Anne und Jens Rettig - wie man sich auch in Krisenzeiten selbst verwirklichen kann!
Worum es geht
In dieser Folge von „Handwerk spricht“ berichten Anne und Jens Rettig, Gründer der Leipziger Kaffeemanufaktur „Oma auf Kaffee“, über den Aufbau ihres Unternehmens. Besonders bemerkenswert: Sie wagten den Schritt in die Selbstständigkeit ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Prognosen alles andere als vielversprechend waren. Sie erzählen, wie sie sich durch die Herausforderungen der Pandemie kämpften, ohne aufzugeben.
Das nimmst du mit
- Der Schritt in die Selbstständigkeit kann sich lohnen, auch wenn die äußeren Prognosen zunächst wenig erfolgversprechend erscheinen.
- Durchhaltevermögen und der Wille, nicht aufzugeben, sind gerade in Krisenzeiten wie der Pandemie entscheidend.
- Selbstverwirklichung ist auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen möglich.
- Der Aufbau eines eigenen Unternehmens bringt sowohl Herausforderungen als auch Erfolge mit sich, die eng zusammenhängen.
Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!
Die wichtigsten Antworten
Zu Gast
Anne und Jens Rettig sind die Gründer der Leipziger Kaffeemanufaktur „Oma auf Kaffee“ und wagten den Schritt in die Selbstständigkeit trotz zunächst wenig vielversprechender Prognosen.
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Transkript
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, herzlich willkommen zu Handwerk spricht, der Sendung, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Handwerk verbindet. Und heute begrüße ich bei unserem Studio Anna und Jens. Ihr 2 habt was ganz besonders Mutiges getan, nämlich euch in Krisenzeiten, na ja, in die Selbstständigkeit gewagt. Aber stellt euch doch bitte erst mal vor. Genau.
Hallo, ich bin Anne und zusammen mit meinem Partner Jens betreiben wir die oben auf Kaffeemanufaktur in Leipzig. Ja, also Anne hatte eben schon das Relevante gesagt, sind Kaffeeröster und haben eigentlich so alle Schnittstellen mit Kaffee verbunden. Wir machen viele Kurse, Verkostung, Baristakurse, Latteartkurse, verkaufen Kaffeemaschinen, reparieren Kaffeemaschinen, rösten Kaffee, schenk 'n Kaffee aus. Nächster Schritt will jetzt nur selbst Kaffee anbauen. Mhm.
Haben auch son paar Experience sammeln dürfen, 'n paar Erfahrungen. Knochenshop, Drogengewächs, wenn irgendwann das hier möglich sein sollte, dann bauen wir einfach nur selbst Kaffee an, ja. Ja. Jetzt habt ihr eine ganz besondere Geschichte grade in der Pandemie erlebt. Da habt ihr gegründet, wenn ich's richtig verstanden habe.
Na ja, eigentlich haben wir kurz vor der Pandemie gegründet. Mhm. Also wir haben unser unsere Österreicher, unser Café eröffnet und 6 Wochen später kam der 1. Lockdown. Wie war das für euch?
Ja, das war erst mal 'n Schock. Wir hatten grade eröffnet, grade, ne, alle Schränke, alle Kühlschränke voll und dann kam der Lockdown und dann steht man da und leert und reinigt die Kühlschränke und schmeißt alles weg. Mhm. Also große Bedenken und Ängste auch. Ja, definitiv.
Also man arbeitet ja ja auf son Ziel hin, grade durch den deutschen bürokratischen Dschungel, bis da jeder seinen Armen dazu gegeben hat, sein Häkchen dran, den Posteingang schnell mitdrunter gesetzt, alle Widrigkeiten gemeistert. Anne sagten uns zu mir, jetzt kann nix mehr kommen, jetzt sind wir so weit. Und unsere offizielle Eröffnungsfeier war 2 Tage vor Lockdown. Also wir wir haben da 'n bisschen sausen lassen, die fanden immer statt. Mittlerweile sind wir auch zu alt, dann noch mal zu feiern, aber war natürlich sehr, sehr ungünstig.
