Cover: Inken Kannenberg - Chronische Erkrankungen und Behinderungen im Handwerk

Inken Kannenberg - Chronische Erkrankungen und Behinderungen im Handwerk

26. Juni 2025 16:29 Min. Zu Gast: Inken Kannenberg
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Worum es geht

In dieser Folge spricht Inken Kannenberg über ihre Entscheidung, trotz einer Behinderung den Weg ins Handwerk einzuschlagen. Es geht um körperliche Belastbarkeit, Einschränkungen und Selbstzweifel – und um die überraschende Erkenntnis, dass das Handwerk nicht nur machbar, sondern vielleicht sogar der passende Weg sein kann. Ein offenes Gespräch über Mut, Alltag und das Motto 'Mitten im Leben – Mitten im Handwerk'.

Das nimmst du mit

  • Eine chronische Erkrankung oder Behinderung muss kein Ausschlusskriterium für eine Laufbahn im Handwerk sein.
  • Selbstzweifel gehören zum Prozess dazu, können aber überwunden werden.
  • Das Handwerk kann sich trotz körperlicher Einschränkungen als der richtige Weg herausstellen.
  • Der offene Umgang mit den eigenen Grenzen hilft, den passenden Platz im Berufsleben zu finden.
Aus dieser Folge
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Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!

Die wichtigsten Antworten

Worum geht es in dieser Folge?
Es geht um Inken Kannenbergs Entscheidung, trotz Behinderung eine Laufbahn im Handwerk einzuschlagen, und um die damit verbundenen Herausforderungen und Erkenntnisse.
Ist Handwerk mit einer Behinderung überhaupt möglich?
Die Folge zeigt, dass das Handwerk trotz körperlicher Einschränkungen nicht nur möglich, sondern für manche sogar der passende Berufsweg sein kann.
Welche Themen werden angesprochen?
Körperliche Belastbarkeit, Einschränkungen, Selbstzweifel und die Erkenntnis, dass das Handwerk der richtige Weg sein kann.
Wo kann ich dem Podcast folgen?
Der Podcast ist auf Instagram unter @handwerkspricht zu finden.

Zu Gast

Inken Kannenberg berichtet in der Folge über ihre Entscheidung, trotz Behinderung den Weg ins Handwerk einzuschlagen.

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Transkript

Herzlich willkommen, meine Damen und Herren. Zu Handwerk spricht, der Sendung, die die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit dem Handwerk verbindet und heute habe ich ein besonderes Thema. Bei mir zu Gast ist Inken Kannbach und es geht heute chronische Erkrankungen und Behinderungen im Handwerk. Hallo Inken, schön, dass Du hier bist. Wir haben ja ein Thema jetzt heute vor uns, wo Du selber auch ein Lied von singen kannst.

Aber Aber ich stell dich doch bitte einmal kurz vor und vielleicht beschreibst Du mal, welche Herausforderungen Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen haben und dann auch in Verbindung natürlich gerne mit dem Handwerk. Auf jeden Fall erst mal herzlichen Dank, dass ich zu Gast sein darf und auch dieses Thema in diesem Rahmen quasi mit einbringen kann, weil ja, ist erst mal nicht so geläufig und ich bin da reingewachsen in dieses Krankheitsthema relativ früh. Ich hab mit 11 Jahren eine chronische Damenentzündung bekommen, diagnostiziert bekommen, sagt man heut so schön, aber für mich ist dann irgendwie alles ungeschmissen worden. Und da war ich noch nicht mal im Berufsleben und war trotzdem viel, was sich für mich geändert hat. Und ja, über die Jahre überlegt man sich dann in der Schule Laufbahn, okay, was mach ich eigentlich?

Was kann ich überhaupt machen? Was gibt es für Beeinträchtigungen? Wie geht das alles? Kann ich mich körperlich belasten? Mache ich jetzt eher was, was am Schreibtisch ist?

