Peter Haas - Hauptgeschäftsführer von Handwerk BW
Worum es geht
In dieser Folge ist Peter Haas, Hauptgeschäftsführer von Handwerk Baden-Württemberg, zu Gast und gibt Einblicke in die Arbeit der handwerklichen Interessenvertretung im Land. Er spricht über aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Bürokratie und Digitalisierung und erklärt, wie Handwerk BW seine rund 140.000 Betriebe konkret unterstützt. Zudem erzählt er von seinem persönlichen Weg vom Rheinland über Hamburg nach Baden-Württemberg.
Das nimmst du mit
- Handwerk BW vertritt als Spitzenorganisation rund 140.000 Betriebe und versteht sich als zentrale Stimme des Handwerks im Land.
- Fachkräftemangel, Bürokratie und Digitalisierung zählen zu den zentralen aktuellen Herausforderungen für das Handwerk.
- Interessenvertretung bedeutet konkrete Unterstützung der Betriebe im Alltag, nicht nur politische Repräsentation.
- Das Handwerk verdient mehr öffentliche Aufmerksamkeit als wirtschaftsstarkes Rückgrat der Region.
- Persönliche Werdegänge können quer durch verschiedene Regionen verlaufen und dennoch zum Handwerk führen.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Peter Haas ist Hauptgeschäftsführer von Handwerk Baden-Württemberg, der Spitzenorganisation für das Handwerk im Land. Sein Weg führte ihn vom Rheinland über Hamburg nach Baden-Württemberg.
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Transkript
Herzlich willkommen bei Handwerk sprich der Sendung, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit dem Handwerk verbindet und heute haben wir den Peter Haas hier zu Gast bei uns. Peter, Du bist Hauptgeschäftsführer vom Handwerk Baden Württemberg. Ihr habt jede Menge Unternehmen bei euch, die ihr quasi unterstützt mit euren Tätigkeiten. Ihr verantwortet viele Mitarbeiter auch im Endeffekt, die ihr indirekt auch mitsteuert dann eben und mich würd mal interessieren, natürlich, was ist euer Alltag? Was sind im Moment die größten Sorgen der Betriebe und eure größten Themen, die ihr bearbeitet, aber stell dich doch bitte kurz erst mal vor.
Ja, das ist größten Themen, die ihr bearbeitet? Aber stell dich doch bitte kurz erst mal vor. Ja, Oliver, vielen Dank für die Einladung hier ins Studio zu deiner Talkshow fürs Handwerk. Das ist eine tolle Bühne. Also danke auch für dein Engagement.
Wir müssen viel mehr über Handwerk sprechen. Wie gesagt, Peter Haas, ich bin 54 Jahre alt. Eigentlich komme ich aus deiner Heimat. Also wer jetzt gedacht hat, der schwäbelt, das wird man bei mir nicht hören. Ich komm ausm Rheinland, war dann mal lange Zeit in Hamburg und jetzt seit 8 Jahren in Baden Württemberg.
Und HandwerkBW ist die Spitzenorganisation von allen Handwerkskammern, allen Fachverbänden und den Kreishandwerkerschaften, also alles, was Interessenvertretung macht in Baden Württemberg. Einhundertvierzigtausend Betriebe haben wir im Ländle oder in The Land, wie wir das jetzt mittlerweile dort sagen. Und dahinter stecken 800000 Beschäftigte. Das ist also tatsächlich eine Wirtschaftsmacht von nebenan, auch in Baden Württemberg. Aber die Themen, die uns da grade beschäftigen, die unterscheiden sich nicht wirklich von denen in anderen Bundesländern, muss ich sagen.
Wir haben natürlich ein riesiges Thema jetzt grade ganz akut mit der Bauwirtschaft, die unter all den Entwicklungen der letzten Jahre leidet mit Inflation, mit Preissteigerungen, mit Zinssteigerung, mit Fördermittelabsenkung. Also die Schere öffnet sich quasi in alle Richtungen und die Neubautätigkeit ist darüber ja quasi zum Erliegen gekommen. Und das ist jetzt eine Sorge, die wir haben, dass sich das in die weiteren Bau- und Ausbaugewerke in den nächsten Monaten und Jahren dann auch weiterzieht. Das ist eine aktuelle Not, aber wir haben natürlich auch unsere Langfristhemen, demografischer Wandel, Fachkräftebedarf. Wie bereitet Schule eigentlich aufs Leben vor?