Also wir wurden da komplett eingeholt und auch die obligatorischen Hilfen, die es da gab, waren wir leider bisschen außen vor, weil es gab ja keine Vorjahresumsätze. Ja. Also Februar gestartet, März zugemacht, auf zu, auf zu. Das war das bekannte Spiel, ja. Ja, sehr anstrengend und ich glaube auch eine sehr schwierige Zeit für euch dann in dem Moment.
Wie seid ihr damit umgegangen? Was habt ihr dann gemacht? Wie habt ihr reagiert darauf? Ich glaub, wir haben erst mal funktioniert, also das war ja für alle grade der 1. Lockdown, das war irgendwie so surreal und dann haben wir auch erst mal gefragt, in welchem Filme sind wir hier.
Mhm. Ich glaub, wir hatten son bisschen, Vorteil ist 'n komisches Wort, aber dadurch, dass unsere Gründungszeit schon relativ steinig und anstrengend war, waren wir zu dem Zeitpunkt eigentlich von voll im Krisenmodus, Mhm. Wo die anderen erst mal aus allen Wolken gefallen sind und haben gesagt, na ja, wir haben ja die letzten paar Monate schon Krise gemacht, wir machen einfach weiter. Also wir hatten uns ja auch drauf vorbereitet, ne, dass die Anfangsphase erst mal 'n bisschen komplizierter wird. Mhm.
Und ich glaub, das war son bisschen unser kleiner Vorteil, dass man nicht irgendwie aus allen Wolken in die Krise gefallen ist. Aber schreib noch mal, Du sagst grade, in der Gründung war's tatsächlich sehr schwierig für euch. Kannst Du da noch mal kurz reinblenden? Wie war das? Na ja, bisschen ausholen.
Wir sind, haben uns in London kennengelernt, sind aus Großbritannien nach Deutschland gekommen und ich glaub, wir wussten, wir gründen in Deutschland, da sind eine Behörden, hat man erst mal 'n bisschen was vor sich. Aber ich glaub, wir wurden 'n bisschen von diesem Behördendschungel eingeholt und hatten teilweise auch eigenartige Probleme mit den Stadtwerken, dass wir keinen Gasanschluss bekommen haben, obwohl von vornherein klar war, dass wir Gas brauchen, den Gasgröße zu betreiben mit der Hausverwaltung, die uns da jegliche Steine in den Weg gelegt hat und wirklich unsere Öffnung dadurch Monate verzögert hat. Okay. Also ich glaub, ich glaub, 6 Monate hatten wir für Zug, ne. Wir hatten eigentlich Ja.
Eher öffnen können. Und als sie dann eröffnet haben, haben dann alle zu uns gesagt, boah, jetzt habt ihr's geschafft, was für eine Odyssee. Ihr müsst 'n Buch schreiben, wie wie krass kompliziert das war. Und wie ihr so, ah, jetzt jetzt geht's los und dann kam Corona. Mhm.
Also zu dem Zeitpunkt, als wir dachten, das Buch sei abgeschlossen, war eigentlich erst das Vorwort geschrieben und dann gehst Du richtig los. Ja, und dann kam Corona, ja. Und dann kam Corona? Das ist eine sehr spannende Geschichte, da kommen wir gleich auch noch mal zu. Aber lass uns mal 'n bisschen über den über das Handwerk sprechen, übers Kaffeerüsten an sich.
Hol uns mal ab. Was was passiert da? Was macht man da? Ich selbst hatte das Riesenvergnügen oder kann auch sagen Glück, also ich bin sehr gut ausgebildet, durfte Mannheim lernen, von von der Pike auf das Handwerk erlernen. Leider ist das kein geschützerberuf, also jeder, der möchte, da kann heut Mittag grüne Rohbohnen in was Dunkles verwandeln, ist dann anschließend Kaffeeröster.