Mache ich vielleicht was was Handwerkliches? Mache ich irgendwas, wo ich im Büro sitze? Ganz ganz unterschiedliche Möglichkeiten und ich bin da auch echt lange mit diesem Gedanken gegangen und ja mittlerweile kenne ich es aus der anderen Perspektive sozusagen. Ich hab selber eine Ausbildung in der Pflege gemacht und im Rettungsdienst, hab dann aber mich entschieden, ja, den Weg quasi durch die Uni zu gehen und ja, mache jetzt etwas, wobei ich sitze hauptsächlich, also studiere einerseits noch, mache meine Masterarbeit Public Health, auf der anderen Seite bin ich aber auch als Coach und Trainerin tätig und ja, unterstütze Menschen dabei, genau auch diese Entscheidung mit zu treffen. Also was kann ich eigentlich, was möcht ich mit meinem Leben machen und muss ich das zwingend alles mit meiner Erkrankung vereinbaren oder wie mach ich das eigentlich und welche Möglichkeiten habe ich vielleicht trotz oder gerade, weil ich krank bin?

Ja, sehr interessant, Inken. Du selber sagst ja, Du hast mittlerweile 'n erfülltes Leben, ne. Ja. Und Du bist in der in vielen Themen auch unterwegs. Du machst viele Sachen, wie Du grad schon beschrieben hast.

Wenn jetzt Menschen mit 'ner chronischen Erkrankung oder mit 'ner Behinderung in 'nem Handwerksunternehmen sind, Ja. Wie kann das Unternehmen unterstützen, dass das gut funktioniert und dass man ja, dass beide Seiten auch glücklich damit sind? Erst mal geht's ja darum, im Gespräch zu sein, weil oftmals ist ja das 1. Überhaupt, wie komm ich ins Gespräch? Und jemand, der eine der eine chronische Erkrankung, eine Entzündung, eine Behinderung hat, der möchte ja irgendwie auch ankommen im Betrieb, aber überlegt sich vielleicht, okay, was kann ich jetzt sagen, ohne dass ich von der anderen Seite, ja, quasi 'n Stempel aufgedrückt bekomme, sondern einfach dieses erst mal dieses Gesprächsangebot, dieses offene Gespräch anbieten, was gibt es noch für Bedürfnisse, die erfüllt werden können?

Natürlich ist im Handwerk ist so, es muss natürlich trotzdem ein gewisses Interesse bestehen und natürlich, wenn ich jetzt sage, ich hab nur ein Bein zur Verfügung, kann ich vielleicht nicht unbedingt auf dem Dach stehen. Das ist schon etwas, das sollte vorher klar sein, aber es gibt ja mittlerweile viele Möglichkeiten, wenn ich jetzt zum Beispiel eine chronische Entzündung habe und vielleicht nicht so belastungsfähig bin, aber trotzdem ja das Interesse habe und mich auch mir auch vorstellen kann, ich bin gut, ich bin handwerklich geschickt und möchte das gerne einbringen, aber bisher hat mich nie jemand gefragt, ob ich das kann, weil man mich immer nur reduziert hat und einfach da wirklich, ja, ins Gespräch zu kommen und sagen, was können wir tun und aber auch zu fragen, okay, was was brauchst Du? Aber auch, was kannst Du uns geben auf der anderen Seite. Natürlich einfach da zu sagen, okay, wir haben 'n offenes Gespräch und sind nicht jetzt gebunden an irgendwas, sondern wir gucken einfach mal, was möglich ist. Und auch selbst, ich kenne 'n Beispiel, wo dann eine Lernschwäche einfach da war, die Person, das war 'n junger Mann, aber sehr für das Handwerk geschwärmt hat und gesagt hat, ich möchte das unbedingt machen, ich hab vielleicht in der Berufsschule bin ich nicht so schnell, aber da war zum Beispiel eine Möglichkeit, eine verlängerte Ausbildung und so was gibt es ja immer wieder, wenn man nach Lösungen sucht, wenn man im Gespräch ist, auch mit unterstützenden Instanzen, Integrationsämter sind da da ganz groß auf dem Weg zu sagen, okay, was gibt es eigentlich für Möglichkeiten, wenn sich jemand dafür begeistert, aber vielleicht ja seine Defizite einfach hat.