Welche Rolle spielt das Handwerk in der Berufsorientierung? Das sind alles riesige Themen, die haben aber jetzt nicht son Bavu Stempel drauf, aber wir kümmern uns darum, tatsächlich tagtäglich mit allen, die in Organisationen engagiert sind. Jetzt habt ihr ja in Baden Württemberg son bisschen den Ruf auch, dass ihr 'n bisschen moderner seid als vom Gedankengang her und dass es schon mal ein bisschen mehr ja, Wagniser eingeht, so möchte ich es mal sagen an manchen Stellen. Wie wirkt sich das bei euch der täglichen Arbeit aus? Habt ihr da viele positive Erfahrungen, wenn ihr mal Sachen eben mal schneller ja, zulasst oder mal schneller irgendwo ja sagt, ja, dann machen wir mit, interessiert uns, wollen wir sehen oder gibt's da auch tatsächlich die Situation, wo er sagt, nö, das ist jetzt nicht so gut gelaufen, aber ist okay, wir haben jetzt daraus was mitgenommen und was gelernt.
Und also spannend der Blick von außen und dass das Image jetzt des des schlauen Tüftlers aus dem Schwabenländle vielleicht noch trägt, auch außerhalb Baden Württembergs, aber die Standortqualität, die Wettbewerbsfähigkeit auch Baden Württembergs, grade im Bereich Hightech, die jeden Champions, die in der Industrie dort tätig sind, das die diese diese Position hat schon ein bisschen geschwächelt. Wir haben große Sorgen all die, die den Wohlstand in den letzten Jahrzehnten dort erarbeitet haben und das Handwerk hängt ja an der Industrie. Ich bin da gar nicht immer so neidisch als Lobbyist fürs Handwerk, auch wenn es der Industrie gut geht, denn ich sag mal, wenn der Daimler Schnupfen hat, dann haben andere ganz schnell da auch Husten und alle, die bei Daimler, bei Bosch, bei Trumpf, bei Ebersbecher, wie auch immer die großen Unternehmen dort heißen, arbeiten, sind ja auch Kunden des Handwerks. Die beschäftigen Maler, die kaufen ihre Brötchen, die gehen zum Friseur. Mhm.
Insofern haben wir da immer ein Interesse dran und diese diese Wettbewerbsfähigkeit, die steht schon im Feuer. Das hat was mit globalen Entwicklungen zu tun, das hat aber auch mit bundesdeutscher Wirtschaftspolitik zu tun. Wir sind ja die einzige Volkswirtschaft in der Welt, die im Moment sinkt, die deren Wert sich reduziert und das ist schon etwas, wo wir aufpassen müssen und insofern weiß ich gar nicht, ob wir so die die noch sind, die sagen, och, macht ihr mal irgendwie euer Ding oder die dann 'n Grund hätten, arrogant Richtung NRW oder Richtung Norddeutschland zu schauen, weil die es vielleicht nicht so draufhaben, das ist gar nicht der Fall. Andere Regionen, das ist immer so mein Punkt, sind vielmehr den Strukturwandel gewöhnt. Baden Württemberg kennt nur die Kurve nach oben und schüttelt sich grade, dass man hier auch mal baden württembergischen Strukturwandel lernen muss.
Da kann das Handwerk aber gute Tipps geben, weil ich sag mal, unsere Betriebe haben ja immer die Hand am Arm und sind jeden Tag als Troubleshooter unterwegs und Problemlöser. Und deswegen bringen wir uns auch mit mit dieser Grundhaltung ein in die politische Arbeit. Muss das Handwerk sich in irgendeiner Form noch mal jetzt gerade, wo Du sagtest, dass man jetzt im Endeffekt ja bundesweit die gleichen Themen hat, die gleichen Probleme hat, muss man sich da vielleicht auch noch mal anders committen jetzt aktuell? Ist da vielleicht noch mal son son son wirklich noch mal son son Schritt nach vorne noch mal nötig, zusätzlich zu dem, was schon passiert. Im Moment passiert ja schon sehr viel, aber muss da noch mehr Energie rein und wo soll sie herkommen vor allen Dingen?
