Cover: Jörg Dittrich - die Spitze des Handwerks

Jörg Dittrich - die Spitze des Handwerks

17. September 2025 46:12 Min. Zu Gast: Jörg Dittrich
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Worum es geht

In dieser Folge spricht Jörg Dittrich über seine persönliche Reise ins Handwerk. Nicht Materialien oder Technik standen im Vordergrund, sondern das familiäre Umfeld, das Leben auf Baustellen und der soziale Zusammenhalt, die ihn geprägt haben. Er erzählt, welche Einflüsse seine Berufswahl bestimmten und warum ihn die Herzlichkeit auf Baustellen bis heute berührt.

Das nimmst du mit

  • Nicht Technik allein, sondern das familiäre Umfeld kann entscheidend für die Berufswahl im Handwerk sein.
  • Der soziale Zusammenhalt auf Baustellen prägt Menschen oft nachhaltiger als die reine Arbeit.
  • Herzlichkeit und menschliche Nähe machen für Jörg Dittrich einen zentralen Reiz des Handwerks aus.
  • Persönliche Motivation im Handwerk speist sich häufig aus Erfahrungen und Prägungen im eigenen Umfeld.
Aus dieser Folge
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Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!

Die wichtigsten Antworten

Worum geht es in dieser Folge?
Es geht um Jörg Dittrichs persönliche Reise ins Handwerk und die Motivation hinter seiner Berufswahl.
Was hat Jörg Dittrich zum Handwerk gebracht?
Vor allem das familiäre Umfeld, das Leben auf Baustellen und der soziale Zusammenhalt prägten ihn und beeinflussten seine Berufswahl.
Was fasziniert ihn bis heute am Handwerk?
Besonders die Herzlichkeit und der menschliche Zusammenhalt auf Baustellen berühren ihn bis heute.
Für wen ist diese Folge interessant?
Für alle, die sich für persönliche Werdegänge im Handwerk und die menschliche Seite dieses Berufsfelds interessieren.

Zu Gast

Jörg Dittrich spricht in dieser Folge über seine persönliche Reise ins Handwerk und die Prägungen durch sein familiäres Umfeld und das Leben auf Baustellen.

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Transkript

Herzlich willkommen zu Handwerk spricht, der Sendung, die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik mit dem Handwerk verbindet. Und heute haben wir einen ganz besonderen Gast hier, Herr Jörg Dietrich. Schön, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben. Find ich ganz toll, dass Sie hier bei uns sind. Herr Dietrich, wir haben mit Ihnen ja jemanden, der aus der Praxis ist, an der Spitze mittlerweile des Handwerks.

Wir wollen uns aber erst mal son bisschen über Ihren persönlichen Werdegang unterhalten. Und ja, ich würd Sie bitten, sich mal kurz vorzustellen für die Zuschauer und dann steigen wir einfach mit ins Gespräch ein. Ja, ich komme aus Dresden. Ich habe 6 Kinder aus 2 Beziehungen. Ich hab noch 4 kleine Kinder, das find ich immer eine besondere Herausforderung.

Mein Urgroßvater hat den Betrieb neunzehnhundertfünf gegründet, indem ich jetzt ja auch Dachdeckermeister bin. Mein Neffe ist Geschäftsführer in der Firma. Mein Sohn ist Dachdeckermeister, studiert aber grade Hochbauner. Und das prägt alles mein Leben, vor allem natürlich auch das Erleben von verschiedenen Gesellschaftssystemen. Ja, vielleicht langt das für die Vorstellung, können wir ja keinen Monolog draus machen.

Auch gerne, gerne. Sie haben ja viel zu erzählen. Sie machen aber viel mit im Moment, deswegen das das passt schon. Herr Dietrich, was hat Sie denn eigentlich motiviert damals, eben dann das Gewerk weiterzuführen und das Handwerk eben halt zu erlernen? Als ich jünger war, hab ich immer geantwortet, dass das Handwerk mich fasziniert hätte.

Und wenn ich auf die Jahrzehnte schaue, muss ich ehrlich zu mir selbst sein, dass es mehr die Handwerksfamilie und dass Leben in in der Realität war, was mich fasziniert hat, was ich bei meinem Vater gesehen hab. Ich bin als Kind mit auf die Baustellen gegangen. Ich bin als Kind mit im Ehrenamt mitgenommen worden und all das wollte ich auch gerne erleben. Ich hab diese Atmosphäre gespürt und das ist wahrscheinlich noch stärker gewesen als die Frage, mit diesem Material an der frischen Luft zu arbeiten. Ja, ist spannend.

Spannender Ansatz. Also die Familie ist dann doch an der Stelle sehr prägend. Ja, ich mein, es gibt ja viele, wo dann jemand sagt, Musiker, werden dann Musiker und so weiter, Schauspieler, Schauspieler. Na klar ist diese diese Prägung sehr stark, aber grade eben dieser soziale Zusammenhalt, das ist es, was mich immer wieder fasziniert und ich immer wieder erlebe. Gerade eben auch auf der Baustelle, da kommt ja manchmal der Vorwurf der Tonlehre so rau.

Aber diese Herzlichkeit, die dort stattfindet, die berührt mich immer wieder. Wir hatten jetzt grade 'n Trauerfall in der in der Firma und 'n Kollege, der noch voll gearbeitet hat, der in Rente war und der ist plötzlich verstorben. Und wie da die diese Dachdecker miteinander reagieren, wie die da auch das sich gegenseitig unterstützen, das berührt mich unheimlich. Ja, diesen Fall hatten wir leider auch in diesem Jahr schon, deswegen kann ich das nachvollziehen, was Sie da sagen. Es ist wirklich so, man man kämpft auch schon mal mit härteren Bandagen, natürlich gehört auch dazu, aber man ist füreinander da.

Das ist 'n, glaub ich, wichtiger Aspekt, den wir im Handwerk immer wieder erleben können. Ich glaube, dass diese Leute auch klare Spielregeln einfordern. Sie lassen's auch nicht zu, dass sich jemand hängen lässt. Da ist auch eine 1 Hygiene da. Wenn dort der Lehrling dreimal zu spät gekommen ist, dann bekommt er halt Ärger mit den Leuten auf der Baustelle.

Und diese dieses soziale Miteinander, gleichzeitig auch das Lob, zu sagen, der macht das gut, ich stehe zu ihm, ne. Wenn dann der Vorarbeiter sagt, nein, mit dem darfst Du nicht schimpfen, der hat seine Arbeit richtig gemacht. Dieses das das ist sehr prägend. Und ich glaube, dass das viel nicht genügend bewusst ist, was die Familienbetriebe dort für eine Grundlage für die Gesellschaft darstellen, die eben für viele so prägend ist. Weil es auch manchmal in den Familien zu Hause nicht so gelebt wird, oder?