Aber auch einfach diese Möglichkeit zu schaffen, weil auch von ganz Verallgemeinerern lässt es sich hier immer schwierig. Es gibt ja so viele Behinderungen, so viele gesundheitliche Situationen, die unterschiedlich sein können, aber einfach dieses Gespräch und zu gucken, was gibt es für Möglichkeiten und auch wenn man gegebenenfalls jemand 'n Drittes damit ins Boot holt. Wie sieht das denn aus? Jetzt heißt das grade schön beschrieben, dass es Offenheit und Kommunikation geht. Ja.

Aber die Frage, die sich ja auch dann mir jetzt so stellt, ist, okay, die Inhaberin, der Inhaber möchte gerne eben halt in dem Bereich auch dann eben halt Menschen beschäftigen. Aber wie gehen zum Beispiel Kollegen, Kolleginnen damit Wie wie sind die Reaktionen oder was könnten für Reaktionen da kommen? In meiner Erfahrung gibt es da 2 Situationen. Also das eine sind die, die neugierig sind, die fragen, ja okay, ich seh da was, der ist irgendwie anders, der der bewegt sich anders oder der hat vielleicht andere Verhaltensweisen, der geht so wie ich vielleicht häufiger zur Toilette oder hat da Einschränkung. Aber da fragen die Kollegen einfach, bieten sogar ihre Unterstützung an, sagen okay, wir sehen, da ist was oder wir haben ja drüber gesprochen letztens, ich kann dich da unterstützen und dementsprechend ein sehr inklusives Verhalten dem betroffenen Arbeitnehmer, dem betroffenen Kollegen gegenüber.

Aber es gibt halt auch die, die sagen, oh, der hat jetzt ja da irgendwas und der kann vielleicht auch gar nicht richtig arbeiten und dem dem fehlt da 'n Bein, aber kann der dann überhaupt die gleiche Arbeitsleistung bringen wie ich und sind dann skeptisch, sagen, muss ich für den mitarbeiten? Und ja, solche Situationen, das kommt halt immer wieder auf. Die sehen dann nicht das, was der Kollege die Kollegin trotzdem leisten kann, war's vielleicht möglich, sondern es wird nur gesehen, okay, welches Defizit ist da und liegt das an mir als Kollegen, dass ich das auch noch jetzt auch noch mit zusätzlich leisten muss. Ist denn ist denn son Thema vielleicht da auch, klar auch wieder Kommunikation, auch wieder Offenheit, aber gibt's da auch unter Umständen Hilfen, wo genau dann auch der der Kollege, die Kollegin eben halt dann dann auch weiß, okay, es gibt spezielle Unterstützung von Einrichtungen, die dazu genau dazu da sind, damit eben halt nicht dieses Gefühl aufkommt, ich muss mir jetzt für die Person mitarbeiten. Sondern im Gegenteil, gerade weil es eben halt so ist, kommt eben halt noch mal eine Unterstützung von außen.

Gibt's da irgendwelche Einrichtungen, die Du kennst oder Maßnahmen, die Du auch kennst? Genau, es ist ja erst mal grundsätzlich so, dass Institutionen helfen können, wie ich vorhin gesagt hab, zum Beispiel Integrationsämter, die unterstützen ja grade Personen mit chronischer Erkrankung, mit Behinderung, dass ein Arbeitsumfeld geschaffen wird, was der betroffenen Person, der erkrankten Person dienlich ist. Und das kann sehr, sehr individuell sein. Wie gesagt, es ist ja einfach sehr unterschiedlich, was da benötigt wird, was da gebraucht wird. Aber da kann man sich auf jeden Fall hinwenden als Betroffener und auch als Arbeitgeber kann man meines Wissens nach da Kontakte suchen, aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit, mit Arbeitsvermittlungsstellen in Kontakt zu treten, wenn man jetzt noch gar nichts in Aussicht hat.

