das heißt, wir müssen uns beides gleichzeitig machen. Und dann glaube ich, ist der Meister kein Hemmnis, sondern man muss das einfach parallel betreiben.

Dann sehe ich das nicht als 'n großes Gefahr Risiko an. Und es ist, glaube ich, unser aller Job, die wir irgendwie uns Handwerker nennen, warum auch immer, wie wir uns damit verbunden fühlen, das auch in die Zukunft zu tragen. Weil wenn man den ganzen technologischen Themen zuhört, die oft industriell gedacht sind, dann geht's da Automation und wenn Dinge automatisiert werden, ist im Sinne der Wirtschaft gut, aber wir sind dann als Mensch weg und das kann als Handwerker nicht unser Ziel sein. Ja, sehr gut. Letzte These, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen.

Auch wieder eine zweiteilige Antwort, Herr Hüls, wenn wir mal 2 aus ihren Rippenleiern. Ja, es gibt gewisse Betriebe und Konstellationen, wo das definitiv der Fall ist. Es gibt 'n paar Bilder, wenn da Leute sagen, ich habe Fachkräftemangel und ich meine jetzt niemand persönlich, sondern einfach, es gibt so Stimmen. Dann suchen die eigentlich jemanden, der bereit ist, sich körperlich ausnutzen zu lassen, ist immer noch nicht bereit, die vernünftig zu entlohnen. Und diese Fachkräfte und die gibt's nicht.

Das weiß heute jeder, dass man smarter arbeiten kann. Und insofern gibt's an diesen Stellen definitiv 'n Nachwuchsproblem, das ist 'n hausgemachtes. Und auf den anderen Seiten ist es so, dass es im Handwerk hochattraktive Arbeitgeber gibt, die auf dem Zahn der Zeit arbeiten mit neuesten Technologien. Und da fehlt's eigentlich an, ich will das nicht Marketing nennen, sondern an Aufmerksamkeit, dass das matcht. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass in vielen Hochschulen Leute schlummern, die sich im Studiengang verirrt haben, die Praxis vermissen und niemand hat denen gesagt, dass man das Know how, was die entwickeln wollten oder was sie vielleicht sogar schon haben, das man das im Handwerk hätte, viel besser einsetzen können.

Und wenn ich in solche Betriebe reinkomme, die haben kein Nachwuchsproblem, da stehen die Leute Schlange und wollen bei denen arbeiten und bitte mit an deren Skills lernen. Also insofern will ich das darauf antworten. Handwerkerinnen und Handwerker wie Du halten die Welt zusammen und wir halten dir den Rücken frei. Wir stehen für Innovation im Handwerk, für Lösungen, die vorangehen und für Arbeit, die sicher und smarter wird, weil Handwerk Zukunft ist. Jetzt hast Du ja schon sonen kleinen Einblick gegeben, wenn Du in die Handwerksbetriebe gehst.

Dann nimm uns doch mal mit, sag uns mal noch 'n bisschen was zu dir und zu dem, was Du tust und vor allen Dingen, was dich bewegt im Handwerk. Okay, ich versuch das kurzzufassen, was oft lange dauert. Ich komm aus 'nem Haushalt, wo mein Vater als Maschinenbauer mich, als ich 5, 6 war, gibt zuerst die Bilder in meinem Kopf, wo ich in Hannover auf der Hannover Messe stehe und Roboter bediene mit ihm zusammen, die er an Werkzeugmaschinen verbohrt hat und für sinnvoll hielt. Und aus diesem ganzen Kontext, das war so bei uns 'n Küchentisch Thema. Ich bin da irgendwo mit CAD und Kamm und 3 D Fräsen groß geworden, habe ich dann entschieden, dass überhaupt nicht mein Ding Hab mich dann für 'n Beruf im Holz entschieden, hab meine Ausbildung gemacht als Tischler bei 1 schönen Tischlerei in der Eifel, wo man wirklich viel mitnehmen konnte, wo es auch noch das Material ging.

Hab dann dadrauf hin damals gedacht, das wär eine gute Idee, jetzt Architektur zu studieren. Hab das auch 4 Semester gemacht oder bisschen weniger als 4. Und irgendwann ist mir da aufgefallen, dass das, was wir da gelernt haben, überhaupt nichts mit der Praxis zu tun hat. Weil meine verrückte Idee war, dass man eine Architektur lernt, wie man Häuser baut, also so echte Dinge, in denen man wohnt. Und ich hab dann am Anfang eine Feuerwache gezeichnet.

