Sophia Hermann - Zeitmanagement im Handwerk
Worum es geht
In dieser Folge ist Coach und Expertin Sophia Hermann zu Gast und spricht über Zeitmanagement im Handwerk und im Alltag. Es geht um die Frage, wie stark unsere mentale Gesundheit mit dem Umgang mit Zeit zusammenhängt. Sophia teilt einfache Methoden, die sich sofort umsetzen lassen, um Zeit bewusster zu nutzen und mehr Klarheit, Fokus und Gelassenheit zu gewinnen.
Das nimmst du mit
- Zeitmanagement ist im Handwerk kein Nebenthema, sondern beeinflusst direkt Klarheit und Fokus im Arbeitsalltag.
- Der bewusste Umgang mit Zeit kann sich spürbar auf die mentale Gesundheit auswirken.
- Es gibt einfache Methoden, die sich ohne großen Aufwand sofort anwenden lassen.
- Mehr Struktur im Alltag führt zu mehr Gelassenheit statt zu zusätzlichem Druck.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Sophia Hermann ist Coach mit Expertise in den Bereichen Kommunikation, Konfliktmanagement, Zeitmanagement und mentaler Gesundheit.
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Transkript
Herzlich willkommen bei Handwerk spricht Ihrer Sendung, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit dem Handwerk verbindet. Und heute ist bei uns zu Gast Sophia Herrmann. Hallo Sophia, schön, dass Du hier bist. Sophia, Du bist Performancerexpertin, Gesundheitsexpertin, Konfliktbereich bist Du tätig. Es wär schön, wenn Du dich einfach mal ganz kurz vorstellst und uns mal das erzählst, was Du so im Alltag macht und vor allen Dingen dann die Einleitung für uns machst, was das Thema Zeitmanagement uns im Handwerk bringen kann.
Erst mal ganz herzlichen Dank für die Einladung. Schön, heute hier zu sein. Ja, wie Du schon sagtest, mein Name ist Sophia Herrmann. Ich bin Coach für Unternehmer, Führungskräfte und Selbstständige, vor allem mit den Kernthemen Kommunikation und Konfliktmanagement, Zeitmanagement und mentale Gesundheit, Stressmanagement, Resilienz, das ist auch noch so der Block Mindset, den ich mit dazumache. Ich begleite teilweise auch Verhandlungen, das sind so die Dinge, die ich vereine.
Und Zeitmanagement ist grade im Handwerk heutzutage natürlich wichtiger wahrscheinlich denn je. Wie wir alle wissen, Handwerker werden immer weniger, die Aufträge aber nicht unbedingt. Das heißt, es geht mittlerweile auch im Handwerk darum, sehr gut mit der eigenen Zeit umzugehen. Wie kann ich es hinbekommen, nicht ständig im Dauerstress zu sein? Grade Priorisierung ist 'n wichtiges Thema, wie krieg ich das noch hin, richtig zu priorisieren?
Und hinzu kommt ja auch für Handwerker, früher, da ging man vielleicht noch vorbei, hat gesagt, ich brauche, wann haste Zeit? Heutzutage werden auch Handwerker per E-Mail, per Whatsapp, per, ich weiß nicht, Social Media wahrscheinlich auch, per Telefon. Also auch da werden ja die Kommunikationskanäle immer mehr. Und auch das ist ein Faktor, der Zeitmanagement für Handwerk interessant macht. Wie schaff ich's dir, dass Handwerker Wie schaff ich's dir als Handwerker, beide Themen zu priorisieren?
Hast Du da 'n Hinweis für uns? Das ist eine schöne Frage, die mir auch sehr oft gestellt wird. Wie schaff ich Priorisierung? Weil das die größte Krux ist, an der viele Menschen scheitern. Aber da müssen wir noch einen Schritt vorhergehen, noch vor die Priorisierung.
Weil wenn wir über die Priorisierung sprechen, sind wir schon direkt in 1 Strategie drin. Mhm. Wir müssen aber noch mal einen Schritt zurückgehen, was brauch ich denn überhaupt, richtig priorisieren zu können? Dafür brauch ich erst mal ein konkretes Ziel. Und den Schritt überspringen viele.
