In einer bewusst anderen Folge von Video Reloaded trifft Host Florian Gipser zum zweiten Mal auf Marketing-Experten Frank Panser – mit einer einzigen Vorgabe: Über das Hauptthema des ersten Gesprächs, LinkedIn, soll dieses Mal explizit nicht gesprochen werden. Was folgt, ist ein assoziatives, unterhaltsames Gespräch, das dennoch handfeste Impulse zu Sichtbarkeit, Podcasting, Verkauf und sinnstiftendem Marketing liefert. Ein Auszug der wichtigsten Gedanken.
Ein Charity-Projekt mit Substanz: die LinkedIn for Good Crew
Herzstück des Gesprächs ist Pansers Initiative, die LinkedIn for Good Crew. 16 Expertinnen und Experten haben ihr Wissen zu Marketing- und LinkedIn-Themen in einem umfangreichen Guide zusammengetragen – nach Pansers Angaben ein PDF mit rund 343 Seiten. Florian Gipser steuert dabei die Expertise rund um Podcast, Audio und Video bei, inklusive einer technischen Anleitung für ein solides Minimum-Setup.
Der Clou: Der Guide lässt sich nur gegen eine Spende an eine von drei Organisationen herunterladen. Laut Panser wurde bereits die Marke von rund 19.000 Euro geknackt, das Ziel liegt bei 30.000 Euro zum Jahresende. Unterstützt werden:
- Empowering Africa – Bekämpfung von Fluchtursachen durch Minigrid-Systeme, die ganze Dörfer mit Solarstrom versorgen und so Bildung, Sicherheit und wirtschaftliche Chancen schaffen.
- For Tomorrow – Kauf und Aufforstung von Waldflächen sowie das Wegkaufen von CO2-Zertifikaten, um Industrieunternehmen schneller zu klimaneutralem Handeln zu bewegen.
- Ein Kindermagazin für die Grundschule – ein kostenfreies Heft, das Nachhaltigkeit von klein auf vermittelt, vergleichbar mit einer Geolino für den Unterricht.
Panser betont, dass ihn besonders das Netzwerk selbst begeistert: Keiner der angefragten Expertinnen und Experten habe lange überlegt, sondern sofort zugesagt.
Sichtbarkeit statt bloßer Reichweite
Ein zentraler Gedanke des Gesprächs: Reichweite und Sichtbarkeit sind nicht dasselbe. Panser referiert die Kernbotschaft einer Keynote-Sprecherin, die ihn beeindruckt hat.
Sichtbarkeit bedeutet am Ende, wenn die Menschen, die Du erreichen willst, verstanden haben, wofür Du stehst – und das können 10, können 100 sein, das reicht dann auch schon.
Gipser bestätigt das mit einem eigenen Beispiel: Trotz weit unter 1.000 Podcast-Abonnenten habe er nachweislich über 100.000 Euro an Aufträgen über seinen Podcast abgeschlossen. Der Grund liege darin, dass der Podcast an der richtigen Stelle der Customer Journey ansetzt und Vertrauen auf einer persönlichen Ebene aufbaut. Beide sind sich einig: Im B2B-Bereich – etwa im spezialisierten Maschinenbau – ist die reine Followerzahl weitgehend irrelevant. Wer Werbeeinnahmen über Masse anstrebt, verfolgt ein Geschäftsmodell, das für Fachvertriebe schlicht nicht funktioniert.
Gleichzeitig warnen beide vor der Kehrseite: Sichtbarkeit bedeutet immer auch Angriffsfläche. Genau diese Furcht halte viele Unternehmen davon ab, Mitarbeitende authentisch und ungescriptet vor Kamera und Mikrofon zu lassen. Pansers These: Viele Corporate-Influencer-Programme scheitern schon vor dem Start, weil die nötige Vertrauenskultur im Unternehmen fehlt.
Podcast als unterschätztes Werkzeug
Das Medium Podcast bekommt im Gespräch besonderen Raum. Gipser argumentiert, dass Fachleute und Unternehmen mit relevanter Expertise das Format nutzen sollten – der laufende Aufwand sei überschaubar, der Effekt enorm: Im Schnitt hörten Menschen in Deutschland Podcasts rund eine halbe Stunde. Diese Zeit im Ohr der Zielgruppe erreiche kein anderes Marketingmittel.
Die typischen Ausreden – keine Zeit, das gibt es doch schon, wer soll das hören – hält er für hinfällig. Entscheidend sei Durchhaltevermögen: Wer über die kritischen ersten Monate hinweg kontinuierlich veröffentliche, gehöre bereits zu den wenigen, die überhaupt gehört werden.
Konkret rät Gipser zu einem durchdachten Launch: idealerweise acht bis zehn vorproduzierte Folgen, mindestens jedoch fünf. Sein Vergleich: Wie bei einer Serie beim Streaming-Anbieter komme es darauf an, dass neu gewonnene Hörer nicht nach zwei Folgen ins Leere laufen. Ein weiterer praktischer Tipp aus dem Gespräch ist das Tool Restream, mit dem sich LinkedIn-Livestreams gleichzeitig über mehrere Profile ausspielen lassen – ein wirkungsvoller Hebel zur Reichweitensteigerung.
Ein hohes Qualitätsmerkmal: der Ton
Als Tontechniker legt Gipser besonderen Wert auf Audioqualität. Umfragen zufolge schalte über die Hälfte der Hörer bei schlechtem Ton ab. Zur Sprache selbst berichtet Panser von einer kurzen, aber wirkungsvollen Aufwärmübung für Kiefer und Zunge, die ihm eine Kollegin vor einer Keynote gezeigt hat – nach fünf Minuten habe er einen deutlich freieren Mundraum gespürt und konnte klarer sprechen.
Verkaufen als Hilfe zur Entscheidung
Auch das in Deutschland negativ behaftete Wort „Verkaufen“ ordnen beide neu ein. Recruiting sei letztlich ebenso Verkauf – ein Unternehmen verkaufe sich gegenüber Bewerbern. Panser gibt eine Definition wieder, die ihm einst ein früherer Chef vermittelte:
Am Ende geht es darum, Wissen zu vermitteln, damit Leute eine Entscheidung treffen können.
Gute Beratung bedeute, Menschen eine Grundlage für ihre Entscheidung zu bieten und die Zahl der Optionen sinnvoll zu begrenzen – nicht, ihnen etwas aufzudrücken.
Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag – zwischen Bahn, Auto und Videokommunikation
Zum Abschluss diskutieren beide praktische Nachhaltigkeitsfragen. Für Städter sei die Bahn zwischen Metropolen oft die klar bessere Wahl, für Landbewohner mit viel Equipment dagegen kaum praktikabel. Bei Flugreisen hingegen lohne sich Videokommunikation als Alternative deutlich – hier gebe es einen klaren „Break-even“ zugunsten der digitalen Lösung. Panser fasst zusammen: Ob man mit der Bahn fährt oder ein Videoformat nutzt, mache beim CO2-Fußabdruck keinen dramatischen Unterschied; beim Fliegen sehe die Rechnung anders aus.
Die Folge endet, wie sie begann: unkonventionell, humorvoll und mit der klaren Botschaft, dass echte Wirkung – ob im Charity-Projekt, im Podcast oder im Verkauf – wichtiger ist als reine Zahlen.