Cover: Handwerk, Nachwuchsmangel & Bürokratie-Stopp: Yannic Schmitt (KH Aachen) bei Oliver Oettgen

Handwerk, Nachwuchsmangel & Bürokratie-Stopp: Yannic Schmitt (KH Aachen) bei Oliver Oettgen

15. April 2026 23:06 Min. Zu Gast: Yannic Schmitt
0:00 23:06

Worum es geht

Yannic Schmitt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen, spricht mit Oliver Oettgen über den Nachwuchsmangel im Handwerk, das Imageproblem in Schulen und die Bürokratielast für Betriebe. Die Folge räumt mit dem Vorurteil auf, das Handwerk sei nur ein Plan B, und diskutiert konkrete Ansätze wie verpflichtenden Werkunterricht und modernes Ehrenamt. Ein Gespräch für Betriebsinhaber und alle, die die Rahmenbedingungen im Handwerk verbessern wollen.

Das nimmst du mit

  • Das Handwerk ist kein Auffangbecken für Studienabbrecher, sondern ein eigenständiger Karriereweg für Macher.
  • Die Kreishandwerkerschaft kann Betrieben bürokratische Last abnehmen und ihnen den Rücken freihalten.
  • Die akademisch geprägte Perspektive vieler Lehrer schadet dem Ansehen des Handwerks im Klassenzimmer.
  • Modernes Networking ersetzt das überholte Ehrenamt-Bild und kann Betrieben konkret helfen.
  • Verpflichtender Werkunterricht an Schulen wird als radikaler Hebel gegen den Fachkräftemangel gesehen.
Aus dieser Folge
Webinar zum Thema Nachfolge
Webinar zum Thema Nachfolge →
EmpfehlungAnzeige
Greif kostenfrei auf meine App zu!
Ansehen →
Als Artikel lesen
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!

Die wichtigsten Antworten

Worum geht es in dieser Folge?
Um den Nachwuchsmangel im Handwerk, das Imageproblem in Schulen und die Bürokratiebelastung für Betriebe – sowie um konkrete Lösungsansätze dagegen.
Wer ist Yannic Schmitt?
Er ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen und Jurist, der die Interessen von knapp 7.000 Betrieben und 35.000 Beschäftigten vertritt.
Welche Rolle spielen Schulen und Lehrer beim Fachkräftemangel?
Laut der Folge trägt die akademisch geprägte Sicht vieler Lehrer dazu bei, das Handwerk als Notlösung darzustellen. Als Gegenmaßnahme wird verpflichtender Werkunterricht an Schulen gefordert.
Wie kann die Kreishandwerkerschaft Betrieben helfen?
Sie nimmt Betrieben bürokratische Aufgaben ab und setzt sich politisch für bessere Rahmenbedingungen ein, damit das Handwerk wieder Luft zum Atmen bekommt.
Wie kann ich Oliver Oettgen eine eigene Frage stellen?
Über das Angebot „FragOliver" lässt sich ein 15-minütiger Termin buchen; die Kontaktmöglichkeit wird in der Folge genannt.

Zu Gast

Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen

Yannic Schmitt ist Jurist mit Leidenschaft für die Praxis und vertritt als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen die Interessen von knapp 7.000 Betrieben und 35.000 Beschäftigten.

Folge teilen

Transkript

Herzlich willkommen zu 1 neuen Folge von Handwerk spricht und heute ist Jannick Schmidt bei uns. Hallo Jannick. Hi. Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Vielen Dank für die 1.

Bevor wir uns weiter über dich unterhalten und über das, was Du tust, hab ich 3 Thesen mitgebracht, wo ich auf dein Feedback gespannt bin. Die 1. These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr. Es ist nur noch ein Plan b für alle, die das Studium nicht schaffen. Sollte so nicht sein, ist in manchen Fällen vielleicht richtig, ist aber definitiv nicht der Weg des Handwerks.

Das Handwerk ist der Karriereweg für Leute, die gerne was mit ihren Händen machen wollen, die sehen wollen, was sie schaffen. Da ist es ein sehr guter Weg. Das ist gut. Die 2. These lautet, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen.

Handwerk ist Tradition kombiniert mit Moderne. Der Meisterbrief an sich ein ist eine wichtige Voraussetzung für Qualität im Handwerk. Man könnte da sicherlich noch 'n bisschen mehr Moderne reinbringen, aber die Grundvoraussetzung ist schon wichtig. Bin ich bei dir. Und die 3.

These, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen. Nein. Das Handwerk ist attraktiv für junge Menschen. Es kommt bei vielen vielleicht noch nicht an, insbesondere wenn wir uns in den Schulen umgucken, wo viel zu wenig Handwerk gelehrt wird oder den den Schülern und Jugendlichen 'n Handwerk beigebracht wird. Ich bin mir sicher, wenn man da früh ansetzt, dann findet man viele, viele Kinder und Jugendliche, die gerne ins Handwerk gehen und da sehr gut aufgehoben werden.

Ja, denk schon mal danke für die 3 Thesen, die Du mir schon mal beantwortet hast und mir eine Rückmeldung zugegeben hast. Aber sprechen wir doch mal über dich und das, was Du tust. Du bist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft hier in Aachen und nimm uns doch mal kurz mit zu dir, zu deiner Person und auch zu deinem, ja, Aufgabenbereich, was Du grade so tust und als Aufgabenstellung auch vielleicht hast aktuell. Ja. Also ja, ich bin Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Also die Spitze des Hauptamts, die Kreishandwerkerschaft an sich ist der Dachverband der regionalen Innungen des Handwerks. Wir kümmern uns in erster Linie die Geschäftsführung der Innungen, das heißt, wir organisieren alles, die Sitzungen, wir kümmern uns die Buchhaltung, aber haben nach der Handwerksordnung sehr, sehr viele intensive Aufgaben, unter anderem auch die Interessensvertretung, was son Stück weit mein Steckenpferd, meine Passion ist, warum ich das so gerne mache. Du bist von Hause aus Jurist. Erzähl uns doch da mal was Ja, ich bin Jurist, hab aber nur relativ kurz in der Kanzlei gearbeitet, bin danach Geschäftsführer 1 1 Markt- und Wirtschaftsforschungsinstituts geworden, aber immer mit dem Bezug zur Hysterei. Was meinen Job jetzt aber auch ein Stück weit leichter macht, wir haben viel mit juristischen Herausforderungen zu kämpfen, sowohl auf den Innungen, aber auch natürlich in den Betrieben, wo das immer ganz gut ist, wenn man das Feld son bisschen kennt und weiß, wie's funktioniert.

Isst Du denn auch für eure Innungen und für eure Kreishandwerkerschaft generell oder für alle, die daran beteiligt sind, auch in die Verfahren noch rein, wenn ihr Beratung macht und so weiter oder gibt's eine andere Struktur da noch bei uns? Also die Kreishandwerkerschaft berät rechtlich, insbesondere im Arbeits- und Sozialrecht sind wir da sehr stark. Wir haben aber vor, ich glaub, 15 Jahren das an eine Kanzlei ausgegeben, wo unsere Mitglieder dann kostenfrei sich beraten lassen können, weil das einfach ein zu großes Feld ist, als dass wir das jetzt noch inhouse machen würden. Das machen dann die Profis im Arbeitsrecht. Wie sehen denn bei euch aktuelle Ziele aus für die Kreishandwerkerschaft, also fürs Handwerk im Endeffekt?

Ja, spannend, dass Du fragst. Also ich mach den Job jetzt seit 3 Jahren und hab eine Kreis Handwerkerschaft übernommen, die 40 Jahre unter der gleichen Führung war. Da waren viele Systeme, die funktionieren und auch wir. Das Handwerk muss sich 'n bisschen in Richtung Moderne verändern. Wir müssen das auch und wir sind jetzt grade dran, unsere Strategieziele neu zu orten.

Wir würden gerne viel näher an den Betrieben sein, viel tiefer reingucken, was braucht denn son Betrieb eigentlich? Wo können wir den Overhead wegnehmen, damit sich das Handwerk wirklich wieder auf seine eigentliche Tätigkeit konzentrieren kann? Und wo könnt ihr für Erleichterung sorgen direkt bei dem für die Betriebe? Wo seid ihr ganz nah dran und was ist das, was euch ausmacht jetzt grade? Also wir wir würden gern versuchen, so Sachen uns zu suchen, wo alle Betriebe mit.

