Handwerk, Nachwuchs & moderne Ausbildung – Franziska Kövener über Lernkultur & Zukunft im Handwerk | Oliver Oettgen
Worum es geht
Diese Folge räumt mit dem Klischee vom "unmotivierten Azubi" auf und zeigt, dass viele Ausbildungsprobleme im Handwerk in Wahrheit Lern- und Kommunikationsprobleme sind. Lerncoach Franziska Kövener erklärt, warum moderne Ausbildung weniger Unterweisung und mehr echte Begleitung braucht und wie kleine Veränderungen in der Gesprächsführung Motivation und Leistung steigern. Ein ehrliches Gespräch darüber, wie Betriebe mit einem neuen Verständnis von Lernen bessere Nachwuchskräfte entwickeln.
Das nimmst du mit
- Viele Azubis scheitern nicht aus Unlust, sondern weil sie nie gelernt haben, wie Lernen überhaupt funktioniert.
- Das überholte Denken "Studium vs. Handwerk" wirkt noch immer und schadet der Attraktivität des Handwerks.
- Lernwerkzeuge wie Karteikarten und Apps können Leistung sogar behindern, wenn sie falsch eingesetzt werden.
- Wahrgenommene "Strenge" von Ausbildern ist oft nur fehlende Gesprächsstruktur statt echter Führung.
- Moderne Ausbildung setzt auf Lernbegleitung und Selbststeuerung statt reiner Wissensvermittlung.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Franziska Kövener arbeitet mit Schulen, Betrieben und Führungskräften daran, Lernen neu zu denken – weg von reiner Wissensvermittlung, hin zu echter Lernbegleitung. Ihr Fokus liegt darauf, wie Menschen wirklich lernen und wie Ausbilder zu echten Lernprozessbegleitern werden.
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Transkript
Herzlich willkommen zu Handwerk spricht und heute haben wir zu Gast Franziska Kövener. Schön, dass Du hier bist. Franziska, ich hab 3 Thesen mitgebracht und bin gespannt, wie Du darauf antworten wirst. Okay. Und zwar die 1.
These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr. Es ist nur noch ein Plan Plan B für Menschen, die das Studium nicht schaffen. Das sehe ich gar nicht so. Ich seh da sehr große Chancen drin. Ich sehe eher, weil ich ja auch viel im Schulkontext arbeite, das sehr kritisch, dass viel aufs Studium gepusht wird, dass Eltern ihre Kinder aufs Studium pushen, dass in Schulen auch viel das, je nachdem auf welcher Schule man ist, sehr unterstützt wird und wenig zum Teil in den Gymnasien auch so Werbung für Praktika in Handwerksbetrieben zum Beispiel gemacht wird.
Und bin da selber eigentlich sehr offen und versuche Schülern, die ich begleite, auch immer viel zu zeigen. Und denke eher, dass das Handwerk eine gute Zukunft haben wird, ist meine Prognose. Ja, Dankeschön. 2. These.
Okay. Der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Ob das so ist, weiß ich nicht. Meine persönliche Meinung ist, dass ich schon ein Fan davon bin, gewisse Qualitätsstandards auch einzuhalten. Und finde auch, son Meisterabschluss ist auch eine Anerkennung irgendwie für eine gute Leistung und auch eine gute handwerkliche Fähigkeit.
Ja, Dankeschön. 3. These. Das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen. Das kann ich mir vorstellen.
Ich weiß nicht, ob man genau sagen kann entweder oder. Es wird vielleicht eine Mischung sein. Ich hör aber schon auch manchmal Sachen, wo ich denke, man könnte es bisschen anders machen und dann wird's auch junge Leute ganz anders ansprechen und die sind ja auch da, sind ja nicht alle weg. Und ich glaube schon, mit gewissen Änderungen oder Modernisierungen kann man Leute fürs Handwerk gewinnen. Ja, son bisschen sprechen wir ja jetzt auch gleich darüber, Franziska.
