Meisterpflicht, Photovoltaik & Nachwuchs: Was im Handwerk schiefläuft
Worum es geht
In dieser Folge von "Handwerk spricht" diskutiert Oliver Oettgen mit Maik Heider, Geschäftsführer von Heider Elektro, warum das Handwerk zu Unrecht als Karriereweg zweiter Klasse gilt. Es geht um Meisterpflicht, Ausbildung und Nachwuchsgewinnung sowie um Zukunftsthemen wie Photovoltaik, regenerative Energien und die Zusammenarbeit zwischen Gewerken. Heider zeigt, wie schnell wachsende Geschäftsfelder ohne ausreichende Qualifikation zu Qualitätsmängeln führen können und warum Fachwissen, Verantwortung und lebenslanges Lernen unverzichtbar bleiben.
Das nimmst du mit
- Handwerk ist kein Plan B, sondern anspruchsvoll, intelligent und systemrelevant – wer es nur als Studien-Alternative sieht, unterschätzt moderne Handwerksberufe.
- Der Meisterbrief kann als Qualitätsgarant weiterhin wichtig sein, weil er Fachwissen und Verantwortung sichert.
- Beim schnellen Wachstum der Photovoltaik drohen teure Mängel, wenn Qualifikation fehlt und Gewerke nicht sauber zusammenarbeiten.
- Fachkräftemangel lässt sich nicht allein über Social Media lösen – Jugendliche brauchen früh echten Kontakt zum Handwerk, etwa durch ein verpflichtendes Praktikum.
- Kooperationen zwischen Elektro-, Dachdeckerhandwerk, Wärmepumpe und Energiemanagement werden zunehmend entscheidend für gute Ergebnisse.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Maik Heider ist Geschäftsführer von Heider Elektro und spricht über Qualität im Handwerk, Ausbildung, Meisterpflicht und Zukunftsthemen wie Photovoltaik.
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Transkript
Herzlich willkommen zu Handwerk spricht und heute ist Mike Heider hier zu Besuch. Mark, schön, dass Du hier bist. Ja, schön, dass ich hier sein darf. Marc, ich hab dir 3 Thesen mitgebracht zum Anfang. Da möchte ich mal gerne son paar Sätze von dir hören, wie Du das siehst und zwar die 1.
These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr. Es ist nur noch ein Plan b für alle, die für das Studium nicht geeignet sind. Falsch. Nächste These. Nein Quatsch.
Das ist immer noch in der Gesellschaft leider so, dass man das annimmt. Aber Handwerk ist ja inzwischen viel mehr als nur sich Schmutzier Finger zu machen. Und da muss die Gesellschaft leider mal 'n bisschen umdenken. Ja, definitiv. 2.
These, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es entsprechend voranzubringen. Ich glaube, dass der Meisterbrief doch eine Qualifikation, eine Qualifizierung ist, die noch wichtig ist. Aber man muss natürlich trotz alledem auch mit dem alten Konstrukt son bisschen brechen. Wir haben das grade und ich denk mal, darauf können wir nachher noch zu sprechen kommen, weil Du hattest gesagt, Du hast 3 Thesen. Ich will das jetzt nicht zu weit ausmalen.
Aber wir haben grade in unserem Bereich, wo es regenerative Energien geht, haben wir unterschiedliche Berufsbilder. Und da ist dann die Frage, ob die Meisterpflicht wirklich noch notwendig ist oder ob das an unterschiedliche Handlungsabläufe sind, die man auch ohne einen Meisterbrief vollziehen kann. Und da sind wir gerade dabei, mit diesen Traditionen so etwas zu brechen. Gut, da spreche ich auf jeden Fall gleich drüber. Und die litte These lautet, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen.
Das stimmt so leider nicht, weil die Jugend natürlich nichts übers Handwerk so richtig weiß. Die Gesellschaft hat vom Handwerk sehr stark Abstand genommen. Also ich will ganz kurz erläutern, auch wenn das vielleicht nachher die nächste Frage schon wieder sein sollte, wir sind mit als Gesellschaft komplett einfach zu kurz gesprungen im Laufe der Jahre. Ich war der 1. Bei mir in der Familie, der ein Abitur geschafft hat, obwohl ich aus 'ner Handwerkerfamilie komme.