Ich hab aber gemerkt, dass in dem Kontext keiner versteht, wie 'n Stein auf den anderen kommt und hab dann wieder 'n Weg zurückgesucht dazu, das etwas praxisbezogener zu machen. Dann habe ich dieses Studium als Handwerksdesigner gemacht, also son Studium, wo es zum damaligen Zeitpunkt Handwerk und Unternehmensführung kombiniert hat und darauf ausgerichtet ist, Handwerker quasi dahin zu führen. Habe in dem Studium wahnsinnig gute Leute kennengelernt und hab aus dem Studium raus dann entschieden mit 'nem Konsorten zusammen, dass wir ein Unternehmen gründen. Nach außen sah das so aus, als ob wir Räume und Produkte gestalten. Im Kern haben wir aber, ich nenne das mal, digitale Dienstleistungen angeboten.

Wir reden über das Jahr 2006, da war das auch nicht so üblich. Wir haben sehr viele Tischlereien mit Visualisierungen ausgestattet, dann auch stellenweise dran gearbeitet, mit den Daten direkt deren Maschinen zu steuern und haben dann sukzessive dahin gearbeitet, das quasi als Consulting Service in Firmen zu machen. Das heißt, nach außen sahen wir aus, als ob wir eine Küche bauen, 'n Firmengebäude einrichten, wirklich haben wir über Daten produziert für die. Und in dem Kontext bin ich dann wieder zurück zu der Akademie, wo ich studiert hab, hab da drüber unterrichtet, wie man so was macht, wie man die Werkzeuge dafür benutzt und hab da so im weitesten Sinn 'n Lehrgebiet aufgebaut, das heißt digitale Medien, wo wir Studierenden in diesem Kontext beigebracht haben, wie man das alles macht. Das Ganze haben wir aber total exklusiv für sone Gruppe von 25 Leuten in Aachen gemacht.

Und der Träger ist die Handwerkskammer in Aachen. Und dann haben wir uns irgendwann gefragt, das ist aber eigentlich schade, dass das nur diese kleine Elite erfährt. Das Wissen ist ja eigentlich für ziemlich viele sinnvoll. Und da ist über die Jahre draus geworden, dass wir in Aachen jetzt eine Förderstelle entwickelt haben, Und da ist über die Jahre draus geworden, dass wir in Aachen jetzt eine Förderstelle entwickelt haben. Also ich arbeite jetzt zwar noch bei Landwerkskammer Aachen, bin aber in 'nem Bundesförderkonzept, wo's drum geht, solche Themen für Betriebe greifbar zu machen.

Wir versuchen das natürlich exklusiv jetzt erst mal im Aachener Raum, weil ich natürlich hier in Aachen sitze. Aber im Endeffekt geht's drum, eine Vision zu entwickeln und die richtigen Werkzeuge, wie Handwerk morgen funktionieren kann. Das ist der Shortcut von dem, was ich jetzt mache. Ja, sehr, sehr spannend. Das eröffnet auch direkt eine ganze Reihe an Fragen, die sich dann daraus natürlich ergeben.

Was machst Du denn im Speziellen jetzt, wenn son Betrieb zu dir kommt, der wirklich bei 0 noch steht? Was rätst Du dem und wie gehst Du da vor? Das tatsächlich, also hab ich selten den Fall, weil wir haben jetzt in dem Beraterstab erst mal hier konkret in Aachen haben wir da 'n Team, was dann vorher greift. Das ist 'n Kollege, der wirklich mit Analyse tut, er hat's mal durchgeht, sich die Prozesse, wie sie sind, angucken. Ich müsste 1 drüber antworten, weil ich mach tatsächlich relativ wenig Arbeit direkt mit einzelnen Betrieben.