Es ist auch 'n bisschen dieses Absurdem in in Deutschland. Man braucht eigentlich für jedes Handwerk 'n abgeschlossenen Meistertitel, als Selbstständiger gehen zu dürfen, sei es 'n Friseur oder anderes Handwerk. Und unser Stellenwert an Lebensmittel in Deutschland ist so gering, also jeder darf Lebensmittel produzieren, darf sie verarbeiten, ohne irgend eine fundierte Ausbildung dahinter. Ja, aber ich durfte das von der Pike auf lernen, war vermeintlich auch sehr gut, war zumindest laut dem großen Fachmagazin Europas am besten das Castrop abgeliefert. Außer Deutschland ist Deutschland das Maß der Dinge, sprich, ich hab eine Shopify aus London angenommen, wo wir 2 uns dann auch kennengelernt haben, klassisch die englisch Begegnungsstätte, das Pub.
Da sind wir zwar uns übern Weg gelaufen und durfte dann in in London das weiter begleiten, nachdem ich die Zelt abgebrochen hab in Mannheim. Dann haben wir 2 beschlossen, komm zurück nach Deutschland, obwohl wir hochkarätige Angebote hatten, insbesondere auch noch mal im Café Business weitere Projekte zu begleiten. Haben uns aber bewusst für unsere Heimat entschlossen, beziehungsweise Anne hat sächsische Wurzeln, sprich, wir haben uns in Leipzig niedergelassen, was eigentlich eine geile Stadt ist. Für Berlin bringen wir leider nicht Voraussetzungen mit. Also wie Du siehst, Urlaub schließen in den Takt, keine Tattoos, kein Rauschebart, wirklich unsere Muttersprache.
Also Berlin war außen vor. Deswegen muss Leipzig. Ja, und da wollten wir eigentlich das Handwerk, was wir erlernt haben, was wir praktiziert haben, was wir passioniert betreiben, haben ja auch viele Kaffeefarben besucht. Anne, eigenmächtig, nachdem sie mich kennengelernt hat mitm Rucksack, Bolivien, Peru, wo warst Du noch unterwegs? Kolumbien, Argentinien, Chile, also ich bin 4 Monate im Rucksack erst mal durch Südamerika getingelt, ja.
Ja, spannend. Also sie wollte sich selbst 'n ungetrübtes Bild machen, ob sie wie gesprochen hat auf Kaffee, weil ich hab sie ja da schon 'n bisschen angefixt. Und ich selbst war halt auch auf einigen Plantagen alle Farmtypen gesehen, einfach diese unendliche Passion, die als Vorprodukt schon geleistet wird, die Arbeit, das Fachwissen, die Liebe zu dem Produkt in Form von Kaffeeanbau. Mhm. Und ich darf dann dieses hochwertige Rohprodukt veredeln.
Ja. Genau, in London hattest Du dann die Rößerei, auch die Beine gestellt. Und dann hatten wir uns aber entschieden, das noch mal in komplette Eigenregie in Deutschland zu machen, weil, na, wenn Du da Investoren in Kontakt hast, waren ja doch die Hände gebunden. Und es war dann nicht alles ganz so abgelaufen, wie uns das eigentlich vorgestellt hatten, ja. Okay.
Ist ein 1 Aspekt von ganz am Anfang. Du Du bist also der Meinung, dass die Handwerkssparten viel mehr wieder den Meistertitel einführen sollten an der Stelle. Nicht zwangsläufig den Meistertitel, aber ich find's schon fragwürdig. Also außerhalb Deutschlands haben deutsche Handwerker einen unglaublichen hohen Stellenwert. Wenn Du in London sagst, deutscher Küchenbauer, Nolte Küchen, also hier Houses of Parlament gegenüber, da ist 'n Nolte Küchenladen, 'n Showroom.