Ich will's mal an 'nem Beispiel festmachen. Wir hatten ja vor einigen Wochen in München die internationale Handwerksmesse mit dem jetzt neuen drangeschalteten Kongress Zukunft Handwerk. Du warst auch da und hast das wahrscheinlich auch gespürt. Der Spirit an den Tagen dort pro Handwerk, wir können was, wir machen was, wir haben tolle Themen, tolle Leute, der war für mich diametral entgegengesetzt zur Stimmung im Land. Das gibt Rückenwind, finde ich.
Also wenn man Handwerk miteinander sprechen lässt und sagt, wie packen wir's denn jetzt an, dann ist da sehr viel positive Energie und die müsste eigentlich Politik und müsste auch der Rest der Gesellschaft für sich nutzen. Also ich würde es mal, es klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber ein Wirtschaftszweig, in dem die Menschen jeden Abend wissen, was sie getan haben, die also auch von der Sinnstiftung her leben in ihrer Arbeit, die können, glaube ich, auch Sinnhaftes, Sinnvolles und son Spirit in die restlichen Bereiche reintragen Und ich glaube, dass der Funke gerade überspringt. Wir bekommen das auch mit, was unsere Spitzenvertreter im Handwerk für 'n guten Leumund haben in der Politik. Unser ZTA Präsident Jörg Dietrich ist ein gern gesehener Gast in den Ministerien, auch im Kanzleramt und nicht, weil er bequem ist und nicht so schimpft wie die anderen, sondern weil er mit 'ner relevanten Agenda ankommt und mit 'nem guten Stil. Und weil die einfach wissen, ja, das ist 'n Unternehmer, der jeden Tag weiß, was er da tut und das lässt sich in 'ner Interessenvertretung auch anbringen.
Deswegen bin ich eigentlich grade ganz zuversichtlich, dass unsere Art, unsere Themen einzubringen, nicht erfolglos ist. Mhm. Kann ich übrigens bestätigen. Ich hab das Interview auch gesehen beziehungsweise die die Podiumsdiskussion nach dem Spitzengespräch mit dem Bundeskanzler. Da hat ja Jörg Dietrich schon eine große Lanze gebrochen, würde ich sagen.
Vor allen Dingen ist sehr elegant ausgedrückt, aber doch sehr auf den Punkt gebracht Ja, ist es, ja. Und fand ich auch sehr stark an der Stelle. Aber Du sprachst gerade den Funken an. Es ist Den Funken möchte ich doch mal aufnehmen. Ja.
Also ich hatte nach der Zukunftshandwerk auch dieses Gefühl, dass so alle in den Gedanken gut unterwegs waren, wir brauchen jetzt ganz viele Zündstellen, also ganz viele Funken, ein großes Feuer fürs Handwerk dann entsprechend ja entfachen zu können, ne. Das ist so mein Gefühl gewesen nach der Veranstaltung. So Du so siehst Du's auch, ne. Absolut, ja und also wir haben ja genügend ganz konkrete Anknüpfungspunkt. Also wir haben riesige Transformationsthemen in Deutschland.
Wir müssen die Energiewende stemmen. Wir müssen den Fachkräftebedarf decken und das hat vielfach mit dem Handwerk zu tun. Wir müssen in den Köpfen von Lehrerinnen und Lehrern stärker verankert werden und damit dann auch in den Elternhäusern. Es kann halt nicht sein, dass wir noch Jahre solche solche Klischees vor uns hertragen, der hat nur eine Ausbildung gemacht oder er hat anderes probiert, jetzt macht er halt Handwerk. Dass das immer so etwas Zweitklassiges hat.