Ich hab eher mit so Best Practicern zu tun, die wirklich schon vieles umgesetzt haben, das quasi berichten zu können an Multiplikatoren. Also ich begeh dann damit eher in eine Kreishandwerkerschaft, in Erinnerung, in Fachverband und erzähl, wie die, die unterwegs sind, die es gut machen, damit möglichst viele zu adressieren. Was mir aber wichtig ist, ist, dass wir im Endeffekt nicht versuchen, zu viel als Berater mit einzelnen Betrieben zu arbeiten. Das klingt jetzt erst mal ganz verrückt, weil, jetzt kommt der 2. Teil von meiner Antwort, ich glaube, das nimmt nicht genug Geschwindigkeit auf.

Die Betriebe, wenn wir uns das in einem Gewerk angucken, haben im Kern alles das gleiche Problem. Und die Idee, dass wir einzelne Leute immer zu allen schicken, immer wieder das einzelnen Problem zu lösen, die halte ich für nicht praktikabel, weil da müssten Tausende Leute durch Deutschland laufen, mit einzelnen immer wieder an den gleichen Baustellen arbeiten. Wenn man das an die Knotenpunkte, die es gibt, also das Handwerk hat immer schon strukturelle Knotenpunkte, so was wie eine Innung, das ist ja eine Selbstorganisation und es gilt eigentlich, die wieder funktional zu bekommen. Also das Haupthighlight der Innung darf nicht sein, die Weihnachtsfeier zu veranstalten mit dem ganzen Geld, sondern Know how zu besorgen. Muss man die Knoten mit dem Wissen ausschütten pro Beruf und das dann in dieses Netz spielen.

Das ist ja eigentlich die Idee, alle sammeln Geld, dann Zentrale auszuspielen. Deshalb versuche ich das dahin zu bringen, dass man sagt, lass uns Bündel bilden, wo sich Themen gleichen. Also im Endeffekt erst mal Standardprozesse rausfinden, dann sagen natürlich alle Betriebe, nein, sind keine Standard, also ich erfind das alles selber. Aber wenn ich in eine Stadt gehe und ich gehe da als Kunde rein, ich bestell eine Küche, mach hier alles Gleiche, ich mir 'n Solarpanel aufs Dach schrauben, der andere hat keinen Zaubertrick wie der andere, das kostet dann etwas Gleiche, die machen das alle gleich, also gibt's Standardprozesse. Und das wäre mein Ansatz dann.

Sehr, sehr spannend. Also ich bin noch dabei gedanklich in ganz anderen Themenfeldern und so weiter. Also das heißt also, ihr geht hin, ihr nehmt auf, ihr seht und geht dann hin und ja, helft quasi den Innungen und den Betrieben, die dann da sind, entsprechend aufs Pferd, wenn man so möchte, ne? So die Ja, das ist son ist son sone Mischung aus Firmen. Also ich glaub den Job, was ich jetzt mache, würde ich so beschreiben.

Ich bin seit vielen Jahren irgendwie als Schwamm unterwegs. Mhm. Hab halt als auch in meinem Unternehmen ganz viele Firmen kennengelernt, hab mit ganz vielen Studierenden an neuen Gründungskonzepten gearbeitet. Und das, ne, ich versuch mich auch mit anderen Firmen zu treffen, die nix mit dem Handwerk zu tun haben. Also guck mir das an, wie das Industrieunternehmen läuft und versuch da total subjektiv eine These draus zu fassen, was hat das fürs Handwerk?

Und an wen ich das ausspucke, also ob das mal eine Innung ist oder mal 'n einzelner Betrieb, keine Ahnung. Also es geht erst mal drum, möglichst viel zu sammeln und das wollen wir in Zukunft nicht nur machen, ich als Person, also ne, in den letzten Jahren war das jetzt erst mal persongesteuert. Wir sind dabei jetzt in Aachen, das nennt sich bei uns die Stabsstelle Zukunft Handwerk. Es sei immer son Behördenkonstrukt, eine Stabsstelle. Das Anliegen ist aber, dass wir da eine Art Team draus bauen.

Ich würde das mal in neudeutschen Thinktank nennen, wo wir all die Themen sammeln, monitoren und dann erst mal für eine ganze Kammer damit umgehen. Und das soll dann so funktionieren, dass jeder da eine Frage reinstellen kann, also egal ob Betriebsinhaber, Azubi, Mitarbeiter in der Kammer, wer auch immer. Wir haben dann wieder eine Antwort drauf, beschäftigen uns damit und gleichzeitig spucken wir Zeug aus. Und dieses ausspucken sind zum Beispiel Veranstaltungen, in denen wir Hackathons machen zu gewissen Themen. Das sind vielleicht Infoveranstaltungen oder es ist doch mal eine konkrete Beratung von 'nem Betrieb.