Meine Mutter ist Zahntechnikerin, mein Vater war Handwerksmeister in der Elektrotechnik und die Eltern wollten etwas Besseres für ihr Kind. Und dieses etwas Besseres, damit müssen wir einfach brechen. Das funktioniert nicht mehr. Es ist nicht unbedingt was Besseres, 'n Abi zu haben und zu studieren. Das Handwerk bietet so viel auch, was den Intellekt anbelangt, sodass wir einfach ganz anders inzwischen aufgestellt sind.
Und da müssen wir weg von. Maggi, auch da gehen wir gleich noch mal drauf ein, denn das ist auch 'n ganz wichtiger Punkt, denn es glaub, ich glaube, es gibt andere Möglichkeiten der Bildung neben dem Beruf, sich entsprechend fürs Leben aufzustellen. Und da sollten wir viel mehr Wert drauf legen. Es wird leider gar nicht gemacht. Es wird immer pauschal gesagt, das Studiengang und so weiter und so fort und die Attraktivität im Handwerk ist nicht gegeben.
Bin völlig bei dir bei den bei den Sachen, die Du grade zusammengefasst hast. Das sind Glaubenssätze, die sind veraltet. Es sind Glaubenssätze, die passen nicht zur aktuellen Zeit, denn das Handwerk ist das, was immer funktioniert, was immer da ist. Und ja, natürlich haben wir auch mal Höhen und wir haben auch mal Tiefen. Kommen aus 'ner hohen Phase grade und es ist gar nicht gewohnt, dass wir jetzt son bisschen son bisschen stottern und Motor grade haben.
Zumindest mal in manchen Bereichen ist es ja schon gravierend. Und deswegen die letzten 10 Jahre waren sehr einfach für uns, nennen wir's mal so und trotz auch paar Hürden natürlich, aber sie waren trotzdem im Grunde einfach und jetzt kommen wir in sone Phase, wo wir gerade nicht wissen, wo's hingeht. Und deswegen, da müssen wir auf jeden Fall noch mal drauf eingehen, aber jetzt heiße ich dich erst mal komplett willkommen. Makaya, Du bist Geschäftsführer von Haider Elektro. Ja, dir ist besonders wichtig, dass wir heute die Elektrobranche uns einmal anschauen, dass wir da einmal mal gucken, vielleicht auch, was Du eben schon in der zweiten These gesagt hast, wie viele Varianten in dem Berufsbild mittlerweile enthalten sind, was alles für Themen darin stecken.
Na ja, und dann können wir natürlich auch über das Thema Ausbildung noch mal sprechen und vielleicht wie wie man das auch wissen anders gestalten könnte. Das hab ich einfach mal mitgenommen aus deiner Antwort aus der These Nummer 2 und ich würd mich jetzt freuen, wenn Du dich doch einmal dann komplett vorstellst und ja uns dann mal mitnimmst in in son bisschen auch vielleicht deinen Lebenslauf. Du sagst gerade, Du hast Abitur gemacht und ja, wie bist Du denn dann zum Elektrohandwerk gekommen? Na ja, son bisschen wie die Jungfrau zum Kinder. Also ich hab ja schon erwähnt, mein Vater ist Handwerksmeister, der hatte auch schon eine Firma.
Ich konnte in den Ferien immer da schon arbeiten. Ich hab in den Semesterferien auch dort arbeiten können. Und es war eigentlich nie der Plan, unbedingt ins Handwerk zu gehen, obwohl ich da immer eine starke Verbindung zu hatte. Und dann hat mich eine Sportverletzung zurückgeworfen und mein Vater sagte dann, willst Du nicht erst mal 'n Beruf haben? Lern doch einfach schnell mal das Ding und dann hast Du wenigstens was, wenn's mitm Studium nicht klappen sollte.