Die wissen gar nicht, was ist jetzt, nehmen wir mal wieder Handwerker ganz konkret, Unterschied, ne, ist erst mal, bin ich eine One Man One Woman Show oder bin ich Unternehmer, Führungskraft, hab so meine, ich sag mal, 5 bis 10 Angestellten oder bin ich schon größer gewachsen 15 Leute plus? Das macht auch noch mal 'n Unterschied im Zeitmanagement. Aber grundsätzlich ist da die Frage, was ist denn im Moment überhaupt mein Ziel? Denn in dem Moment, wo ich gar nicht weiß, möcht ich grade eine Fusion beispielsweise anstreben? Geht es mir grade Mitarbeitergewinnung?
Geht es mir Kundenakquise? Geht es mir darum, Bestandskunden weiter, besser, neuer zu betreuen? Geht's mir Umsatzsteigerung? Das sind 5 völlig verschiedene Dinge, die ganz andere Prioritäten erfordern. Und es funktioniert nicht, mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen.
Das klappt in der Regel nicht. Wenn ich 3 Ziele zu verfolgen. Das klappt in der Regel nicht. Wenn ich 3 Ziele verfolge, schaff ich am Ende wahrscheinlich von dreien ein bisschen, wenn ich mir aber nur 1 setze für eine bestimmte Zeit, beispielsweise fürn erstes Quartal, fürn halbes Jahr. Was ist jetzt in dieser Unternehmensphase das wichtigste Ziel?
Das bestimmt, wonach ich priorisiere. Denn wenn ich das nicht mache, nicht weiß, was ist grade mein Ziel, dann glaube ich, alles, was kommt, wäre gleich wichtig. Und dann komm ich ins Schleudern und weiß gar nicht mehr, wo fang ich jetzt an? Wen mach ich jetzt als Erstes? Wer ist wichtig?
Wer ist dringend? Wer nicht? Du hast vorhin schon gesagt, ich komme ausm Gesundheitssystem ursprünglich. Ich war mal ganz, ganz früher Therapeutin, Gesundheitswissenschaftlerin, hab die letzten Jahre Management verbracht und in Krankenhäusern gibt es die sogenannte Triage. Das bedeutet, Patienten, die reinkommen, werden nach bestimmten Priorisierungsmustern behandelt.
Es geht nicht danach, wer hat den meisten Schmerz, sondern wer muss am dringendsten behandelt werden nach dem Ziel, Überleben zu retten? Da gibt's das ganz klare Ziel, Notaufnahme, Überleben retten. Bedeutet jemand, der 'n Schlaganfall hat, der hat vielleicht keine Schmerzen, der ist aber trotzdem wichtiger als der offene Beinbruch, der da sitzt, der sich vor Schmerzen krümmt und nicht mehr weiß, wohin. Aber es gibt 'n ganz klares Ziel und nach diesem Ziel wird priorisiert. Wenn ich das nicht hab, glaub ich, alles wäre gleich wichtig, was aber nicht stimmt.
Das heißt im Grunde priorisieren Zeitmanagement und dann kommt dadurch Qualität zustande? Qualität ist das, was unmittelbar mit Zeitmanagement zusammenhängt, grade im Handwerk. Ich finde, Handwerk, ich also 1 meiner Großväter war selber Tischler, Maurer, der hat sich mit mehreren Sachen durchgeschlagen, 'N bisschen was davon hat auch bei mir abgefärbt. Ich hab früher gesagt, entweder will ich Ärztin werden oder Tischlerin. Heute wissen wir, beides ist es nicht geworden, aber ich bin trotzdem gerne handwerklich selber noch unterwegs.
Und ich finde grade Handwerk ist ein Beruf, der ja oft auch sehr qualitätsgetrieben ist. Auch von der Persönlichkeit der Menschen, die sagen, ich gehe ins Handwerk, die möchten was Schönes, was qualitativ Hochwertiges schaffen. Der Handwerk funktioniert ja nur mit Qualität, muss man ganz klar sagen. So, ne, wenn wenn Pfusch am Bau ist, dann hast Du auch schnell Wasser im Haus, ne. Also da geht's auch wirklich Qualität.