Ja, wobei ich das natürlich Das ist jetzt gesellschaftlich war das schon immer so. Ich weiß das nicht, ich kenn ja nur mein eigenes Leben. Aber ich sehe deutlich, dass viele Menschen denen eine Chance gegeben wird, dass sie diese dann eben auch nutzen. Und dass sie dann Teil davon sein wollen, dass sie dass das auch ein Teil der Motivation ist, zu dieser Kolonne dazuzugehören, zu dem Vorarbeiter und dann nicht im negativ patriarchalischen Sinne, sondern aufzuschauen und zu sagen, der hat mir was beigebracht und da bin ich dann stolz drauf, dass ich dort etwas lernen durfte. Und Mitglied des Teams dann auch, Bände.

So ist das. Aber lassen Sie uns mal zurückkommen noch mal zu Ihnen. Jetzt haben Sie ja gesagt eben Familienunternehmen. Wie hat sich denn das Familienunternehmen bei Ihnen in der Zeit, wo Sie dabei sind, denn verändert? Ich glaube, die Frage, die wäre noch länger zu beantworten, weil ich neunzehnhundertundsechsundachtzig bin ich in die Lehre gekommen im im väterlichen Betrieb.

Es wird vielen auffallen, da hatten wir noch DDR Zeiten. Es war nicht leicht, so eine Lehrstelle zu bekommen. Es war nicht so, dass man das einfach frei entscheiden konnte. Und gleichzeitig hatt ich sehr gute Noten in der Schule. Ich hätte auch Abitur machen können, wollte ich aber nicht.

Ich wollte in dem Betrieb meines Vaters, ich wollte Dachdecker werden. Und demzufolge habe ich von neunzehnhundertsechsundachtzig bis 89 alles noch erlebt, die Lehre. Ich war noch bei der nationalen Volksarmee, ich war in diesen kaputten kommunistischen Betrieben und habe quasi das alles noch aufgesogen und meine Kindheit ist eben auch geprägt von diesen Erlebnissen. Und grade wenn wir über Fachkräfte sprechen, ich muss diesen Teil noch mal herausziehen. Die DDR war ja für viele auch nicht der Sehnsuchtsort und dann haben Menschen ihren Ausreiseantrag gestellt, weil sie nicht eingesperrt sein wollten.

Wir durften zu DDR Zeiten maximal 10 Mitarbeiter haben und zwischen 83 und neunzehnhundertneunundachtzig sind von diesen 10 Leuten 7 haben einen Ausreiseantrag gestellt und sind in die alten Bundesländer ausgereist. Also wenn man sich vorstellt, dass da 70 Prozent der Kapazitäten an Fachkräften wir wussten schon vor der Wiedervereinigung, was Fachkräftemangel ist. Und das ist dieser eine große Teil und dann natürlich die Wendezeit mit all ihren Themen, mit viel Arbeit, Aufbruchstimmung, das Ankommen, das Jahre gedauert hat, Ankommen in einem neuen System mit vielen Dingen, was auch unheimlich geprägt hat, GS Prüfzeichen aufm Hammer, alles musste weggeworfen werden. Es gab nichts, was wir an an Dingen einbringen konnten, außer dem wissen, wo läuft Wasser lang beim Dach. Das ist hat sich nicht geändert.

Die Verarbeitung von Materialien, der Umgang mit 'nem Tonziegel oder 'n Dachschiefer hat sich natürlich nicht verändert, auch wenn die Norm vielleicht eine andere ist. Und da sind natürlich auch noch mal viele Geschichten zu erzählen, wie's dann aufwärts ging, dann die große Baukrise. Und heute sind wir eine mittelständische Dachdeckerfirma als Familienbetrieb, was mir unheimlich große Freude bereitet. Und Sie werben unter anderem mit dem Wort Dachschaden? Ja, der Grund ist ganz einfach, weil in Sachsen, also es gibt in allen Landeszahlen gibt's Namenshäufungen.

Und in Sachsen ist das der Name Dietrich. Es gibt in Sachsen eine ganze Menge Leute, die Dietrich heißen. Und es gibt auch Dachdecker, die Dietrich heißen in Sachsen, die aber nicht mit uns verwandt sind. Und da hab ich mich immer gefragt, was könntest Du machen, 'n Stück diese Alleinstellungsmerkmal zu bekommen? Und da haben wir dann verschiedene Claims entwickelt, die wie bei BMW oder Audi solche Sachen waren.

Und das war alles son bisschen an der Hand beigezogen. Und irgendwann sah ich in 'ner Zeitschrift diesen Begriff Dachschaden Fragezeichen. Und da hab ich mir klar, das ist es. Dann hab ich mir die diese Homepage, also diese URL gekauft, Dachschaden d e, Dachschaden Punkt com. Und dann haben wir in diese Richtung uns entwickelt und inzwischen ist es gar nicht mehr so wichtig, ob wir Dietrich heißen, sondern wir sind die mit dem Dachschaden.

Und das beschreibt ja alles, was wir tun. Egal, ob's eine kleine Reparatur ist oder eine Dacherneuerung, hat alles was mit Dachschäden zu tun. Das heißt also, aus dem aus dem kleineren Betrieb wird 'n Mittelständler und auch eine gewisse Marketingaffinität zieht dann mit ein, ne, auf einmal. Das Faszinierende im Handwerk ist ja, dass die Betriebe sich so entwickeln, wie die Chefs auch sind. Und der eine, der hat über die Mund zu Mund Propaganda, der redet vielleicht gar nicht viel.

Aber alle im Umfeld wissen, der kann es selbst. Andere haben ein 1 Qualitätsprodukt, wieder andere machen's in der Menge. Es ist wirklich so unheimlich vielfältig. Und ja, ich hatte immer auch die Neugierde, auf neue Sachen Dinge zu verknüpfen und eher den Kunden zu überraschen durch eine komplexeres Angebot. Also zu einem sehr zeitigen Zeitpunkt gleich Anfang der Neunzigerjahre gesagt, dass wir eben nicht nur das Dach und dann holen wir 'n Dachklemmner dazu und 'n Zimmermann, sondern wir haben von sehr zeitig angefangen zu versuchen, dem Kunden aus 1 Hand eine Leistung zu biegen.

Und da kommen natürlich strategische Fragen dann dazu. Macht das jetzt der Dachdeckermeister, der Zimmerermeister, den wir hatten und der Klempnermeister? Oder damals schon auch wieder 'n Stück voraus, dass wir einen Bauleiter hatten, der dann mit dem anderen zusammengearbeitet, damit der Kunde einen Ansprechpartner hatte? Und so hat sich das bei uns entwickelt. Das hat ja auch im Umkehrschluss auch viel mit Werten zu tun, ne.