Nimm's doch mal mit, wer bist Du und was machst Du und dann tauchen wir mal in die Themen ein. Ja. Also ich bin eigentlich von Natur aus und hab dann im Bereich Matheförderung in einem Internat angefangen zu arbeiten und mich da weitergebildet als Lerncoach, Coach für Hochbegabte und inzwischen auch als Coach für Führungskräfte und Trainerin. Und hab dann meine Themen im Bereich Lernförderung aus dem Schulkontext rausgetragen, weil ich so das Gefühl hatte, ich selber kann im Schulkontext nicht viel ändern und den Leuten nicht viel bringen, aber in der Wirtschaft schon eher, ne. Da sind Betriebe freier in der Gestaltung, wie sie Sachen umsetzen im Bereich Bildung und ich hab auch festgestellt, gerade nach der Schule fangen die Lernprobleme erst mal richtig an.
Häufig, ne. In der Schule ist sehr viel begleitetes Lernen, das ist im Bereich Studium und Ausbildung dann nicht mehr so. Und da ja, coache ich Menschen und Betriebe, begleite ich dabei, moderne Ausbildungskonzepte zu etablieren. Das ist sehr spannend und sehr interessant. Was sind denn moderne Ausbildungskonzepte?
Vor allem geht es die Auffassung, wie Lernen funktioniert und wie ich Menschen Ganz wichtiger Punkt, ja. Ja, genau. Also wie Lernen funktioniert, wie ich Menschen darin gut begleite, gut zu lernen. Man geht viel weg von dieser recht unterweisenden Struktur, mehr zum freieren Lernen, dass man sagt, der Ausbilder ist 'n Lernprozessbegleiter und das fördert einfach 'n ganz anderes Lernen bei den Menschen, als wenn man viel präsentiert, viel Vormacht, nachmacht und so oder ist man heutzutage pädagogisch mit den Kenntnissen ja auch weiter. Und das findet auch immer mehr Einzug im Bereich Ausbildung.
Die Ausbildungseignungsverordnung hat auch im Juli jetzt noch mal neue Standards hervorgebracht, wonach auch ausgebildet und geprüft wird, also wo die Ausbilder ausgebildet werden. Und da beginnt das dann auch schon viel mehr, dass dieser Begriff Lernprozessbegleitung eine Rolle spielt, andere Lehrmethoden eine Rolle spielen. Genau und ich finde auch die Gesprächskultur einfach sehr wichtig. Ja, ja definitiv, definitiv. Lernen zu lernen ist ja son Ding, also ich muss auch ganz ehrlich gestehen, ich hab auch in der Schulzeit auch nicht wirklich gelernt zu lernen.
Und ich kann mir vorstellen, dass das vielen Menschen so geht. Hast Du da vielleicht son erst mal deine Einschätzung zu dem Thema natürlich und hast vielleicht 'n Tipp, was man machen könnte, son son Einstieg hinzubekommen? Also ich würde das zu 100 Prozent bestätigen. Ich hab selber diese Erfahrung gemacht. Ich bin gut durch die Schule gekommen, aber nach 3 Semestern Studium musste ich mich auch erst mal schütteln, Was hab ich jetzt hier bestanden und was nicht?
Und ich war immer fleißig, hab alles immer schön abgeschrieben und gedacht auch, ich hätte gelernt, aber reproduzieren konnte ich das dann alles nicht unbedingt so. Und da musste ich mich auch mal auf ganz neue Füße stellen und hätte mir auch gewünscht, dass zu der Zeit dieses Thema schon viel aktueller gewesen wäre, dass man sich mal mit Lernen der eigenen Lernkompetenz auseinandersetzt. Und ich denke, genau das ist auch der Ansatzpunkt, ne. Ich erleb das bei jungen Menschen, die ich begleite, auch auch bei älteren Menschen. Wenn jetzt jemand noch mal 'n Meister macht oder so oder noch mal Weiterbildung macht, dass auch einige tatsächlich abbrechen, weil das eine hohe Herausforderung ist neben dem Berufsalltag und so.