Und das hab ich dann durchgezogen und bin da hängen geblieben. So war's gewesen. Ja, zu meiner Person, ich bin dann irgendwann Geschäftsführer geworden, weil ich die Firma übernommen habe, ursprünglich mit meinem Bruder zusammen. Das war 95 der Fall. Und bin jetzt alleine übrig geblieben und führe den Betrieb weiter fort.
Wir waren ursprünglich 35 Mitarbeiter, jetzt sind wir nur noch 8. Sind also ein Kleinbetrieb im weitesten Sinne. Handwerk hat sich ja komplett neu aufgestellt, hat sich komplett neu neu ausgerichtet. Das heißt, die Betriebsgröße ist nicht mehr unbedingt relevant. In einigen Gewerken schon, bei uns nicht unbedingt.
Wir haben ein kleines Konglomerat an Firmen und wir tauschen uns aus und wir unterstützen uns gegenseitig. Und das ist inzwischen diese Kleinteiligkeit eher 'n Vorteil geworden, als groß zu sein und immer davon abhängig zu sein, wirklich umsatzstarke Projekte sich zu generieren. Das heißt, ihr seid seid ja auch spezieller, also ihr seid ja mehr nicht spitz in den Markt spitz reingegangen, das heißt, seid ihr fokussiert auf gewisse Leistungen oder seid ihr trotzdem noch, ich kann mir vorstellen, wo ihr noch 35 Mitarbeiter in der Belegschaft wart, seid ihr 'n bisschen breiter aufgestellt gewesen, natürlich, die Umsätze zu generieren und jetzt seid ihr wahrscheinlich 'n bisschen fokussierter im Markt, oder? Genau. Wir wir machen halt, wir wickeln komplette Projekte ab, versuchen dann aber Teilleistungen, ne.
Die wird das selber nicht mehr abdecken. Wir kümmern uns im Wesentlichen Gebäudeautomatisierung. Das ist unser Hauptsteckenpferd. Ja, ist ja auch ein 1 wichtiger Punkt für die Zukunft. Da gehört ja auch dann Energiemanagement und Co dazu, ne.
Da gehe ich mal von aus. Genau. Ja. Und da sind wir ja eigentlich schon beim Thema. Guck uns doch mal den den Beruf mal an.
Welche Gruppierungen siehst Du denn da, weil Du ja eben schon sagtest, der Meister, okay, muss man mal drüber nachdenken, ob der bei aufgrund des großen Berufsbildes, was ja über die Jahre dann jetzt auch entstanden ist, ob das so noch Sinn macht, welche Teile siehst Du denn da genau? Na ja, nun muss man vielleicht 'n bisschen vorsichtig sein. Die Elektrotechnik seh ich noch als Meisterbetrieb, weil wir dort Sicherheitsaspekte abbilden müssen, die wir auch in anderen Gewerken haben. Die sind relevant, Gefahren halt auszuschließen. Ob ob dann das Bildungsniveau immer gegeben sein kann, also Bildungsniveau im weitesten Sinne mit der Fortbildung, ob ob das dann wirklich immer da ist, wenn man auf die Meisterpflicht verzichtet in einigen Gewerken, das wage ich zu bezweifeln.
Deshalb sag ich mal, Elektrotechnik, auch wenn sie jetzt anders aufgestellt ist, wir haben beispielsweise inzwischen 15 Berufsbilder in der Elektrotechnik, weil die IHK auch noch ausbildet. Und wir haben allein im Handwerk 5 unterschiedliche Berufsbilder, sodass ich da natürlich für plädieren muss weiterhin, was die Meisterpflicht anbelangt. Wir haben's in anderen Bereichen nicht. Also wenn's klar definierte Arbeitsabläufe sind, dann reicht das auch, wenn man da eine Schulung erfahren hat, vielleicht auch noch mit 'ner kleinen Prüfung und dann ohne die Meisterpflicht Handlungen ausführen kann. Im Bereich regenerative Energien könnte das der Fall sein.