Im Gegensatz, wir wir sehen ja tatsächlich, dass die Zufriedenheit mit den Karrieren, die es im Handwerk gibt, deutlich höher sind als bei manchen, die ziellos und am Ende auch ergebnislos durch die Hochschulen gehen und nachher dann am Arbeitsmarkt gar keine Verwendung mit dem finden, was sie da gelernt haben. Sie haben zwar Zeit überbrückt und irgendein Zeugnis in der Hand, aber was ist tatsächlich das Ziel? Und deswegen sind wir per Handwerk BW gerade ganz stark dabei. Ich hatte gestern auch 'n Gespräch mit unserem Kultusministerium. Wie bringen wir das Handwerk stärker in den Unterricht, stärker in die Berufsorientierung?
Und zwar auch in den Gymnasien. Das ist so 1 der großen Themen bei uns, dass wir sagen, Abitur ist keine Hochschulzugangsverpflichtung, sondern eine Hochschulzugangsberechtigung. Man muss das aber nicht machen, aber wenn man was anderes machen möchte, da muss man's vorher auch mal kennengelernt haben und man muss den ganzen Fächer mal ausbreiten an beruflichen Möglichkeiten. Und das passiert an Gymnasien an beruflichen Möglichkeiten und das passiert an Gymnasien noch zu wenig. Und da müssen wir tatsächlich auch den Funken dann entfachen, damit Lehrer sagen, ja, da hab ich auch was Richtiges gemacht.
Wenn wenn ich jemanden auf den Weg gesetzt habe, mit dem er sodann glücklich wird, perfekt. Ja, bevor wir gleich mal in dein Alter kommen, jetzt im Handwerk BW, müssen wir vielleicht den diesen diesen Weg von der Schule ins Praktikum, müssen wir den in irgendeiner Form erleichtern? Weil ich bin hab ja selber 'n Betrieb und hab so für mich immer zum Beispiel dieses Thema Versicherung. Jedes Mal ist es irgendwie anders dann vorgestellt oder oder vorgeschrieben, Wie wie versichert man 'n jungen Menschen, wenn er eben halt dann eben halt dieses Praktikum macht? Und jedes Mal ist das in irgendeiner Form anders, im Sinne von, ja, es ist, der Schulz ist so geregelt, da ist so geregelt, teilweise stellt man dann die die Frage und kriegt auch nicht mal eine Antwort, weil die Schulen es selber nicht wissen.
So, das ist jetzt mal sone ganz banale Hürde, aber das ist ja eigentlich die elementare Hürde, denn wir wollen ja alle schon dafür Sorge tragen, dass junge Menschen ins Handwerk kommen, aber wir möchten natürlich auch wissen, dass diese jungen Menschen dann auch gut versichert sind, denn wir stecken ja leider nicht in den Köpfen der Kinder oder der jungen Leute halt drin und wir können auch nicht sicherstellen, dass wir im Handwerk zu, ja, zu 100 Prozent der Zeit immer jemanden haben, der im Endeffekt dabei ist oder dann eben halt immer auf den jungen Menschen schaut. So, und dann ist für mich zum Beispiel diese Frage der Versicherung immer wieder relevant, bis wir eben halt sagen, ja, wir machen jetzt son Praktikum oder machen kein Praktikum. Wie siehst Du das? Gibt's da eine Hürde oder gibt's da mehrere Hürden, die wir irgendwo einreisen sollten? Handwerkerinnen und Handwerker wie Du halten die Welt zusammen und wir halten dir den Rücken frei.
Wir stehen für Innovation im Handwerk, für Lösungen, die vorangehen und für Arbeit, die sicher und smarter wird, weil Handwerk Zukunft ist. Also ich hör das Thema tatsächlich so gut wie nie von unseren Betrieben. Ich weiß nur, dass das die größte Hürde für unsere Betriebe ist, tatsächlich überhaupt Bewerber zu sehen. Und wir haben das jetzt im letzten Jahr mit 'nem neuen Modell versucht zu stärken und wir, na, klettern da so peu à peu mal irgendwie die Stufen hoch. Das Modell heißt Praktikumswoche Bitte wenden.