Also dieses Lernproblem betrifft alle Menschen, egal in welchem Alter, ne. Und ich denke, ein guter Ansatz ist, dass die Menschen, die Lernende begleiten, Ahnung haben vom Lernen, Lernmethoden kennen und auch mehr als dann so aus dem Nähkästchen plaudern, sowas wie, ich hab mal früher mit Karteikarten gelernt oder so. Das will keiner in der Lernberatung hören, was der andere mal irgendwann vor 100 Jahren gemacht hat. Sondern irgendwo möchte man ja das Gefühl haben, ich krieg eine kompetente Begleitung, jemand, der mir wirklich bisschen was zeigen kann, der auch auf mich eingeht. Und das kann man auf unterschiedliche Weise abholen.
Man kann ausbildende, abholen. Man kann Ausbildende, also denen 'n Seminar ermöglichen zum Beispiel, was entsprechend nachbegleitet wird, so was mach ich auch. Und da kommen ganz interessante Antworten auch von Azubis, ne, dass die dann auf einmal sagen, wusste gar nicht, dass es so viele Möglichkeiten gibt. Und die dann auf einmal total motiviert sind. Also es gibt Möglichkeiten zu lernen und es gibt auch Möglichkeiten, die Motivation zu steuern.
Da sind sie noch viel erstaunter, wenn sie da son paar Sachen mitbekommen, wie sie da selber Einfluss drauf nehmen können. Und das denke ich, sind gute Möglichkeiten und wichtig ist, dass man dann auch im Dialog bleibt, im Gespräch bleibt, ne. Ja, ja definitiv. Ich bin 'n bisschen entsetzt wegen der Karteikarten, weil das war auch meine Geheimwaffe nachher. Das meine ich nicht, dass das schlecht ist, ne?
Ich hab davon gelebt, die Vokabeln, die ich nicht konnte halt einfach aufzuschreiben, dann hinten die Definition, die eigene Definition drauf zu schreiben. Das hat mir zum Beispiel immer sehr sehr viel dann noch geholfen an 1 Stelle, ne. Ja. Also das ist auch eine Methode, die ich auch beibringe Leuten, ne. Das heißt nicht, dass die Methode schlecht ist, sondern mir geht's eher darum, wie vermittel ich sone Methode.
Erzähl ich das irgendwie aus meiner eigenen Erfahrung oder hab ich mal gehört? Oder kann ich auch analysieren, auf welcher Ebene hat 'n Lernen da überhaupt eine Schwierigkeit? Nicht alle haben die Schwierigkeit dabei, überhaupt irgendwas im Kopf zu bekommen. Manche haben schon erst mal Schwierigkeiten, sich zu organisieren oder auch mal zu kontrollieren, hab ich jetzt gut gelernt? Und das sind ganz verschiedene Lernebenen und oder Lernorganisationsebenen.
Und da muss man erst mal analysieren, wenn 1 1 Schwierigkeit hat, auf welcher Ebene befindet die sich überhaupt? Und dann kann man weiter gucken, was kann ich ihm jetzt anbieten? Handwerk ist Zukunft. Es ist smart, vielfältig und verdient Respekt. Wir kämpfen für ein neues Image und für die nächste Generation von Fachkräften.
Zusammen machen wir das Handwerk zu einem der besten Arbeitsplätze der Welt. Wie wie empfindest Du denn, also ich sag mal, bei uns im Gewerk gibt's sone sone sone App, 'n Dachdecker App, wo Du quasi dann diese diese Fragen, diese Standardfragen quasi gestellt hast. Früher gab's diese Büchlein zum Lernen für die Ausbildung, die werden ja sind ja heute nur anders verpackt in 'ner App. Wie empfindest Du denn so solche Tools und Hilfsmittel? Bringen die wirklich etwas, wenn die jungen Menschen, sagen wir mal jetzt, nehmen wir einfach mal die Situation, sie fahren bei uns zur Baustelle, sitzen im Bus und haben dann, weiß ich, eine Viertelstunde, 20 Minuten Zeit.
Wenn sie diese Zeit dann nutzen würden, dann mit diesen Apps zu arbeiten, bringt das was oder müsste es da andere Herangehensweise sein? Ich denke, das bringt schon was. Es kommt aber drauf an, wie man das vorbereitet und wie man damit umgeht. Wenn die Strategie jetzt ist, ich geh hundertmal die Fragen in der App durch und danach kann ich die in der Prüfung reproduzieren, dann ist das einfach son Crash lernen. Einmal rein, einmal raus so ungefähr.