Man spricht ja von dem Solarteur in unserem Bereich. Das heißt, Leute, die Module, ich sag mal, aufs Dach bringen im weitesten Sinne, wobei ich jetzt nicht den den Dachdecker da Ja, das ist auch fast eine Sache. Ja, ja, ja, ja, ja, ja, da bin ich ganz vorsichtig. Weil wir gehen nicht aufs Dach. Das trauen wir uns nicht zu.
Die Solarture trauen sich das zu. Ich muss ehrlich sagen, unabhängig von Sicherheitsaspekt gehe ich auch davon aus, was Baumängel anbelangt. Ich kenn mich mit Dächer nicht aus. Ja. Ja, ist nicht mein Metier.
Also warum sollte ich mich darum tummeln? Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau. Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu unseren knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den besten zu gehören, deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter. So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen.
Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität. Die Solateure, die gehen da rauf, die schneiden irgendwelche Ziele aus und knallen da irgendwas hin. Da geht's nicht Windlasten, da geht's nicht Schneelasten, da geht's nicht Feuchteeintrag, da geht's nicht Schwammbildung. Das machen die einfach.
Und das ist mir halt einfach zu kurz gesprungen. Deshalb bin ich der Meinung, es muss Berufsbilder geben, die weiterhin der Meisterpflicht unterliegen. Und dazu gehört sicher auch das Dachdeckerhandwerk. Der Solateur bleibt dann eigentlich nur noch, die Dinger nach oben zu bringen, festzuschrauben und vielleicht noch die Leitung bis in den Keller runterzuschmeißen durch den durch den Kaminschacht oder wie auch immer. Und dann dann war's das leider schon.
Also es gibt Gewerke, da kommen wir nicht umhin zu sagen, bis hierher, hier geht's und nicht weiter, weil wir einfach sonst den Menschen, die eigentlich Energie sparen wollen, Probleme ins Haus bringen und das soll's eigentlich nicht sein. Ja, und leider ist diese Nachricht ja nicht so selten, ne. Also jetzt, das ist jetzt mal gewerksunabhängig mal gesagt an der Stelle. Wenn ich so sehe, es gibt ja doch viele Reklamationen grade im im Bereich Fotovoltaik und und viele Nichterfüllung und viele Schäden und so weiter, ne. Also es ist ja nun mal halt 1 1 1 1 sehr attraktives Geschäftsfeld gewesen.
Jetzt zumindest, glaube ich, 'n bisschen ruhiger, kann man so sagen, ne. Zumindest mal im Investorenbereich, das heißt in den größeren Anlagen und so weiter, ist son bisschen Ruhe eingekehrt. In auch Nordrhein zumindest, kann natürlich hier geografisch gesehen anders sein, aber trotzdem gibt's viele Mängel, ne. Das also da muss ja schon dann dringend etwas noch mal nachgebessert werden in Form von zusätzlichen Weiterbildungsmöglichkeiten, ne. Ohne Frage, da arbeiten zumindest die Handwerker jetzt dran und natürlich auch die gängigen Firmen, also jetzt egal jetzt, ob Npal, 1.5 Grad und wie sie alle heißen, arbeiten ja jetzt alle dran.
Ursprünglich war es halt so, wir schicken die alle hoch, die machen schon. Da ging's nur Umsatz, Umsatz, Umsatz. Aber man hat dann gemerkt, dass man sich seinen Umsatz natürlich auch recht schnell kaputtmachen kann durch Gewährleistungsansprüche. Ja. Und ich wage mal die Prognose, dass in den nächsten 30 Jahren da noch ganz viel auf uns zukommen wird, weil Du weißt selber in deinem Gewerk, es dauert 'n bisschen, bis der Schwamm sich durchgefressen hat und man den gleich sieht.
Und davor habe ich 'n bisschen habe ich wirklich 'n bisschen Manschetten und 'n bisschen Angst, ne. Ja, ist ja nachvollziehbar, ne. Jetzt haben wir ja 2 die 2. Solar- oder Fotovoltaikwelle ja. Bei der ersten Welle haben wir's ja auch so gefühlt gehabt, dass wir wirklich auch diese diese diese Befürchtung definitiv hatten.