Das ist 'n Projekt, was wir gemeinsam mit der Landesregierung initiiert haben, gemeinsam mit den Industrieverbänden und auch mit der Agentur für Arbeit. Und all die Partner haben ein jetzt ein 1 Projekt aus der Taufe gehoben, wo Schülerinnen und Schüler zweimal im Jahr immer im Zusammenhang mit Ferien, jetzt im Moment Osterferien und dann Herbstferien, aber teilweise in den Ferien und teilweise während der Schulzeit Praktikumswochen leisten können und zwar mit dem Gag 5 Tage, 5 Betriebe. Das ist tatsächlich also wirklich eine ganz niedrigschwellige Aktion mit Reinschnuppern, dass man, wenn man schon so wenig Praktikumszeit während der Schulzeit bekommt, was wir gerne ausbauen würden, aber im Moment ist es halt so wenig, dass man dann möglichst viel kennenlernt. Und ich war letzte Woche in 'ner Schreinerei und da war dann eine junge Dame, die tatsächlich breit unterwegs war. Die kommt ausm Akademikerhaushalt, beide Eltern studiert.
Sie wollte eigentlich mit dem Abitur jetzt Geschichte studieren, aber hat gesagt, nee, ich glaub, Ausbildung ist was Besseres. Die war in 'ner Zimmerei, die war in 'ner Schreinerei, die hat 2 soziale Berufe ausprobiert. Und da sind wir jetzt jedes Jahr oder während jeder Stufe mit den mit den Schulferien verbunden, 'n paar 1000 Schüler, die mitmachen, mehr geworden. Und das ist jetzt unser Ansatz, einfach das Thema noch mal 'n bisschen leichter zu gestalten, auch für die Betriebe. Die können sich auf 'ner Internetplattform melden, die Schüler können sich dort anmelden, dann werden sie gematcht und dann wird gesagt, also in deiner Region, damit das auch lokal erreichbar ist, gehst Du am Montag dahin, Dienstag dahin und so weiter.
Und das funktioniert im Moment ganz gut, sind wir mit zufrieden, damit einfach mehr Praktika passieren. Ja, ja, Praktikum und dann in der Hoffnung nachher, dass dann daraus dann natürlich auch die Ausbildungen stellt, ne. So, also ob's dann in dem Betrieb ist, muss man dann mal sehen, aber überhaupt mal die Köpfe zu öffnen und zu sagen, also ich mein, 'n junges Mädel, was eigentlich Geschichte studieren wollte für eine Schreinerei zu begeistern, ist schon mal son Riesenschritt, ne. Das ist eine Megaleistung und deswegen, ob's dann in dem Betrieb wird oder woanders, ich würd mal sagen, Hauptsache Handwerk. Ich hab ihr gesagt, Du machst alles richtig grade.
Ja, das ist mit Sicherheit auch nicht verkehrt, denn richtig gerade. Ja, das ist mit Sicherheit auch nicht verkehrt, denn ich glaub die Zukunft ist wirklich im Handwerk und ich glaube auch, dass Handwerk nie einen goldeneren Boden hatte als wir jetzt im Moment, ne. Also die Zukunft sieht wirklich sehr gut aus fürs Handwerk. Ja, absolut, weil die Themen gehen ja nicht weg, die Handwerksbetriebe leisten und da schließe ich jetzt mal alle ein, weil wir mal son bisschen den den Fokus jetzt auf Bau, Ausbau und so etwas haben, aber gerade auch im Dienstleistungsbereich, selbst im Nahrungsmittelbereich, der immer wieder genannt wird als 1 mit 'nem Image, was Probleme macht bei der Nachwuchssicherung. Aber ich kenne so viele Bäcker und auch Metzger, die ihre Betriebe, ihre Geschäftsmodelle jetzt so aufstellen, dass sie wirklich als Qualitätsversorger aus der Nachbarschaft, wo die Produkte klar sind, wo sie herkommen, auch durchaus mit Premium angeboten und sagen, ich mache da auch Preise, die für mich gute Margen machen.