Im Grunde schreiben Sie dann auch grade auch mal mutig zu sein, andere Wege zu gehen. Und welche Werte stehen denn bei Ihnen dahinter? Also dieses dieses diese Handwerksfamilie ist ja immer wieder dieses Wort, was mich so so stark begleitet. Und so wie unsere Firma aufgestellt ist und vielleicht eben auch das gesamte Handwerk, muss man ja auch 'n bisschen Lust auf Menschen haben, ne. Ich finde immer, wenn so junge Menschen sagen, ich möchte irgendwas Soziales machen, da denk ich immer so, da bist dem Handwerk genau richtig aufgehoben, weil das ein wunderschönes Gefühl ist, wenn man einem Kunden in irgend 'ner Not geholfen hat und der einfach dankbar ist, dass man ein Problem gelöst hat, dass man mit ihm vielleicht auch erarbeitet hat, sehr ganz, ganz verschiedene Ebenen, ob's nur Reinregeln oder eine Dacherneuerung stattfindet.

Und deswegen sind natürlich Werte 'n 'n 'n ganz wichtiger Begriff. Jetzt weiß ich, dass da ja immer wieder harte Diskussionen sind, Werte haben die was mit mit 'ner Leitkultur zu tun, da betteln sich ja die großen Parteien immer. Aber grade der Respekt im Umgang mit Menschen, der ist eine ganz wichtige Grundlage für sone Arbeit. Und das ist in der Firma, aber eben auch zur Kundschaft. Ja.

Und das ist auch 'n wichtiger Aspekt beim Unternehmertum, ne. Also das ist, glaub ich, auch 'n wichtiger Baustein, den man lernen muss, dass man eben halt nicht nur der eben ist, der sagt, in die Richtung, sondern auch eben halt sich darum kümmert, dass die Leute mitkommen und auf welcher Art sie vor allem die mitkommen, ne. Das sind genau diese Punkte, die ich jetzt schon mehrfach beschrieben habe. Es gibt bei uns auch Mitarbeitergespräche natürlich, dass man sich einmal im Jahr austauscht. Und da habe ich festgestellt, dass vielleicht der ein oder andere seine Leidenschaft, es vorsichtig zu formulieren, nicht im politischen Sektor hat oder in 'ner kulturellen Bildung.

Aber dass all diese Menschen mit dem Herzen sehen können und daraus ein großes Vertrauen miteinander da entsteht. Und wenn dann der Handwerksmeister, die Meisterin sagt, es gibt 'n Problem, wir müssen so und so handeln, dann folgen diese Menschen, weil sie Vertrauen und Zutrauen haben. Deswegen ist dieser dieser Respekt und die Wertschätzung im Umgang miteinander so ein wichtiger Punkt, der sich auch aus meiner Sicht gravierend weiterentwickelt hat. Ja, es gab patriarchalische Strukturen, die aber an Bedeutung verlieren, weil eben mehr diese Wertschätzung und dieser Respekt im Umgang jetzt im Vordergrund steht in den Betrieben. Ja, ja.

Das stell ich auch immer mehr fest. Gerade die junge Generation liegt ja sehr viel wert darauf. Aber auch die vorhandenen Generationen merken immer mehr, wie wichtig es wird, eben darauf einzugehen, den Menschen wieder mehr Mittelpunkt auch zu sehen, ne. Ist vielleicht auch eine Zeit lang nicht so gut gelaufen, muss man vielleicht auch dazu sagen. Zum Ja, bin ich nicht so gut gelaufen.

Ich jetzt die den Stab zu brechen über eine Zeit, die andere Herausforderungen hatte, das würde ich ungern tun wollen. Und es waren ja auch schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn's viel zu viele Betriebe und Mitarbeiter gibt und es auch schwer ist, da durchzukommen. Da war das war halt manchmal auch verdammt hart im Umgang. Und das hat sich mit dem Fachkräftemangel auch ein Stück erledigt. Ja, unter den Betrieben tatsächlich, ne.

Man man ist auch eine große Veränderung, die da stattgefunden hat. Also früher war man sich ja mehr oder weniger oder oft Spinnefeind. Und mittlerweile sagt man, ja, lass uns mal lieber zusammenarbeiten, damit wir die Aufträge überhaupt noch abgearbeitet kriegen, die wir abarbeiten wollen, ne. Ja. Das ist ist 'n wichtiger Punkt.

Und der nächste wichtige Punkt ist natürlich dann auch die Jugend heranzuführen. Wie viele wie viele Auszubildende haben Sie denn im Unternehmen? Wir haben momentan 15 Auszubildende, sind 2 Malerinnen dabei. Wir haben noch eine kleine Malerfirma, Zimmerleute 2 und der Rest sind Dachdecker. Und es sind auch 2 Frauen dabei, die Dachdeckerin werden wollen, also eine ganz bunte Mischung.

Und am Ende die Frage des Alleinstellungsmerkmalmals, wer hat noch Kapazitäten? Wer hat Fachkräfte? Deswegen haben wir da sehr viel Kraft und auch sehr viel Geld in die Hand genommen, zu sagen, das ist für uns der richtige Weg, genau jetzt zu versuchen, junge Menschen zu begeistern, grade bei uns zu lernen und nicht woanders. Ja, und dann dann stellt sich mehr über die Frage, wir reden ja oft über Quantität, also über Fachkräftemangel. Ich stell aber auch so für mich immer wieder fest, dass wir auch son bisschen 'n Qualitätsthema haben, also auch Richtung Ausbildung gedacht an der Stelle.

Es liegt natürlich viel in der Eigenmotivation auch bei den jungen Menschen, weil wir können, wir schaffen's ja nicht, durch irgendwelche morgendliche Rituale irgendwie die Motivation der Person an sich zu steigern, sondern es muss sone Eigenmotivation auch da sein. Wie ist da Ihre Erfahrung? Ist das ist das positiv zu sehen bei Ihnen jetzt bei den jungen Menschen, die Sie jetzt im Moment beschäftigen? Oder haben Sie auch, sagen wir mal, die üblichen Probleme, die auch andere Ausbildungsbetriebe haben, wirklich immer die Motivation, eben halt aufzubauen und immer wieder dann auch den Schulalltag, dass der funktioniert, die Unterstützung zu bieten und so weiter. Das machen ja viele Betriebe, aber ich merk, manchmal wird's einfach nicht angenommen.

Haben Sie die Probleme auch? Wenn ich als Ältere jetzt in das Lied einstimme, das war früher alles besser, dann hilft das niemandem. Mhm. Die Realität haben Sie ganz genau so beschrieben, wie ich sie auch wahrnehme. Ja, es gibt auch Nachhilfeunterricht bei uns in der Firma, wo ich eher dann auf die Gesellschaft und auf das Schulsystem auch mal wütend bin.