Aber auf jeden Fall gibt es Institutionen und ich glaube auch, dass man sagen kann, ja, in in Richtung Berufsverbänden, dass man da einfach sich Unterstützung holen kann, Gibt es da noch ähnliche Fälle? Gab es das schon mal? Welche Unterstützungsmöglichkeiten habt ihr? Habt ihr vielleicht auch gerade auf das Handwerk bezogen? Bestimmte Hilfsmittel, bestimmtes Werkzeug, das vielleicht ist der Person, die eine Einschränkung hat, aber dennoch sie kann gut in dem Bereich arbeiten, das dann einfach möglich macht, dass man nicht beschränkt ist und sagt, nee, nur wenn ich komplett gesund bin, kann ich das machen, sondern einfach auch, dass man eine Art ja, Nachteilsausgleich schaffen kann, sowohl für die betroffene Person, die arbeiten möchte, als auch für den Arbeitgeber, zu sagen, okay, der ist damit mit dem Material, was ich eben zur Verfügung stelle, vollkommen leistungsfähig.

Und auch als 3. Geschichte dann, dass Kollegen, die das sehen, auch sagen, oh, der kommt ja genauso schnell voran wie ich. Der macht das jetzt vielleicht 'n bisschen anders. Ja. Der hat vielleicht andere Möglichkeiten oder da muss vielleicht einmal etwas extra angeschafft werden, aber selbst da gibt es finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, aber dann hat der genau die gleichen Möglichkeiten wie jemand anders auch.

Und das finde ich einfach wichtig, mal betrachtet zu haben, weil das ist vielen gar nicht bekannt. Handwerk bedeutet machen. Deine Zeit ist zu wertvoll für viel Bürokratie. Wir setzen uns dafür ein, dass dein Alltag einfacher wird. Weniger Büro, mehr Fokus auf deine Projekte.

Gemeinsam digitalisieren wir das Handwerk und gestalten die Zukunft. Ja gut, also die das ist sehr gut, wenn man halt die Basis schaffen kann eben halt, dann auch langfristig zusammenzuarbeiten, ne. Das ist also ganz wichtig. Und wie bewertest Du rechtliche Aspekte? Sind da irgendwelche Themen, wo Du sagst, okay, da sollte man auf jeden Fall von Anfang an drauf schauen oder da sollte man Wert drauf legen, dass man sie zumindest mal berücksichtigt?

Also ganz grundlegend ist Schwerbehindertenrecht oder auch die Person. Ja. Von oder die Gleichstellung von Personen, Schwerbehindertenrecht. Also man bezeichnet ja jemanden, eine Person als schwerbehindert, wenn sie ein Grad von von 50 mitbringt, was so viel heißt wie, das kann jede Erkrankung, jede Behinderung sein, die einem bestimmte Einschränkung auf die alltäglichen Fähigkeiten bringt. Aber das kann natürlich entstehen, wir hatten das vorhin mal, wenn zum Beispiel ein Bein nicht nicht da ist oder wenn wenn etwas ist, was man auch sehen kann.