Das schließt natürlich eine Käuferschaft, die sagt, ich hol mir die Wurst beim ALDI aus, aber ich sag auch immer, Handwerk muss nicht in den Preiswettbewerb gehen. Man kann sich auch diese Märkte, manchmal sind es Nischenmärkte suchen, gutes Auskommen zu haben. Und na ja, weswegen der Boden noch mehr glänzen wird für die Unternehmer, die übrig bleiben, das ist natürlich die Tatsache, dass wir auch Betriebe verlieren werden, die keine Nachfolger finden. Das ist dann gut für die, die am Markt bleiben, weil sich die Kundschaft dann auf weniger Betriebe verteilt. Das ist nicht unbedingt immer gut für die Kunden und für die Verbraucher, aber tatsächlich ist es nicht so, dass die Konkurrenz da mehr wird und deswegen würde ich mich, wenn ich jung wär, auch noch mal eher dafür interessieren, 'n Weg in dieses Art dieser Art von Unternehmertum zu gehen.
Ja, es gibt im Moment so wieder son bisschen diese Bildung oder Entwicklung von größeren Unternehmen tatsächlich, ne? Also die diese Ich AGs werden immer sind immer auch da natürlich, aber es sind nicht mehr so viele von da und wir wir sehen wieder eine Bildung von größeren Unternehmen und Einheiten, die so entstehen. Ja. Also gut in konjunkturell schwachen Phasen sind es immer die Kleinstbetriebe, die als Es wieder aufgeben. Mhm.
Und insofern ist natürlich der der durchschnittliche Handwerksbetrieb, der irgendwo so zwischen 26 Beschäftigten ist, immer eine 1 ordentliche Größe, die auch nicht zu groß ist, sie zu übernehmen. Aber wir sehen tatsächlich in bestimmten Märkten auch Konzentrationsprozesse, wo ganze, ja, man könnte fast sagen, Handwerksunternehmensgruppen auch entstehen von den Malern bis zu den Bäckern. Und das ist natürlich etwas, wo man als Handwerksorganisation auch hinguckt, ist das dann noch Handwerk. Aber ich sag mal, wenn es auch handwerkliche Unternehmerfamilien sind, die zum Beispiel die Bäcker mit mit ihren Filialbetrieben, wo dann aber immer noch handwerkliches Backen dahinter steckt, dann habe ich persönlich damit kein Problem, sondern sichert die Arbeitsplätze, sichert die Nahversorgung und letztendlich auch die Mitgliedsbetriebe in unseren Organisationen. Das hatten wir ja eben schon angekündigt, wir wollen mal bei bei dir son bisschen in den Alltag reinschauen beziehungsweise im Hintag Baden Württemberg.
Was ist da passiert? Natürlich, dafür sind wir ja hier, Transparenz zu schaffen. Ja. Was habt ihr im Moment für Aufgaben, was was was ist so eure Kerntätigkeit oder wie sieht's so im Alltag bei euch aus? Also die Überschrift für unsere unsere Kernaufgaben ist politische Arbeit in der Landeshauptstadt.
Wir vertreten die Organisationen des Handwerks in Baden Württemberg am Sitz der Landesregierung, da wo die Landesministerien sind, der der Landtag mit den Parteien, den Fraktionen. Und wir versuchen uns in alle Debatten einzubringen mit der Sichtweise des Handwerks. Das heißt, wenn ein neues Gesetz entwickelt wird, irgendein Abgeordneter eine Idee hatte, dann werden wir in der Regel gefragt. Wir sind quasi ein 1 zwingender Anhörungspartner in solchen Gesetzgebungsverfahren. Wir werden eingeladen in Gesprächsrunden.
Wir machen selbst Termine. Wie gesagt, gestern nachmittags son typischer Termin, wo dann ein Spitzenbeamter ausm Kultusministerium bei uns war und wir darüber gesprochen haben, wie jetzt die nächsten Monate schulpolitisch gestaltet werden. In Baden Württemberg gibt's ja jetzt die Debatte, ob wir beim Gymnasium von g 8 auf g 9 wieder verlängern. Fürs Handwerk eine interessante Debatte, weil wir natürlich spätestens dann, wenn sich das verlängert, auch dann ein Jahr auf Abiturienten in der Ausbildung verzichten müssen. Was bedeutet das dann für unsere Bildungsstätten et cetera?