Und in London, jeder, der sich das leisten kann, der will unbedingt deutscher Handwerker, weil wir einfach eine unglaublich hohe Qualität abspulen. Meistertitel ist wünschenswert, ob's den Zwang so viel braucht, weiß ich nicht, aber eigentlich diese duale Ausbildung, wie man sie in Deutschland kennt, ist ein wahnsinniger Vorteil, verglichen zu anderen Nationalitäten oder Ausbildungsgraden. Glaub, im Ausland ist auch eher die Erfahrung spielt eine große Rolle. Nicht so, was Du für Zettel in der Schublade hast. Manche haben irgendwelche Titel und können aber nix, ne.
Und da ist halt wirklich, vergiss die Papiere, zeig mir, was Du kannst und sag ich hopp oder hopp, ja. Jetzt habt ihr eben erzählt, ihr seid viel rumgekommen. Wo bezieht ihr euren Kaffee? Wo bezieht eure Bohnen leer? Wir waren jetzt, für mich das 2.
Mal, für sie das 1. Mal, Partnerfarm in Mexiko. Unsere Azubine durfte dort 5 Wochen ihren eigenen Kaffee produzieren, ähnlich, wenn man's vom Wein kennt, nach der Ernte verschiedenes Fermentieren ausbauen. Also Mexiko beziehen wir Kaffee sehr. Dann ansonsten direkt vor Ort aus El Salvador, haben wir 'n Partner in Indien und Brasilien.
2 Partner in Indien. Die mir auch alle persönlich besucht haben, einfach zu schauen, ob die ethischen Standards, wie wir uns das gerne vorstellen, ob die einfach passen. Kinderarbeit ist leider gang und gäbe im Kaffeesegment, darf man nicht leugnen. Dass einfach die ethischen Standards stimmen, dass die qualitativen Standards passen. Also auf den Farben, wo wir arbeiten, das kann ich nicht.
Aber das ist uns wichtig, dass wir eben da mit den Farmer in Kontakt sind, auch wenn's 'n Biografie angebaut wird. Biodiversität, jetzt mal diese ganzen Siegel beiseite gelassen. Wir haben in in Gin Kaffee gepflückt, dann läuft 'n Elefantenherr da mehr vorbei, also er brauch kein Biosiegeln. Das ist offensichtlich, dass da die Welt noch in Ordnung ist. Ja.
Tiefkühl, Keepersparpo und Opferort. Also Biodiversität, alte hochqualitative Sorten, jetzt nicht unbedingt diesem Supermarktcharakter entsprechen, es jetzt mal mit 'nem anderen Produkt zu vergleichen. Sone Pink Lady Apfel, der liegt hier nicht im Supermarkt, weil er gut schmeckt, sondern weil er halt eine Lagerfähigkeit besitzt, weil er riesengroß ist, weil er einfach im Anbau ist. Ja, also das sind unsere Ansätze, hochqualative alte Sorten, Biodiversität, Ethik. Lange lang anhaltende Kooperation mit den Farmen.
Also Du kennst die Farmer persönlich eigentlich, seitdem Du im Café bist Zwanzigzehn Jahren. Ja, okay. Auf Augenhöhe begegnen. Klar. Handwerk bedeutet machen.
Deine Zeit ist zu wertvoll für viel Bürokratie. Wir setzen uns dafür ein, dass dein Alltag einfacher wird. Weniger Büro, mehr Fokus auf deine Projekte. Gemeinsam digitalisieren wir das Handwerk und gestalten die Zukunft. Jetzt haben wir ja unser Gespräch eingangs begonnen mit Krisen und mit Problemen und so weiter.
Wie ist denn so die aktuelle Situation bei euch? Wir haben ja Inflation in Deutschland, wir haben wirtschaftliche geänderte Rahmenbedingungen wieder seit seit 'nem Jahr oder 2. Also Zinslandschaften haben sich verändert. Welche Auswirkungen hat das auf euch und auf euer Unternehmen? Ja, riesige.