Und mit dem Zeitmanagement hab ich kein gutes Zeitmanagement bin ich ja immer irgendwie in Hektik, immer irgendwie in Stress. Ich muss immer versuchen, mehrere Bälle oben zu halten, da leidet automatisch meine Qualität drunter, denn ich nehme mir auch nicht mehr die Zeit, die ich für bestimmte Prozesse brauche, gewisse Qualität abliefern zu können. Und was man auch nicht unterschätzen darf bei Handwerkern, ist das Thema psychische Belastung, Burn out, Depression. Ich hab einige Handwerker bei mir im Coaching, sowohl Soloselbstständige als auch Geschäftsführer, Unternehmer, die größer gewachsen sind und die viel darunter leiden, dass sie eben Zeitmanagement, Stress, aber auch den Anspruch an die eigene Qualität nicht mehr unter einen Hut bekommen. Und das Ergebnis von diesen Dreien, wenn das zu lange auf 'nem zu hohen Level schwelt, sind dann meistens Burnout oder Depressionen.
Und das ist grade auch im Handwerk, das ist mir auch wichtig an dieser Stelle, das mal zu sagen, diese Stigmatisierung auch aufzuheben, das ist 'n Thema. Da wird oft nicht drüber gesprochen, aber das ist auch bei Handwerkern ein großes Thema. Und da sind grade die, die jetzt vielleicht hier auch zuschauen, zuhören, dass die wissen, sie sind damit nicht alleine. Es geht vielen Kollegen so. Ja, genau.
Also es ist ist natürlich 'n 'n Riesenfeld, was Du jetzt gerade ansprichst oder auch 'n 'n schwieriges Thema, denn ja, die Menschen sind ja immer der Meinung, dass sie gerade persönliche Schwächen, die man vielleicht so identifiziert in dem Bereich, ja dann eben halt nicht preisgeben möchte. Ja. Heißt also an der Stelle gibt's den Bedarf einfach eher offener mit sich selber auch umzugehen Ja. Und eben halt dann auch aktiv zu werden, wenn man in dieser Situation ist, ne. Genau, ich hatte auch damals als Therapeutin hatt ich, ich hatte ja viele Handwerker, ne.
Hast einen Maler, der ist der Klassiker, Schulter, ne. Elektriker auch Klassiker, Schulterverletzung. Und die kamen dann oft mit körperlichen Gebrechen. Das ist auch irgendwie grade im Handwerk, das ist okay, weil das gehört ja auch dazu. 'N Fliesenleger hat irgendwann keinen Knorpel mehr in den Knien, das weiß der.
Aber Psyche ist immer noch so was, das ist Schwäche. Das wird assoziiert mit Schwäche. Aber wenn wir doch mal ehrlich sind, egal, was wir für Probleme haben, wer clever ist, der holt sich Hilfe von 'nem Experten. Egal ob's 'n Loch in der Wand geht, die Steuererklärung, Kratzen im Hals, genauso bei der Psyche, wenn ich nicht weiß, wie ich weiter zurechtkomme alleine, hole ich mir 'n Profi. Und da müssen wir, find ich, mehr hin auch im Handwerk, dass das okay ist zu sagen, es gibt Dinge, die schaff ich nicht alleine.
Ich hol mir für meine Website 'n Profi, also hol ich mir für meine wichtigste Ressource, nämlich für mich, auch 'n Profi und das ist okay. Ja, vollkommen richtig. Jetzt ja ein Punkt, den man ja da vielleicht noch dazu nehmen kann, ist ja zum Beispiel das Thema bei Zeitverzögerung, Ja. Von die man selber gar nicht zu verschulden hat, sondern Zeitverzögerungen, die eben halt durch den Kunden oder durch Lieferanten oder durch das Umfeld im Endeffekt entsteht. Was was kann man da tun?
Weil im Endeffekt potenziert sich ja genau das Thema da, ne? Genau, grade im Handwerk. Wie Du schon sagst, Du hast ja nicht nur den Kunden, der verzögern kann, sondern wenn Du Pech hast, Du hast eine Baustelle, wo vorher noch 'n anderer Handwerker dran ist, dann ist der vielleicht langsamer, kann ich mal der Kunde was für? Mhm. Und Du hast auf der anderen Seite aber dann vielleicht auch Lieferprobleme.
Eine ganze Zeit lang war's ja Beispiel Holz, ne. Holz war 'n großes Thema, konnte nicht geliefert werden, dadurch Verzögerungen. Natürlich ist, wer Handwerker ist, der weiß ungefähr einzuschätzen, was ist realistisch. Ich meine, irgendwann kommt ja auch die Erfahrung dazu. Du weißt, wie lange braucht der und der Kollege, der vor mir dran ist, das ist 1, wo ich schon weiß, der braucht immer 3 Tage länger, als er eigentlich sagt.