Das hält irgendwie eine Weile, aber das ist überhaupt nicht vernetzt. Das ist dann auswendig gelernt. Und wenn Wissen anwendbar sein soll und auch eigenständig irgendwann in die Welt getragen werden soll, dann muss man das noch bisschen anders angehen, begleitend. Also ich denke, wenn man sich selber zum Beispiel gut vorbereitet und die Inhalte auffasst und ergreift, selber Lernzettel gemacht hat oder andere Sachen, je nachdem, wie man sich dann da strukturiert und dann mit der App die Prüfungsfragen lernt, find ich das völlig in Ordnung und auch eine gute Strategie. Ich würd jetzt nur keinem empfehlen, sich alleine darauf zu verlassen, ne.
Das ist mit dem Vokabellernen auch so, da beobachte ich das ganz klar bei den Schülern. Die, die nur mit Apps lernen, haben zum Teil dann Schwierigkeiten, ne. Dann manchmal, je nachdem, wie sie die App auch einstellen, klicken sie dann immer nur an, was das richtige Wort ist und denken, sie können's, sie können's dann nicht schreiben. Und es ist unterschiedlich, ob ich aus 4 richtigen Antworten eine auswähle oder ob ich selber mal, ohne was vorliegen zu haben, was sagen muss dazu. Und die, die das aber so nutzen, dass sie selber auch öfter mal was schreiben oder was sprechen, wie auch immer da mehrdimensionale Ansätze haben, sag ich mal, ne.
Die kommen dann auch gut zurecht, das mit 'ner App abzurunden. Also quasi als Ergänzung zu dem, was man vorher schon quasi geleistet hat, bis unsere Hase gearbeitet hat. Und wenn Du jetzt zum Beispiel von 'nem Betrieb engagiert wirst, wie gehst Du dann vor? Was machst Du dann? Erst mal kommt's auf die Fragestellung an.
Es gibt ganz unterschiedliche Fragestellungen. Es gibt welche, die sagen einfach, kannst Du mal auf unserem Ausbilderworkshop was zum Thema Motivation sagen, wie man die fördern kann? Oder zum Thema Lernprozessbegleitung. Oder jemand bucht eine Schulung zur Gesprächsführung. Und dann guck ich, was haben die da?
Was brauchen die? Wie viele Leute kommen da und wir machen ein Konzept, was dann auf deren Bedarf abgestimmt ist. Es gibt aber auch Ausbildungsbetriebe, die sich bei mir melden oder ich die finde, wo die wirklich Schwierigkeiten haben, dass die Azubis zum Beispiel relativ schlecht abschneiden und die sich aufn Weg machen möchten, das zu ändern. Und dann gucken wir uns natürlich an, was liegt hier vor? Wie macht ihr das?
Was ist jetzt gerade so der Stand und wo müsst es eigentlich hingehen? Und dann entwickeln wir auch gemeinsam die Schritte, die es dann braucht. Und das können dann auch Workshops sein, indem man gemeinsam an 'nem Konzept arbeitet. Also ich bring jetzt nicht 'n Konzept mit und sag, das ist das jetzt hier, ne, sondern jeder Betrieb ist anders, die Leute sind anders. Ich find das superwichtig, dass die Leute vieles selber erarbeiten, weil die sind ja auch dann die, die das nachher umsetzen.
Und sorgen dann mit dafür, dass das überhaupt umsetzbar ist in ihrem Arbeitsalltag. Ist das immer einfach zu umzusetzen? Also das, was Du was Du ja mitbringst oder was Du ja auch einbringst dann in die Unternehmen, ja mit Sicherheit nicht nur auf gegen Liebe stoßen, sondern sag mal, da wird's ja mit Sicherheit auch hier und da Diskussionen geben, weil man vielleicht auch mal dem jungen Menschen natürlich dann auch beisteht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite dem jungen Mensch schon mal sagt, nee, immer da ist der Ausbilder oder wie auch immer, hat jetzt da auf jeden Fall mehr Substanz in dem, was er da sagt, ne. Du stehst ja auch vielleicht son bisschen vermittelnd manchmal dazwischen, ne.