Und genauso geht's dann drum zu gucken, was wir gerade live tun. Wir schauen uns Projekte an, die gerade mit Hochschulen im Handwerk laufen. Davon gibt's ja tonnenweise. Und ich sag das mal total subjektiv, da sind ganz viele, wo am Handwerk vorbei geforscht wird, so ne. Also in der Flughöhe, das ist doch gar nicht schlimm, das ist kein Vorwurf.

Die haben sich halt viel mit industriellen Prozessen beschäftigt, verstehen deswegen nicht, wie Handwerk funktioniert. Und wir wollen uns anschauen zu gucken, wir wollen eine These aufstellen, was wird im Handwerk gebraucht? Machen dann da 'n Forschungsantrag draus und suchen uns dann die Hochschulen als den richtigen Partner, die uns dabei begleiten. Also wir wollen das Prinzip der Hochschulförderung 'n bisschen umstellen, sodass das fürs Handwerk. Und solche Themen sind das, die in dem Tank am Ende passieren sollen.

Und wenn das gut läuft, wollen wir diese Tanks dann halt auch natürlich den anderen Kammern empfehlen. Also wir wollen hier so auf der grünen Wiese eine Blaupause machen, wie organisiertes Handwerk in Zukunft laufen könnte. Heißt im Grunde, Du gehst jetzt erst mal hin als Person und machst quasi das, was eigentlich jeder Unternehmer oder Unternehmerin tun sollte. Geh Du gehst in die Kommunikation, Du gehst in Austausch, miteinander und voneinander lernen heißt ja immer so schön, ne? Genau.

An der Stelle, dann diese ganzen Themen dann so ein bisschen zu bündeln. Gibt's denn schon 'n Klonansatz von dir oder wie weit seid ihr da an der Stelle? Also natürlich in verschiedenen Flughöfen und so weiter, ne? Also es gibt's in verschiedenen Projekten auch. Also ich glaub, das Zentrum Digital kennen ja viele, also mit dem Schwerpunkt Handwerk.

Die machen das in gewissen Themen. Wir versuchen jetzt natürlich in unserem Kontext einfach, also wir haben hier nach und einfach 'n bisschen eine andere Historie. Also wir haben diese Akademie, die sich auf Design im Schwerpunkt festgesetzt hat, in Design steckt aber auch jede Menge Methodik. Also das, was man überall unter Design Thinking sieht, das bei uns seit 30 Jahren Methode und ist auch im Handwerk implementiert. So, das heißt, das wissen wir genau, wie das läuft, auch dass das fürs Handwerk funktional ist.

Es hat vorher nur noch nicht so viele gesehen, weil da nie jemand drüber geredet hat. Das heißt, wir haben jetzt hier interne Transferprojekte, indem wir halt sagen, das, was wir in dieser kleinen Kamera da schon gemacht haben, das können wir jetzt schon mal allen Betrieben greifbar machen. Und so Blaupausen gibt's noch nicht, aber da gibt's bestimmt andere Ansätze. Und Ziel ist, sich natürlich mit denen zu vernetzen und das zusammen zu machen, ne. Wie geht denn denn in die Kommunikation?

Du hast jetzt eben den Begriff Heckerton ja auch schon gesagt. Ich kann mich erinnern, ich hatte vor 2 Jahren mal eine 1 Postkarte aufm Tisch liegen, da stand da Hackathon drauf und sah da ganz viele IT Begriffe und hab dann nur für mich gesagt. Alles klar. Jetzt hab ich das böse Wort gesagt, das Ding heißt gar nicht Hackathon. Ja, aber bleiben wir mal bei son bei diesen bei dieser Art der abstrakten Begriffe an der Stelle.