Es ist, glaub ich, nicht so laut gewesen zumindest am Ende, wie wir die Befürchtung hatten. Deswegen haben wir können wir zumindest mal die Hoffnung sein für alle, die jetzt grade eine Anlage gebaut haben. Es es muss sie nicht treffen, also es gibt auch genügend seriöse Anbieter da draußen. Gute Frage. Muss man natürlich auch an der Stelle mal sagen, wo man definitiv sicher sein kann, dass alles gut gelaufen ist.
Aber grade Fotovoltaik ist 'n ist 'n Geschäftsfeld, wo man relativ schnell rein kann. Mhm. Ohne große Hürden und was dann eben halt dann auch zu Engpässen führen kann, was dann wiederum natürlich für den Meister definitiv spricht beziehungsweise für eine Zusammenarbeit absolut guten Fachfirmen, die sich dann zusammenschließen aus dem Elektrobereich und ausm Dachdeckerhandwerk. Das kosten 'n paar Euro mehr unter Umständen am Ende, weil halt 2 Unternehmen dann zusammenkommen. Aber man hat dann gegebenenfalls oder in der Regel zumindest mal diese Probleme, über die Du gerade gesprochen hast, dann eben nicht, ne.
Ja, 2 oder vielleicht sogar 3 Gewerke, ne. Aber wir sprechen ja heute von den sogenannten Ökosystem und da gehört jetzt inzwischen natürlich auch die Wärmepumpe dazu oder andere Felder zur Energiegewinnung. Und ja, das sind 3 3 Gewerke, die ursprünglich nie so richtig zusammengearbeitet haben. Und das ist ja das Schöne, dass es jetzt Kooperationen gibt und dass sich die Firmen gefunden haben zum Teil oder immer noch finden. Und dafür sind die Handwerkskammern und Innungen so wichtig, diese Kontakte dann auch herzustellen.
Ich kann mich erinnern, in den Anfängen war das schwierig. Inzwischen gibt's halt überall Kooperationen und die bringen dann auch die Qualität, die man sich dann wünschen kann als Auftraggeber. Ja, übrigens ist sone Kooperation für alle, die jetzt selbstständig sind und gerade aus der Perspektive schauen, ist ja sone Kooperation ja nicht nur sinnvoll, mein Geschäft zusammen zu machen, sondern ich bin ja auch immer ein Fan von Austausch, ne, auf auf dieser selbstständigen, unternehmerischen Ebene, eben halt so miteinander und voneinander auch zu lernen. Denn gut, wir haben alle die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, auf der anderen Seite haben wir alle unsere Fehler gemacht auf dem Weg, den wir gemacht haben. Ja, warum lernt man nicht da voneinander miteinander?
So ist ja in dem Geschäftsfeld Photovoltaik, wenn man's mal reinzoomt, dann natürlich genauso. Da haben wir auch mit Sicherheit nicht die 1. Anlage war auch nicht brillant, sondern da musste man auch noch mal nacharbeiten und noch mal feinjustieren und dann musste man auch noch mal gucken, okay, wir haben zwar angeschlossen, aber irgendwie läuft's nicht oder so. Also es gibt ja gibt ja immer irgendwelche Sachen, die man dann mitnimmt und lernt. Und deswegen sind solche Kooperationen nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht direkt interessant, Projekte zu realisieren, sondern auch einfach mal miteinander zu sprechen, ne und in Austausch zu gehen.
Wie siehst Du das hier? Du bist ja, glaube ich, auch relativ aktiv hier, was die Handwerkskammer betrifft. Ist das für dich auch 'n Mehrwert, in den Austausch zu gehen, auch wenn's dann Gewerke sind, wo die jetzt nicht direkt dich betreffen, sondern hast Du Berührungspunkte, wo Du sagst, boah, da hab ich jetzt einfach nur eine Idee mal mitgenommen. Ich ich projizier die jetzt auf meinen Berufsstand und das hilft mir. Meistens natürlich administrativ, grade Recruiting, aber auch eben halt Thema Führung an sich ist ja nun mal auch immer herausfordernd.