Ganz banales Beispiel, jeder jeder Betrieb muss Ersthelfer und Brandschutzhelfer im Betrieb haben. Und jeder Betrieb muss sich dann drum kümmern, dass die geschult werden, wo die geschult werden. Und da können wir als Organisation oben drüber doch sagen, pass mal auf, wir bieten das für euch an. Wir schicken euch die Termine und ihr schickt uns eure Jungs und Mädels und wir bilden die aus. Das sind so so Kleinigkeiten, die ganz einfach als Verband zu machen sind.

Aber das ist nicht unsere Hauptaufgabe, sondern wir also da versuchen wir Erleichterung zu schaffen. Auf der anderen Seite sind wir aber die Vertreter des Handwerks. Also wir müssen gucken, dass wir in der Region hier mit allen Akteuren sprechen, dass die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Arbeiten im Betrieb einfach so gesetzt sind, dass die Betriebe sich mit ihrem Handwerk auseinandersetzen müssen und nicht mit Bürokratie und Genehmigungen und solchen Sachen. Ja, auch spannend. Gibt's denn irgendwelche Besonderheiten hier im Raum Aachen, wo Du weißt, das gibt's in anderen Bereichen nicht oder im Umfeld jetzt bei uns hier nicht?

Oder ist es ähnlich im Grunde, wie es bei den anderen Kreishandwerkerschaften auch ist? Also ich glaube, viele Probleme sind sehr, sehr ähnlich. Klar gibt's immer so kleine Besonderheiten, die dann mit der jeweiligen Verwaltung oder der jeweiligen Politik zu tun haben. Wir hatten jetzt letztes Jahr beispielsweise den Fall, dass die Städteregion sich überlegt hat, dass für die Beantragung 1 Handwerkerparkausweises neben der Firma auch noch die Adresse auf den Handwerkerfahrzeugen stehen muss. Und wir haben den Sinn darin nicht gesehen, weil warum soll die Adresse auf dem Auto stehen?

Da steht groß Handwerksbetrieb drauf, das Gewerk, die Firma. Und da haben wir dann lange mit der Stadt und der Städteregierung gekämpft, dass das wieder runterkommt, wodurch wir's dann geschafft haben, dass die Handwerksfahrzeuge nicht alle neu lackiert oder neu foliert werden müssen und das würden einzelne Betriebe alleine wahrscheinlich nicht hinkriegen. In dem Verbund schaffen wir das dann. Ja, manchmal sind's so die banalen Dinge, die einen dann so aufhalten, ne. Also das ist immer, wenn und wenn es dann mal durchrutscht, also ich sag mal, wenn wenn ihr's mal nicht mitbekommt und die Betriebe dann immer die Information bekommen, dann fassen sich die Betriebe an Kopf, ne.

Sondern man kann ja nicht wahr sein, ne. Genau. Das ist auch das, was wir häufig zurückkriegen von den Betrieben. Das kann doch nicht wahr sein, dass wir das jetzt auch noch machen müssen. Und da kann man dann als Verband dann doch eher gegenhalten und versuchen, dass man das wieder löst.

Ja, als Interessenvertreter für die anderen dann halt, ne. Genau. Klar. Ja, dann ist da noch mal eine andere andere Energie hinter, die dann auch einzubringen ist an der Stelle, ne. Ja, wir vertreten knapp 7000 Betriebe hier in der Region.

Das ist schon relativ viel, 35000 Beschäftigte. Das muss man, also und das das merkt man beim Handwerk häufig nicht. Die sind da und die arbeiten, aber das Handwerk ist nicht besonders laut und das ist unsere Aufgabe immer zu sagen, so wir sind relativ viele. Wir machen große Umsätze in der in der Masse. Wir zahlen sehr viel Gewerbesteuer und wir beschäftigen sehr, sehr viele Menschen und damit ernähren wir Familien und das muss in der Politik und der Verwaltung auch wahrgenommen werden.

Weil je schwerer man es dem Handwerk macht, in der Stadt, in der Städteregion zu arbeiten, umso weniger können wir das unsere unsere gesellschaftliche Aufgabe auch erfüllen. Ja, Du sagst es grade, ihr seid ja die Vertreter quasi. Aber würde es nicht Sinn machen, je nachdem, welche Themen es natürlich geht, die ich bei jedem Thema habe, macht es nicht Sinn bei manchen Themen, dass die Betriebe auch etwas lauter werden. Nehmen wir mal das Thema Fachkräftemangel, junge Menschen einfach jetzt mal als Beispiel. Vieles davon hat ja mit einfach mit dem Image zu tun, was einfach nicht mehr zeitgemäß ist auf der einen Seite und auf der anderen Seite haben wir manchmal auch selber das Problem, dass wir eher die negativen Dinge sehen und deswegen an der Theke, im Thekengespräch ist immer so bei Beispiel, Thekengespräch halt, ne?