Das kann aber auch sein, dass es einfach eine chronische Entzündung ist, die die nicht sichtbar ist. Und ein solcher Status quo, eine solche Schwerbehinderung ist per se dementsprechend nicht immer sichtbar, nicht immer von außen gleich zu sehen. Das heißt, da darf man dann auch speziell berücksichtigen, eine Person mit Schwerbehinderung hat zum Beispiel 'n gewissen Kündigungsschutz, kann dann dementsprechend nicht sofort, ja, da mit einfachen Beweggründen, ich kenn mich jetzt im Kündigungsschutz sonst nicht aus, aber kann eigentlich nicht einfach so mal eben gegangen werden, sondern da muss man dann halt drauf gucken und ja, einfach zu sagen, okay, wir wir kümmern uns ganzheitlich diese Person und ja, reduzieren sie nicht auf die Erkrankung, sondern haben halt diesen inklusiven Gedanken vor Augen. Alle sind Teil dieser Firma, alle können mitarbeiten und keiner ist ist besser oder schlechter als der andere im Grunde angesehen. Und ja, erst wenn man das Wort Inklusion nicht mehr braucht, dann ist man wirklich da angekommen, wo man's haben will.

Und ich begleite derzeit 'n anderes Unternehmen, wo wo's auch darum geht, mehr Inklusion in ein Unternehmen zu bekommen. Das ist allerdings ein Forschungsunternehmen, da geht's Arbeitsmarkt und Berufsforschung, da ist dann viel Schreibtischarbeit. Aber auch da gibt es Barrieren, die abzubauen sind und wo man halt gucken muss, okay, wo wo gibt's da eigentlich Möglichkeiten? Aber so, dass wir für alle ein angenehmes Arbeitsklima, eine angenehme Kommunikation da auch schaffen und im Grunde dann dadurch auch, ja, es schaffen, was ja auch für Arbeitgeber dann interessant ist, auch leistungsfähige Arbeitnehmer zu haben, unabhängig davon, ob sie eine Krankheit oder eine Behinderung mitbringen. Ja, vollkommen richtig.

Was würdest Du den Menschen raten, die eben halt chronisch erkrankt sind oder eben halt eine Behinderung haben, wenn sie im Handwerk arbeiten möchten? Was sollten sie tun oder was sollten sie berücksichtigen, wenn sie eben halt aufn Arbeitgeber zugehen? Grundsätzlich ganz ganz allgemein erst mal angefangen bei mir, okay, was möcht ich, was hab ich für Fähigkeiten? Das ist natürlich wie bei jedem anderen auch Nichterkranken, was hab ich für Fähigkeiten? Das ist natürlich wie bei jedem anderen auch Nichterkrankten, was habe ich für Fähigkeiten, was habe ich vielleicht für Erfahrungen gemacht, auch mit meiner Erkrankung, was kann ich gut, was ist da gut.

Aber auch zu sagen, okay, ist das ist das mein Bereich? Und dann zu gucken, okay, wenn ich mich bei dem Arbeitgeber bewerbe, auf die Stelle bewerbe, kann ich das alles so machen oder gibt es da vielleicht etwas, was ich auch thematisieren kann, wo ich sage, okay, ich möchte gerne bei Ihnen arbeiten, aber ich bringe das und das mit und ist das in Ihrem Betrieb möglich, das dass dieses und jenes Material angeschafft wird, das Werkzeug oder dass ich auch zum Beispiel, wenn ich jetzt eher in 1 planerischen Tätigkeit tätig bin, ob ich, dass ich mit meinem Rollstuhl oder mit meiner Gehhilfe zu dem Platz komme, ist jetzt nicht die traditionelle, handwerkliche Tätigkeit, aber auch solche Assistenzberufe können ja hilfreich sein oder was was brauch ich, was hab ich für Bedarfe? Und diesen diese Gedanken, sich einfach vorher zu machen, gibt es da Möglichkeiten. Weil nichts ist so schlimm wie, ich muss jetzt in 'nem Bürojob arbeiten und das war immer mein Gedanke. Mir wurde oft gesagt, na ja, mit deiner chronischen Erkrankung kannst Du dich ja nicht so belasten und na ja, wär's ja gut, wenn Du irgendwie bei der Bank und dann sitzt Du da und dann hast Du zwar deine Ruhe, aber das hätte mich nie erfüllt.