Hast Du da schon vieles mitgenommen in der Art und konntest da viel von mit lernen, dann auch von anderen? Na, es ist im Handwerk son bisschen schwierig, das weißt Du selber auch, weil der Handwerk ist ja so breit aufgestellt. Wir haben 130, über 130 Berufe im Handwerk. Das und Handwerk ist kleinteilig. Das heißt, es gibt große Betriebe, ich sag mal über 30 Mitarbeiter, eine haben sogar 200 Mitarbeiter und mehr.
Und aber das Handwerk an und für sich ist ja sehr kleinteilig. Ja. Ne. Da gibt's dann gegebenenfalls Meister, nicht in allen Berufssparten, aber dann gibt's den Meister, dann gibt's 'n Lehrling und vielleicht noch 'n Gesellen. Also 2, 3 Mitarbeiter in einem Betrieb.
Ja. Die sind ganz anders aufgestellt, die haben ganz andere Probleme, die haben ganz andere Ansprüche auch an eine Betriebsführung. Je größer eine Betriebsführung. Je größer man wird, je mehr verändert sich's. Nun kann ich natürlich, wenn ich mit Handwerkern zu tun habe und spreche unterschiedlicher Gewerke oder in meinem Gewerk nicht sofort ersehen, wie ist der aufgestellt, ne.
Und viele Mauern da auch noch son bisschen. Das ist noch so übrig geblieben aus der alten Zeit. Und deshalb muss ich hier ganz ehrlich sagen, der Austausch, der findet dann doch eher auf 'ner anderen Ebene statt. Glücklicherweise gibt es ja Innungen und die Handwerkskammer und glücklicherweise gibt's da Schulungsmaßnahmen. Wir haben ja kurz mal übers Lernen gesprochen und das hat sich ja auch komplett geändert, ne.
Früher gab's den Meister auf Lebenszeit, den kann man heute knicken. Also in meinem Gewerk ist es so inzwischen, dass man, wenn man eingetragen wird bei einem Elektro, bei einem Energieversorgungsunternehmen, so muss ich sagen, dann gilt das für 5 Jahre. Und Du musst dann wieder neu Schulungen nachweisen, wie das in anderen Bereichen auch so der Fall ist, dann deine Eintragung zu bestätigen, damit die weiterhin erhalten bleibt. Find ich wichtig. Und das Lernen auf Lebenszeit ist ja eigentlich 'n Aspekt, den können wir nicht mehr einfach so wegwischen.
Alles geht so schnell, ne. Wenn ich mir überlege, diese dämlichen Dinger, diese Smartphones, wie toll waren die? Aber Steve Jobs hat nicht 'n tollen Job gemacht, sondern er hat einfach auch die Jugend son bisschen so stark verführt, dass die meisten inzwischen schon süchtig sind. Mhm. Und da sind wir beim nächsten Thema, Recruiting von Jugendlichen in dem Betrieb.
Wir wir wissen selber, wir müssen eine ganze Menge machen. Wir müssen uns richtig Mühe geben, die Jugend anzusprechen, damit wir die reinkriegen in die Firmen, damit das Handwerk nicht ausstirbt. Und da haben wir momentan richtige Probleme. Wir müssen attraktiv sein. Wie werd ich attraktiv?
Bin ich attraktiv, wenn ich einen TikTok drehe, rumhüpfe und Blödsinn mache, damit die anderen dann sagen, Alter, ein geiler Chef, ja, der der ist lustig, der der hat Spaß bei der Arbeit und Es ist die Frage, wer guckt sich das an? Hab ich dann den, der in der Pause sofort dasteht und guckt, ah, was ist denn jetzt wie 'n TikTok? Den brauch ich ja eigentlich nicht. Und das ist 'n großes Problem. Also hier läuft grade eine ganze Menge schief in der Gesellschaft.
