Videokommunikation ist längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein zentraler Baustein moderner Unternehmenskommunikation. Doch während technische Hürden immer weiter fallen, zögern viele Betriebe noch. Im Podcast Video Reloaded von Florian Gipser spricht Tobias Fruh, stellvertretender Leiter Marketing und Kommunikation sowie Pressesprecher der Volkswagen Immobilien, über seinen Weg vom Talkshow-Volontär bis in die strategische Unternehmenskommunikation. Sein Credo: Vertrauen entsteht durch Sichtbarkeit, und Video ist dafür das stärkste Medium.
Vom Fernsehstudio zur Immobilienbranche
Fruhs beruflicher Weg begann mit einer simplen Neugier: Als Fan von Talkshows der Neunzigerjahre wollte er wissen, ob das, was auf dem Bildschirm passiert, überhaupt echt ist. Ein Praktikum bei einer Kölner Produktionsfirma wurde zum Türöffner. Aus vier Wochen wurde ein Volontariat, das sich über zwei Jahre erstreckte und ihn schließlich nach Wolfsburg führte.
Dort produzierte er Volkswagen TV, ein Business-TV-Format für Monteure und Verkäufer in den Autohäusern. In einem großen Studio, in das Fahrzeuge hinein- und hinausgefahren werden konnten, entstanden Livesendungen. Doch mit Ende 40 spürte Fruh den wachsenden technischen Druck auf Redakteure und entschied sich für einen Wechsel. Über eine Stellenanzeige kam er 2011 als Pressesprecher zu Volkswagen Immobilien, einem Unternehmen mit heute rund 380 Mitarbeitenden.
Erst das Handwerk, dann das Bewegtbild
Sein anfänglicher Ehrgeiz, sofort groß in Bewegtbild einzusteigen, wurde gebremst. Ideen wie ein eigenes Immobilien-TV scheiterten schlicht an der fehlenden Zielgruppe. Stattdessen lernte er zunächst das klassische PR-Handwerk, etwa das Schreiben von Pressemitteilungen. Rückblickend eine wertvolle Grundlage.
Zum echten Wendepunkt wurde die Corona-Zeit. Als persönliche Wohnungsbesichtigungen nicht mehr möglich waren, entwickelte das Team digitale Alternativen: gefilmte, leere Wohnungen, die aufwendig mit eingezeichneten Möbeln ergänzt wurden, noch komplett in klassischer Postproduktion, lange vor dem heutigen KI-Boom. Video bekam eine neue Wertigkeit, die durch den Aufstieg von Social Media und Plattformen wie LinkedIn zusätzlich befeuert wurde.
Das Smartphone als Kompetenzbeweis
Ein zentrales Anliegen von Fruh ist die Entmystifizierung der Videoproduktion. Große, gescriptete Imagefilme, in denen sich Geschäftsführer sechs Minuten lang darstellen, haben aus seiner Sicht an Bedeutung verloren. Gefragt sind heute Blicke hinter die Kulissen, echte Menschen und praktischer Mehrwert.
Was wir im Urlaub hinkriegen, funktioniert auch im Job.
Fruh plädiert dafür, mit dem Smartphone einfach loszulegen. Bildstabilisatoren, günstige Gimbals und kleine Ansteckmikrofone machen ordentliche Ergebnisse für jedermann erreichbar. Wichtig sei vor allem ein guter Ton und etwas Aufmerksamkeit fürs Licht. Als Beispiel nannte er eine Reportage über den Winterdiensteinsatz seiner Kollegen, die er in zwei Stunden komplett per App auf dem Handy schnitt.
- Video ist das stärkste Medium, um Vertrauen und Sichtbarkeit zu schaffen.
- Smartphone-Produktionen sind kein Notbehelf, sondern Ausdruck von Kompetenz und Authentizität.
- Wer ins Tun kommt und im Flow bleibt, verbessert sich kontinuierlich.
- Junge Mitarbeitende sind ideale Kandidaten, um Bewegtbild-Projekte im Unternehmen zu übernehmen.
Bei Volkswagen Immobilien setzt Fruh dies konkret um. In der Reihe „Eine Minute mein Arbeitsplatz“ stellen Auszubildende Kolleginnen und Kollegen in kurzen Porträts vor, drehen und schneiden selbst. Das schult Umsetzung, technisches Können und den Mut, auf Menschen zuzugehen.
KI-Video: Wo es sinnvoll ist und wo nicht
Beim Thema KI-generierte Videos differenziert Fruh klar. Bei Erklärvideos, in denen keine bestimmte Person nötig ist, sieht er großes Potenzial. Als Wohnungsvermieter mit einer international geprägten Mieterschaft nutzt das Unternehmen etwa Avatare und Übersetzungen, um Themen wie Mülltrennung in vielen Sprachen schnell und barrierefrei zu vermitteln. Was früher hohen Aufwand bedeutete, gelingt heute nahezu per Knopfdruck.
Auch für Special Effects, Animationen von Bauprojekten oder die Visualisierung von Krisenszenarien sieht er Einsatzfelder. Werkzeuge wie Simpleshow mit ihren typischen „wischenden Händen“ oder Videogeneratoren beeindrucken ihn technisch, auch wenn sie im realen Business-Kontext noch nicht flächendeckend ankommen.
Wo echte Menschen unersetzlich bleiben
Bei internen Botschaften und Schulungen kommt es dagegen auf Identifikation an. Gipser berichtete von der Erfahrung, dass professionelle externe Trainer vor der Kamera bei Mitarbeitenden auf geringe Akzeptanz stießen, während der nervöse, aber authentische Kollege aus den eigenen Reihen deutlich besser ankam.
Fruh bestätigt dies aus eigener Praxis. Seine LinkedIn-Schulungen werden akzeptiert, weil er als Kommunikationstyp bekannt ist, ein Thema wie Hausbau würde man ihm dagegen nicht abnehmen. Auftritte der Geschäftsführung bei Town-Hall-Meetings erzeugen eine hohe Aufmerksamkeit gerade deshalb, weil es die realen Entscheider sind. Ein Avatar, der Jahresergebnisse verkündet, wäre hier undenkbar. Entscheidend ist immer die Zielgruppe.
Einfach machen als Lebensmotto
Über das Fachliche hinaus zog sich eine Haltung durch das Gespräch: die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen und ins Handeln zu kommen. Fruh und Gipser waren sich einig, dass eine nicht getroffene Entscheidung schlimmer ist als eine falsche, denn aus einer falschen lässt sich immer noch das Beste machen. Ein Seminarsatz brachte es für Fruh auf den Punkt: „Triff eine Entscheidung und sorge dafür, dass es die richtige war.“ Dieses Prinzip gilt für ihn auch beim Bewegtbild: Erst durch das Tun wird man besser.