Kannst ja gerne gleich noch ergänzen, wie der richtige Begriff ist, aber die Kommunikation muss ja eine 1 Kommunikation sein, die auch die Leute erreicht, die ja damit zu tun haben. Wie wie geht ihr da vor? Wie wie wie schafft ihr's, nicht immer nur dieselben Leute anzusprechen, sondern auch wirklich dann son bisschen auch in die Breite zu gehen? Ich hab verstanden, ihr wollt es gar nicht so sehr im Moment, weil ihr noch, weil ihr weil ihr halt noch gezielt unterwegs seid. Aber was wollt ihr dann anders machen, wenn es dann in die breitere Geschichte geht?

Also den, ich weiß den Punkt, auf den den den auszahlt. Die Kommunikation ist natürlich erst mal so, dass man das so weit runter, deswegen ist Hackathon 'n sinnbildliches Wort dafür. Hackathon weiß in der Industrie jeder, was gemeint ist, im Handwerklichen jeweils war der Quatsch. Ja, ja. Das Ding heißt bei uns machbar, das ist der Titel von dem Ding und das ist jetzt in dem Fall eine KI Werkstatt.

Mhm. So, also wir benutzen die Wörter, die irgendwie 'n Handwerker assoziieren kann mit vielleicht, was wird da passieren? Also den Transfer muss es einmal geben. Diesen Transfer in die Breite, das ist eine Diskussion, die kenne ich schon seit Ewigkeiten. Ich hab da jetzt eine persönliche Haltung zu, die muss vielleicht nicht komplett die Institutionelle werden.

Die Frage, ob wir jeden mitnehmen können, glaube ich, die können wir mit nein beantworten. Da sind einige und ich mach das jetzt einfach mal so krass, die verhindern oder vermeiden es seit über 20 Jahren, 30 Jahren, ihr Geschäftsmodell infrage zu stellen. Die profitieren einfach davon, dass die Kunden denen Geld geben. Und die bleiben jetzt einfach auf der Strecke, weil wir als Kunden klüger geworden sind. Wir gehen damit objektiver und die Verantwortung 1 Geschäftsführers und Unternehmers ist es, das Unternehmen zu entwickeln.

Da sind Leute dieser Pflicht nicht nachgekommen und 'n Großteil, da bin ich total dankbar drum, suchen jetzt die Unterstützung und die Hilfe. Also ne, da sind Leute, die kriegen das total alleine gut auf die Bahn, die haben die innovativen Unternehmen, die sind grade tough am Markt und wissen nicht wohin. Und da sind Leute, die merken, okay, ich muss da was tun, die haben uns Unterstützung, die erreichen wir, auch bundesweit. Und da ist es eigentlich nur zu gucken, dass man 'n Match findet. Und die, die wir ja aktuell nicht erreichen, ich find das hoch fahrlässig.

Also vielleicht müssen davon auch 'n paar dann über die Wupper gehen, damit die, die gerüstet sind, diesen Markt dann auch komplett abschöpfen können. Das ist jetzt aus der Stimme von jemandem, der bei 'ner Kammer arbeitet, schwer. Die Kammer hat natürlich diese hoheitliche Aufgabe, jeden der Beitragzahl zu vertreten. Und ich kenn auch die Perspektive, dass sie sagen, was tut ihr denn für mein Geld? Aktuell tun wir total viel.

Also das ist 'n Angebot, mich kann mal anrufen und meine Kollegen bundesweit, wir kommen vorbei, ich kaufst nix. So und ich gehe das Ding, wenn jemand will, mit denen mit, bis wir das Ding sauber auf den Tag haben, aber dafür müssen die uns halt anrufen. Das heißt, das Argument, die Hammer tut nix, ist vorbei. Und wer dann noch immer nicht kommt, mir tut's dann persönlich leid für die, aber dann müssten die halt einfach die Tür zu sperren. Gut, es ist eine klare Sichtweise.

Im Grunde ist ja so, jeder muss sich selber erst mal 'n Weg begeben, ne und auch offen dafür sein, was dann eben halt so im Umfeld passiert und wenn dann die Angebote klar kommuniziert sind und wenn sie da sind, dann muss man sie in Anspruch nehmen wollen, ne. Und das muss man natürlich signalisieren. Von daher absolut richtig, ne. Also definitiv. Na, das ist immer wieder, also dieser Transfer von ja, ich hab auch eine Komponente, weil ich sag, wenn Du im Unternehmen in der Wirtschaft gearbeitet hab, ja, ich bin jetzt bei allen, ich sag mal, im Weizensinn im öffentlichen Träger, aber irgendwie muss man das matchen.