Also ich muss ja sagen, in der dritten Coronarunde hat man uns dann eigentlich so ganz gut eingrouft. Also man hat dann irgendwie verstanden, wie wie das Spiel läuft und, ne, feste Angestellte in Kurzarbeit geschickt und die Aushilfen, die waren dann wieder weg. Und man hat dann hinter den, und mit den Kaffeebohnen auch digital da viel gemacht. Und dann war alles wieder auf und da gab's mal einen kurzen Aufschwung gedacht, boah, jetzt haben wir's ja nicht geschafft. Und dann kam eben die Inflation.
Und das ist jetzt eigentlich von allen Krise in die nächste Krise, weil Die gravierendste Krise eigentlich? Eigentlich eigentlich gravierender als Corona, weil Corona war dann son bisschen planbar und und berechenbar. Man wusste dann, wie der Hase läuft. Und die Inflation, die hat er die Kosten gnadenlos in die Höhe getrieben. Also wir, in unserem Coffeeshop backen wir auch selber.
Mhm. Und die haben gesagt, wir wollen, wenn wir wollen nicht viel anbieten an Speisen, aber das, was wir anbieten, soll auf ähnlichen Niosern wie der Kaffee, damit das eine Balance ist. Ja. Da haben wir jemanden, die für uns bäckt und da haben sich halt die Zutaten Preise einfach mal verdoppelt. Die Milch haben wir von 'nem Farmer bezogen von der Milch, eine Molkerei 30 Kilometer Ja.
Kur den Toren Leipzigs hat sich der Milchpreis einmal verdoppelt. Also eigentlich hat sich alles wahnsinnig verdoppelt zwischen 30 und 50 Prozent draufgeschlagen. Mitarbeiter sind krass teuer geworden, also Mindestlohnerhöhung. Wir hatten vor der Mindestlohnerhöhung über Mindestlohn gezahlt und jetzt zahlen wir Mindestlohn, weil das ist sone Erhöhung. Was viele nicht wissen, sind auch die Sozialbeträge sind ja auch gestiegen.
Also nicht nur die die Berechnungsgrundlage, sondern auch die Prozente, was da natürlich, na ja, das noch mal doppelt erhöht. Unsere Mieter. Ja. Unsere Mietesmiete. Ja.
Und unser Mieter, der nimmt jede Runde mit. Maximalaufschlag, die er anhand der Inflationsrate erheben darf. Alle Zulieferer haben alle draufgeschlagen. Also eigentlich alles. Alles ist teurer geworden.
Und auf der anderen Seite, die Kaufzurückhaltung haben wir schon gespürt. Okay. Das spüren wir. Also früher haben die Leute halt, ne, 'n Cappuccino betrunken, 'n Stück Kuchen und noch 'n zweiten Cappuccino hinterher. Und man sieht, der Durchschnittsbong ist krass nach unten gegangen.
Also weniger Kunden und die Kunden konsumieren auch weniger, bleiben länger sitzen. Und wir bewegen uns halt auch im Premiumsegment mit unseren Kaffeebohnen. Also man merkt definitiv eine Kaufzurückhaltung, Kaffeemaschinen, sehr großes Hemmeswäsche zu erwerben. Also Während Corona ging die eigentlich richtig gut. Ja gut, viele Menschen zu Hause, ne, dann in dem falschen Jahr andere Probleme.
Ja, ja, ja, ja. Hat jeder ja sein Bananenbrot gebacken und hat die Heferegale leer geräumt. Aber Inflation finden wir persönlich jetzt eigentlich gravierender als als Corona, so bitter es sein möge. Und dann sind noch diese Folgeprobleme, ne. Also nicht nur, dass Personal teurer geworden ist, aber es gibt halt auch kaum Leute.
