Das Handwerk steht vor großen Veränderungen: neue Energievorgaben, verunsicherte Kunden und ein anhaltender Fachkräftemangel. In der Folge von Handwerk spricht berichtet Matti Ewert, mit 35 Jahren gesellschaftsführender Gesellschafter der Ernst Weidlich Installationsgesellschaft in Berlin-Steglitz, wie sich der Alltag in einem Heizungs- und Sanitärbetrieb in den letzten Jahren gewandelt hat. Seit knapp fünf Jahren führt er das Unternehmen mit rund 22 Mitarbeitenden und einem Geschäftspartner – und erlebt hautnah, welche Fragen die Kundschaft derzeit umtreiben.

Das Heizungsgesetz sorgt für Verunsicherung

Die aktuell größte Herausforderung sieht Ewert eindeutig beim Heizungsgesetz. Viele Eigentümer seien schlicht verunsichert, wie sie damit umgehen sollen. Die zentrale Frage laute immer wieder: Kann man noch eine Gastherme tauschen oder nicht? Braucht es jetzt eine Wärmepumpe, und ist ein Energieberater nötig?

Interessant ist dabei ein Nebeneffekt: Ausgerechnet der Wunsch, etwas Nachhaltiges auf den Weg zu bringen, hat für zusätzliche Verunsicherung im Markt gesorgt. Sichtbar wird das auch in den Auftragszahlen. Während der Betrieb im Vorjahr noch etliche Brennwert- und Heizwertthermen tauschte, halten sich viele Kunden inzwischen zurück – aus Sorge, ob bei einem Tausch nicht gleich die gesamte Zentralheizung umgestellt werden müsse.

Bei Beratungsbedarf verweist Ewert bewusst an Energieberater, mit denen der Betrieb zusammenarbeitet. Diese erstellen ein Konzept und prüfen mögliche Förderungen, damit die Umstellung keine übermäßige finanzielle Last wird. Besonders komplex wird es bei Eigentümergemeinschaften, in denen jeder eine eigene Vorstellung hat.

Altbau und Wärmepumpe: jedes Objekt ist anders

Ein eigenes Kapitel sind Sanierungen im Bestand. In der Stadt scheiden Bohrungen für Erdwärme praktisch aus, während Luft-Wasser-Lösungen möglich bleiben. Beim klassischen Berliner Dachgeschossausbau würden bereits Einzelanlagen eingebaut.

Entscheidend sei, die Heizlast so gering wie möglich zu halten – über Fenster, Türen und die richtige Auslegung des Systems. Ein zentraler Punkt ist die Vorlauftemperatur: Wer nur Heizkörper statt einer Fußbodenheizung hat, muss diese unter Umständen komplett tauschen, weil Wärmepumpen mit niedrigen Vorlauftemperaturen am besten arbeiten. Zudem brauchen Wärmepumpenanlagen größer dimensionierte Rohre.

Jedes Objekt ist anders.

Kategorisch ausschließen will Ewert eine Wärmepumpe im Altbau nicht – aber die Wirtschaftlichkeit müsse individuell geprüft werden. Das macht das Geschäft anspruchsvoll: Statt Serienlösungen ist quasi Einzelfertigung gefragt, sowohl in der Planung als auch in der Ausführung.

Qualität statt Billigware

Bei den Produkten setzt der Betrieb bewusst auf namhafte Hersteller mit Bezug zu Deutschland – Drittanbieter kommen nicht ins Haus. Der Grund: Nur so könne man im Servicefall gut hinter dem Produkt stehen und sich zuverlässig kümmern. Damit trennt sich auch das Kundensegment: Wer nur den billigsten Preis sucht, ist bei Ewert falsch, denn Billigware bringe erfahrungsgemäß vor allem Ärger.

Sein Rat an Kunden lautet entsprechend, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch den Hintergrund eines Betriebs zu prüfen. Immer wieder erlebe man Objekte, bei denen bereits „Fachleute“ am Werk waren – mit Ergebnissen, die dann doppelt und dreifach bezahlt werden müssen.

Personal findet man über Kontakte

Beim Thema Fachkräftemangel hat der Betrieb einen klaren Weg gefunden. Klassische Stellenanzeigen bringen laut Ewert kaum etwas – Personal komme fast ausschließlich über persönliche Kontakte und Empfehlungen der eigenen Mitarbeiter. Rund fünf der 22 Beschäftigten seien so hinzugekommen, weil Kollegen den Betrieb weiterempfohlen hätten. Die Erfolgsquote bei Vorstellungsgesprächen liege bei etwa 80 Prozent.

Ausgewählt wird im Gespräch, ohne aufwendige Tests. Entscheidend seien Chemie, Vorstellungen und der persönliche Eindruck. Ob jemand handwerklich etwas taugt, zeige sich im Handwerk ohnehin schnell.

  • Personalgewinnung läuft überwiegend über Empfehlungen
  • Etwa 80 Prozent der Bewerbungsgespräche münden in eine Einstellung
  • Ausgewählt wird nach Chemie und Vorstellungen, nicht per Test
  • Der Betrieb bildet derzeit vier Auszubildende aus

Die Ausbildung mache nicht immer Spaß, gibt Ewert offen zu. Junge Menschen nähmen manches lockerer und müssten häufiger an die Hand genommen werden – dann laufe es aber.

Digitalisierung mit Augenmaß

Auf der Baustelle setzt der Betrieb bewusst noch auf Zettel statt Tablets, weil viele ältere Mitarbeiter mit der Technik fremdeln. Ansonsten sei vieles digitalisiert. Ohnehin bindet der Schulungsbedarf durch neue Techniken viele Ressourcen. Wärmepumpen etwa werden gezielt von jüngeren, interessierten Mitarbeitern übernommen. Einen 60-Jährigen, der lieber Bäder und klassische Heizungen baut, zwingt Ewert nicht in eine Wärmepumpen-Schulung.

Ausblick: Wasserstoff und das Ansehen des Handwerks

Für die Zukunft sieht Ewert keine unmittelbar bevorstehende Revolution. Das Thema Wasserstoff werde zwar oft nachgefragt, viele Anlagen seien bereits „wasserstoff-ready“. Doch bis es tatsächlich soweit sei, könne es dauern – in den nächsten 35 Jahren, so seine persönliche Einschätzung, werde er das im Betrieb wohl nicht mehr erleben, auch wenn er es begrüßen würde.

Zum Abschluss zieht er ein positives Fazit zum Ansehen des Handwerks. Zu Beginn seiner Ausbildung sei es ihm noch peinlich gewesen, im Blaumann U-Bahn zu fahren – heute sei das völlig anders. Der Fachkräftemangel habe die Wahrnehmung verändert: Die Menschen brauchen das Handwerk. Und damit, so Ewert, stehe die Branche derzeit ganz passabel da.