Manchmal ja. Vor allem, wenn's die Themen Kommunikation geht, kann das eine Rolle spielen. Und ja, das ist nicht immer einfach. Das Also ich merk schon, die Stimmung ist meistens auf jeden Fall gut, weil die Leute möchten sich aufn Weg machen. So, dann ist erst mal Motivation da und so und für viele Themen passt das auch total super.
Jeder merkt auch die Azubis und die Ausbilder, da tut sich was. Wir können hier was bewirken und man kommt natürlich schon irgendwann auch mal an Punkte, die nicht so cool sind, ne. Wo man dann sich selber noch mal mehr reflektieren muss, was Was sind das für Punkte? Kannst Du das mal nennen? Zum Beispiel, wenn's Kommunikation geht, ne.
Wenn wir Workshops machen zum Thema Gesprächsführung und Feedback, dann kommt viel, gerade im handwerklichen Bereich, das geht bei uns so nicht. So können wir Gespräche nicht führen, erstens, weil wir sind da anders strukturiert, wir sind hier jeden Tag an der Werkbank oder wenn wir so reden, was denken unsere Kollegen dann? Bei uns herrscht 'n anderer Ton. Ja, es darf also nicht zu emotional sein und so weiter und so fort so. Ja, genau, ne.
Also es gibt oft eine recht harte Ansprache auch gegenüber den Azubis auch. Und ja, da ist von meiner Seite aus schon viel Motivationsarbeit dann auch zu leisten, mal die Ansätze auszuprobieren und das machen wir auch. Wir machen dann wirklich auch Trainings, Rollentrainings, dass im geschützten Rahmen mal solche Gespräche vorbereitet werden und durchgeführt werden mit ganz erstaunlichen Ergebnissen, ne. Also dass dann auf einmal man merkt, ah, es funktioniert halt doch, dass man Es muss ja nicht jedes Gespräch super groß geplant sein, aber gewisse Standards gibt es, die kann man eigentlich immer einhalten. Dass man irgendwie 'n roten Faden hat, dass man transparent macht, worüber möchte ich grad überhaupt mit dir reden und was ist das Ziel?
Und dass man nicht immer nur einredet auf den Gesprächspartner, sondern auch Techniken kennt, wie man die Leute mehr in die Eigenverantwortung nimmt, dass die auch mehr was selber sagen, ne. Aber ist denn diese Art der Kommunikation, ich möchte da noch mal ganz kurz drauf eingehen, ist da ist das denn ist das eine Ausrede, dass das hier bei uns nur so ist? Ist das eigentlich sone Art Frust oder oder Resignation, die da eher mitschwingt oder woher kommt denn diese Art und Weise der Kommunikation? Ich glaube, vieles ist eingeschliffen. Und als Ausrede würde ich's gar nicht bezeichnen, das ist einfach manchmal die Arbeitsrealität, ne.
Also im handwerklichen Bereich ist das ja auch alles total bunt gemischt an Leuten, die dann arbeiten in soner Firma, ne. Und wir haben ja auch immer mal wieder Firmen, wo auch viele Menschen arbeiten, die vielleicht die Muttersprache gar nicht richtig beherrschen. Und dann ist da auch noch mal, ne, wenn die grad noch da am Lernen sind, noch ganz andere Herausforderungen überhaupt, was Kommunikation angeht. Und da sind alle irgendwie gefordert, miteinander gut zu agieren. Ja, ja, definitiv, definitiv.
Also Kommunikation ist ja glaube ich, das Schwierigste, 1 der schwierigsten Felder, die wir ja haben, ne. Denn man kann ja so viel falsch machen durch kleine Gesten oder durch Mhm. Durch Kleinigkeiten, die einem vielleicht schon gar nicht bewusst sind, ne. Ja. Also Gerne.
Das hab ich als Feedback mal in meinem Webinar bekommen. Ich mach ungefähr alle 2 Wochen in LinkedIn ein Webinar, da hat auch meine Teilnehmerin gesagt, ich hätte gar nicht gedacht, in wie viele Fettnäpfchen man so treten kann überhaupt. Daran hat mich das jetzt erinnert, das ist auch so. Ja. Und eine Ausrede ist das, glaub ich, nicht.