Und die Sachen anzusprechen bedeutet für mich auch immer im beruflichen Alltag, mich teilweise wegen dieser Geschichten von zukünftigen Mitarbeitern schon trennen zu müssen. Mhm. Weil die das nicht mehr packen, weil sie einfach eine Sucht entwickelt haben. Früher war es das Rauchen Und heute ist es die Sucht zu den Smart Devices. 'N großes Problem.
Da müssen wir gesellschaftlich wirklich noch einiges tun. Das kann ein Handwerksbetrieb nicht leisten. Ja, definitiv. Und diese ganze Aufgabenstellung, die wir ja im Handwerk haben, ist ja schon 'n bisschen komplex, denn wir brauchen die Sichtbarkeit. Wir brauchen diese Kanäle heute.
Ja. Und im Grunde, so wie Du's beschreibst, hast Du vollkommen recht, ist es denn eben halt Fluch und Segen zugleich an der Stelle und im Grunde musst Du ja den finden, der deine Anzeige nicht sieht, ne. Im im Social Media Bereich, ne. Also es ist schon verrückt, aber im Grunde hast Du recht, ja. Aber Du kommst ja gar nicht mehr die Leute ran anders, ne.
Gibt ja kaum noch Wege. Ich sag mal, gut, früher lief das über die Theke, über 'nem Sportverein oder sonst irgendwie, dann da konntest Du natürlich schon viel machen. Aber der Weg ist ja heute mehr oder weniger zu, ne. Also er, man muss ja selber erst mal dann wieder die Nähe dann auch zu den jungen Leuten haben und und da muss man also dann schon ganz nah dabei sein, überhaupt auf diese Ebene zu kommen, dass man mal übern Job spricht, weil wenn ich jemanden treffe und sag immer, lass mal eben darüber sprechen, ob Du Azubi bei mir werden willst, ist ja keine Ebene geschaffen, sondern dann ist ja dann, dann guckt derjenige, der nicht mal kurz an und sagt, hm, kannst Du gerne, ich geh schon mal eben, muss man mal eben weg, ne, dann Du warst das, ne. So und deswegen, wir haben ja gar nicht viele andere Möglichkeiten und der Ansatz ist natürlich vollkommen richtig, dass wir da wieder mehr ja auf unsere Jugend dann auch achten, ne und auch wirklich darauf Wert legen, dass die jungen Leute son bisschen wieder davon wegkommen oder es zumindest mal schaffen, diese dieses nennen wir's einfach mal Hobby in dem Fall.
Du hast Sucht gesagt, ja, es es kann suchtend werden, ja genau. Nennen wir's mal Hobby. Dieses Hobby wirklich dann auf die Freizeit auch auszulegen, ne oder oder zumindest mal auf auf auf auf Zeiten auszulegen, wo's eben halt nicht stört, ne. So und das schaffen wir heute nicht mehr. Das ist richtig, das stimmt.
Herr Oliver, ich hab ja auch Kinder. Ich hab 4. Und die sind unterschiedlich alt. Der Älteste ist noch in den Betrieb gekommen. Also die Generation, die nächste Generation ist gesichert bei mir.
Aber die, die nachkommen, die sind noch abhängiger von den Dingern. Mhm. Und das ist 'n Riesenproblem. Die Handwerkskammer hat hier 'n bisschen was verändert. Und zwar haben die Schulpaten, ich weiß nicht, ob das bei euch so was gibt.
Ja, sag mal. Die Schulpaten haben die jetzt hier ins Leben gerufen. Und die Handwerksbetriebe und Handwerksmeister, die sich berufen fühlen, die gehen in die Schulen, in die Grundschulen, nicht zu den Jugendlichen, sondern noch weiter unten. Also gehen in die Grundschulen und versuchen dort, die Schüler abzuholen. Und das ist eine tolle Geschichte, find ich.
Und ich glaube, das hat mehr Zukunft, als nachher auf die Jugend zu bauen. Ja, da hatte Carola Zarzab mir ja von schon mal ausführlich berichtet. Ja. Unsere Präsidentin, genau. Mhm.
