Elektrotechnik, Holzbau, Stahlgerüste, Statik – all das klingt zunächst nach klassischem Handwerk. Tatsächlich beschreibt es aber den Arbeitsalltag in der Veranstaltungstechnik. In der Sendung Handwerk spricht war Sascha Heß zu Gast, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Action Life Veranstaltungstechnik aus Koblenz. Im Gespräch zeigte er, wie eng seine Branche mit dem Handwerk verzahnt ist – und warum sie in vielen Punkten dennoch nicht offiziell dazugezählt wird.
Zwischen Bühnenbau und Elektrotechnik
Sascha Heß, 30 Jahre alt, führt ein Unternehmen, das weit über die klassische Veranstaltungstechnik hinausgeht. Neben Ton, Licht und Videotechnik gibt es eine eigene Set-Bau-Abteilung, in der große Bühnenhintergründe aus Holz entstehen. Auch Stahlgerüstbau als Unterkonstruktion für Bühnen gehört zum Repertoire.
Damit berühren die Tätigkeiten gleich mehrere handwerkliche Gewerke. Für Heß ist die Sache eindeutig: Sein Beruf gehört zum Handwerk. Offiziell sei das jedoch nie so eingeordnet worden – obwohl das Team überwiegend in schwarzer Arbeitskleidung und mit Sicherheitsschuhen unterwegs ist, wie es für einen handwerklichen Beruf üblich ist.
Digitalisierung als Schub durch die Corona-Zeit
Beim Blick auf die technologische Entwicklung nennt Heß vor allem die Digitalisierung als treibende Kraft. Künstliche Intelligenz spiele im eigenen Unternehmen derzeit noch keine Rolle. Umso deutlicher sei der Sprung, den die Corona-Zeit ausgelöst habe.
Weil Offline-Veranstaltungen ab 2020 verboten waren, mussten schnell Alternativen her. Streaming, zuvor eher ein Randthema, wurde in kürzester Zeit umgesetzt. Über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams lassen sich heute Teilnehmer weltweit verbinden – ein Werkzeug, das nach Ansicht von Heß nicht nur Reisekosten spart, sondern völlig neue Möglichkeiten eröffnet.
Ausbildung mit vielen Kompetenzen
Das Unternehmen bildet klassische Berufe aus – etwa Bürokaufleute, Schreiner und Fachkräfte für Lagerlogistik. Dazu kommt die vergleichsweise junge Fachkraft für Veranstaltungstechnik, die es seit rund 20 bis 25 Jahren gibt und die eine große Bandbreite an Kompetenzen vereint.
- Statik – etwa die Frage, welche Traversen an Hallendecken gehängt werden dürfen und wie man das berechnet
- Elektrotechnik – vom sicheren Verlegen der Kabel bis zur Reparatur von Geräten
- Netzwerktechnik – zunehmend wichtig, da viele Geräte inzwischen über Netzwerk angesteuert werden
- Ton, Licht und Videotechnik – vom Einstellen der Lautsprecher bis zur richtigen Ausleuchtung beim Streaming
Heß legt Wert darauf, dass jeder Techniker grundsätzlich alle Gewerke abbilden kann, auch wenn Spezialisierungen möglich sind. Eine Meisterausbildung ist in der Branche in unterschiedlichen Fachrichtungen möglich, ebenso ein Studium. Beides bietet sein Unternehmen aktuell noch nicht an. Passendes Personal und geeignete Auszubildende zu finden, sei angesichts der geforderten Vielseitigkeit eine echte Herausforderung.
Planung, Logistik und das Prinzip der Lösung
Bei der Projektplanung steht für Heß zunächst der Wunsch des Kunden im Mittelpunkt: Welche Botschaft soll gegenüber den Gästen vermittelt werden? Von diesem Ausgangspunkt hängt alles Weitere ab – ob es sich um eine Veranstaltung mit 500, 5.000 oder 50.000 Besuchern handelt, welches Budget zur Verfügung steht und wie die Materialdisposition organisiert wird.
Entscheidend ist die zeitliche Abstimmung der Gewerke. So lassen sich Lampen erst montieren, wenn die Traversen an der Decke hängen. Die Lichttechniker werden also erst später gebraucht, während zu Beginn das Rigging im Vordergrund steht. Die Planung großer Events zieht sich entsprechend über einen langen Zeitraum.
Dass etwas schiefgeht, gehört für Heß zum Alltag – ob defekte Lampen, kaputte Spezialkabel oder gar ein verunglückter Lkw mit der Technik an Bord. Sein Grundsatz lautet:
Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungen.
Der wesentliche Unterschied zum klassischen Handwerk liegt für ihn im Zeitdruck: Ein Fliesenleger könne bei einem defekten Paket am nächsten Tag weitermachen. In der Veranstaltungstechnik dagegen öffnen die Türen zur festgelegten Zeit – bis dahin muss alles funktionieren. Improvisationsvermögen sieht Heß daher als Grundvoraussetzung, die er allen Mitarbeitern bis hin zu den Auszubildenden zuschreibt.
Arbeitssicherheit ohne Kompromisse
Beim Thema Sicherheit ist Heß kompromisslos. Sicherheitsschuhe sind für alle Pflicht – vom Lkw-Fahrer bis zum Techniker. Bei schwebenden, noch nicht gesicherten Lasten wird mit Helm gearbeitet, Handschuhe mindern die Quetschgefahr, und bei Arbeiten in der Höhe ist die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz mit Klettergurt zwingend.
Diese Regeln stehen nicht zur Diskussion. Wer sich nicht daran hält, kann nach Hause fahren. Bislang, so betont Heß, sei nichts Schlimmes passiert.
Reisen, Netzwerke und faire Bezahlung
Die Branche ist stark von Netzwerken geprägt. Neben einem festen Grundstamm arbeitet das Unternehmen mit freien Technikern zusammen, die europaweit hinzugezogen werden. Auch bei Lieferanten setzt Heß auf langjährige, verlässliche Partner. Nachhaltigkeit spielt dabei eine Rolle, etwa bei der Frage, ob eigenes Material durch die Republik gefahren oder vor Ort gemietet wird.
Das Reisen gehört fest zum Job. Veranstaltungen sind meist zwei bis drei Monate im Voraus planbar, gelegentlich meldet sich aber auch kurzfristig eine große Produktion. Sein junges Team komme gut damit zurecht, so Heß, zumal sich zwischendurch auch mal ein freier Tag zum Beispiel in Barcelona einbauen lasse. Die Branche ist saisonabhängig; Urlaubssperren in den Hauptzeiten und Ausgleichsstunden im ruhigeren Winter zwischen Jahreswechsel und Karneval gehören dazu.
Zum Abschluss betonte Heß, dass das Handwerk in der Gesellschaft immer noch zu häufig belächelt werde, obwohl es unfassbar wichtig sei. Selbstkritisch verwies er allerdings auf die Bezahlung in seiner eigenen Branche: Im Vergleich zu den Verrechnungssätzen von Malern, Fliesenlegern oder Kfz-Mechatronikern habe die Veranstaltungstechnik trotz hoch spezialisierter Fachkräfte noch erheblichen Nachholbedarf.