Triebwerk · Folge 2

Finanzielle Realität für Unternehmer mit Stefan Merath

Dauer: 41:53 Min. Veröffentlicht: 2026-06-23
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Worum es geht

In dieser Folge spricht Stefan Merath offen über das Tabuthema Scheitern im Unternehmertum und warum gerade dort oft ein echter Wendepunkt liegt. Es geht um Insolvenz, Verantwortung, ehrliche Zahlen und innere Stärke. Ein Gespräch über Führung, Fehler und den Mut, der Realität ins Gesicht zu schauen.

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Autor: Triebwerk

Die wichtigsten Antworten

Worum geht es in dieser Folge?
Es geht um die finanzielle Realität für Unternehmer, insbesondere um Scheitern, Insolvenz, Verantwortung und ehrliche Zahlen. Stefan Merath erklärt, warum Wachstum oft erst entsteht, wenn man der Realität wirklich begegnet.
Warum ist Scheitern ein zentrales Thema?
Scheitern gilt für viele Unternehmer als Tabu, doch laut der Folge liegt genau dort häufig der eigentliche Wendepunkt für persönliches und unternehmerisches Wachstum.
Für wen ist diese Folge interessant?
Vor allem für Unternehmer und Führungskräfte, die sich mit Themen wie Verantwortung, Finanzen, Mindset und dem Umgang mit Fehlern und Neuanfängen auseinandersetzen wollen.
Wo finde ich mehr zu TRIEBWERK?
Weitere Informationen gibt es unter https://konversion.digital/podcast.

Zu Gast

Geschäftsführer Unternehmercoach GmbH

Stefan Merath spricht in dieser Folge offen über Scheitern, Insolvenz, Verantwortung und den Mut von Unternehmern, der Realität ins Gesicht zu schauen.

Transkript

Liebe Podcast Gäste. Schön, dass ihr in diese Folge hineingeschaltet habt. Heute habe ich einen Gast dabei, der mir total imponiert. Ich hab sein Buch gelesen, ich hab seine Hörbücher gehört und ihn auf LinkedIn angeschrieben, willst Du dabei sein? Und so knapp hat er geantwortet, natürlich.

Und das überrascht mich umso mehr, dass ich genau diesen Menschen heute hier als Gast im Podcast Triebwerk auch begrüßen darf. Das ist Stefan Mehrath. Stefan, schön, dass Du dabei bist. Erzähl doch mal von dir. Ja, hallo David.

Erst mal herzlichen Dank für die Einladung auch. Ich freu mich mega, dabei zu sein. Was gibt's zu mir zu sagen? Ich bin jetzt seit etwa 30 Jahren Unternehmer, hab Ende der Neunzigerjahren Internetunternehmen gegründet, hab dann auch Investoren gefunden. Wir sind gewachsen bis auf 30 Mitarbeiter.

Dann hab ich eine Reihe von Fehlern gemacht, die ich damals erst mal nicht als Fehler erkannt hab. Allerdings mein Bankkonto hat mir irgendwann gesagt, dass ich Fehler gemacht hab, sprich, ich bin 2003 in die Insolvenz gegangen. Und das war für mich wirklich, wenn ich rückblickend draufschau, das Beste, was mir in meinem Berufsleben tatsächlich passieren konnte, weil das hat mich dazu gebracht, mich zu hinterfragen, was hast Du eigentlich gemacht? Wo hab ich gedacht, ich bin der beste Unternehmer unter dieser Sonne? Und dann plötzlich hab ich halt das Feedback bekommen, nein, bist Du nicht.

Und dann erst mal rauszufinden, was hab ich eigentlich falsch gemacht? Und das hat mir nach und nach 'n völlig anderen Blick aufs Unternehmersein eröffnet, hab dann zwar gleich drauf nach der Insolvenz 'n zweites Internetunternehmen gegründet, aber irgendwie nach 2, 3, 4 Jahren hab ich gemerkt, Unternehmersein, also das Thema Unternehmersein ist viel spannender als Software und als Internet. Hab dann das 2. Unternehmen 2007, also nach 4 Jahren verkauft. Und seither führ ich Unternehmercoach.

Und als Unternehmercoach machen wir Seminare, Coachings, Brandrast, Trainings für Unternehmer. Also Größenordnung 3 bis 100 Mitarbeiter etwa und nur die Inhaber tatsächlich. Und jetzt im Lauf der Zeit waren, ich würd mal sagen, ja etwas etwas über eine fünfstellige Anzahl von Unternehmern bei uns Kunden, die wir im Lauf der Zeit begleitet haben. Darf ich noch mal ganz kurz zu dieser zu dieser Geschichte zurückkommen? Ist total spannend.