Ich weiß auch, wie schnell krieg ich die und die Teile aus China, Polen, ich weiß nicht, wo die alle herkommen. In der Regel, so Pi mal Daumen kann man das abschätzen. Schwierig wär's ja nur in dem Moment, wo ich wirklich auf Knopf geplant habe und dann wird mir das zerschossen von extern. Und da finde ich immer ganz wichtig im Zeitmanagement, sich Puffer einzuplanen. Grundsätzlich Puffer bei bei Montagen, je nachdem wie groß die sind, kann das auch sein, dass ich mal wirklich eine ganze Woche Puffer einplanen muss, je nachdem wie groß die Baustelle ist.
Aber dass ich den einfach mit einkalkuliere, denn im Zweifelsfalle schneller fertig zu sein, das ist kein Problem. Du kriegst ja die Zeit, die Du dann übrig hast, die kriegst Du ja sofort gefüllt. Aber wenn Du diesen Puffer nicht hast, muss danach die ganzen anderen Aufträge mit den unzufriedenen Kunden, mit denen das dann zu tun hat, na, da müssen wir sagen, ich bin ja auch im Bereich Kommunikation, Konflikte unterwegs. Für viele Handwerker ist Kommunikation, Konflikte auch echt 'n Thema. Wie gehe ich mit unzufriedenen Kunden die immer rumpiltern, die das vielleicht nicht verstehen, dass sich Dinge verzögern können.
Dann wird's irgendwann auch unangenehm, dass ich aber diesen Puffer direkt schon einplane, auch innerhalb 1 Tages zum Beispiel, wenn ich weiß, ich sitze heute viel im Büro. Es kommt je nach Branche immer irgendein Notfall rein. Irgendwo ist 'n Rohr geplatzt oder keine Ahnung, was was los ist, aber dass ich für mich immer einen Puffer im Tag habe, den ich füllen kann mit Notfällen, denn wenn ich meinen Tag 8 Uhr starte und 9 Uhr kommt schon der 1. Notfall und ich hab auf Knopf alles durchgeplant, dann ist der Tag schon zerschossen und die meisten haben dann schon keine Lust mehr. Weil sie wissen, schön sauber geplant, jetzt ist alles Grütze, kann ich vergessen, dann macht der Tag schon keinen Spaß mehr.
Aber diese Puffer wirklich einzuplanen. Jetzt wirst Du ja wahrscheinlich dann häufig das Argument bekommen, wenn ich mir Puffer einplane, ist das im Endeffekt unnütze Zeit beziehungsweise unbezahlte Zeit. Was sagst Du dazu? Handwerkerinnen und Handwerker wie Du halten die Welt zusammen und wir halten dir den Rücken frei. Wir stehen für Innovation im Handwerk, für Lösungen, die vorangehen und für Arbeit, die sicher und smarter wird, weil Handwerk Zukunft ist.
Diese Zeit zu füllen ist ja kein Problem, wenn die Arbeit da ist. Mhm. Grade bei Handwerkern, was bleibt da oft liegen? Das ist der Papierkram. Mittlerweile, also es ist ja nicht selten, dass man sone Handwerkerrechnung auch vielleicht erst mal son Jahr oder auch manchmal anderthalb Jahre später bekommt, alles schon passiert.
Das ist Zeit, die kann ich immer mit solchen Sachen füllen, wo ich weiß, ich muss die ja sowieso machen. Ich muss sie ja machen. Später fällt sie mir auf die Füße, weil ich weiß, okay, so langsam greift die Verjährungsfrist, dann krieg ich wieder Zeitnot. Aber das sind Dinge, dass man auch parat hat, wenn ich mal son Puffer nicht brauchen sollte, mit was für 'ner Aufgabe werd ich das füllen? Dass das schon klar ist, dass man diese Priorisierung auch schon im Hinterkopf hat.
Was sind Sachen, wo ich weiß, muss ich sowieso machen, kann ich sofort immer reinschieben? Mhm. Und wie minimierst Du irgendwelche Zeit beziehungsweise unwichtige Themen? Mhm. Grundsätzlich hab ich für mich erst mal definiert, welchen Wert hat meine Zeit überhaupt?