Ne, beim Thekengespräch halt auch einfach nur sagen, nee, ich muss davor aufstehen, Stau, Regen, dies, das, jenes und so weiter. Anstelle man dann die Geschichte erzählt, ich hab jetzt wie in meinem Gewerkschaft zum Beispiel jetzt dafür gesorgt, dass sone Familie in ihr Haus einziehen kann und aus der alten Gammligen, schimmllingen Wohnung, wie auch immer, eben halt mit den Kindern jetzt eben halt in dieses neue Haus unter dem neuen Dach dann eben halt einziehen kann. Das ist ja eigentlich die die Geschichte, die auch dann Gänsehaut erzeugen kann, aber nein, wir sehen ja eher die negative Geschichte. Macht es da nicht Sinn? Also gerade Thema Image, Thema Sichtbarkeit und so weiter, dass die Betriebe und hat ja nichts mit Aachen jetzt zu tun, sondern generell einfach auch da mehr Verantwortung übernehmen?

Ja, ganz definitiv. Vor allem, weil das Handwerk ja so schöne Geschichten erzählen kann, wie Du das grade tust. Man sieht ja im Handwerk in der Regel, was man geschafft hat. Und ich glaube, es gibt viel mehr solche Geschichten, die unerzählt bleiben. Aber auch das ist natürlich was, was einfacher wird zu kommunizieren, wenn man das in Kanäle spült, die vielleicht ein bisschen mehr Reichweite haben.

Wenn das der einzelne Betrieb macht, kann er das auf seiner Facebook Instagram Seite zeigen. Ob das dann so den Run erzeugt, weiß ich nicht, aber wenn man das durch die Institutionen nach oben spielt, beispielsweise bis zum ZTA und die machen ja auch Geschichten auf, dann wär das sicherlich hilfreich für das Image des Handwerks. Ja. Ja, weil wir ja schon bei den jungen Leuten sind, dann lass uns doch mal bei den jungen Leuten bleiben an der Stelle. Wie siehst Du die Chancen für das Handwerk, die jungen Leute noch mehr zu begeistern fürs Handwerk, noch noch schneller ins Handwerk zu bekommen?

Es war zuletzt in den Medien ja auch 'n Bericht drin, dass 80 Prozent der jungen Menschen sich einfach zu wenig informiert fühlen über das Handwerk. War auch meine Befürchtung tatsächlich, dass irgendwann mal sone Statistik rauskommt, denn wir haben halt einfach zu viele Informationen, grade Internet ist einfach zu viel und dann auch meist nicht tief genug, ne. So und die Anlaufstellen, die dann wirklich dann auch die Tiefe haben, sind vielleicht nicht so bekannt beziehungsweise ja, werden in dem Moment nicht gefunden zumindest mal. Wie siehst Du das? Was was was ist da im Moment?

Wie wie sind die Quoten jetzt grade hier bei euch in der Städteregion? Und vor allen Dingen, wie geht's dann aus deiner Sicht in der Zukunft weiter? Was können wir tun, was müssen wir tun? Also wir haben tatsächlich im letzten Jahr das 1. Mal, ich glaub seit 10 oder 12 Jahren wieder leicht steigende Azubizahlen, was ja schon mal 'n Grund zur Freude ist, aber es sind bei Weitem noch nicht so viele, wie wir gerne hätten.

Also wir haben immer noch mehr Ausbildungsstellen als Azubis, was lange Zeit ganz anders war. Da musste man sich als Azubi bewerben, heute muss man sich als Betrieb bewerben, was nicht unbedingt schlecht ist. Aber da ist noch sehr, sehr viel Potenzial. Ich glaube, dass man sich da alle Strukturen mal angucken muss, wie man an junge Leute rangeht. Also ich glaube nicht, dass dass diese Berufsfachmessen noch so das Nonplusultra sind, wo man mit 'nem Pavillon und irgendwie sonem Tisch und Gummibärchen, ja, ich glaub, damit kriegt man keinen Jugendlichen mehr ins Handwerk.