Mhm. Du hast gesagt, der größte Effekt oder Erfolg oder das das, was dich zum Unternehmer gemacht hat, war das 1. Mal, wo Du festgestellt hast, das Bankkonto wird leerer. Was war das? Was hast Du denn gemacht als Erstes?

Was war das 1. Internetunternehmen? Also das 1. Internetunternehmen, am Anfang war das 19 97, einfach nur Websites Websites machen. Dann kurz drauf hat sich da draus rausgeschält 'n Content Management System.

Das heißt, wir waren ein Content Management Systemhersteller und haben dann gearbeitet damals für Unternehmen wie Best Western, Airbus, die amerikanische amerikanische Botschaft und so weiter, also durchaus Unternehmen mit Rang und Namen. Und ja, dann haben wir halt Investoren gefunden. Und die Fehler, ich mein, zum einen ist natürlich in der Zeit die damals son Zinkflug übergegangen zwischen 4003. Zum anderen hab ich strategische Fehler gemacht. Ich hab Führungsfehler gemacht.

Ich hab versucht, obwohl ich 30 Leute hatte, alles selbst irgendwie mit eigenem Arbeitseinsatz hinzukriegen, hab dann 100, 110 Stunden in der Woche gearbeitet. Und na ja, das ist 'n endliches Konzept, weil ich war zwar damals viel jünger, aber der Körper macht trotzdem nicht ewig mit. Und ja, irgendwann war dann halt einfach Ende, Geld leer und ja, auch Ende der Firma erreicht. Darf ich da noch mal reingehen in die in die Frage? Du sagst Geld leer, Firma leer.

Was mich ja viel interessiert, ich mach ja viel Verhaltensökonomie, ist halt, was war schlimmer, das Geld oder das Gefühl der Ohnmacht? Die Ohnmacht war gar nicht mal so schlimm am Anfang, weil ich hab ja alle möglichen Maßnahmen getroffen. Also nachdem ich gemerkt hab, es funktioniert nicht, hab ich angefangen, erst mal den Vertrieb zu schulen. Dann bin ich selber wieder rausgegangen zum Verkaufen. Dabei hab ich gelernt, die Kunden wollen irgendwas anderes noch als wir anbieten.

Dann hab ich mich selber wieder hingesetzt mit den Programmierern und neue Features in die Software eingebaut. Dann hab ich irgendwann mal Kosten gespart. Das heißt, ich hab eine unglaubliche Anzahl von Maßnahmen gemacht und hatte damals den Glauben, dass es was bringt. Mhm. Keine keine von diesen Maßnahmen, hat aber irgendwann was gebracht.

Und dann kam das Ohnmachtsgefühl irgendwann, nachdem all diese Maßnahmen immer zum gleichen Ergebnis geführt haben, nämlich das Konto wurde noch leerer. Okay. Und ist dann, hast Du bei dir selber gespürt, da kommst Du an son, ich sag mal, totes Ende, dass dass das dann dazu geführt hat, dass Du gesagt hast, ich muss mich neu strukturieren. Was war's wirklich? Also das interessiert mich sehr.

Also es war, also das das Konto ging immer weiter runter. Ich hab versucht zu tun, zu tun, zu tun, zu machen, zu kämpfen und nichts davon hat was gebracht. Und dann gab's sone Phase, das war Ende 2002, wo eigentlich klar war, okay, jetzt geht es unangenehmd in die Insolvenz. Ich hab dann alle Mitarbeiter gekündigt. Und dann hab ich damals angefangen, okay, erst mal erkannt, ich war kein wirklich guter Unternehmer.

Und ich wusste ehrlicherweise, also wenn ich heute zurückblick, ich wusst gar nicht, was macht 'n Unternehmer eigentlich? Und damals kam dann die Entscheidung, ich hab dann angefangen, Bücher zu lesen, so 100, 150 pro Jahr in der Größenordnung über Unternehmensführung. Und da sind mir dann im Dezember 2002 son paar Dinge schon aufgefallen, wo ich mir dachte, ah ja, das ist ja interessant. Und dann gab's noch mal son Aufbäumen und hab dann 2 Tage lang vielleicht 80 oder 100 Telefongespräche geführt. Und nach diesen 2 Tagen hatt ich noch mal 100000 zusätzliche Euro aufgetreten, sodass es noch mal weitergehen konnte.