Und wie nutzen wir aber auch das eine Jahr zusätzlich, dann wirklich mal wieder mehr Berufsorientierung zu machen? Also wir wir haben viele, viele Termine mit den Akteuren, mit einem Ministerpräsidenten, mit den Ministern, aber oftmals sind's ja die Beamten in den Büros auf den langen Gängen, die dann ganz besonders wichtig sind. Wir sorgen dafür, dass wir Förderprogramme bekommen fürs Handwerk. Wir schauen, dass wir einfach in die Medien kommen. Wir sind mit 'nem guten Kommunikationsteam unterwegs, auch in den sozialen Medien.
Wir verlassen uns nicht nur auf Zeitung und Fernsehen, sondern auch grade auf unsere eigenen Kanäle. Und auch ich bin bei LinkedIn besonders aktiv, weil ich glaube, dass es wichtig ist, dass ja, man könnte ja sagen, ein Funktionär jetzt, wie ich da auch als als Gesicht und Name für eine Organisation und für ein Thema steht und das funktioniert tatsächlich ganz gut. Wir versuchen uns also breitzumachen fürs Handwerk in allen Kontexten und das mit mit ja ungefähr 20 Leuten bei uns an der Geschäftsstelle, die thematisch auch dann zuständig sind. 1 für Bildung, 1 für Digitalisierung, 1 für Nachhaltigkeit und ja, das funktioniert, glaube ich, so ganz gut. Das heißt im Grunde, wenn man's mal son bisschen abstrakter machen möchte, ihr macht die Strategiearbeit für Baden Württemberg, fürs Handwerk Baden Württemberg und guckt im neuen Tellerrand hinaus und wie ist die Zusammenarbeit zu den Kammern dann?
Die Kammern ist dann der operative Teil, kann man's so ungefähr aufteilen? Ist das Ja, auf jeden Fall, also gut, die die Kammern und Verbände sind natürlich dann die Organisation, die Direktmitglieder haben. Also die Betriebe sind nicht bei uns Mitglied, sondern dann ja Pflichtmitglied in ihrer jeweiligen Kammer Mhm. Oder in ihrer Innung und damit in den Fachverbänden. Und dort passiert dann die die Arbeit, die Dienstleistung am Mitglied direkt.
Mhm. Wir haben 8 Handwerkskammern in Baden Württemberg. Das sind die großen Träger unserer Organisation auch und mit denen stehen wir natürlich auch tagtäglich im Kontakt. Wir haben eine ganze Reihe von Gremien, Ausschüsse, die sich bestimmte Themen kümmern und da sitzen dann immer wieder Vertreterinnen und Vertreter aus diesen Mitgliedsorganisationen drin. Das heißt, wir lassen uns das jetzt nicht in diesem Team in Stuttgart alles einfallen, sondern wenn wir eine Position brauchen, beispielsweise was hält das Handwerk jetzt vom neuen g 9, vom Abi in der dreizehnten Klasse, dann ist das eine Meinungsbildung, die wir in unseren Ausschüssen organisieren und am Ende kommt 'n Ergebnis raus, das ist die Position und damit gehen wir dann zur Politik oder an die Medien.
Das ist sehr interessant. Danke für den Einblick und auch die Tiefe jetzt, denn das ist glaube ich auch gut für die Zuschauer von uns einfach zu verstehen, wie funktioniert dieses System Handwerk, gerade in Baden Württemberg. Peter, hast Du für unsere Zuschauer noch einen Hack, also einen kleinen Tipp, den Du vielleicht rausgeben möchtest an die ganzen Handwerkerinnen und Handwerker da draußen? Ja, okay, also man merkt die Frage ist jetzt wirklich spontan und Also was mir als Erstes in den Gedanken kommt, weil ich bin einfach 'n Kommunikationsfan. Das liegt aber auch daran, dass es das Handwerk, was ich mal gelernt habe, Journalismus.
Und ich glaube, dass im Bereich der Kommunikation, egal ob mit den Beschäftigten, mit den Kunden, mit potenziellen Mitarbeitern, potenziellen Kunden, dass da noch viele Schlüssel rumliegen, die von den Unternehmern und Unternehmerinnen aufgegriffen werden können. Also traut euch auch wirklich als Unternehmer zu kommunizieren, auch zu sagen, ich bin das Gesicht meiner Firma. Ich gehe in die sozialen Medien beispielsweise. Ich zeige, was wir da Tolles machen. Ich mach mich dadurch attraktiv, indem ich hinter die Kulissen blicken lasse.