Und das coole am Darmhandwerk ist, das Handwerk kann ja ganz viel zeigen, weil es ist ja viel besser als 'n Bürojob zu vermitteln, wenn man jemand 'n Hammer in die Hand gibt oder eine Schere oder irgendwas und sagt, komm, wir machen das jetzt mal. Da gibt's zum Beispiel hier bei der Handwerkskammer in Aachen auch den Tag des Handwerks, wo im im Berufsbildungszentrum dann wirklich Handwerk zum Anfassen ist. Da sind dann Dachdecker, wo man Schindeln schlagen kann, da ist sind die Zimmerer dabei, wo man sich angucken kann, wie wird 'n Dachstuhl gebaut und so weiter. Ich glaube, über solche Sachen muss man gehen, aber nicht ausschließlich. Also ich glaub, grade die junge Generation, die jetzt kommt, die müssen wir viel früher abholen, die müssen wir in der Schule schon abholen.

Da muss Handwerk als Lehrinhalt in die Schulen, da müssen wir vor allem an die Lehrer ran, weil Lehrer durchlaufen notorischerweise eine akademische Ausbildung und haben gar nicht so den Bezug zum Handwerk. Und wir hören relativ häufig, dass Lehrer sagen, ah, das mit dem Handwerk, das lern mal was Vernünftiges. Und es gibt Statistiken, die sagen, über 85 Prozent der Menschen, die im Handwerk sind, sind stolz auf ihren Job und machen ihren Job gerne. Und es gibt keine andere Branche, in der das so ist. Niemand ist stolzer oder glücklicher in seinem Beruf als das Handwerk.

Und was können wir denn für unsere Kinder mehr wollen, als dass sie stolz und glücklich mit ihrem Beruf sind? Also müsste das eigentlich ein Selbstläufer sein? Wir müssen den Kindern das nur zeigen und beibringen, dass es das Handwerk gibt und dass man da wirklich was reißen kann und sehr erfolgreich und sehr glücklich werden kann. Und finanziell ist ja mittlerweile auch interessant, ne. Das Handwerk hat sehr stark aufgeholt, das muss man auch definitiv noch dazusagen, denn es sind ja genau die Aspekte, wo ihre Eltern nun mal noch schauen, nach dem Motto, es muss den Kindern oder soll den Kindern ja besser gehen.

Und grade mit der Zufriedenheit ist 'n ganz wichtiger Punkt an der Stelle, das wird viel zu selten wirklich angeführt, dass durch dieses Machen, durch dieses Umsetzen, durch das dass man sieht, was man geschaffen hat, einfach auch eine selber eine Zufriedenheit entsteht und die muss man auch mehr wieder im Fokus dann haben an der Stelle. Du hast vorhin gesagt, ich bin Jurist und wenn ich 'n guten Tag in der Kanzlei gehabt hab, dann hab ich 10 Seiten geschrieben. Da bin ich aber nicht ausm Büro gegangen und dachte so, war halt das geil jetzt. Dann hab ich 10 Seiten geschrieben. Wenn son Handwerker von der Baustelle kommt und sagt, ich hab jetzt Leute mit den Kollegen das Dach gedeckt und das ist fertig, das ist doch 'n Mega Gefühl.

Ja, definitiv, das ist so. Ja, die Emotion ist halt nicht so klar, ne. Also klar, Du hast mitm Papier gekämpft beziehungsweise weißt Du auf der anderen Seite, es ist auch jemand am Schreibtisch, der genauso wie Du da jetzt sitzt und dich Gedanken macht, wie man mit dem Fall umgeht. Aber es ist schon 'n anderes, es ist ein Miteinander und dieses Miteinander macht halt auch viel mit den Menschen. Handwerk ist Zukunft.

Es ist smart, vielfältig und verdient Respekt. Wir kämpfen für ein neues Image und für die nächste Generation von Fachkräften. Zusammen machen wir das Handwerk zu einem der besten Arbeitsplätze der Welt. Es ist mir eben, als Du so drüber gesprochen hast, die sind mir so und ich das ist keine Werbung fürs Rauchen, aber sind mir die Zigarettenpackungen in den Sinn gekommen. Also Du sagtest, die Lehrerinnen und Lehrer reden nicht unbedingt für das Handwerk.