Sind wir die Reparaturstelle von fehlgeleiteter Bildung? Können wir nicht erwarten, dass junge Menschen, die aus der Schule kommen, rechnen, lesen und schreiben können. Aber es ist nun mal eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Und ich würde mir eher wünschen, dass diese jungen Leute dieses Gefühl der Leidenschaft und des Fleißes für sich selbst als etwas Schönes wahrnehmen. Ich hab's öfter erlebt, dass dann jemand sagt, ja, die Lehrerin, die konnte mich nicht leiten.

Oder hier war dies oder jenes Problem, dieses sich selbst zu entschuldigen. Mhm. Das ist ja zuallererst für den Menschen selbst ein Problem, deswegen würde ich das das wünschen. Und da erlebe ich viele junge Menschen, denen ständig gesagt wird, ihr habt alle Chancen, ihr habt da 100 Türen. Und dann gehen die vielleicht durch gar keine Tür, weil sie Angst haben, die Falsche zu erwischen in meiner Generation.

Wenn ich gesagt hab, gehst Du mal durch 3 Türen durch. Und dann gehst Du vielleicht wieder zurück und probierst noch mal 4 andere. Und ja, die anderen konnt ich jetzt nicht alle gehen, aber einfach mal in Portüren reinschauen. Und manchmal hab ich das Gefühl, dass durch die Vielfalt eher eine Angst entsteht, sich für irgendetwas zu entscheiden. Und das, das tut mir leid.

Das ist eher der Punkt, wo ich sag, Mensch, sei doch nicht so ängstlich, schau doch mal, wie sich's anfühlt. Und deswegen, wie gesagt, ist das eine Realität, die mit der wir uns alle auseinandersetzen müssen. Was strömen für Nachrichten auf die jungen Menschen ein? Und ich, in meiner Kindheit war's ja nicht anders. Ich sah ja, die DDR, die schwindet so vor sich hin.

Umweltthemen waren in der DDR ein Grund des Zusammenbruchs. Das war einfach alles bankrott wirtschaftlich und moralisch. Und dann denk ich manchmal, ob wir's nicht auch 'n Stück übertreiben, wenn wir den jungen Menschen nur aufzeigen, was für Katastrophen in den nächsten 100 Jahren auf uns zukommen und dort nicht mehr dann ein fröhliches Ziel da ist, ne. Lass am Beispiel c-o-zwei möcht ich das gern deutlich machen. Da sagen jetzt immer, bis 20 45 wollen wir c-o-zwei-neutral sein.

Mir ist schon klar, dass es das Klima und die Erde geht, aber das ist so abstrakt. Was ist 'n das fürn Ziel? Es es wär ja schön, wenn wir es mit den Menschen verbinden können, dass wir sagen, und wenn wir das schaffen, dann können wir weiter in in Wohlstand leben, dass wir irgendein positives Narrativ damit verbinden und nicht nur, wie das Wetter in 100 Jahren sein wird. Und viele von uns, wir haben das gar nicht erleben, wie das Wetter in 100 Jahren ist. Das meine ich mit dieser positiven Erzählung und verbunden dann auch mit dem eigenen Fleiß sich zu überwinden für etwas.

Ja, das sind ja die Geschichten oder das sind ja die Sachen, die uns ja in den Medien dann wiederum immer wieder verfolgen. Aber wir haben ja mittlerweile auch das Social Media Zeitalter. Wir kriegen ja innerhalb von kürzester Zeit, wenn man so drunter durchswipt, dann hat man innerhalb von, eigentlich von 5 Minuten hat man ja 100 Hiobsbotschaften schon gesehen. Die kommen ja auch noch dazu, ne. Also das sind wir, früher hatte man den Einfluss von 'nem Showmaster, der einmal im Monat irgendwo eine besondere Sendung ausgestrahlt hat und heute sind wir halt eben ständig und immer und überall auf Draht, ne.

Und das sind ja auch Entwicklungen, die wir generell ja auch berücksichtigen müssen. Und da bin ich ganz bei Ihnen, dass man die Geschichte ja immer auch aus 2 Seiten dann auch erzählen kann. Und man kann sie einmal natürlich mit der Drohgebärde dahinter erzählen, auf der anderen Seite kann man's aber auch entsprechend positiv verpacken. Und ich glaub, da können wir deutlich besser werden. Das ist definitiv so.

Ich ich würd mal 'n bisschen provozieren. Ich glaube, dass viele in unserer Gesellschaft den Umgang mit den sozialen Medien noch nicht verstanden haben. Eben wie die Algorithmen funktionieren und dass man selbst sich in eine einen Blase hinein begibt. Dass man immer diesen Zweifel haben muss, was ist da deine Information? Und ich hab's bei meinen großen Kindern schon erlebt, die würden bei den sozialen Medien beispielsweise nicht mehr bei Facebook, da haben die sich abgemeldet, weil die gesagt haben, das ist 'n Medium, wo viel negative Energie und auch respektloser Umgang herrscht Und das wollen sie halt nicht.

Und da schreiben die keinen Artikel drüber, sondern das kriegst Du nebenbei müssen, nee, bei Facebook bin ich nicht mehr. Mhm. So, also die haben ein Stück gelernt. Auf der anderen Seite müssen sie damit lernen, die diese Digital Natives mit der Menge der Informationen umzugehen, weil es ja zwar weniger Zeitung gibt, aber dafür viel mehr dieses mit Informationen überflutet zu werden und dann die Kraft zu finden, auch mal keine Information aufzunehmen und mit sich selbst zu überlegen, wo möchtest Du eigentlich hin? Das ist son Umgang, den die Gesellschaft noch erlernen muss.

Ja. Und ich nehm mich da nicht aus. Ja, gut, Lerntum oder alle, jeden Tag, ja. Das ist definitiv so. War denn genau diese Problematik oder dieses Thema Social Media und Negativspirale auch schon zu 'nem Zeitpunkt, wo Sie dann in die Handwerkskammer gekommen sind und wo Sie Verantwortung auch in der Handwerkskammer genommen haben, auch schon Thema?

Nicht in dieser Dimension. Das ist tatsächlich in den letzten 10 Jahren wesentlich stärker geworden. Man muss ja die Zeitreihe sich anschauen. Ich mach manchmal den Spaß und frage in Veranstaltungen, welche App die beliebteste App 2006 war. Ich bin 2012 Kammerpräsident geworden.

Das war da quasi ja noch nicht lange her. Wissen Sie, welche App da die Lieblings App war, 2006? Musste mal mal Studivorzeit oder ähnliches gewesen sein. Keine schlechte Idee. Das iPhone kam erst 2007 aufn Markt.