Und hab noch mal 5 Leute von den Gekündigten reaktiviert und dann haben wir noch mal einen Schritt weitergemacht. Und dann dann kam halt der der nächste Tiefschlag im Februar 2003, wo ich mir gedacht hab, na ja gut, bei 5 Leuten braucht man ja eigentlich gar nicht so viele Neukunden, sondern kümmer dich mal die Bestandskunden und hab dann so so die Bestandskunden alle eingeladen damals. Die kamen auch alle und hab versucht, denen deutlich zu machen, wir sind für euch da, machen geilen Service und bla bla bla bla. Und die saßen alle so mit verschränkten Armen so da und haben mit versteinerten Gesichtern angehört, was ich gesagt hab. Und ich dacht mir, irgendwas ist verkehrt.

Und nach soner halben Stunde hab ich dann rausgekriegt, was verkehrt war. Die waren eben nicht gekommen, sie meine Sprüche, was wir Tolles für sie tun wollen, anzuhören, sondern die waren eigentlich nur gekommen, rauszufinden, wie kommen sie möglichst schnapsfrei von uns weg. Und an dies an diesem Punkt war mir klar, okay, wenn doch nicht mal mehr die Bestandskunden wollen, dann ist das Unternehmen so tot, toter kann's gar nicht sein. Und das war dann der Punkt, wo dann klar war, okay, es geht in die Insolvenz. Und dann kamen langsam die Fragen hoch, was mach ich denn stattdessen?

Es war klar, ich werd eine 2. Firma gründen. Und also der der Tiefpunkt war wirklich, als ich merkte, die Bestandskunden wollen nicht mehr. Und danach ging's eigentlich mit dieser neuen Idee schon schon wieder aufwärts. Mhm.

Und die neue Idee war auch wieder eine Internetfirma, ne? Das war erst mal auch eine Internetfirma, allerdings halt ohne den ganzen Ballast, den ich mit mir rumschleppte in dem anderen Unternehmen, wo ich nicht loswerden konnte an Kosten. Zum Beispiel haben wir ja 'n relativ teures Büro damals in der Innenstadt von Berlin gehabt. Und der Vermieter, der hat sich halt irgendwie geweigert, auf irgendwelche Verhandlungen reinzugehen. Das waren, ich weiß nicht, damals 10000 Euro oder so was, was wir jeden Monat bezahlen mussten.

Und wenn Du den Kostenblock nicht wegkriegst, halt schwierig. Andere Kostenblöcke, die auch nicht wegzukriegen waren und ja, dann dann gab's nur die Möglichkeit Insolvenz. Mhm. Und Du hast gesagt, nach dem zweiten Internetunternehmen, wie ging es dann weiter? Also ich hab dann praktisch das 2.

Internetunternehmen verkauft, das war 2007. Und dann hab ich Unternehmercoach gegründet. Und ich hab ja im Jahr 2007 das Buch, der Weg zum erfolgreichen Unternehmer geschrieben. Das ist dann Anfang 2008 rausgekommen und praktisch, also ich ich hatt 1. Coachings schon seit 2004 gemacht, weil mich hat es interessiert mit mit Unternehmersein.

Und nachdem die 2. Firma dann lief, so ab Mitte 2004 etwa, kamen plötzlich befreundete Unternehmer auf mich zu und meinten, ob ich ihnen mal helfen könnte. Und im ersten Moment war ich total überrascht tatsächlich, weil ich mir dachte, na ja, ey, ich war doch grade erst in der Pleite, was willst Du eigentlich von mir? Und die Antwort, die ich bekommen hab, die hat mich hat mich wirklich überrascht. Dies lautete, na ja, ich geh demnächst pleite, wenn sich nix ändert.

Das heißt, Du hast mir eine Erfahrung voraus, die verdammt wertvoll ist. Dachte mir, okay, ist jetzt auch eine Perspektive, wär ich von der Leyen nicht draufgekommen, hab mich mit denen zusammengesetzt Und ich konnt denen tatsächlich helfen. Also da da war, erst war's eine Unternehmerin und die die war dann einen Tag bei mir, war kurz vor der Insolvenz. Das Unternehmen von ihr gibt's heute noch. Sie hat's allerdings 2009 verkauft.