Wäre es nicht vielleicht sinnvoll, eine ähnliche Kampagne wie eben halt auf diesen Zigarettenpackungen mal zu machen, so nach dem Motto Hallo wach Effekt an der Stelle, ne, wenn wenn wir nicht alle dafür sorgen, dass das Handwerk transparenter in die Sichtbarkeit und vor allen Dingen positiver belegt wird, als wie es jetzt im Moment ist, dann haben wir vielleicht irgendwann jetzt natürlich nicht den den Gesundheitseffekt da an der Stelle, vielleicht vielleicht auch irgend 'n Optiker und so weiter. Da haben wir doch schon 'n paar gesundheitsnahe Berufe auch. Aber ich sag mal, das, was den Menschen am meisten wehtut, ist immer dann, wenn irgendwas ist, was sie selber nicht in den Griff kriegen können. Nehmen wir nehmen wir ein kaputtes Dach, nehmen wir eine kaputte Heizung, nehmen wir Wir haben ja so viele Möglichkeiten, also Handwerk, ne, bietet oder hat so viele Gewerke, vielleicht muss man das auch mal über diese Art der und Weise in die Kommunikation bringen, dass man wirklich sagt, wir müssen mal ganz krass in die Kommunikation gehen. Wie findest Du das?

Ich find das eine super Idee. Also wenn man in der Gesellschaft noch mal vergegenwärtigt, wo das Handwerk überall drinsteckt Und das ist ja nicht nur klassisch der Hochbau, wo man denkt, okay, da stehen Krane rum, sondern das geht ja in ganz viele Facetten. Der Fleischer ist Handwerk, der Bäcker ist Handwerk. Also so Grundnahrungsmitteln werden aus dem Handwerk produziert, Ohne Friseurberuf, wir haben's in Corona gesehen, der Friseur, das war, für alle war das so, ah, ich kann nicht zum Friseur gehen und auch das ist Handwerk. Das das ist auf jeden Fall 'n Punkt aus meiner Sicht, wo man mal drüber nachdenken sollte, ob man mit soner mit soner Hallo wach Kampagne.

Es gab ja vor, ich weiß nicht mehr genau, wann der Film gewesen ist, gab ja vor 10 vor 10 Jahren glaub ich ungefähr war's, da gab's ja diesen Kampagnenfilm damals von Das Handwerk, wo ja dann alles zu Staub zerfallen muss. Alles zu Staub zerfällt, genau. Und vielleicht ist das mal eine Herangehensweise, der Film war gut, der war richtig gut. Und ich glaube auch, dass man den gerne wieder aufleben lassen könnte, wobei Ich zeig den auch heute tatsächlich gerne, ne. Ja, ich zeig den auch schon mal, je nachdem, welches Thema grade er ist, ne.

Und den den den nutze ich auch an der Stelle. Aber vielleicht ist wirklich die Bevölkerung, die Gesellschaft so mal son bisschen zu sensibilisieren, auch vielleicht grade diese diese härtere Vorgehensweise mal angebracht. Wirklich zu sagen, wenn hier jemand in die Metzgerei kommt und sagt, ich hätte gerne lesen, ja, hab ich nicht. Und Du sagst, nee, hab ich auch nicht. Wieso nicht?

Ja, ich hab keinen hier. Ich hab bin ich hab zwar noch, ich bin zwar noch im Verkauf tätig, aber ich hab leider niemand mehr da hinten in der Metzgerei, also in der in der Fleischerei dann quasi. Ja, und jetzt? Ja. Keine Ahnung.

Ne? So und oder beim Dach oder so. Es gibt ja gute Beispiele, wo man das manchmal machen könnte, so nach dem Motto, und war ja jetzt auch teilweise. Wenn dann DER ANRUF kam, hör mal geregt ins Rhein und so weiter und so fort, dann hieß es dann, ja, in 3 Wochen sind wir so weit. Vielleicht muss man das mal 'n bisschen prägnanter noch mal rausarbeiten.

Aber da sind wir vielleicht auch schon bei 'nem anderen Punkt. Engagement der Betriebe in in dem im Ehrenamt ist, glaub ich, noch mal 'n wichtiger Punkt auch, wo vielleicht solche Ideen ja dann auch noch mal diskutiert werden sollten, so wie sie jetzt hier gerade spontan entstanden ist. Wie siehst Du da im Moment die Situation? Muss man da noch mal genauer hinschauen? Muss man vielleicht auch 'n bisschen mehr Werbung machen?

