Der Fachkräftemangel gehört zu den größten Herausforderungen im Handwerk. Wie können Betriebe attraktiver werden und ihre Mitarbeiter langfristig binden? In der Podcast-Folge von "Handwerk spricht" geben Lutz Siebert und Niklas Braun von der Signal Iduna Einblicke in Themen wie betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherung und Unfallabsicherung – und erklären, warum diese Bausteine für Handwerksbetriebe zum echten Wettbewerbsvorteil werden können.

Handwerk als Zukunft statt Plan B

Zum Auftakt des Gesprächs stand die Frage im Raum, ob das Handwerk nur noch als Ausweichlösung für Menschen ohne Studium gilt. Für beide Gesprächspartner ist das ein Trugschluss. "Handwerk ist eigentlich die Zukunft", heißt es klar. Das Problem liege vielmehr in einem gesellschaftlichen Irrglauben, dass jeder studieren müsse. Wenn künftig nur noch BWLer und Juristen ausgebildet würden, fehle es an denjenigen, die Dächer decken oder Heizungen installieren.

Auch der oft kritisierte Meisterbrief steht nach Ansicht der beiden nicht im Weg. Die Tradition bremse das Handwerk nicht aus – vielmehr müssten Betriebe sich modernisieren und den Zahn der Zeit treffen, etwa über Social Media und eine aktuelle Website. Ein weiterer Vorteil: Wer eine Ausbildung im Handwerk beginnt, verdient von Anfang an Geld, während ein Studium oft mehrere Jahre ohne Einkommen bedeutet.

Belegschaftsversorgung als Überbegriff

Im Zentrum des Gesprächs stand das, was die Signal Iduna unter dem Begriff "Belegschaftsversorgung" zusammenfasst. Dazu gehören drei zentrale Bausteine:

  • die betriebliche Altersversorgung
  • die betriebliche Krankenversicherung
  • die betriebliche Unfallversicherung

Als "Handwerksversicherer Nummer 1" sieht sich das Unternehmen in der Lage, viele Leistungen anders oder deutlich besser als andere Anbieter zu gestalten. Das Feedback aus den Betrieben zeige, dass solche Angebote bei den Mitarbeitern ankommen – ein wichtiger Hebel im Wettbewerb um Fachkräfte. Wenn ein Arbeitgeber mehr bietet als die Konkurrenz, wird er für Bewerber und bestehende Mitarbeiter attraktiver.

Betriebliche Krankenversicherung: Mehrwert ohne Gesundheitsprüfung

Ein Schwerpunkt der Beratung liegt aktuell auf der betrieblichen Krankenversicherung. Sie kann arbeitgeber- oder arbeitnehmerfinanziert sein. Besonders geschätzt wird sie, wenn der Chef seinen Mitarbeitern die Absicherung zusätzlich zum Lohn schenkt. Für den Arbeitnehmer entstehen dabei keine Kosten, während er von einem Gesundheitsbudget profitiert, das er für Brille, Zahnersatz oder Naturheilkunde nutzen kann.

Ein entscheidender Vorteil: In vielen Fällen entfällt die Gesundheitsprüfung. Damit erhalten auch Mitarbeiter mit Vorerkrankungen Leistungen, die sie als Privatperson kaum oder nur mit Zuschlägen bekommen würden. Die Prämie ist zudem altersunabhängig.

Nicht dem – nicht unbedingt uns, obwohl wir es vermitteln, sondern gerade dem Arbeitgeber, dass er diese Möglichkeit überhaupt eröffnet. Da kriegen wir sehr, sehr gutes Feedback.

Beim Verlassen des Betriebs oder beim Renteneintritt können Arbeitnehmer den Schutz übernehmen – erneut ohne Gesundheitsprüfung.

Steuerliche Vorteile für Arbeitgeber

Für Betriebsinhaber sind die steuerlichen Aspekte ein starkes Argument. Bei der betrieblichen Krankenversicherung sind bis zu 50 Euro monatlich als Sachbezug steuer- und sozialabgabenfrei. Damit wird sie zu einer attraktiven Form der Gehaltserhöhung ohne zusätzliche Lohnnebenkosten. Der Verwaltungsaufwand bleibt gering: Der Arbeitgeber muss lediglich melden, wer neu anfängt oder ausscheidet. Erstattungen reichen die Mitarbeiter bequem über eine App ein.

Konkrete Größenordnungen wurden ebenfalls genannt: Das Startpaket der betrieblichen Krankenversicherung liegt bei rund 13 Euro im Monat pro Mitarbeiter und bietet ein Gesundheitsbudget von 300 Euro. Nach oben lässt sich das bis auf 70, 80 oder 90 Euro staffeln. Der Zahnersatzbaustein ist teilweise außerhalb des Budgets angesiedelt – so können bei einem Implantat von rund 2.000 Euro bis zu 1.800 Euro erstattet werden, während die gesetzliche Krankenversicherung nur einen kleinen Anteil übernimmt.

Unfallschutz und Altersvorsorge im Detail

Die betriebliche Unfallversicherung sichert Mitarbeiter für rund 12 bis 13 Euro pro Person 24 Stunden am Tag weltweit gegen alle Arten von Unfällen ab, bei Vollabsicherung bis in den Bereich von etwa einer Million Euro. Die Kosten sind zu 100 Prozent Betriebskosten. Tritt ein schwerer Schadensfall ein – etwa eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit oder Invalidität – erhalten Betroffene hohe, weitgehend steuerfreie Summen.

Bei der betrieblichen Altersversorgung setzt der Gesetzgeber einen jährlichen Höchstbetrag fest, der sich an der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung orientiert. Aktuell liegt der Maximalbetrag bei 322 Euro monatlich, vollständig steuer- und sozialversicherungsfrei. Viele Arbeitgeber beteiligen sich freiwillig über das gesetzlich geforderte Maß hinaus, sodass Arbeitnehmer eine Altersvorsorge erhalten, für die sie privat oft mehr als das Doppelte zahlen müssten.

Wichtig ist dabei die individuelle Beratung: In Einzelgesprächen erhalten Mitarbeiter in der Regel drei verschiedene Modellrechnungen mit ihren persönlichen Zahlen, um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen.

Die größte Hürde: Sichtbarkeit und ein Termin

Nach Erfahrung von Niklas Braun ist die erste Hürde oft, überhaupt einen Termin beim Betriebsinhaber zu bekommen. Viele Betriebe seien bereits versichert und hätten wenig Zeit. Doch wer sich professionell präsentiert, erfahre häufig Dankbarkeit, wenn die bestehende Absicherung übersichtlich aufbereitet und mögliche Verbesserungen aufgezeigt werden.

Zum Abschluss formulierten beide ihren größten Wunsch fürs Handwerk. Lutz Siebert würde dafür sorgen, dass mehr Jugendliche ins Handwerk gehen, damit die Berufe nicht aussterben, und plädierte für ein Umdenken bei Eltern und Kindern. Niklas Braun setzte auf die Außendarstellung: Die vermeintliche Unattraktivität des Handwerks erlebe er in den Betrieben gar nicht – dort seien viele Auszubildende zufrieden und mit Freude bei der Arbeit. Wenn die Ausbildung wieder sichtbar attraktiv dargestellt werde, etwa über Social Media, gebe es auch wieder genügend motivierte Handwerker.

Das Fazit für Betriebe: Wer seiner Belegschaft mit gut gewählten Versorgungsbausteinen etwas Gutes tut, steigert zugleich die eigene Attraktivität als Arbeitgeber – und macht sich damit im Wettbewerb um Fachkräfte unverzichtbar.