Ich glaub, das ist einfach total ungewohnt, so ranzugehen an Entwicklungsgespräche. Aber ist ja eigentlich verrückt, so dass dieses Bewusstsein, wir reden über Bewusstsein im Endeffekt Genau. Das überhaupt nicht vorhanden ist, ne. Oder auch eine Selbstreflexion ja auch irgendwo, ne. Ich sag mal, zwar Fehler machen wir ja alle auch in der Kommunikation.
Da sind auch immer Da Nein. Kleinigkeiten dabei, aber meistens sind sie haben sie ja keine großen Auswirkungen. Aber selbst dann, wenn sie eine größere Auswirkung haben und ich red jetzt noch nicht mal zwingend von der Beziehung zwischen Auszubildenden und Ausbilder oder Ausbilderin, sondern so generell auf auf auf der persönlichen Ebene oder privaten Ebene oder in der Familie und so weiter, was so Kleinigkeiten manchmal für Auswirkungen haben, ist ja schon ein Wahnsinn, ne. Mhm. Und ich finde einfach, das ist 'n total gutes Werkzeug, aus den jungen Leuten auch mal bisschen was rauszulocken, ne.
Was rauszukriegen, was bewegt die überhaupt? Und es wird ja viel auch angeprangert, dass die sich nicht organisieren. Die können dies nicht mehr, die können das nicht mehr und die wollen nicht und so weiter. Aber wenn man immer vorgibt, dann ändert sich das auch nicht. Und wenn man aber die Gesprächstechniken 'n bisschen umdreht und auch schafft, mal 'n Punkt zu setzen, mal zu warten, was sagt der andere überhaupt?
Dann kommen irgendwann doch Lösungsansätze auch vom Gesprächspartner rüber. Und da hat man ganz viele Möglichkeiten, auch die Azubis zum Reflektieren anzuregen. Ja, und vor allen Dingen, wenn den jungen Menschen selber etwas entwickelt haben als als Antwort oder als als vielleicht doch Benchmark an der Stelle, dann ist auch die Motivation auch eine ganz andere. Genau. Definitiv.
Und die Sachen sind ja oft sehr ähnlich. Man schafft das schon, wenn man Übung hat, die Leute auch 'n bisschen dahin zu motivieren mit dem, was sie sagen, dass man schon auf das gleiche Ziel am Ende kommt, ja. Aber ist es denn da am Ende so, dass es dann nur Fragen sind, die man stellt, dahin zu kommen oder ist es dann auch 'n Mischungsverhältnis auch von Vorgaben, die man machen sollte? Also Fragen sind auf jeden Fall sehr hilfreich und auch zum Teil das Hauptmittel der Wahl. Es liegt an der Situation.
Man hat ja auch manchmal disziplinarische Situationen. So was wie, der Azubi kommt immer zu spät. Da würde ich jetzt nicht fragen, was denkst Du, wie Du das schaffen kannst, pünktlich zu kommen? Sondern Erst mal ja, ne, aber immer Genau, das kann man vielleicht einmal machen, aber man ist ja auch nicht die Mutti, sondern man ist da auch der Chef in dem Sinne. Und da gehört es dann natürlich auch dazu, dass man Erwartungen formulieren kann und die auch auf sone Art und Weise, dass die Dringlichkeit auch durchkommt, die Ernsthaftigkeit durchkommt.
Also nicht alles lässt sich mit Fragen transportieren, ne. Manchmal gibt es auch gewisse Ansagen, die einfach gemacht werden, damit Erwartungen klar sind, Standards klar sind. Und ansonsten gibt es viele Fragen, genau. Ja, ja, erinnert mich jetzt grad daran. Ich muss schweife es grad 'n bisschen aus, aber wir haben sogar schon enger verschenken zum Thema, warum bist Du zu spät und so weiter.
Und dann war dann damals die Erklärung, ja, ich muss abends das Handy immer abgeben und das Handy ist der Wecker. Ja gut, dann grad funktioniert das nicht, ne? Nee, genau. Und dann haben wir auch Wecker verschenkt, aber am Ende hat's auch nicht funktioniert. Also war der der Punkt irgendwo anders noch mal gelagert.