Und hatte den den Weg beschrieben. Halte ich auch für sehr gut, ist auf jeden Fall ein Ansatz, der der sehr intensiv verfolgt werden soll, denn grade wenn die wenn die Kinder aus der aus dem Sandkastenalter dann in die die Baustein ins Bausteinalter rübergehen, dann ist ja eigentlich die Phase, wo wir die Kinder dann eigentlich auch abholen sollten und und schauen oder zeigen sollten, man kann jetzt im Endeffekt 2 Wege gehen. Man kann mit den Händen und dem Kopf arbeiten oder man kann vor allen Dingen mit dem Kopf arbeiten, ne. So, das sind ja so die 2 Wege dann dabei. Und man hat dann die Möglichkeit, wirklich zu schauen, wo sind denn wirklich meine Interessen?
Wo sind wirklich meine Stärken? Und sich dann entsprechend dann weiterzuentwickeln. Mike, wir sind schon so weit, dass wir zum Ende kommen und ich hab am Ende noch eine Frage an dich und bin sehr gespannt, wie Du die beantworten wirst. Und zwar ist die Frage, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk womöglich mit 1 radikalen Entscheidung zu verändern, was würdest Du dann tun? Das ist ja Revolutzeittum.
Ich glaube, dass es, es gab ja früher mal, da will man ja wieder hin zur Wehrpflicht. Ich glaube, man sollte, na, Grundschüler noch nicht, aber Jugendliche, sollte man auf jeden Fall verpflichten, im Handwerk ein Praktikum zu machen. Sicher ist 'n Kindergarten auch wichtig, Gottes Willen oder in 'ner Kirche was zu machen, auch wichtig. Aber es sollte auf jeden Fall 'n Praktikum im Handwerk verpflichtend sein, damit man sich wirklich mal 'n Bild macht. Aber man musste dann auch die Handwerksbetriebe abholen und mitnehmen.
Weil es ist gar nicht so einfach, 'n Praktikum anzubieten und durchzuführen. Und ich denk immer, Du wirst es in deinem eigenen Betrieb wissen, es ist nicht unbedingt einfach, jemanden abzustellen, der sich dann einen Praktikanten kümmert, weil die müssen ja dann wirklich begleitet werden. Und aber das, glaub ich, ist wesentlich, dass das wie son Gesetz nachher wird, verpflichtend für alle mal im Handwerk reinzuschnuppern. Ja, ist 'n absolut wichtiger Punkt. Und Du sprichst auch 'n anderen wichtigen Punkt noch mal indirekt ja an, und zwar indem wir uns dann alle auch zusammenschließen, ne.
Das ist ja so im Endeffekt das, was uns jetzt dem Thema Fachkräftemangel zumindest mal in den letzten oder jetzt auf die Füße fällt, dass wir vor 25 Jahren gesagt haben, irgendeiner wird's schon machen. Und natürlich hat die Kammer sich drum gekümmert und die haben natürlich getan, was sie konnten, aber sie standen alleine da, ne. So und hätten die Betriebe sich mit engagiert, die in der Ausführung sind, aber auch die davorgelagerten Unternehmen, die mit davon partizipieren. Nennen wir einfach mal Banken, Versicherungen, nehmen wir nehmen wir die Hersteller alle, die wir so haben und die ja alle von dem leben, was da wichtig ist in Zukunft. Wenn wir uns alle zusammenschließen würden, hätten wir die Power, die wir bräuchten, das zu ändern, was zu ändern ist.
Und wir würden's ja heute noch sogar noch schaffen, das Boot oder das Schiff umzudrehen, wenn wir eben halt uns alle zusammenschließen würden, ne. Deswegen auch noch mal 'n wichtiger Punkt an der Stelle. Ja, Maik, danke dir, dass Du hier gewesen bist, dass Du die Zeit genommen hast, zu uns zu kommen. Mhm. War schön mit dir.
Das war mal keiner hier bei uns in Berlin im Studio. Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Bis bald.