Am Anfang hatten wir eine gelernte Gastrokraft bei uns, die war top. Da wussten wir, wenn die da ist, brauchen wir uns keine Sorgen machen, weil die, da läuft das Ding wie am Schnürchen. Die hat das von der Pike auf gelernt. Noch richtige Teken sauber mal gesagt, aber die ist da voll aufgegangen. Und nach der zweiten Coronarunde hat die gesagt, sorry, aber mit Kurzarbeitergeld, ne, alleinerziehende Mutter.
Ja. Die sehen wir jetzt trotzdem noch regelmäßig. Die arbeitet jetzt bei unserem Kinderarzt an Sprechstundenhilfe. Ja. Und so ging's halt vielen, dass die ganzen gastroqualifizierten Gastro Mitarbeiter Gastromitarbeiter in andere Branchen abgewandert sind und jetzt auch nicht wiedergekommen sind.
Weil die ja festgestellt, Du hast schon 'n Eis 'n Wochenende zu haben, ne und halt auch nicht abends zu arbeiten. Mhm, klar. Und grade mit Kind und da greifen wir jetzt zwangsläufig auf ungelernte Mitarbeiter zurück, was halt 'n ganzen Rattenschwanz an anderen Problemen mit sich bringt. Wie sind denn eure Pläne jetzt für die nahe Zukunft? Gibt's Investitionspläne?
Gibt's irgendwelche Weiterentwicklungspläne? Wie sieht's da bei euch aus? Also der Vorteil von uns, glaub ich, gegenüber anderen rein gastronomischen Betrieben während Corona war, dass wir breit aufgestellt sind. Wir durften zwar keine Schulungen machen während der Coronazeit, aber mit Bohnen und auch teilweise Onlinepräsenz hat man das irgendwie geschaukelt bekommen. Und wir haben jetzt festgestellt oder das war schon immer das einzige Manko, warum sie gesagt haben, okay, wir haben bis vor Kurzem noch keine Kaffeemaschinen repariert oder verkauft.
Diese Lücke wollen wir jetzt füllen. Und da sind wir grad dabei, in einen zweiten Laden schon mit Werkstatt, Reparaturwerkstatt zu investieren. Und da ist halt das nächste Problem. Die Zinsen. Ja, genau.
Also vor 'nem Jahr, vor 2 Jahren hätten wir das wahrscheinlich für, keine Ahnung, 'n Drittel. Den nenn ich sogar noch günstiger. Also der Leistungszahl war ja g 0 und jetzt ist ja der Leistungszahl bei 5 Prozent. Mal gucken, wo Fahnenstange dann endet. Also sind grundsätzlich bereit, weil wir mir 'n gutes Konzept vorlegen, das finanziell zu verkleiden.
Auf 1 Seite sagen die, wow. Also ihr seid mutig, momentan wir keiner. Also momentan zu expandieren, zu investieren, da seid ihr 'n ziemliches Novum. Die machen, glaub ich, grad den Balanceakt. Auf der einen Seite wollen sie verkaufen, weil es halt wenig Leute gibt, die investieren, wollen sie aber rückversichern.
Grade wir werden immer in die Gastroschiene reingeschoben, obwohl wir eigentlich nicht wirklich uns als Gastro sehen, aber, und da ist halt immer noch mal, ne, so beobacht bei der Bank. Und dann sagen die so, okay, können wir machen. Wir tun das aber mit der Bürgschaftsbank rückversichern. Und dann kommt die Bürgschaftswagen, können wir gerne machen. Aber gibt's erst mal einen Bereitstellungszins und dann gibt's noch mal 'n Zins obendrauf und dann ist man dann schnell mal bei 7 Prozent angelangt.
Und dann überlegt man sich, boah, 7 Prozent. Also schon ein aufwendiges Thema und mit viel Vorausschau. Na ja. Habt ihr für unsere Zuschauer einen Hack, einen Tipp, den ihr den Zuschauern geben möchtet? Also ganz wichtig ist, sich zu informieren, was es für Fördermöglichkeiten gibt.
