Nach rund 25 Jahren Selbstständigkeit – davon fast 20 Jahre in der Musik- und Medienbranche – zieht Florian Gipser in Folge 221 von Video Reloaded eine persönliche Bilanz. Sein Thema: die Regeln, nach denen er heute mit Kunden arbeitet, und warum sie für ihn nicht zur Verhandlung stehen. Der Anlass war eine simple Frage: Welche Grundsätze hat man eigentlich, wenn man mit Kunden zusammenarbeitet? Gipser setzte sich hin, notierte seine Prinzipien – und machte daraus eine ganze Podcastfolge.
Hintergrund seiner Klarheit sind schmerzhafte Erfahrungen. In der Kreativbranche, so seine Einschätzung, sei ihm mehr unfaires und unseriöses Verhalten begegnet als anderswo. Rückblickend sieht er darin auch eigenes Verschulden: Er habe zwar gewusst, was ihm wichtig sei, es aber nie klar kommuniziert. Seit seiner Neupositionierung ab 2020 arbeitet er nach eigener Aussage zu hundert Prozent zufrieden – und keiner seiner Kunden habe die im Folgenden beschriebenen Regeln bislang diskutiert.
Geld, öffentliche Hand und Ausschreibungen
Ganz oben steht das Prinzip Vorkasse. Erst wenn 50 Prozent des Auftrags bezahlt sind, beginnt die Arbeit – von Workshop über Konzeption bis zur Installation. Die zweite Hälfte wird nach Fertigstellung des Studios fällig. Kleinlichkeit ist ihm dabei fremd: Für eine kurze Nachfrage Monate nach Projektende schreibt er keine Rechnung. Zusammenarbeit sei ein Geben und Nehmen – solange sie auf Augenhöhe stattfinde.
Aus der Vorkasse-Regel leitet sich die zweite ab: Er arbeitet grundsätzlich nicht für öffentliche Einrichtungen. Bei einem seltenen Ausnahmeprojekt für einen teils öffentlichen Träger habe man bereits nach der Beratungsphase abgebrochen, als über Zahlungsziele diskutiert wurde. Ebenso lehnt er die Arbeit für politische Parteien ab – sich öffentlich politisch zu äußern, passe nicht zu seiner fachlichen Positionierung auf LinkedIn.
An Ausschreibungen beteiligt er sich nicht. Sein Angebot – individuelle Beratung, Begleitung und Schulung – lasse sich nicht mit reinen Equipment-Lieferanten vergleichen, die vor allem über den Preis konkurrieren. Ein vorgegebenes Konzept, bei dem Schulungszahl und Technik bereits festgelegt seien, widerspreche zu hundert Prozent seinen Werten.
Konzepte, Technik und Beschaffung
Gipser setzt keine Planungen oder Schulungskonzepte anderer Anbieter um. Kommen Kunden mit intern erarbeiteten Ideen, kann er sie nach eigener Aussage in neun von zehn Fällen überzeugen, dass ein anderer Weg sinnvoller ist – nicht selten sogar günstiger. Wer aber stur auf externen Vorgaben beharrt, ist für ihn kein passender Kunde.
Bei vorhandener Technik ist er zurückhaltend. Zu oft habe er erlebt, dass Unternehmen Geld für ungeeignete Geräte verbrannt hätten – etwa riesige Greenscreens oder teure Systemkameras, deren Handling bei wechselnden Nutzern zum Ärgernis wird. Fernsteuerbare PTZ-Kameras seien im Alltag deutlich praktischer. Unkritische Komponenten wie Monitore oder Computer plant er mit ein, kritische Technik lieber nicht. Auch die Beschaffung übernimmt sein Team – nicht aus Händlerlogik, sondern weil selbst gekaufte Teile bei Defekten das Projekt aufhalten und doppelte Anfahrten verursachen können.
Erreichbarkeit, Support und Respekt
Bei der Erreichbarkeit geht Gipser bewusst einen eigenen Weg. Er hält nichts davon, Kunden „erziehen“ zu wollen. Wenn ein Geschäftsführer abends im Studio nicht weiterkommt und er erreichbar ist, lässt er ihn nicht hängen. Grenzen setzt er inzwischen nur im Urlaub. Auch bei Defekten diskutiert er nicht: Selbst außerhalb der Garantie – etwa bei einer fehlerhaften Relais-Charge nach einem Jahr – tauscht er kostenlos aus.
Respekt ist ein Spiel mit zwei Spielern – und beide Seiten haben mitzuspielen.
Diesen Grundsatz veranschaulicht er mit einer frühen Erfahrung: Ein Coaching-Kunde habe nach abgeschlossenem Projekt auf den letzten 20 bezahlten Minuten bestanden, obwohl längst alles Vereinbarte erledigt war. Projekte, bei denen Respekt fehlt, sagt er heute ab.
Studio, Software und Ausstattung
Gipser richtet keine Studios ohne Begleitung und Schulung ein. Ein Negativbeispiel: Ein großes Unternehmen verzichtete gegen seinen Rat auf die Nachbetreuung – das Studio wurde nach kurzer Zeit kaum noch genutzt und schließlich verkauft. Eine Ausnahme bilden Geschäftsführer mit ein bis zwei klaren Formaten und intrinsischer Motivation. In Teams brauche es dagegen einen Kick-off-Workshop, bei dem auch die Entscheider mit an den Tisch geholt werden.
- Kein OBS: Für wechselnde Nutzer im Unternehmen sei die Software zu komplex und zu unzuverlässig.
- Keine reinen Greenscreen-Studios: Der Aufwand für Beleuchtung und Keying sei enorm und die Zuverlässigkeit bei vielen Nutzern nicht garantierbar.
- Keine Studioeinrichtung ohne Raumakustik-Optimierung: Ohne sie könne er keine gute Audioqualität zusagen.
- Kein unnötiger Technik-Firlefanz: Technik sei Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck.
Gerade beim letzten Punkt wird Gipser deutlich. Er berichtet von einem Werkzeugunternehmen, dem ein Systemhaus in der Corona-Zeit für 40.000 Euro überteuerte Kameras und Leuchten verkauft habe. Teure Geräte hätten ihre Berechtigung vor allem bei mechanischer Belastung – ein Stativ etwa, das häufig auf- und abgebaut wird. Für ein fest installiertes Studio brauche es das nicht. Ein Video-Sales-Platz mit hochwertiger Webcam und guter Beleuchtung lasse sich schon für gut 1.000 Euro Technik einrichten.
Was „professionell“ für ihn bedeutet
Für Gipser heißt professionelle Videokommunikation nicht Hollywood oder High-End, sondern Zuverlässigkeit, seriöse Außenwirkung und sachdienliche Umsetzung. Sein Ziel sei nicht, Technik zu verkaufen, sondern Wirkung zu erzielen. Die Technik – Kameras, Lampen, Mikrofone – sei lediglich das sichtbarste, aber nicht das wichtigste Element seines Angebots. Wer sich in seinen Regeln wiederfindet und das Thema Videokommunikation im eigenen Unternehmen professioneller aufstellen möchte, den lädt er zu einem Kennenlerngespräch ein.