Ja, das ist genau die Falle, die ich Ihnen jetzt gestellt habe, vielen Dank. Ja, lang gut. Da Sie mitgespielt haben, das wollte ich an dieser Kurzlebigkeit deutlich machen. Ja. Was da passiert ist in diesen Jahren, dass wir 2012 schon gelebt haben mit Facebook, aber von TikTok hat man keiner geredet, gab's noch gar nicht.

Also was wir dort eine für eine Komprimierung haben, das ist unglaublich und deswegen war 2012 in der Handwerkskammer das noch nicht das entscheidende Thema. Aber der Umgang, die Sichtbarkeit, dass die Veränderung der Presserandschaft so einen großen Einfluss auf uns haben wird, das war schon sichtbar. Ja. Und und welche Initiativen sind bei der Handwerkskammer von der damaligen Zeit aus gesehen bis heute, also bei Ihnen jetzt in Dresden ja dann nur vor allen Dingen, gestartet worden? Und welche waren besonders wichtig?

Das ganz Entscheidende für unsere Kammer war der Bau 1 Bildungszentrums. Mhm. Das hat sehr viele Jahre in Anspruch genommen und war schon vor meiner Zeit zumindest in Gedanken da. Es gab noch keinen Architekten, keinen Plan, aber es war der Grundgedanke da, wir wollen in moderne Bildung investieren. Und das hat uns in Summe dann weit mehr als 10 Jahre gekostet.

Das Geld musste aufgebracht werden, die Eigenmittel, das musste angespart werden. Und das ist auch der richtige Schritt gewesen, weil Bildung immer gebraucht wird und grade auch das moderne Bildungszentrum ja eine unserer Forderungen ist, im Wettbewerb mit der akademischen Bildung auch mithalten zu können. Also die ersten 10 Jahre waren geprägt von diesem Bildungszentrum, das am Ende 45000000 Euro gekostet hat und dass ich heute gern zu den modernsten Bildungszentren des Handwerks zählen würde in Deutschland. Handwerkerinnen und Handwerker wie Du halten die Welt zusammen Und wir halten dir den Rücken frei. Wir stehen für Innovation im Handwerk, für Lösungen, die vorangehen und für Arbeit, die sicher und smarter wird, weil Handwerk Zukunft ist.

Ja, Qualität hat ist ja dann eben halt das Ziel ja auch, ne, dass eben halt die handwerklichen Leistungen, wirklich in sehr guter Qualität dann entsprechend auch dann nachher ausgeführt können, weil man eben halt die Trainingssituation halt eben schaffen kann, ne. Ja, wir haben dort in dem Bildungszentrum auch verschiedene Kompetenzzentren. Zum einen Digitalisierung, Robotik, aber auch erneuerbare Energien. Und es klingt schön, wenn wir über die Brennstoffzelle, über Blockheizkraftwerk, über Wärmepumpe sprechen. Und über den Einbau, aber die muss ja auch gewartet und repariert werden.

Und dann gibt's halt in diesem Bildungszentrum all diese Heizungstypen und noch viele mehr, die manipuliert werden können, an an denen trainiert werden kann, wie diese Dinge repariert werden. Also das ist beeindruckend, was man da sehen kann. Wie ist das denn in Dresden? Ich hab so immer das Gefühl, dass die die Anforderungen, die in son Prüfungssituationen dann auch abgefordert oder abgefragt werden, dass die immer son bisschen angepasst worden sind. Und und ich glaub nicht vom Anspruch her nach oben, sondern eher in die andere Richtung.

Ist das in Dresden auch so zu spüren? Also ich würde mal den Prüfungs Kommissionen, den Leuten, die diese Fragen erarbeiten, jetzt nicht ins Stammbuch schreiben, dass sie per se Qualitäten nach unten geschraubt haben. Ich würde, genau das, ich ich weiß diese Vorwürfe und diese Themen, aber lassen Sie mich das Gegenteil noch mal bringen. Ich habe gelernt den Beruf des Dachdeckers von neunzehnhundertsechsundachtzig bis neunzehnhundertachtundachtzig. In der DDR hatten wir kein Blech.

Also Löten lernen war schwierig, zumal's ja auch den Dachklempner gab. Flüssigfolie, utopisch war ja am Horizont noch nicht mal zu sehen. Wir hatten tatsächlich Rohfilzpappen, die wir mit Heißbetumen auf das Dach geklebt haben. Also Schweißbahnen gab's nicht. Und so könnt ich jetzt Produkte, Kunststoffbahnen, wir hatten eine Gummibahn zu DDR Zeiten, aber die Vielfalt, die wir heute haben mit diesen verschiedenen Produkten, die gab es überhaupt nicht.

Bauphysik spielte eine Rolle im Zusammenhang mit Tauwasserbildung, aber weniger mit Heizenergie. Und all diese Punkte haben sich gravierend geändert. Der Dachdecker darf Dachstühle stellen, da muss er was wissen. Der muss, Schornstein haben wir gemalt in meiner Lehrzeit. Und insofern sind die Anforderungen auch aus meiner Sicht wesentlich größer geworden, weil das Haus noch so aussieht wie vor einhundert Jahren.

Aber die Anforderungen baufysikalisch, optisch ganz andere geworden sind. Und das ist auch eine große Herausforderung. Deswegen würd ich das nicht nur negativ darstellen wollen. Ja, es ist eine gute Sichtweise und auch eine gute Positionierung an der Stelle, die die ja definitiv auch so ist, ne. Die kann man ja absolut nachvollziehen und ich bin da bei Ihnen.

Das passt mir ganz gut. Also da würd ich sagen, die die Aussage nehm ich so für mich jetzt auch mal mit. Ja. Wie sind denn Ihre unternehmerischen und aber auch die Ziele in der Handwerkskammer bei Ihnen so in den nächsten Jahren? Wie wie sieht da für Sie der Plan aus?

Wenn ich's umformulieren darf, für mich sind's eher Themen, weil Ziele, das würde so sein, Du hast 'n Ziel und wenn Du das erreicht hast, ist dann Schluss. Mhm. Es ist aber nie Schluss, sondern wir beschäftigen uns mit Themen. Und wenn ich mit der Firma beginnen darf, dann ist natürlich die Frage der Fachkräfte ein 1 Thema. Und das bedeutet, dass wir schauen müssen, attraktive Arbeitsplätze zu haben.