Weil es gibt ganz viele Programme übern Bund und auch über die Stadt, also wovon wir sehr profitiert haben. Mhm. Und sich auch Hilfe zu holen bei der Stadt. Also wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Wirtschaftsdezernat der Stadt Leipzig gemacht, die da uns an einigen Stellen auch wirklich mal 'n bisschen bei einigen Behörden so mal 'n bisschen Push gegeben haben. Also da gibt es auch teilweise sehr gute Beratung, weil man denkt immer so, ja, öffentliche Behörden, weiß ich nicht schon, ne.
Aber man soll sich ja wirklich informieren, weil teilweise hat man da wirklich fette Leute sitzen, die einen da auch gut in die richtige Richtung dann schicken können. Wie schätzt ihr denn die Rolle des Handwerks im Moment ein und wie seht ihr die den gesellschaftlichen Stellenwert des Handwerks? Ist der da, ist das Handwerk da, wo's einsortiert werden sollte oder müsste es anders sein? Also meines Erachtens müsste das Handwerk in 'ner besseren Licht dargestellt werden. Also jeder sucht qualifizierte Handwerker, jeder hat 'n enormen Bedarf.
Auf der anderen Seite haben wir volle Studiengänge und viele wissen gar nicht, was mit dem Studiengang überhaupt anfangen sollen. Als Erachtens müsste man aktiv in den Schulen werben und auch mal Handwerker dort reinschicken oder auch mal die Schüler in den Handwerksbetrieb, weniger in den Hörsaal. Also das deutsche Handwerk ist weltweit auf 'nem enormen Podest und wir setzen uns dieser Stärke gar nicht bewusst. Wir würden auch gerne ausbilden, aber haben bis jetzt noch keine ganz, ganz wenige Bewerbung gefunden bekommen und die, die waren jetzt nicht so pralle. Und die Ausbilder, die wir haben, die Pia, die ist uns auch zugelaufen.
Also das, die wollte unbedingt bei uns arbeiten und während Corona konnten wir nicht einstellen. Dann kamen sie 3 Tage wieder, meinte, ach so, wie sagt man, einstellen. Kann ich bei euch eine Lehre machen? Also so sind wir eigentlich zur ersten Auszubildenden gekommen. Okay.
Also wenn wir das hier als Aufruf nutzen dürfen, wir suchen grade Azubis, wir würden gerne weiterhin ausbilden, sowohl im technischen Bereich als auch im kaufmännischen. Kaffeeröß haben wir ja schon festgehalten, ist leider kein anerkannter Lehrberuf, Aber wir würden gerne trotzdem das Fachliche als Input geben und auch die nächste Generation ranziehen, die dann auch wiederum unsere Passion in die Welt trägt und das deutsche Handwerk würde ich repräsentiert. Ist vielleicht auch wieder son politisches Manko, weil wir würden auch gerne gastronomisch ausbilden. Mhm. Weil wir haben nicht nur 'n Café Rösterei, sondern auch 'n Café.
Dürfen wir aber nicht, weil wir beide, er hat zwar 'n Ausbilder scheinen, aber wir sind halt beide, wir haben beide BWL studiert. Okay. Und Du musst halt 'n ausgebildeter Gastronom sein, auszubilden. Und auf der anderen Seite haben wir grad die Problematik IHK Handwerkskammer, beide können und wollen nicht miteinander. Also man würde ja auch gerne den technischen Preis Bereich ausbilden.
Unser Mechatroniker, 20 Jahre Berufserfahrung. Aber die Schnittstellen, die die Haken. Na, da fehlt ja das Papier und dann geht nix, ne. Ja, Anne und Jens, vielen Dank, dass ihr hier wart. Genau.
Gerne. Das war sehr nett mit euch. Und vielen Dank an anderen Jens Rettich, die heute hier bei Handwerk spricht, übers Handwerk gesprochen haben und das Handwerk wieder ins richtige Licht gerückt haben. Dankeschön.