Denn im Grunde weiß ich aus einem Termin, den ich hatte, dass ihr im Ehrenamt ja im Grunde die gleichen Probleme habt wie das der Handwerksbetrieb an sich ja auch. Mhm. Und weil der ist ja bei euch noch so ein bisschen potenziert ja tatsächlich, weil die Betriebe ja jetzt auch viel zu tun haben, auch aufm hohen Belastungslevel unterwegs sind. Das heißt also für euch ja noch mal schwieriger Nachwuchs zu gewinnen beziehungsweise Mitglieder zu gewinnen. Wie ist das bei euch?

Ja, das ist eine ganz schwierige Nummer für uns. Neben den ganzen Problemen und Geschichten, die die Unternehmen haben, müssen wir natürlich auch in der Organisation gucken, dass wir da stark bleiben. Wir versuchen tatsächlich relativ früh an junge Handwerksunternehmer ranzugehen, die frühzeitig mit in die Innung zu kriegen. Weil für junge Handwerksunternehmer ist das ist das 'n super Ding, weil man kann so quasi mit den alten Hasen kann man sich mal 'n Tipp abholen. Innung ist ja viel mehr als nur 'n fachlicher Zusammenschluss.

Das ist ja 'n Zusammenschluss von Unternehmern, von Menschen, die sich auch gerne untereinander mal helfen. Und da ist für 'n für 'n jungen Unternehmer ist das toll, wenn man einfach mal gucken kann, wie machen die das oder was haben die? Vielleicht hat der ein oder andere das Problem schon mal gemacht. Und es gibt Erinnerungen, da funktioniert das sehr gut. Tischler zum Beispiel sehr, sehr stark, aber auch bundesweit sehr, sehr stark.

Und andere Gewerke, die werden immer kleiner und immer weniger. Und da ist es schon sehr schwer, Ehrenamtler zu finden, die neben ihrem normalen Job, der als Unternehmer ja sowieso in der Regel relativ anstrengend ist, dann noch mal Energie da reinzubuttern für alle. Es lohnt sich aber am Ende, weil da, wo sich Menschen zusammentun, schaffen die viel mehr, als wenn's jeder alleine macht. Und wenn man sich in der Innung engagiert und über die Innung Probleme löst, dann löst man sie ja auch für sich. Und vielleicht gibt's 'n Problem, was ich selber heute noch nicht hab, ein anderer Kollege aber schon jetzt und dann kann man's lösen und für die Zukunft kann man's selber dann lösen.

Junge Leute ins Hand in die in die Inum zu kriegen ist schwer, weil Inum doch noch son angestaubtes Image hat. Und das war früher früher war das auch wirklich so. Dann saßen die da und haben Zigarren geraucht und Schnaps getrunken und irgendwie am Stammtisch erzählt, aber mittlerweile ist das tatsächlich anders. Das ist auf 'nem fachlich, auf 'nem sehr hohen Niveau, was da gemacht wird und extrem wichtig auch für Gesellschaft. Ich mein, wir bilden in den Innungen ja, also die Betriebe bilden aus und alles, was nicht Bauhauptgewerbe ist, wird bei uns geprüft.

Also wir prüfen die Metzger, wir prüfen die Tischler, wir prüfen die Elektriker bei uns im Haus Und das passiert alles ehrenamtlich. Das sind alles Unternehmer und Gesellen aber auch, die diesen Prüfungsausschuss stellen. Und auch da brauchen wir perspektivisch ehrenamtlichen Nachwuchs, sonst kann auch nicht mehr geprüft werden. Und das ist eine Besonderheit, die wir im Handwerk haben, diese Innungsgeschichten, wo sich wirklich Unternehmer zusammentun, für ihr Gewerk was zu machen. Und ich glaube, dass es nie so wichtig war wie heute, dass das auch passiert, aber das muss auch mit den jungen Leuten passieren.

Ja, definitiv. Und man darf auch, glaub ich, nicht unterschätzen, dass dieses Netzwerk, wo man dann sich drin engagiert, ja auch Vorteile mit sich bringt, ne. Man ist relativ früh in Entscheidungsprozessen informiert, wann heißt da passieren gewisse Sachen. Aber auch auch, dass man wirklich ein Netzwerk sich ja auch bildet und sich entwickelt, wo man dann auch immer von na ja partizipieren kann. Und ich sag immer so schön, ja, wenn man sich austauscht, also miteinander und voneinander lernen, ne, so.