Ich trau mich dazu auch, ganz authentisch. Wenn jemand sagt, ich kann nicht auf 'ner Bühne, ich kann nicht vor der Kamera, das glaube ich dann nicht, weil jeder Mensch kann sich irgendwie artikulieren und das ist dann authentisch und meistens auch sympathisch. Und noch hebt man sich damit ab. Ich sag mal, wenn's irgendwann alle machen, dann ist das jetzt irgendwie kein Lifehack mehr, aber einfach ausprobieren, sich mal nach draußen begeben und und ja auch nicht zu sagen, dass das stört, wenn jemand was von mir will, wenn er auf mich zukommt, sich dem einfach zu widmen. Das das macht dann irgendwann auch Spaß und man merkt's auch in der Kasse.
Ja, bin ich bei dir. Dann habe ich eine abschließende Frage noch an Sie. Wie siehst Du im Moment das Handwerk in der Gesellschaft widergespiegelt? Ist das Handwerk an der richtigen Position oder könnte das Image des Handwerks sich entsprechend noch verbessern und dadurch natürlich auch die Werthaltigkeit oder die Wertschätzung der Gesellschaft. Wie siehst Du das?
Wir haben da noch was zu tun. Also eine gute Hilfe bietet einem ja da die Meinungsforschung, die Umfrage, die der ZTH auch regelmäßig im Zusammenhang mit unserer Kampagne das Handwerk Wirtschaftsmachtvernehmen an dann auch beauftragt. Und jetzt vor einigen Wochen kam ja dann die Frische Umfrage raus und da drin steht, dass fast 90 Prozent der Deutschen das Handwerk wichtig findet. Mhm. Das ist 1 der beiden Topwerte seit über 10 Jahren, wo die Umfrage gemacht wird.
Also das schon mal gut. Ja. Wichtig sind wir. Mit der Verknappung kam dann auch diese Priorität wieder. Aber ja, genau.
So ist es. Aber über die Hälfte sagt auch, das Image sei nicht gut genug. Das ist schon originell, dass man sagt, ist wichtig, aber so richtig mögen, tun's nicht alle. Und das heißt, wir müssen weiter kampagnenfähig sein. Wir müssen einfach Werbung in eigener Sache machen, aber nicht nur auf der Plakatwand, sondern jeder Handwerker, jede Handwerkerin ist Werbeträger in eigener Sache.
Und wenn man etwas mitbekommt, wenn man irgendwo in 'nem Haushalt ist und da wird vielleicht auch mal 'n bisschen despektierlich gesprochen. So der Klassiker ist, wenn die Mutter sagt, guck mal, lern mal anständig in der Schule, sonst musst Du nachher so etwas machen, was ja immer noch passiert. Da auch mit gradem Rücken mal gegen anzugehen und zu sagen, wissen Sie, mir macht das hier Spaß. Ich bin glücklich und ich sag immer, schauen Sie mal in die Garage dieses Handwerksunternehmers. Also den Wagen hätte Ihr Sohn vielleicht irgendwann auch mal gerne.
Also wirtschaftlichen Erfolg auch damit zu verbinden und das müssen wir bei jeder Gelegenheit wirklich mit gradem Rücken und erhobenen Hauptes, das ist ein 1 stolzer Wirtschaftszweig mit mit tollen Leuten und der muss sich nicht in die 2. Reihe stellen lassen. Dafür muss man dann aber auch manchmal 'n bisschen sagen, Platz da, ich will auch mal nach vorne und nicht zu bescheiden sein. Peter, herzlichen Dank, dass Du bei uns gewesen bist. Danke für die ganzen Einblicke und für das Feuer, was Du mitgebracht hast.
Herzlichen Dank. Danke dir. Ja, liebes Zuschauer, das war Peter Haas, Hauptgeschäftshörer vom Handwerk Baden Württemberg. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Folge.