Die Wärmewende in Gebäuden ist längst kein reines Technikthema mehr, sondern eine komplexe Abwägung aus Investitionskosten, Fördermöglichkeiten, Umweltquellen und digitaler Steuerung. In der Folge von Handwerk spricht gibt Marko Berthold, einer von drei Gründern des Unternehmens EcoMinds, Einblicke in die Praxis. Sein Betrieb entwickelt Energiekonzepte, plant und baut Energieanlagen und tritt zugleich als Anlagenbetreiber auf – ein Rundum-Ansatz, der in der zunehmend verschachtelten Energiewelt von morgen immer wichtiger wird.

Von der Planung bis zum Betrieb aus einer Hand

EcoMinds versteht sich als sogenannter One-Stop-Shop: Planung, vorbereitende Tätigkeiten, sachverständige Bewertung und Ausführung kommen aus einem Haus. Das erfordert ein hohes Maß an Know-how, das der Betrieb über langjährige Berufserfahrung, stetige Weiterbildung und ein Netzwerk spezialisierter Subunternehmer für Elektro- und Anlagenplanung sicherstellt. Gerade die wachsenden Anforderungen durch Wärmepumpen, neue Gesetze und Fördermittelthemen verlangen laut Berthold ein hohes Maß an Umtriebigkeit.

Der Ausgangspunkt jedes Projekts ist das Gespräch mit dem Kunden. Zunächst wird das Objekt gemeinsam betrachtet: Welche Heizleistung wird benötigt, welche Systemtemperaturen, welcher Bedarf für Warmwasser? Erst dann geht es um die Wünsche – möchte der Kunde weg von fossilen Energieträgern, seinen selbst erzeugten PV-Strom stärker nutzen oder im Sommer auch kühlen? Letzteres wird durch warme Sommernächte und die fehlende Nachtauskühlung in Innenstädten zu einer immer stärkeren Anforderung.

Umweltquellen: Warum die Wärmepumpe nicht immer gleich aussieht

Ob eine Wärmepumpe die effizienteste Lösung ist, hängt stark von den verfügbaren Umweltquellen ab. In dicht bebauten Städten wie Berlin ist Geothermie aufgrund versiegelter Flächen oft schwierig zu nutzen. Luft als Quelle bringt bei höheren Leistungen Schall- und Platzprobleme mit sich. Eine zunehmend genutzte Alternative ist die Abwasserwärme.

Berthold erklärt das Prinzip anschaulich: Abwasser hat ganzjährig eine mittlere Temperatur von 10 bis 12 Grad. Dieses lässt sich um etwa 5 Grad abkühlen, wobei die entzogene Wärme über die Wärmepumpe auf Heizungsniveau von 40, 45 oder 50 Grad angehoben wird. Im Berliner Raum sei diese Technik durch die Abwassernetzbetreiber bereits Standard, teils würden Wärmetauscher direkt in neue Kanäle eingebaut. In anderen Großstädten müsse man jedoch noch viele Widerstände überwinden, um an die Abwasserwärme zu gelangen.

Förderung und Finanzierung als entscheidender Hebel

Für die Wirtschaftlichkeit spielen Förderungen eine zentrale Rolle. Berthold beschreibt den aktuellen Status als sehr gut. Zur Verfügung stehen unter anderem:

  • zinsgünstige Kredite über die KfW-Bank
  • lokale und je nach Bundesland individuelle Finanzierungsmöglichkeiten
  • Umweltkredite über Umwelt- und Volksbanken, bei denen die Verwendung für erneuerbare Lösungen nachgewiesen werden muss
  • die BAFA-Einzelmaßnahmen, bei denen der Kunde vorstreckt und förderfähige Kosten rückwirkend erstattet bekommt

