Im Handwerk fehlt es an vielem – vor allem aber an Nachwuchs. In der Podcast-Folge "Querbeet durchs Gewerk" spricht der Heizungs- und Sanitärmeister Jean Striesel über seinen Arbeitsalltag, die aktuelle Konjunkturlage und einen Vorschlag, der die Ausbildung im Handwerk grundlegend verändern könnte: die Aufteilung komplexer Berufe in überschaubare Teilberufe. Ein Gespräch über volle Auftragsbücher, moderne Wärmepumpentechnik und die Frage, wer diese Arbeit künftig noch erledigen soll.

Vom Ölkessel zur Wärmepumpe: Handwerk als Hightech

Das Kerngeschäft von Striesels Betrieb ist der klassische Heizungsbau – vom Brennwertgerät über Ölkessel bis hin zur Wärmepumpe, die er als das Modernste am Markt bezeichnet. Dass es zeitweise schwierig war, überhaupt an eine Wärmepumpe zu kommen, hat er selbst erlebt: Bestellzeiten von 12 bis 16 Monaten stellten Handwerker vor kalkulatorische Probleme, weil zwischen Angebot und Einbau alte Preise galten. Inzwischen habe sich die Lage eingependelt, die Hersteller seien wieder gut aufgestellt.

Für Striesel ist das Handwerk längst nicht mehr das, was viele noch mit dem Klischee des Klempners mit dem Pümpel verbinden. Moderne Wärmepumpen arbeiten heute mit nur noch 35 bis 40 Dezibel nahezu geräuschlos. Was ihn an seinem Beruf reizt, ist die sichtbare Wertschöpfung.

Wenn dann aus Luft Wärme entsteht, das ist schon cool. Du schaffst ja auch was. Also eigentlich fährst Du abends nach Hause und bist zufrieden.

Bürotage empfindet er dagegen als unbefriedigend, weil das greifbare Ergebnis fehlt – ein Gefühl, das viele Handwerker teilen dürften.

Auftragslage top, Zahlungsmoral gut

Wirtschaftlich zeigt sich Striesel zufrieden: Die Auftragslage bezeichnet er als "Bombe", Zahlungsausfälle habe er derzeit keine. Er konzentriert sich auf kleinere Hausverwaltungen und Privatkunden sowie den klassischen Heizungsbau, ergänzt um Sanitärarbeiten wie barrierefreie Umbauten oder Duschen.

Eine Delle sieht er allerdings bei den großen Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, die derzeit bei Gebäude- und Strangsanierungen zurückfahren. Das treffe in der Folge auch andere Gewerke wie Fliesenleger, Trockenbauer und Maler. Als Ursache nennt er vor allem die veränderte Zinspolitik: Der Kauf eines Einfamilienhauses sei für Normalverdiener schwieriger geworden, Banken agierten vorsichtiger. Hausbaufirmen, die früher 150 Häuser im Jahr errichteten, kämen teils nur noch auf 15. Ihn selbst betreffe das kaum, da er sich nie auf den Neubau konzentriert habe, sondern in der Sanierung unterwegs sei.

Der Fachkräftemangel als größte Sorge

Das drängendste Problem ist für Striesel nicht die Auftragslage, sondern das Personal. Beim Großhändler sieht er vor allem Kollegen im eigenen Alter oder ältere – kaum jüngere. Seine Frage: Wer arbeitet in zehn bis 15 Jahren noch, wenn ganze Jahrgänge in Rente gehen oder in die besser zahlende Industrie abwandern?

Seine Versuche im Online-Recruiting waren ernüchternd: Eine Firma, die ihm gegen einen fünfstelligen Betrag Bewerber vermittelte, brachte letztlich nur einen Monteur, der zwei Jahre blieb. Heute setzt er auf ein kleines, festes Team von vier Mitarbeitern plus einer Partnerfirma. Gute Erfahrungen macht er mit Arbeitskräften aus Osteuropa – einen Ukrainer und einen Polen bezeichnet er ausdrücklich als hervorragend integriert und zuverlässig.

Bei der eigenen Ausbildung stieß er dagegen auf Frust: Auszubildende, die zu spät kamen, mit dem Uber vorfuhren, Krankmeldungen selbst unterschrieben und 30 Fehltage in der Berufsschule ansammelten. Der Aufwand habe sich nicht ausgezahlt.

Der Vorschlag: Berufe aufteilen und spezialisieren

Der Kern des Gesprächs ist Striesels Idee, die stark gewachsene Komplexität der Berufe durch eine Aufteilung zu entschärfen. Ein Sanitär- und Heizungsbauer müsse heute Klima, Heizung, Sanitär, Lüftung, Abwasser und digitale Steuerung beherrschen – für viele sei das schlicht zu viel. Die lange Ausbildungszeit von dreieinhalb bis vier Jahren führe zu zahlreichen Abbrüchen.

  • Aufteilung in reine Berufsbilder wie Heizung, Sanitär, Lüftung oder Klima
  • Rückkehr zu Teilberufen mit kürzeren Ausbildungszeiten – nach DDR-Vorbild etwa der zweijährige Facharbeiter oder Teilfacharbeiter
  • Gezielte Einstellung passend zum tatsächlichen Bedarf des Betriebs
  • Schnellere und bessere Integration ausländischer Arbeitskräfte

Striesel berichtet aus der Praxis: Er habe gelernte Installateure eingestellt, die aus Betrieben mit Schwerpunkt Strangsanierung kamen und von Heizungstechnik keine Ahnung hatten – etwa vom Reparieren oder Programmieren einer Therme. Eine stärkere Spezialisierung würde dieses Problem lösen und den Auszubildenden zugleich ein erreichbares Ziel geben. Er verweist darauf, dass viele Lehrlinge nach zweieinhalb bis drei Jahren abbrächen, weil ihnen die Kraft für den kompletten Weg fehle.

Ansehen und Gelassenheit

Damit wieder mehr junge Menschen ins Handwerk streben, müsse sich vor allem die öffentliche Darstellung ändern. Vor 35 bis 40 Jahren sei der Handwerksmeister hoch angesehen gewesen und habe mit Pfarrer und Bürgermeister am Tisch gesessen – heute werde in Filmen und Fernsehen lieber der Typ mit Chai Latte und Laptop gezeigt. Das Handwerk trage den Staat mit und sei die Säule der Wirtschaft und der Gesellschaft, werde aber viel zu gering geschätzt.

Sein persönlicher Rat an Kunden wie Kollegen ist schlicht: Gelassen bleiben. Wer sich über eine kurzzeitig ausgefallene Heizung oder einen ausgelasteten Handwerker ärgert, sollte den Blick weiten.

Wenn man sich mal auf der Welt umguckt, was hier los ist, das sind ja Probleme, da lachst Du drüber. Einfach mal entspannt bleiben – da wird sich alles aufklären.

Für die Zukunft seines Gewerks ist Striesel bei der Arbeit optimistisch – Heizungen und Dächer werden auch kommende Generationen beschäftigen. Bauchschmerzen bereitet ihm allein die Personalfrage. Sein Lösungsansatz bleibt hängen: weniger Anforderungen, mehr Spezialisierung, kürzere Wege in den Beruf.