Wie kommen wir zu attraktiven Arbeitsplätzen? Indem wir mehr Teilhabe im Bauprozess haben. Ich kenne viele Menschen, die gern mit ihren Händen arbeiten wollen, aber die wollen nicht den ganzen Tag Schubkarre fahren. Also was können wir tun, dass sie selbst Teil der Entwicklung dieser Arbeit sind? Deswegen glaub ich, gibt's auch so viele Bewerber, die Tischler werden wollen, weil sie selbst von dem Stück Holz bis zu dem Schrank es begleiten können, was da passiert.

Und das muss uns im Dachdeckerhandwerk genauso beschäftigen. Und 'n ganz wichtiger Punkt für mich, die Nutzung der neuen Technologien. Wir haben ja den riesigen Vorteil, dass unsere Berufsbilder nicht verschwinden, bloß weil KI, ChatGPT, drei-d-Druck-robotik auftauchen, sondern wir sind aufgefordert, diese zu integrieren in unsere Arbeit. Und aus meiner Lebenserfahrung mit verschiedenen Forschungsprojekten, das wird nicht die Universität machen. Das müssen wir tun.

Wir müssen unsere Ideen aussprechen, verrückte Ideen auch formulieren und dann uns überlegen, was könnte eigentlich bei unserer Arbeit auf dem Dach, ist ja bei euch nicht anders, einen Roboter übernehmen. Was ist langweilig an Arbeiten? Was ist besonders schwer? Wie können wir das Knien verändern, dass wir nicht so häufig knien müssen? Ja, bei uns, wenn ich so immer höre Exoskelette da aus dem Flugzeug baue, weil man die Arme immer heben muss bei uns.

Im Dach ist ja ständig knien, knien oder in der Hocke sein, wenn man so was können wir dort an Attraktivität durch diese Technologien haben? Das ist sind die Themen für die Firma, natürlich auch die Zusammenarbeit mit den Kindern, mit der Familie. Ich habe angefangen, Unternehmensanteile zu übertragen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass junge Menschen zeitig in Verantwortung kommen sollten, lieber früher als später. Und in der Handwerkskammer ist es, sich in den letzten Jahren immer stärker herauskristallisiert aufgrund dieses Wandels, den wir grade besprochen haben, dass die Einheit des Handwerks, diese Handwerksfamilie zusammenzuhalten, sich bewusst zu machen, was das für eine einzigartige Sache ist und es auch zu pflegen, das ist 'n Teil der Aufgabe. Jetzt können wir sagen, warum hab ich jetzt nicht über Politik, über Rahmenbedingungen gesprochen?

Weil wir sind Handwerksfamilie, auch wenn es schlechte Politik ist. Also sich diese Kraft deutlich zu machen und diese Tradition miteinander zu pflegen, diese Generationen, die zusammenarbeiten, das würde ich dort sehr weit oben ansiedeln, weil die Frage ja steht, wenn in der Kirche immer weniger Mitglieder sind, in den Parteien, in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Innung, was wird eigentlich der Grund für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellen? Und da hat das Handwerk aus meiner Sicht eine Schlüsselaufgabe, die ich nicht genügend beschreiben kann, wie sie enden wird, aber die es zu begleiten gilt. Das heißt, ich kann Ihnen nicht sagen, wie das Handwerk in 15 Jahren aussieht. Ich bin aber überzeugt davon, dass, wenn wir viel drüber diskutieren, dass es dann eine hervorragende Zukunft hat, auch in dem Zusammenschluss eine Handwerkskammer, eine Hand an Erinnerung oder eine Kreishandwerkerschaft.

So, vielen Dank schon mal bis hierhin. Wir machen nämlich jetzt 'n kleinen Schnitt. Jetzt machen wir nämlich vom Unternehmertum und von der Handwerkskörper springen wir jetzt in ihre, ja, nicht mehr ganz so neue Rolle, aber die Rolle, die Sie vor anderthalb Jahren ungefähr angetreten haben, und zwar beim Zentralverband. Ist die Luft anders beim Zentralverband als in der Kammer? Ja, und zwar eine Handwerkskammer hat hoheitliche Aufgaben.

Und das bedeutet in der, das ist ja auch ein 1 demokratisches Gut, das viele nicht genügend deutlich ist, dass es was Besonderes ist, wenn die Wirtschaft sich selbst verwaltet. Wir sorgen für Berufsausbildung. Wenn das die Handwerkskammer nicht tun würde, wenn das die freiwilligen Menschen nicht tun würden, die dort in den Prüfungsausschüssen arbeiten, dann müsste das ja der Staat machen. Es wäre ganz bestimmt nicht besser dadurch. Aber diese hoheitlichen Aufgaben bedeuten auch immer, dass es bestimmte Regeln gibt, an die man sich gehalten halten muss, das nennt man Gesetze.

Im Zentralverband des Deutschen Handwerks ist der Teil der Interessensvertretung Richtung Politik noch stärker als in 1 Handwerkskammer. Und die Aufgabe, Wahrnehmung und Öffentlichkeit zu erzeugen, so wie wir heute miteinander sitzen, die Aufgabe anzunehmen, zu versuchen, viel Öffentlichkeit zu erreichen, damit Menschen verstehen, wie tickt das Handwerk, was braucht es für Rahmenbedingungen, gibt es Wertschätzung für das Handwerk, möchte ich selbst ins Handwerk? All das ist im Zentralverband noch bedeutender und deswegen weniger hoheitliche Aufgabe, dafür mehr Interessensvertretung und der andere Teil ein riesiger Teil, Öffentlichkeit, Wahrnehmung erzeugen, damit wir gesehen werden in der Gesellschaft und in der Politik. Ja, und da sind Sie ja auch sehr ruhig. Sie sind ja wirklich an vielen Fronten da unterwegs.

Und ich hab zuletzt noch mit 'nem Kollegen aus Baden Württemberg hier gesessen in der Sendung und da haben wir dann auch über Ihre Aufgabenstellung dann gesprochen beziehungsweise über die Art und Weise, wie Sie das machen. Wir waren uns einig, Sie machen das sehr gut aus unserer Sicht. Vielen Dank. Das das guck ich mir noch mal an. Die öffentliche Wahrnehmung ist auf jeden Fall schon mal gut.

Jetzt kostet das ja auch viel Kraft, kann ich mir vorstellen. Und Sie sagten auch grade, Sie sind vom Termin nach hier gekommen und Sie haben im Anschluss auch wieder 'n Termin. Wie vereinbaren Sie das im Moment? Das ist ja ist ja manchmal, glaub ich, sozusagen 'n Höllenbrett oder nicht? Ich sag immer, Schlafmangel gehört zum Job.