Mhm. Und es geht ja auch da drum zu gucken, okay, was ist trotzdem möglich und nicht nur, na ja, was schaff ich irgendwie, erfüllt mich aber für mein ganzes Leben nicht. Sondern da halt auch wirklich dann mal als potenzieller Arbeitnehmer zu sagen, okay, ich ich lass mich noch mal beraten, ich gehe noch mal auf einen Integrationsamt zu oder ich nutze vielleicht auch 'n Karriereberater, 'n Coach, da noch mal zu fragen, was auch zum Beispiel möglich ist, Patientenvereine, Selbsthilfe, wo man andere Betroffene findet und mit denen mal in Austausch geht. Du, ich hab gesehen, Du hast doch auch die gleiche Erkrankung wie ich, aber Du arbeitest doch bei dem. Wie machst 'n das eigentlich?

Und dann auch zu sagen, vielleicht auch dem Arbeitgeber zu sagen, hey, ich kenne jemanden, der hat die und die Unterstützungsmöglichkeiten, können wir das nicht auch machen? Und vielleicht wird das sogar finanziell gefördert, wenn man die Institution mit ins Boot nimmt. Und ja, da einfach mal über den Tellerrand hinaus zu denken, besser als zu sagen, ja, jetzt sitz ich hier den ganzen Tag, ja, hab ich zwar die körperliche Belastung nicht, aber irgendwie erfüllt es mich auch nicht. Und das find ich dann einfach so schade. Ich hab auch und trotz chronischer Erkrankung, trotz vieler Medikamente, ich hab in der Pflege gearbeitet und dann, wir wissen alle, wie die Pflege irgendwie, wie hart das Arbeiten in der Pflege ist und ich hätt's aber nicht anders machen wollen.

Jetzt hab ich wieder sitzende Tätigkeit, aber mit 'nem ganz anderen Anforderungsprofil. Und vielleicht ist auch so ein Zwischenschritt für manche einfach sinnvoll. Ja. Ja, Inken, das waren ganz viele Hacks, die Du da schon uns mitgebracht hast und die Du schon quasi ausgeplauert hast. Vielen Dank schon mal dafür.

Ich hab eine abschließende Frage. Bitte. Und zwar, wie siehst Du die Rolle des Handwerks in der Gesellschaft? Empfindest Du, dass das Handwerk in der Darstellungsweise die richtige Position hat oder sollte sich da etwas dran verbessern oder verändern? Aus meiner Perspektive geguckt, ist es oftmals so, ja, das ist für die, die körperlich was tun wollen und und auch nur die körperlich was tun können.

Und es sollte aber einfach viel mehr Zugänge für für alle irgendwie schaffen. Das einfach nicht nur dieses klassische, na ja, ich bin ich bin groß und kräftig und ich kann das und dann kann ich ins Handwerk und alle anderen, die es nicht sind, die haben nur eine andere Tätigkeit verdienen, sondern es sollte einfach ein offenes offener Berufsbereich sein, wo alle sich wiederfinden können, ob es nun eher die organisatorische organisatorische Funktion ist, die ich vielleicht vom Schreibtisch her steuern kann, wo ich aber mit meinen Kollegen, die die auf dem Dach arbeiten, kommuniziere. Oder ob es halt einfach selbst das in die Hand nehmen von Werkzeugen ist, ob jetzt das ob jetzt das normale Werkzeug oder das vielleicht, was wir oder was mich persönlich unterstützt bei meiner Behinderung. Aber es sollte für alle möglich sein und ich finde, das darf auch kommuniziert sein, weil einfach auch viel Interesse in dem Bereich besteht. Das ist 'n schönes Schlusswort.

Handwerk ist für alle und Handwerk wird auch von allen benötigt. Ja. Inken, vielen Dank, dass Du hier bei uns gewesen bist. Das war Inken Kanbach, hier bei uns im Studio bei Handwerk spricht. Ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder einschalten.

Bis bald.

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