Aber es sind schon manchmal verrückte Sachen, die einem so passieren und die einem begegnen. Was ist so die verrückteste Geschichte, die Du jetzt in dem Kontext, wo Du unterwegs bist, Du erlebt hast? Schwierig zu sagen. Also verrückt, ich hab jetzt nix erlebt, was total abgefahren ist, wo ich jetzt sagen würde, das ist megadeh Geschichte. Ich bin nur manchmal erstaunt, wenn ich aus einem Betrieb Ausbilder kenne und die Azubis auch kennenlerne in 'nem Seminar, was die da manchmal so erzählen über ihr Lernverhalten.
So und dann erzählen die, bei mir ist das so, bei mir ist das so, bei mir ist das so. Und ich hab dies Problem und das Problem. Und dann frage ich mal, ja und hast Du mal mit deinem Ausbilder dadrüber gesprochen? Nö. Andersrum sprech ich dann mit den Ausbildern und die sagen dann zum Beispiel, ja, ich hab schon hundertmal gefragt, also ich sag denen nicht, was da gesagt wurde, aber ich arbeite ja mit denen.
Ja. Ich hab denen schon hundertmal das und das gesagt, aber als Antwort kommt dann nur Schulterzucken. Und das ist ja verrückt. Also auf der einen Seite haben die Azubis ja durchaus was zu sagen und die Ausbildungen möchten auch was hören, aber irgendwie kommt das manchmal nicht zusammen. Ja, ich glaub, das ist ja gar nicht selten.
Ja, genau. Ich's grad auch kurz drüber nachgedacht hab, bin dieses Bild mal vor Augen geführt. Ich glaube tatsächlich, dass das eine Situation ist, die sehr häufig der Fall ist. Eine Antwort dazu hab ich tatsächlich auch nicht, aber also zumindest mal jetzt aus dem aus dem Aspekt heraus, aber wenn Du da hast, beide haben eigentlich die Situation, wollen ja eigentlich in Austausch gehen, aber irgendwie kommt's dann nicht dazu, dann ist man wahrscheinlich auf verschiedenen Ebenen einfach unterwegs, ne. Deswegen kommt's dann in dem Moment zumindest nicht dann dazu.
Ja, deshalb finde ich das so wichtig, dass man als ausbildungsverantwortliche Person einfach diese Räume schafft, ganz gezielt und ganz geschickt darin wird, das zu entlocken. Und das funktioniert auch, denke ich. Das ist eigentlich 'n schöner Abschluss, dass es funktioniert und deshalb möchte ich den Ball auch aufnehmen und dir meine Abschlussfrage nennen. Okay. Und bin schon gespannt, wie Du darauf antwortest.
Wenn Du heute die Macht hättest für das Handwerk mit 1 Entscheidung etwas zu verändern, was würdest Du da tun? Ich bin ja nicht ganz so extrem im handwerklichen Kontext verwurzelt, dass ich da jetzt alle Strukturen und so kenne. Das, was ich vielleicht einfach wünschen würde für diese Branche ist, dass sie sich stark macht, attraktiv macht, offen für möglichst viele Menschen macht. Und ja diese Offenheit auch mitbringt, auch mal so vielleicht 'n bisschen bisschen feineres Gefühl mitgehen zu können. Ja, das ist doch schon gut.
Das ist mit Sicherheit 'n ganz wichtiger Punkt, den das Handwerk auch noch mal deutlicher ausführen darf oder auch teilweise auch lernen darf, weil weil vieles davon leider auch noch nicht so angekommen ist. Franziska, schön, dass Du hier gewesen bist. Hat mich sehr gefreut. Ja, Dankeschön, mich auch. Und ich wünsche auch gleich eine gute Heimfahrt und danke an euch da draußen.
Das war Franziska Kövener hier zum Thema junge Menschen, Kommunikation, auch Reflexion natürlich auch irgendwo, die ganzen Themen, die alle so wichtig sind. Ich hab mich gefreut, dass ihr eingeschaltet habt. Denkt dran, wie immer liken, teilen und entsprechend abonnieren und wir sehen uns in der nächsten Folge wieder.