Und das machen viele nicht, sondern die werden in ihrem eigenen Leben reaktiv statt aktiv in der Zeitplanung. Das bedeutet, jemand anderes bestimmt darüber, wie ich meine Lebenszeit verplane. Und das ist gefährlich, weil dann auch immer der Eindruck entsteht, ich hab zwar heute viel gemacht, aber eigentlich wenig geschafft, weil meine To dos hab ich nicht geschafft. Also als Allererstes hab ich für meine Zeit einen Wert definiert, was ist meine Zeit wert und was nicht? Dann hab ich für mich ganz klar mein Ziel, was ist aktuell in diesen Wochen, in diesen Monaten bei mir oberstes Ziel, danach priorisiere ich.
Und danach filter ich schon, was hat Daseinsberechtigung in meinem Terminkalender? Ich gucke wirklich, was zahlt auf mein Ziel ein? Was ich mittlerweile zum Beispiel auch kategorisch reduziert habe, sind Gespräche mit Menschen, die, sagen wir mal, so gar nicht zielführend für irgendwas im Leben sind. Gespräche mit Leuten, bei denen das Glas immer halb leer ist, wo immer alles elend und schwierig und ach, ne. Das ist mir meine Zeit nicht mehr wert.
Es gibt Leute, die grüß ich ganz nett und dann geh ich aber auch sofort weiter. Da bleib ich nicht mehr stehen. Auch privat ein Beispiel, ich hab eine Strickjacke in, ich glaube, 8 Farben. Es ist mir nicht wert, meine Zeit mit Shopping zu verbringen. Teile von mir sind jetzt noch relativ jung, das heißt, jetzt in dieser Lebensphase möcht ich noch was reißen.
Ich möchte anderen Leuten dabei helfen, ihre Probleme zu lösen, ihnen zu zeigen, wie kriegen sie das selber langfristig in den Griff? Irgendwann wird eine Zeit kommen, wo ich wahrscheinlich sage, jetzt leg ich mich mal 'n bisschen mehr zurück, aber jetzt ist mir meine Zeit nicht wert, shoppen zu gehen. Ich hab einen weißen Sneaker, ich glaube, sechsmal im Schrank, weil ich weiß, der passt zu fast allen Sommeroutfits für die Arbeit, da reduzier ich Zeit. Aber eben auch bei meinem Terminkalender. Ich prüfe genau, was darf da rein und was nicht?
Und das hab ich beispielsweise mit Farben markiert. Für mich gibt's eine Farbe, die ist grün, die ist unantastbar. Das sind feste Termine wie heute hier, die werden nicht verschoben. Und es gibt eine Farbe, wo ich weiß, da muss ich gar nicht gucken, was steht da drin in dem Fenster? Das kann ich für den Tag sofort auf einen anderen verschieben, wenn was Wichtigeres reinkommt.
Interessant, da bist Du schon in Priorisierung. Genau. Dann auch eventuell Deadlines, Termine und Ähnliches dann einzuhalten, ne. Das ist also dann quasi auch 'n Tipp, den auch den man auch mitnehmen kann jetzt. Genau, ganz genau.
Für sich mal zu prüfen, was sind bei mir als Handwerker Kategorien, die wichtig sind, die entscheidend sind? Beispielsweise Thema Rechnungen schreiben, ja, weiß ich, muss ich machen. Wenn aber 'n Notfall reinkommt, ist das eine Box, die kann ich im Zweifelsfall verschieben, ne. Klar, vollkommen richtig. Jetzt kommen wir zum ganz spannenden Punkt, Thema Pausen.
Ja, Wie kann man denn Pausen in den Alltag einbringen, damit's ja auch dann trotzdem nicht dazu führen, dass man in irgendeiner Form im Zeitmanagement wirklich hinten dranhängt? Ja. Pausen sind so wichtig. Es wird ja oft gedacht, ja komm, Pause ist wichtig irgendwie für Denksportler, ne. Für Leute, die den ganzen Tag, weiß nicht, Wissenschaftler oder Professoren oder irgendwelche Menschen, die wichtige Fragen dieser Welt versuchen zu lösen.