Und ich muss mehr noch als an mich muss ich an die Familie denken. Ich habe noch 4 kleine Kinder, die dann auch fragen, wo ist der Papa schon wieder? Und das bedeutet für mich auch Reisezeit in in unmöglichen Zeiten, also eher dann nachts, weil ich dann nach Hause möchte und wenigstens früh die Kinder sehen möchte. Also auch hier nicht die lineare Antwort, ja, die Firma leitet. Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau die kaufmännische Leitung, also die hilft da nicht was, sondern sie ist Geschäftsführerin, meinen Neffe im operativen Bereich als ganz starke Impulse setzt und dass sie mir die die Zeit geben, die ich nicht in der Firma bin.

Ich bin trotzdem in strategische Themen natürlich eingebunden. Das ist mir auch wichtig, weil nicht 'n Hauptamt das Ehrenamt sein sollte, sonst sollte man noch 'n zweiten Generalsekretär haben. Ich ich möchte und muss die Themen aus der Firma mitbringen. Und dass das Anstrengende ist, das stimmt. Aber es gibt auch viele befriedigende Termine im Austausch.

Man lernt sehr viel dabei und deswegen, ich möcht mich überhaupt nicht beschweren. Wobei ich glaub, auch der dieses betriebliche Thema ist auch wichtig in Ihrer Rolle, denn wenn Sie den den den Faden verlieren im Unternehmertum und in dem, was eben halt am Markt oder im Markt passiert, das würden Ihnen ja in der Rolle auch nicht gut tun. Es gibt dem im Ehrenamt eine, ich weiß nicht, ob das allen so bewusst ist, auch einen bösen Begriff. Man nennt das die Präsidentenbilanz. Es gibt auch Präsidenten, die an der Aufgabe ihre Firma haben so schwer leiten lassen, dass es sichtbar war, es vorsichtig zu formulieren in der in der Bilanz.

Und das ist für mich auch ein 1 Korrektiv. Ich würde auch Termine im Ehrenamt absagen zugunsten der Firma, wenn das nötig ist. Mhm. Weil das die allererste Aufgabe ist, auf der anderen Seite da es bei uns momentan gut läuft und wir uns auch weiterentwickeln, kommt daraus natürlich auch eine, wie ich empfinde, große politische Kraft, weil ich dann aus der Praxis berichten kann, wie ist es denn? Und deswegen halte ich's auch für logisch, dass dann Bundespolitiker sagen, sie wollen mich gerne in der Firma besuchen, weil ich ja immer sage, das erlebe ich in der Firma so und so.

Und sagen, ja, dann komm ich sie besuchen, ne? Dann kann man das in der Praxis besprechen. Ja, das geht's ja gar nicht, ne. Also der Impuls muss ja einfach da sein und der der sollte auch da sein. Ansonsten ja, ist der Transfer ja eben halt dann in die Politik gar nicht gewährleistet an der Stelle, ne.

Ja, Sie haben die Politik jetzt schon angesprochen. Welche aktuellen Themen haben Sie denn beim vom Zentralverband aus im Moment mit der Politik? Sind das, ich sag mal, die die Bekannten, ich sag mal grade jetzt die zuletzt die Forderungen, die sie auch bei der Zukunft Handwerker auch aufgestellt haben? Oder gibt's eben halt im Moment neue Entwicklungen, die jetzt auch noch mal auf auf den Tisch müssen? Dass wir gesellschaftlich große Diskussionen haben, welchen Weg das Land gehen sollte, das ist, glaub ich, deutlich.

Das sehen wir ja schon innerhalb der Ampelparteien. Und bevor man diesen Weg beschreibt, muss man ja sich einig sein, welche Themen muss man eigentlich bearbeiten? Schon da scheitert es manchmal bei der Ampel, weil die Einschätzung unterschiedlich ist, was ist 'n was ist der Zustand der Wirtschaft? Wir haben momentan ein geringes Wirtschaftswachstum. Jetzt könnte man sagen, der Wirtschaftszyklus ist das Problem.

Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass das Potenzial für unsere Gesellschaft im Wachstum zu gering ist. Die Wirtschaftswissenschaft traut uns nicht mehr zu, dass wir mehr als 0.5 Prozent Wachstum erzeugen. Und das würde nicht reichen, unsere Sozialsysteme so weiterzuentwickeln und zu finanzieren, wie wir uns das wünschen. Und demzufolge ist 1 der Hauptthemen, wie können wir den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig bekommen?

Wo sind wir momentan nicht wettbewerbsfähig? Und da sag ich, obwohl das Handwerk ja grade standortgebunden ist und auch deshalb besonders diese Standortbedingungen benötigt, das wär würde ich als einen großen Punkt bezeichnen. Die Standortbedingungen in Deutschland in in der gesamten Ausprägung Energie, Sozialversicherungskosten, Lohnstückkosten, all das zu betrachten. Was haben wir für Innovationen, nach vorn uns zu bewegen, nicht Sozialleistungen abzubauen, sondern wie wollen wir das hinbekommen, das alles zu machen? Das hat etwas mit dem Standort zu tun.

Und das würd ich als als Hauptpunkt herausarbeiten. Und als zweiten Punkt für uns im Handwerk natürlich die berufliche Bildung. Alles, was im Wettbewerb akademische berufliche Bildung steht, dort müssen wir bessere Rahmenbedingungen kämpfen, weil die Gesellschaft dringend diese jungen Menschen braucht, die diese ganzen Themen bearbeiten, die die Gesellschaft sich vorgenommen hat. Dann möcht ich noch mal eine Frage grade zu jungen Menschen stellen, die Wir haben eben schon über das Thema Motivation auch gesprochen und jetzt jetzt sind wir ja bei der Gesellschaft angekommen. Und ist es im Moment vielleicht auch für junge Menschen schwierig, sich zu motivieren, weil nicht ganz klar ist im Moment in Deutschland, wer, ja, motiviert wird eigentlich.

Wird derjenige motiviert, dass er arbeiten geht, dass er am System teilnimmt und aktiv auch teilnimmt? Oder ja, ich weiß gar nicht, wie ich's ausdrücken soll, aber im Endeffekt demotiviert wird's eben halt, sich immer nach diesem System der des des aktiven Teilnehmens dann zu entziehen, weil vielleicht auch mittlerweile auch seit dem Jahresbeginn ja durch die Erhöhung des Bürgergeldes vielleicht auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die mit dem einmaligen mit dem einmaligen Nachbarschaftshilfe zum Beispiel, eine Ergänzung in der Woche dann sone schöne, tolle Ausgangssituation darstellt, dass man vielleicht auch gar nicht mehr immer da hinkommt und sagt, ja, ich muss oder will in dem Job, sondern der andere Weg ist vielleicht der angenehmerer. So, ich ich bin ja so mit mir selber in meinem Zwiespalt, weil weil ich halt eine andere Auffassung halt einfach dazu habe. Aber wird das an der Stelle vielleicht zu leicht gemacht, auch manchmal an der Kreuzung nicht den richtigen Weg zu nehmen, sondern den falschen Weg auch zu geben? Ich bin in keiner Partei und ich bin kein Bundesminister.