Die Zinsen bewegen sich nach seiner Einschätzung im Mittel zwischen ein und vier Prozent. Bei Einfamilienhäusern kommen häufig BAFA-Einzelmaßnahmen zum Tragen, bei größeren Sanierungen mit Ertüchtigung der thermischen Hülle bis zum KfW-Effizienzhaus eher zinsgünstige Kredite. Für Neubauten existiert derzeit nur noch die Förderung des klimaneutralen Neubaus – die klassischen KfW-Effizienzklassen entfallen. Weil die Anforderungen an den klimaneutralen Neubau aufwendig und teuer sind, sei der Trend hier zuletzt rückläufig. Entscheidend ist für Berthold stets die Rechnung, ob die Mehrausgaben zur Erlangung der Förderung nicht die förderfähigen Vorteile wieder auffressen.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Im Bestandsgebäude bereiten vor allem enge Heizungskeller und schmale Einbringwege Kopfzerbrechen. Ein Nachteil der Wärmepumpe sind die notwendigen Pufferspeicher, um Sperrzeiten zu überbrücken und Teillastzustände sauber abzufahren. Im innerstädtischen, verdichteten Raum bleibt zudem die fehlende Verfügbarkeit von Umweltquellen ein Kernproblem.

Wärmepumpen werden digital und netzdienlich

Ein großer Teil der Technik ist bereits digital. EcoMinds regelt und kontrolliert seine Anlagen über Fernwartung – für Berthold ein zentraler Punkt: Eine Wärmepumpe dürfe nicht installiert und dann sich selbst überlassen werden, sondern müsse im ersten Betriebsjahr überwacht werden. Der nächste Schritt ist die prognosebasierte Regelung. Über intelligente Stromzähler oder variable Stromtarife mit Internetanbindung erhält ein kleiner Regler Informationen zu Strompreis und Wettervorhersage und entscheidet, wann die Wärmepumpe wirtschaftlich läuft – etwa indem sie das Gebäude oder die Speicher gezielt überwärmt, wenn viel günstiger PV-Strom zur Verfügung steht.

Das Potenzial, was Wärmepumpen haben zu heben, gerade auch zur Netzregulierung und Netzstabilisierung, das ist ja das Tolle bei Wärmepumpen.

Damit verschieben sich auch die Anforderungen an das Handwerk: Neben dem Heizungsbau braucht es elektrisches Verständnis, die Entwicklung von Unterverteilungen, Zählerplatzanmeldungen und IT-Kompetenz. Ob ein kleiner Sanitärbetrieb diese Vielzahl an Schnittstellen allein noch stemmen kann, verneint Berthold weitgehend – wirtschaftlich sei das schwierig. EcoMinds bündelt daher die gesamte Kette bis hin zum Tiefbauer für Fundament, Erdleitung und Hauseinführung.

Wie belastbar ist der Energieausweis?

Ein oft überschätztes Dokument ist für Berthold der Energieausweis. Er beruht auf standardisierten Berechnungsmethoden mit Standardklima, mittleren Temperaturen und typisierten Nutzungsprofilen. Das schafft Vergleichbarkeit zwischen Gebäudetypen, bildet aber nicht die Realität ab, in der sich Klima, Nutzerverhalten, Sonneneinstrahlung, Wärmebrücken und Dämmqualität ständig ändern. Der Ausweis sei daher nur ein Indikator – wichtig etwa für die Vergabe zinsgünstiger Kredite. Entscheidend sei, zu hinterfragen, warum ein Gebäude schlecht eingestuft ist. Steckt etwa eine Öltherme im Keller, drohen möglicherweise Austausch- oder Sanierungspflichten – ein klares Signal, über eine Wärmepumpe nachzudenken.

Bertholds Tipp: nicht auf eine einzige Meinung verlassen

Sein Rat an Bauherren und Sanierer: sich nicht auf einen einzelnen Energieberater verlassen, sondern umtriebig sein. Mehrere Handwerksangebote einholen, in einschlägigen Foren lesen, Referenzobjekte besichtigen und im Zweifel Handwerker nach ihren letzten eingebauten Anlagen fragen. Denn auch Energieberater und Planer machen Fehler. Hilft all das nicht weiter, biete die Verbraucherzentrale mit ihren Energieberatern eine weitere Anlaufstelle.

Die Stellung des Handwerks in der Gesellschaft bewertet Berthold trotz eines kleinen konjunkturellen Dämpfers positiv. Das Handwerk erlebe eine Renaissance, die Wertschätzung steige kontinuierlich – selbst längere Vorlaufzeiten würden von Kunden zunehmend akzeptiert.