Aber bei Handwerkern ist das nicht weniger wichtig, denn was ich so von Handwerkern kenne, wenn erst mal die 1. Morgenpause war, irgendwie so halb 10, 10, dann wird irgendwann mal eine Pause gemacht, wenn der Hunger oder der Durst kommt. Hunger oder Durst sind aber ein Zeichen, dass unser Körper schon im Mangel ist. Also das bedeutet, der fährt schon auf Sparflamme. Ich bin nicht mehr so konzentriert, ich werde dann auch in der Qualität, die lässt nach.
Wenn ich Durst oder Hunger habe, mein Körper ist schon im Stress, im Mangel, lässt die Qualität nach, aber auch die Achtsamkeit, ja. Aufpassen, Arbeitsunfälle und so weiter. Ich hatte neulich mal beim Thema Zeitmanagement eine Anfrage auch von 'nem Handwerkerbetrieb, ja, wie ist das denn mit Überstunden? Ne, ist das ist ja irgendwie Standard, ist das, welche Rolle spielt das im Zeitmanagement, Konzentration und so weiter? Selbst wenn ich eine Aufgabe habe, für die ich nicht mal eine Hirnzelle bräuchte, sondern ich hab vielleicht nur Teile, die ich von a nach b räume oder ich muss nur immer dieselbe Tastenkombi tippen, den ganzen Tag, 0 1 0 1 0 1 0 1.
Irgendwann lässt der Saft im Hirn nach und ich fange an, Fehler zu machen. Dann mach ich 0 0 1 1, dann weiß ich gar nicht mehr, welche Zahlen überhaupt noch. Egal wie einfach diese Aufgabe ist, ich werde fehleranfälliger, die Leistung lässt nach, die Qualität lässt nach. Und deswegen ist es wichtig, Pausen auch wirklich zu planen, bevor Hunger und Durst einsetzen. Klar, bei 'nem Handwerker, der kann nicht immer sagen, vielleicht wie der Beamte, ich mache immer 12 Uhr 30 bis 13 Uhr, geht immer.
Da kann ich immer 'n Betonmischer stehen lassen. Aber dass man ungefähres Zeitfenster so im Rahmen von 1 Stunde sich mittags setzt innerhalb dieser Stunde, mach ich meine Mittagspause, die wirklich fest einzuplanen, damit mein Hirn und mein Körper wieder die Energie bekommen, die ich brauche, den Rest des Tages gute Arbeit zu leisten. Das ist gut. Und jetzt kommen wir zum anderen Extrem, Multitasking. Was hältst Du davon?
Multitasking ist so ein schöner Mythos, der sich nach wie vor so sensationell hartnäckig hält. Multitasking und das sagte jetzt eine Frau, ja. Ich finde, das hat noch mal 'n anderes Gewicht, wenn eine Frau das sagt, Multitasking gibt es nicht. Multitasking ist nicht möglich, es ist für unser Gehirn nicht möglich, sich auf 2 Dinge gleichzeitig voll zu konzentrieren. Es klappt nicht.
Unser Gehirn kann nur zwischen Dingen ganz schnell hin- und herspringen. Das merkt man beim Autofahren, ich gucke kurz aufs Handy, mittlerweile weiß man ja, wie viel Blindflug man hat, selbst bei nur 50 kilometer per stunde, wenn Du 3 Sekunden aufs Handy guckst, weil es nicht funktioniert. Es klappt nicht. Multitasking ist son Irrglaube und auch im Handwerk. Was ich immer mehr sehe, das sind Handwerker, die haben die Smartwatches, wo dann die ganzen Nachrichten sofort reinploppen, dann wird gesehen, wer ruft an, Du nickst schon grade ganz fleißig, ja, kenn ich auch, ne?
Hab ich schon 'n paar Mal gesehen, ja, ja. So, welche E-Mail kommt rein, welche Whatsapp. Das ist jedes Mal eine Unterbrechung. Jedes Mal. Auch wenn ich die im Coaching sitzen habe, es ploppt irgendwas auf sofort, ist die Konzentration für den Moment, die ist raus.
Das ist ja egal, was Du grade machst, ob Du Fliesen legst, ob Du Schindeln aufn Dach klopfst, in dem Moment ist deine Konzentration weg. Für unser Gehirn ist das anstrengend. Das ist immer Hin- und Herspringen ist total anstrengend. Das ist Hochleistungssport. In unser Gehirn ist kein Marathonläufer, sondern das ist 'n Sprinter.
