Holz gilt als einer der ältesten Baustoffe der Menschheit – und dennoch fristet der moderne Holzbau in Deutschland eher ein Nischendasein. In der Podcast-Folge von Handwerk spricht war Zimmerermeister Sascha Eilers zu Gast, der gemeinsam mit seiner Frau vor zwölf Jahren eine Zimmerei im niedersächsischen Schüttorf nahe der niederländischen Grenze gegründet hat. Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist heute ein Unternehmen mit zwölf Beschäftigten geworden, spezialisiert auf Holz- und Hallenbau. Im Gespräch räumt Eilers mit verbreiteten Vorurteilen auf und erklärt, warum die nachhaltige Bauweise mit Holz seiner Ansicht nach viel stärker gefördert und in der Gesellschaft verankert werden sollte.

Verbreitete Glaubenssätze halten der Realität nicht stand

Nach Einschätzung von Eilers wird der Holzbau bis heute von hartnäckigen Vorurteilen begleitet – teils sogar von Architekten weitergegeben. Holz sei angeblich teurer, brandschutzgefährlich und anfällig für Feuchtigkeit. Für den Zimmerermeister sind diese Behauptungen schlicht unbegründet.

Beim Thema Brandschutz verweist er auf ein anschauliches Beispiel: Nach einem Hausbrand bleibe oft der Dachstuhl aus Holzbalken stehen, während anderes zusammenfalle. Ein massives Stück Holz sei kaum als Ganzes zu entzünden. Sein Betrieb erreiche bei Hallen automatisch die Feuerwiderstandsklasse F30, weil verdeckte Holzverbindungen mit Schwalbenschwänzen nach traditioneller Bauart eingesetzt werden statt Eisenverbinder. Auch das Feuchtigkeitsargument entkräftet er mit dem Hinweis, dass ein Baum ohne Feuchtigkeit gar nicht erst hätte wachsen können.

Massiv, dämmstark und schnell gebaut

Eilers plädiert dafür, nicht länger zwischen Holzrahmenbau und Massivbau zu unterscheiden – denn eine Holzrahmenwand sei aus seiner Sicht genauso massiv, wenn nicht sogar stabiler als eine Klinkerwand. Er verdeutlicht das mit einem Bild: Nähme man einer Klinker- oder Kalksandsteinwand den Beton darunter weg, würde sie zusammenfallen, während eine Holzwand wie eine Scheibe stehen bleibe.

Zu den Vorteilen zählt er kürzere Bauzeiten, bessere Dämmwerte und geringere Wandstärken. Weil sich mehr Dämmung auf weniger Raum einbringen lässt, entfällt etwa die zusätzliche Dämmung vor dem Klinker. Sein Betrieb baue komplett ökologisch – bis hin zur Holzfaserdämmung, frei von chemischen Erzeugnissen.

Auch beim Wohnklima sieht Eilers klare Pluspunkte. Er selbst lebt seit rund zehn Jahren in einem Holzrahmenhaus mit sichtbarer Balkenlage, das trocken aufgestellt wurde:

Es riecht heute noch bei uns nach 10 Jahren. Und wenn wir Besuch kriegen: boah, die riecht's immer so toll nach Holz.

Förderung, Regeln und Vorreiterprojekte

Beim Blick auf Gesetzgebung und Regulierung sieht Eilers Nachholbedarf. Manche Versicherungen seien für Holzbauten teurer. Zwar gebe es Ansätze zur Unterstützung, doch die Entwicklung gehe zu langsam und die Aufklärung sei unzureichend. Sein Wunsch: eine eigene Förderung für ökologische Holzbauweisen – ähnlich wie sie derzeit für Photovoltaik existiert.

Als Beleg für das Potenzial des Holzbaus nennt er internationale Vorreiterprojekte: ein 65-Meter-Hochhaus in Hamburg, ein 85-Meter-Bau in Norwegen und Pläne für ein 300 Meter hohes Holzgebäude in London. Diese Leuchtturmprojekte zeigten, dass sich Holz, Schallschutz und Brandschutz vereinen lassen. Beim Hamburger Projekt, dessen Richtfest im August gefeiert wurde, seien laut Eilers rund 3.500 Tonnen CO₂ eingespart worden.

Was sich für Bauherren ändert

Für seinen Betrieb sei die Bauweise mit Holz tägliche Routine – begonnen wird meist noch auf einer Bodenplatte, dem einzigen wirklich "nassen" Element. Für Kunden bedeute das vor allem Vorteile: schnellerer Einzug, trockene Wände und eine kurze Bauzeit von rund drei Monaten ab Bodenplatte. Ein weiterer Pluspunkt sei die Flexibilität. Da Wand für Wand gebaut werde, ließen sich nicht tragende Wände selbst während der Bauphase noch kurzfristig verschieben.

  • Holz brennt als massives Bauteil kaum und erreicht dennoch hohe Brandschutzklassen.
  • Eine Holzrahmenwand ist ebenso stabil wie herkömmliche Massivwände.
  • Bessere Dämmwerte bei geringeren Wandstärken.
  • Bauzeit ab Bodenplatte rund drei Monate.
  • Durch gestiegene Beton- und Energiekosten ist Holzbau inzwischen häufig günstiger.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Beim Preis räumt Eilers auf mit dem Vorurteil, Holzbau sei generell teurer. Früher habe man von rund fünf Prozent Mehrkosten gesprochen, doch angesichts stark gestiegener Kosten für Beton und Steinproduktion sei der Holzrahmenbau inzwischen oft die günstigere Variante. Beim Thema Pflege verweist er auf Skandinavien und Norwegen, wo Holzhäuser bei Wind und Wetter stehen. Entscheidend sei ein guter Schutz des Bauwerks am Übergang von Feuchtigkeit zu Luft – dann sei der Pflegeaufwand nicht höher als bei konventionellen Häusern.

Als besonderes Argument nennt er die Nachhaltigkeit: Holz speichert CO₂ und wächst nach. Ein Holzrahmenhaus wachse in den deutschen Wäldern in wenigen Sekunden nach. Innovationen sieht Eilers vor allem in der Modulbauweise, mit der sich in Großstädten etwa ganze Stockwerke in einer Nacht aufsetzen lassen – ideal für die Nachverdichtung, weil Holz leicht ist und viele Gebäude schwerere Aufbauten nicht tragen könnten.

Sichtbarkeit schaffen und das Handwerk aufwerten

Um den Holzbau bekannter zu machen, setzt Eilers auf Aufklärung und Sichtbarkeit – etwa durch Tage der offenen Tür und eine engere Zusammenarbeit mit Architekten als erste Ansprechpartner der Bauherren. Ausdrücklich betont er, dass Holzbau kein Verdrängungswettbewerb sei: Maurer könnten weiterhin Fassaden verklinkern, andere Gewerke behielten ihre Aufgaben.

Zum Abschluss richtet er einen Appell an das Handwerk insgesamt. Dessen gesellschaftliche Wertschätzung müsse sich verbessern, der Verdienst dürfe höher sein. Statt reflexartig zum Studium zu raten, plädiert er dafür, das Handwerk als gleichwertig anzuerkennen – nach dem Motto "lieber Meister als Master". Sein Tipp für alle Interessierten: sich aktiv informieren, Handwerker gezielt ansprechen und wieder mehr selbst anpacken – für die Umwelt und für kommende Generationen.