Also wenn wir uns auf die Reise machen, jeden mitzunehmen, dann nehmen wir die Besten nicht mit. Und wenn die sich nicht gut entwickeln, dann hat da gar keiner was von. Also insofern, es muss auch eine Form von 'nem Exzellenzdenken geben. Ja, definitiv. Aber wir haben ja oft schon im Thema Nachfolge ja schon son son Problem, dass Und da das ist ja auch unser strukturelles Thema im Grunde.

Der Betrieb ist im Durchschnitt 5 5 Mitarbeitende groß und genauso wird ja auch gedacht, wenn ich doch, wenn ich 10 oder 15 Mitarbeitende hab. Also der die die Weiterentwicklung setzt ja erst relativ spät ein, son Unternehmen dann wirklich auch, na ja, für die Zukunft auch vorzubereiten. Thema Nachfolge, ich weiß, wie viele wirklich innerhalb von versuchen, innerhalb von 'nem Jahr 'n Unternehmen abzugeben, was einfach nicht realisierbar ist, ne. So und dann genauso ist dann natürlich in den anderen, ja, prozess zu wahlgesteuerten oder getriebenen Abläufen natürlich genauso, ne. Denn im Grunde, welche Aufgabe hat 'n Unternehmer?

Du hast ja eben schon mal gesagt, was was ein 1 Baustein ist, aber vor allen Dingen hat er ja die Aufgabe, das Unternehmen auf die Nachfolgungs vorzubereiten, das ab dem ersten Tag. So, und wenn ich das tue, bin ich ja automatisch in der Sphäre drin, dass ich darüber nachdenke, was muss ich tun für die Zukunft? Was habe ich für Aufgaben zu erfüllen? Und da ist euer Angebot ja auf jeden Fall eine Riesenergänzung an der Stelle. Ja, ist ein Baustein, ne.

Also es geht vieles natürlich drum, 'n Netzwerk zu schaffen erst mal, ne, weil wir werden das alle nicht alleine gelöst bekommen, ne. Also erst mal zum Thema der Nachfolge. Wir haben 'n großes Problem und zwar ist das die Gleichzeitigkeit von Sachen. Wir diskutieren hier immer über so entweder oders, ne. Also dieses digital ja oder nein, neues Geschäftsmodell, altes Geschäftsmodell, das passiert gerade gleichzeitig, ne.

Wir müssten alten Geschäftsmodellen, wie sollen wir das sagen, Schminke auftragen ist son bisschen despektilig, aber die müssen sich gerade gut rüsten. Ja. Einmal, präsent zu sein als Arbeitgebermarkt und gleichzeitig, dahin zu gehen. Und wir müssen aber auch gleichzeitig neue Unternehmen an den Staat bringen, die helfen, dass wir diesen Markt noch behalten, ne, weil Und das ist nicht entweder oder, ne. Und man wird auch es nicht hinkriegen, Unternehmen, was heute startet, aus sonem Alten zu entwickeln.

Heißt also konkret, manche Firmen muss man die Unternehmen auch einfach beenden. Die sind einfach, wenn die nicht gut aufgeständen, das ist aber überhaupt nicht schlimm. Ich finde, wenn man das Wort Unternehmung mal ernst nimmt und denkt nur an eine Unternehmung in der Freizeit, ja, Anfang und Ende. Ich finde es fahrlässig, wenn 'n Unternehmen mich ab Tag 1 drüber nachdenkt, wo das Ding vielleicht endet oder ob man noch mal eine 2. Reise anschließt oder so was.

Und in dem Bild, glaube ich, kann man das ganz gut sehen. Ja, definitiv. Ja, Marc, wir sind schon sehr weit fortgeschritten in unserem Interview und ich hab noch eine letzte Frage an dich. Und zwar, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit nur 1 Entscheidung zu verändern, was würdest Du tun? Boah, das soll ich jetzt runterbrechen, aber das ist eine schwere Frage.