Der kann mal kurze Zeiten kann der Vollgas geben, dann braucht er aber auch seine Pause. Und wenn der immer hin- und her switchen muss, ist das wahnsinnig anstrengend und energie also nicht effizient, sondern kostet viel Energie. Das heißt, da macht es auch Sinn zu sagen, ich bin jetzt mal eine Stunde oben aufm Dach, ich hab nicht dieses Ding am Handgelenk, ich bin auch für diese Stunde nicht erreichbar. Wenn ich 'n Unternehmen hab, kann ich das auch delegieren an jemanden, der Anrufe entgegennehmen kann. Aber ich konzentriere mich drauf, mal effizient eine Stunde lang Büro, Baustelle oder sonst irgendwas zu machen.
Also, also, eigentlich, wenn man abends nach Hause fährt und Kopfschmerzen hat, könnte es dann damit zusammenhängen, weil man halt an zu vielen Stellen zu viel Impulse hatte zum Beispiel. Zu viele Impulse, zu wenig getrunken, zu wenig Pause, genau. Ja, gute Zusammenfassung. Sehr gut, ja. Hast Du uns denn einen Hack mitgebracht für unsere Zuschauer?
Ja, also ein konkreter Hack ist, das eine ist ja bei Handwerkern dieses kannste mal eben. Das auch IT Die da, Genau, kannste mal eben, Du kannst das doch. Dieses kannste mal eben kategorisch rauszustreichen. Grade ein Handwerker weiß, einmal eben gibt es eigentlich nicht. Du wirst gerufen, weil irgendwo 'n Fleck an der Decke ist, aber das ist dann nicht nur 'n Fleck an der Decke, den Du überpinselst, dahinter wartet 'n Wasserrohrbruch oder ich weiß nicht was.
Das ist kein mal eben. Auch diese mal ebens wirklich zu terminieren, einzuplanen und nicht zu sagen, nee, das mach ich jetzt zwischen Tür und Angel, sondern alles kriegt einen eigenen Termin, der geplant wird. Auch zu sagen, wenn ich vielleicht eine One Man- oder One Woman Show bin, ich plane einen ganzen Tag Büro. Und nicht, ich fahre mal zur Baustelle hin, möchte abends noch ins Büro, merke dann aber, die Baustelle dauert länger. Zack, ist der Abend mit Büro wieder zerschossen.
Und dann zu sagen, nein, Montag bis Donnerstag mach ich Baustelle, Freitag bin ich komplett den Tag im Büro und nutze die Zeit dann dafür, mir das einzuplanen. Und plane mir aber auch, was ich an dem Tag konkret machen will. Also jetzt eigentlich schon 3 Hacks in einem, aber auch dieses Bewusstsein, was ist denn meine Zeit überhaupt wert? Ja. Ich hatte als Therapeutin damals, ich hab unterschiedliche Bereiche abgedeckt und gearbeitet, aber unter anderem auch in Altenheimen.
Das heißt, ich hatte da das das große Geschenk, mal sonen kleinen Blick in die Zukunft werfen zu dürfen, was man ja normalerweise nicht hat oder nicht macht, und mal erleben zu dürfen, was ist denn am Ende des Lebens eigentlich wirklich wichtig? Wir glauben ja jetzt, es wären so viele Dinge gerade wichtig, eben alles ist gleich wichtig. Aber mal zu schauen, was bleibt denn, wenn Du 80, 90, 100 bist? Was sind die Dinge, an die Du zurückdenkst und wo Du dir wünschst, davon hätte ich gerne mehr gehabt? Und die Antwort war immer dieselbe, es war immer Zeit.
Es war nie mehr Geld, mehr Kinder, mehr Hunde, mehr Autos, mehr Häuser, sondern es war immer mehr Zeit. Und sich dessen mal bewusst zu werden, dass Zeit aktuell bei all den kostbaren Dingen auf diesem Globus die kostbarste Währung ist, die wir haben. Nicht Bitcoin, nicht Edelmetall, nicht Metongold, sondern Zeit. Denn jeder Moment, der weg ist, den kriegen wir nicht wieder. Ich sag immer, unser Leben ist wie sone Sanduhr, nur keiner weiß, wie viel Sand ist oben drin.
In der eigenen Uhr weiß keiner von uns. Wir wissen aber genau, jedes Sandkorn, das einmal durch die Mitte geflossen ist nach unten, das kommt nie wieder oben rein. Und sich mal bewusst zu werden, wie kostbar wirklich Zeit ist und wofür man die verwenden möchte. Und zum Abschluss unserer Zeit habe ich noch eine Frage an dich. Ja.