Demzufolge kann ich mir erlauben, als Präsident Zentralverbandes die Lage zu beschreiben, ohne sofort die eine Lösung aufzuzeigen. Mhm. Ich werbe für die Diskussion, wie wollen wir uns ausrichten und würde gern damit beginnen, dass in der Medizin immer gesagt wird, die Dosis macht die Medizin. Mhm. Und deswegen ist ja die Frage, wenn ich eine linke Einstellung habe, ist das eigentlich die Enteignung von Firmen oder ist das die soziale Hilfe für Menschen, die in Not gekommen sind?

Und ich kürz es ab oder bringt das Grüne noch. Ist Grün eigentlich Nachhaltigkeit oder 10000 Verbote? Mhm. Und ist konservativ das Verbot der Homoehe oder ist es das Bekenntnis zum Leistungsanreiz? Und ich hab jetzt keine Antwort gegeben, sondern ich sehe dort die Bruchlinien, die stattfinden und kann Ihnen erzählen, dass in vielen Gesprächen, die ich im Handwerk führe.

Ich erlebe, dass Solidarität gelebt werden soll. Menschen, die in Not sind, denen muss geholfen werden. Ja. Und da geht's überhaupt nicht die Frage, ob das Bürgergeld, wie hoch das ist, sondern wir wollen diesen Menschen helfen, aber es soll keine Wahlleistung sein. Und bei dem Leistungsteil erlebe ich viele Handwerkerinnen und Handwerker, die Gleichmacherei ablehnen, die sagen, ja, Solidarität, aber die Grenze ist, wenn alles glatt rasiert wird.

Und diese Diskussion müssen wir in der Gesellschaft und im Handwerk führen. Wie viel Solidarität, wie viel Leistungsanreiz? Und dort halt ich's für falsch, wenn wir ständig nur über die Sozialwohnung sprechen, die gebraucht wird. Das weiß ich. Oder nur über die Hinzuverdienstmöglichkeiten des Randners.

Wir müssen auch über die Leistungsträger in der Mitte sprechen. Was ist deren Leistungsanreiz? Und ich betone noch mal, ich spreche für Betriebe und Arbeitnehmer. Ich hab nicht gesagt, wir wollen Sozialstandards senken, wir wollen animieren zu unbezahlten Überstunden, sondern ist es gerecht, wie wir miteinander umgehen? Und diese Diskussion, die wird uns immer begleiten.

Sie wird keine Einzelfallgerechtigkeit finden, aber es wir tun gut daran, uns zu artikulieren, eben nicht dem Populismus auf der rechten, auf oder auf der linken Seite zu helfen, sondern zu sagen, wir brauchen diesen Mittelweg, genau das, was das Handwerk ist. Und das bedeutet aber, dass ich glaube, dass viele dort echte Solidarität und auch Leistungsanreiz sich wünschen. Ja, das ist gut zusammengefasst. Sehr gut. Ist einfacher formuliert, dass ich's eben gemacht hab.

Ja, Herr Dietrich, wir könnten jetzt doch, glaub ich, stundenlang miteinander sprechen. Ich hab für auch noch 100 Fragen mehr hier auf meinem Zettel stehen, aber Ich hab zu lange gesprochen. Wir kommen wir kommen jetzt eigentlich schon zum Finale leider an der Stelle. Vielleicht können wir irgendwann das Gespräch noch mal weiterführen oder noch mal nachholen. Zusage steht.

Aber ich hab, danke schön, sehr gut. Ich hab 2 Standardfragen, die möcht ich Ihnen am Ende noch stellen. Und zwar einmal Ihren Hack, Ihren Tipp für die Zuschauer, die unsere Sendung jetzt sehen, die Sie, den Sie gerne mitgeben möchten. Ich hab so viele Hacks. Ich würde in den Vordergrund stellen, glücklich sein ist eine Entscheidung.

Es ist, es gibt viele Gründe, schlechte Laune zu haben, aber am Ende, wenn man die Krisen betrachtet, die wir grade erleben, wenn man drauf wartet, dass diese Krisen enden, die Zeit bis diese Krise vorbei ist, die nennt man Leben. Und deswegen lieber einen fröhlichen Optimismus mitzunehmen und sich zu entscheiden, mit anderen gemeinsam an 1 Aufgabe fröhlich zu arbeiten, auch wenn's manchmal Schwierigkeiten gibt. Sehr gut. Sehr guter Hack. Na ja, und dann hab ich eine abschließende Frage, die ich auch immer stelle und da bin ich ganz besonders gespannt, wie Sie darauf jetzt antworten werden.

Wie bewerten Sie die Rolle des Handwerks in der Gesellschaft? Ist die Wertschätzung korrekt, so wie sie im Moment ist? Oder würden Sie sagen, das sollte sich verändern? Ich empfinde nicht nur, dass die Wertschätzung größer geworden ist. Ich kann's anhand von Umfragen nachweisen.

Die Forsa Trendmessung sagt, dass wir in der Wertschätzung in der Gesellschaft auf einem Level mit Polizei, Feuerwehr oder Krankenschwestern liegen. Also die Wertschätzung ist da Das kleine Aber ist, dass bei der Frage, möchtest Du selbst Handwerkerin oder Handwerker sein, die Zustimmungsrate stark absinkt? Das muss uns bewegen. Und dass die Wertschätzung, die wir auch von der Politik verbal glaubwürdig bekommen, die muss auch in Handeln umgesetzt werden, wenn es darum geht, Gesetze so zu formulieren, dass sie für das Handwerk, für den Mittelstand auch anwendbar sind. Also dort dort gibt's nachzuholen.

Aber die Wertschätzung an sich und die Bedeutung, die das Handwerk hat in jedem Winkel dieses Landes, in jedem Dorf, jeder Region, Landkreis, Stadt, Stadtviertel, die ist aus meiner Sicht genau richtig. Und die sollten wir mit guter Qualität füreinander erhalten, weil am Ende sagt keiner, es war der Dietrich, sondern es waren die Dachdecker. Und das würde sie genauso treffen. Und deswegen meine Zusage, ich werd Mühe geben, dass Ihr Ruf gewahrt wird, weil ich mir sicher bin, Sie machen für mich dasselbe. Herr Dittrich, vielen Dank, dass Sie hier gewesen sind.

Es war 'n tolles Schlusswort. Herzlichen Dank und hoffentlich bis bald dann wieder. Ich danke Ihnen. Das wär Jörg Dittrich. Ich bedanke mich für Ihr zusehen.

Bis bald.

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