Und das ist ja total wertvoll, hast Du ja auch schon angesprochen. Aber ich glaube, das wird total unterschätzt, dass da wirklich viele Potenziale einfach drin sind, die die einem dann auch wirklich weiterbringen, ne. Und wichtig ist natürlich auch, dass die die Menschen müssen immer offen sein, ne. Also sowohl sowohl die, die dazukommen, als aber auch natürlich, die schon da sind. Und Du sparst auch eben an dann die alten Schnapsrunden in Anführungsstrichen oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder oder Das ist ja ist ja leider so, dass es noch nicht überall so ist, dass es das aufgelöst ist, sondern dieses Bild und ich kenn es hier Aachen nicht, deswegen kann ich über Aachen, sprech ich jetzt an der Stelle nicht, sondern generell, dass wir wirklich noch dafür sorgen müssen, dass in vielen Bereichen diese Vorgehensweise, die damals mal dazu geführt hat, dass man sich einfach in dieser Runde immer gut gefühlt hat und ich, da ist auch großer Austausch gewesen hundertprozentig.

Aber es ist halt jetzt 'n anderer Bedarf da, ne. Die jüngeren Menschen wollen halt eben das anders machen. Der Fokus liegt mehr auf Familie, heißt also, sie wollen gar nicht unbedingt so viel Zeit da investieren, sondern es muss halt eben der Mittelweg gefunden werden, ne? Also dieser goldene Mittelweg aus aus Aufgaben übernehmen, Austausch, aber trotzdem noch dem dem restlichen Leben gerecht zu werden, ne. So das ist, glaub ich, noch mal son wichtiger Punkt, der na ja, ich glaub, der war früher auch wichtig, aber er ist unter Umständen nicht immer so gelebt worden, ne.

Und dann gesagt worden, müssen wir, wenn wir mal 'n Abend haben, dann haben wir 'n Abend, ne, so. Ja, und das ist das ist schon spannend. Aber grade an der Stelle, ich mein, wenn man sich in seinem Betrieb Zeit spart, dadurch, dass Sachen auf Innungsebene oder auf auf Fahrplansebene gelöst sind für einen, Ja. Dann kann lohnt es sich auch da die Zeit zu investieren, weil am Ende ist das kriegt man immer mehr raus, als man reintut. Ja, definitiv.

Ja, 'n spannender Punkt und 'n wichtiger Punkt, deswegen schon mal danke dafür, dass Du das auch noch mit eingebracht hast. Ja und Jannick, wir sind schon am Ende. Es war sehr kurz vor allen Dingen mit dir, aber ich hab noch eine Abschlussfrage, bevor ich dich jetzt hier gleich losschicke oder loslasse an der Stelle. Und zwar ist eine spannende Frage jetzt. Ich bin gespannt, wie Du drauf reagierst, weil grade in deiner Position könnte es sein, dass Du vielleicht auch die ein oder andere Idee schon spontan hast.

Und zwar ist es, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit nur 1 radikalen Entscheidung zu verändern, was würdest Du tun? Mit nur 1 radikalen Entscheidung? Ich glaube, ich würde verpflichtend Werkunterricht in die Schulen zurückbringen. Ich glaube, dass wir, wenn wir an unseren Kindern, wenn wir unseren Kindern zeigen, was im Handwerk alles abgeht und wie toll das ist, werden wir über die nächsten 25 Generationen kein Nachwuchsproblem mehr haben. Ja, das ist sone gute gute Power, die Du dir da überlegt hast.

Sehr gut. Jannick, danke für deinen Besuch hier bei uns. Danke für die Einladung. Sehr, sehr gerne. Und ja, dann bleiben wir mal in Kontakt und gucken mal, wie sich das mit dem Ehrenamt dann entwickelt hat hier in Aachen.

Nee. Ja, das war Handwerk spricht. Zu Gast war Jannick Schmidt. Es hat mich sehr gefreut, dass er hier gewesen ist. Waren ganz viele wichtige Punkte dabei und wir sehen uns bald wieder.

Denkt dran, liken, abonnieren und teilen ist immer ganz wichtig. Wir sehen uns bald wieder. Drückt auf die Glocke.

Mehr von Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast! Alle Folgen als zitierfähige Episodenseiten