Und zwar, wie Du die Stellung des Handwerks in der Gesellschaft wahrnimmst. Ist die ist die Stellung so, dass Du sagst, die ist gerechtfertigt oder müsste sie in irgendeiner Form anders sein? Es ist eine sehr, sehr spannende Frage und die ist so komplex, finde ich, da könnten wir noch mal eine ganze Session zu machen. Die Gesellschaft, ich find, das muss man noch mal 'n bisschen unterteilen. Ich sag mal, nehmen wir mal so ü 60 70.
Das sind, glaub ich, die, die haben schon viele Jahre 'n ähnliches Bild von Handwerk. Handwerk gehört zum Leben dazu, ist wichtig, ist klar. Dann haben wir vielleicht die, sagen wir mal, zwischen 25 30 und 60 70. Das sind die, die den Mangel merken, weil die brauchen die Handwerker und merken, die fehlen. Da ist, glaub ich, die Wertschätzung, so erlebe ich das, extrem hoch für Handwerker, extrem.
Okay. Bei den jungen Leuten, das sind die, die brauchen noch keine Handwerker, ne, die Jugendlichen und die irgendwie anfangen mit Zwanziger, die haben, habe ich das Gefühl, wenig Bewusstsein dafür, wie wichtig der Job ist, wie spannend der auch sein kann. Und auf der anderen Seite haben wir aber auch das Handwerk selber, das meiner Meinung nach noch zu wenig dafür tut, grade bei dieser jungen Gruppe, die sie brauchen als Nachwuchs, attraktiv zu sein. Beispiel, Frauen im Handwerk, mal 'n ganz einfaches Beispiel. Vor einiger Zeit hatte mir mal ein junger Geschäftsführer im Handwerk gesagt, also jünger als ich, also blutjung kannst Du sagen, hat mir gesagt, ja, also selbst wenn ich eine Frau bewerben würde, die würd ich nicht einstellen, weil das würde zu viel Unruhe im Team machen.
Ich finde diese Aussage aus mehrerlei Hinsicht sehr, sehr schwierig und auch ehrlich gesagt nicht zeitgemäß. Denn die Frage ist doch, was brauchen wir? Nicht nur wir als Handwerksbetrieb, sondern wir als Gesellschaft. Dieselbe Debatte gab's damals mal in der Bundeswehr. Sollten Frauen wirklich rein, ja oder nein?
Da gab's auch wichtige Argumente, dass Männer gesagt haben, na ja, eine Frau, die kann mich nicht vom Feld ziehen, das klappt nicht. Gut, aber brauchen wir vielleicht die Frauen? Ich kenn mich Gott sei Dank bei Kriegsführung nicht aus, aber grundsätzlich würde mir 1 sagen, na ja, ob wir jetzt 50000 Männer an der Grenze stehen haben oder 70000, von denen 20000 Frauen sind, dann weiß ich, welche Optionen sich für mich besser anfühlen würde. Und auch da gibt's die Möglichkeit zu sagen, wir machen das einfach mal 'n bisschen attraktiver, auch für Frauen im Handwerk. 'N paar Frauen im Handwerk, die haben verstanden, die die machen Instagram, die machen TikTok, die zeigen sich, wie sie damit baggern, die dollsten Dinger machen und die haben ja irre Klickzahlen.
Das ist ja Wahnsinn. Und das sollten aber auch Handwerksunternehmen für sich nutzen, zu sagen, wir sprechen jetzt vielleicht auch mal eine andere Gruppe an, weil die können das auch. Und Handwerkerin zu sein heißt noch nicht, ich muss mich entscheiden zwischen ich sehe gut aus oder ich bin dreckig, sondern zum Beispiel im Sport Biathlon. Es gibt Biathletinnen, die laufen los, wie Gott sie geschaffen hat, ungeschminkt. Es gibt welche, die schminken sich und sehen dann eben aus, wie sie immer aussehen, dass auch da viel möglich ist und Facettenreichtum da ist, weil ich glaub, das spricht noch mal eine andere Gruppe an.
Das war 'n schönes Schlusswort. Sophia, vielen Dank, dass Du hier gewesen bist. Ich danke dir. Das war Sophia Herrmann. Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.