Ich glaube, ich würde allen dazu raten, sich darauf zu besinnen, wieder mehr Dinge auszuprobieren. Und das beinhaltet vielleicht auch Regularien 'n bisschen herauszufordern und einfach wieder mehr an diese Kernkompetenz des Einfachmachens zurückzukommen. Ich glaube, es wird grade zu viel gezaudert und auch diese Abwägung, ist es richtig oder falsch? Wir müssten Dinge in Betaversionen schlecht machen und verbessern. Das würde ich, glaube ich, allen Beteiligten am Handwerk, also egal ob das der Betriebsinhaber, ob das 'n Institutsmitarbeiter ist.

Also wir müssen in dieses Stolpern reinkommen, aber Sachen machen und dann Fehler korrigieren. Aber diese Starre über wie geht das richtig, da passiert nichts. Und ich glaub, dass das der größte Hebel wär, wie's wieder vorwärts geht. Ja, ich glaub auch, dass das Thema Fehlerkultur oder Fehlerkultur bewusst zu leben, tatsächlich 'n ganz wichtiger Baustein ist, auch für die Zukunft wieder. Viele vergessen ja, dass sie Fehler gemacht haben.

Also zumindest mal, wenn man nachfragt, kannst Du dich daran erinnern? Nein, ich hab ja nie Fehler gemacht. Aber das ist ja nicht der Fall, ne? Wir haben alle auf unserem Weg genügend Situationen erlebt, wo wir nachher von profitiert haben, dass wir sie erlebt haben. Und auch das ist ja ein 1 Fehler Ja und auch.

Kultur, ja. Deutsche Wirtschaft ist ja nun mal auch so entstanden, dass wir also den den Ruf, den die hat, der liegt ja an sonem Hang nach Perfektion, also Dinge total gut machen. Und so haben sich die Dinger hier auch entwickelt und so ist ja auch Handwerk entwickelt. Also alles hat immer 'n sehr hohen Qualitätsanspruch. Jetzt gibt's auf einmal Branchen, die bringen Dinge in sonem mittleren Zustand, nehmen wir mal Software.

Die kommt immer als Betaversion aufn Markt und 2 Tage später sagen Apple und Microsoft, sorry, wir haben aus euren Fehlern gelernt, hier ist Punkt 1. Und da können wir eigentlich was draus lernen, uns sone Kultur anzueignen. Und wenn man das 'nem Kunden gut kommuniziert und sagen, pass auf, wir haben zwar machen jetzt 'n Experiment, das kostet ich kein Geld, aber wir wollen auch was da draus lernen, sind nicht mit dem Boot. Ja. Guter Punkt, Marc.

Schön, dass Du hier gewesen bist, dass Du uns mal mitgenommen hast auf eine interessante Reise, die ihr da ja quasi grade habt und die vor allen Dingen ja für die nächsten Jahre extrem wichtig sein wird, wie sich das entsprechend weiterentwickelt bei euch und vor allen Dingen dann da die Übergabe dann auch in die Betriebe dann entsprechend in Zukunft zu sein. Ja, hoffentlich, ne. Also das ist, also sagen wir es mal so, der Anspruch an uns und an mich selber ist, dass wir auf jeden Fall nicht wissen, was wir in 2, 3 Jahren tun. Also die, es geht da drum, immer wieder auf, wie soll man sagen, offen zu bleiben und wach zu bleiben, was sich tut. Und ich glaub das Bild, dass wir eine verlängerte Werkbank bleiben wollen, also Betriebe, Organisationen, die sollen die Probleme, die in ihrem Alltag wirklich für Probleme sorgen würden, weil's, wie gesagt, vielleicht für Fehler sorgt, die dann zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen.

Die kann man uns auslagern. Wir sind der Raum zum Stolpern, da kann man uns das machen lassen. Man kann auch da reinkommen und das mitmachen. Und dann entwickeln wir das gemeinsam soweit, egal was das ist, ob das 'n Produkt ist, ob das das Geschäftsmodell ist. Also 'n Betaraum soll das permanent bleiben.

Es hat nicht das Ziel fertig zu sein, sondern immer diese Betazone, ne. Immer weiterentwickeln. Sehr guter Abschluss. Marc, schön, dass Du hier warst. Vielen Dank.

Vielen Dank für deine Einladung. Ja, das war Marc Schnitzler. Ich danke fürs Einschalten und denk dran wie immer liken, abonnieren und teilen und bis zum nächsten Mal.

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