Ob auf der Firmenwebsite, in Broschüren oder auf Social Media: Bilder entscheiden heute maßgeblich darüber, wie ein Handwerksbetrieb nach außen wirkt. Im Podcast "Handwerk spricht" spricht Businessfotograf Justin Bockey darüber, wie das Handwerk Fotografie für sich nutzen kann, welche Rolle das Smartphone spielt – und wo die Grenzen der Handykamera liegen.
Vom Zeitungsredakteur zum Businessfotografen
Justin Bockey kam über Umwege zur Fotografie. Zunächst arbeitete er bei der Zeitung und schrieb Texte, bis er merkte, dass sich neben den Artikeln auch Bilder liefern ließen. Er kaufte sich eine Kamera, arbeitete sich intensiv ein und ließ sich von seiner technischen Neugier leiten. Über die Jahre kamen Sport- und Hochzeitsfotografie, Events und schließlich die Geschäftskunden hinzu.
Das Fotografieren brachte er sich selbst bei. "Wir leben in einer wunderschönen Zeit, in der Wissen komplett frei verfügbar ist", sagt Bockey. Über YouTube, Bücher und vor allem durch selbstkritisches Ausprobieren lasse sich vieles erlernen. Entscheidend sei, Feedback zu bekommen und regelmäßig zu üben – zunächst mit Menschen, die noch keine hohen Ansprüche stellen, später mit bezahlten Aufträgen, bei denen das Ergebnis stimmen muss.
Kann das Smartphone den Fotografen ersetzen?
Eine Frage, die Bockey häufig hört. Seine Antwort ist differenziert: Die Bildqualität moderner Smartphones sei fantastisch – oft besser als die von Kameras vor zehn Jahren. Wer verreist und keine Lust hat, sich wochenlang in eine Kamera einzuarbeiten, sollte getrost zum aktuellen Smartphone greifen. Es ist immer dabei und unkompliziert zu bedienen.
Doch eine gute Kamera macht nicht automatisch gute Fotos. Es kommt darauf an, die Faktoren zu verstehen: Eine Party, ein Sternenhimmel oder eine Landschaft erfordern jeweils unterschiedliche Einstellungen. Und letztlich zählt das geschulte Auge, das nur durch Übung und Erfahrung entsteht.
Am Ende des Tages muss man das richtige Auge haben. Das passiert über Übung, eine ganze Menge Erfahrung und die Abstimmung mit dem Menschen – zu wissen, was er überhaupt ausdrücken will.
Genau hier liegt für Bockey der Unterschied zwischen einem Schnappschuss und einem professionellen Bild: Es geht um die Intention. Profilbilder etwa sollen Professionalität und Kompetenz vermitteln, eine Firmenwebsite soll zeigen, dass hier hochwertig gearbeitet wird.
Vor- und Nachteile der Smartphone-Fotografie
Bockey fasst die wichtigsten Punkte zusammen:
- Vorteile: Das Smartphone ist immer dabei, einfach zu bedienen und bietet dank verschiedener Linsen inzwischen viele Möglichkeiten.
- Nachteile: Man ist technisch begrenzt und hat nicht die Bedienbarkeit einer Kamera.
- Stärke der Kamera: Durch verschiedene Objektive lässt sich nah heranzoomen, ein anderer Look kreieren und der Hintergrund gezielt ausblenden.
Bei aller Begeisterung für professionelle Kameras betont Bockey, dass er das Smartphone auch privat zu den am häufigsten genutzten Kameras zählt.
Wofür das Handwerk Fotos braucht
Handwerksunternehmen benötigen Bilder für ihre gesamte Außendarstellung – von der Website über Flyer und Broschüren bis zu Produktinformationen. Besonders Social Media werde immer wichtiger. Für Bockey ist das Thema aber eigentlich abgeschlossen: "Entweder macht man es aktiv oder eben nicht." Gute Bilder böten die Chance, der Außenwelt zu zeigen, dass man qualitativ hochwertig arbeitet, und Kunden aktiv einzubinden.
Bei der Frage nach Unterschieden zwischen Bildern für die Kunden- und die Personalgewinnung setzt Bockey vor allem auf Vorbereitung und Kommunikation. Zunächst gehe es darum, den Ist-Zustand zu klären: Was gibt es schon? Welche Erfahrungen wurden gemacht? Läuft vielleicht bereits eine Serie auf Social Media, die ergänzt werden soll? Erst danach folge die Planung, wo und wie sich die Ziele umsetzen lassen. Wer weltweite Aufträge abwickelt, sollte nicht nur am Heimatstandort fotografieren, sondern auch internationale Projekte zeigen. Aus diesem gemeinsam erarbeiteten Fokus ergebe sich die Unterscheidung dann von selbst.
Foto oder Video – wohin geht der Trend?
Bewegtbild werde ergänzend immer wichtiger, so Bockey. Mit einem Kurzvideo lassen sich beim Durchscrollen mehr Menschen kurz an den Inhalt binden, weil sich schlicht mehr zeigen lässt. Fotos hält er dagegen für nachhaltiger: Beim Scrollen oder auf einer Website entstehen Eindrücke automatisch und in kürzerer Zeit.
Ein Imagefilm werde bewusst angeschaut. Öffnet man dagegen die Website eines Handwerkers und sieht im Header bereits Fotos von Mitarbeitern bei der Arbeit, zählt der Gesamteindruck. Fotos seien deshalb nachhaltig, während Videos den Gesamteindruck zunehmend ergänzen.
Der beste Tipp: Fokus auf das Wesentliche
Bockeys wichtigster Praxis-Hack gilt unabhängig von der verwendeten Kamera: näher herangehen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wer etwa auf einer Feier ein Gruppenfoto mit Geschäftspartnern macht, brauche im Querformat nicht die Füße mit im Bild – der Oberkörper reicht.
Ich sehe häufig bei Smartphone-Fotos, dass die Motive einfach ein bisschen zu weit weg sind. Da darf man ruhig näher rangehen, um den Fokus des Betrachters zu lenken.
Wie steht es um die Wertschätzung des Handwerks?
Zum Abschluss ordnet Bockey die Rolle des Handwerks in der Gesellschaft ein. Lange sei es kaum bewusst wahrgenommen worden, weil es "immer schon da gewesen" ist – ein beiläufiger Zweig, der funktioniert. Jetzt jedoch seien die Betriebe ausgebucht, hätten keine Kapazitäten mehr und die Nachfrage sei riesig. Genau das treibe die Diskussion voran und lasse die Wertschätzung für das Handwerk endlich steigen.