Dann kam kurz drauf noch 1 mit 'nem Unternehmen, der führt sein Unternehmen heute noch, der war damals auch kurz vor der Insolvenz. Und es hat sich einfach rumgesprochen. Am Anfang war das gar keine gar kein Businessmodell, weil die ersten 2, 3 Coachings hab ich sogar für umsonst gemacht, weil das waren meine Freunde und Bekannten. Mhm. Und ja, irgendwann hab ich gemerkt, hey, das macht aber viel mehr Spaß als Software und viel mehr Internet.

Und dann war die Frage, okay, wie machst 'n Businessmodell draus? Buch geschrieben, 2007 dann, im August Unternehmercoach gegründet. Und dann, ab dem das Buch rauskam im März 2008, da ging's dann richtig los. Find ich total interessant aus verschiedenen Gründen. Ich hab auch ganz viele Fragen.

Also würdest Du sagen, das Buch oder das, was Du danach gemacht hast, hast Du ja, Lernen durch Schmerz. Gibt ja diesen Satz, ne, also man hat ja selbst die Erfahrung gemacht. Das heißt, das Buch ist dadurch auch entstanden. Mit auch. Also das war einerseits der eigene Schmerz.

Aber wie sich das Buch geschrieben hatte, hatt ich bestimmt schon boah, ich würd mal sagen, fuffzig Coachings oder so was hinter mir in dieser Größenordnung. Und da haben sich einfach ganz viele Themen wie zu viel Arbeiten, kein Geld aufm Konto, die Strategie funktioniert nicht mehr, die Führung mit den Mitarbeitern funktioniert nicht mehr. Die haben sich einfach immer wieder wiederholt. Und das hab ich dann sozusagen da rein gebündelt. Und das war also das Buch nicht nicht meine Erfahrung, sondern dass es auch 'n Internetunternehmen wurde in dem Buch, ist eher meiner Faulheit zu verdanken.

Weil na ja, Internetunternehmen kenn ich halt am besten oder kant ich damals am besten, deswegen ließ ich da drüben am einfachsten eine Geschichte schreiben. Ich hätte auch 'n Handwerker oder irgendwas anderes nehmen können oder 'n Industrieunternehmen, aber da kant ich mich halt nicht so gut aus damals. Und deswegen hab ich dann das Internetunternehmen genommen, mir Arbeit zu sparen. Versteh ich, total klug. Jetzt jetzt komme ich aber noch mal darauf zurück.

Du hast ja gesagt, so die ersten Leute, die auch mit dir gesprochen haben, die hatten das gleiche Problem. Also die haben sich quasi in dem gleichen Moment befunden, wo sie gesagt haben, ich weiß nicht weiter. Ja. Was hast Du denen erzählt? Hast Du denen gesagt, so, glaub, hat kenn ich oder was was waren denn die Tipps, wo sie dann am Ende gesagt haben, ja, okay, das ist super, danke.

Also was waren das für für 1. Themen, die Du denen gesagt hast? Vor allen Dingen interessiert mich dahinter, weißt Du, diesen Aufbruch von alt zu neu und daraus etwas Großes zu erwachsen, das ist ja so so ein Moment, ich glaub, den kennen ganz viele und wo sie so in in 'ner wabernen, undurchsichtigen Situation sind, wo sich daraus dann erst langsam etwas bildet. Das glaub ich so die die die wichtigste Phase in dieser Neufindung. Was war das?

Ich glaub, es ging gar nicht da drum, was ich den Leuten gesagt hab. Natürlich hatt ich irgendwie die ein oder andere Methodik, die die ich ihnen nahegebracht hab. Das war aber nicht der Punkt. Der Punkt war, was ich bei mir selbst auch erfahren hatte, in soner Situation ist man meist nicht ehrlich zu sich. Man fängt an, sich die Dinge schönzureden.

Ja, jetzt demnächst kommt ja der nächste Auftrag und dann ist alles wieder gut und so weiter. Das das passiert nicht. Und wenn wenn's einmal passiert, dann ist in 3 Monaten das das gleiche Problem wieder da. Und dann wirklich mal hinzugucken, ich hab dann Leute kennengelernt, zum Beispiel mit den Finanzen, die haben einfach nicht mehr hingeguckt. Da war 1 dabei, der hatte hinter seinem Schreibtisch, hatte er 'n großen Schrank gehabt.

Und wenn Post kam, die nach Rechnung aussah, ging diese Post ungeöffnet in diesen Schrank hinter sich. So ab und zu stand dann mal son Typ vor der Türe, das der wollte Geld, das war der Gerichtsvollzieher. Dann hat er dem 'n paar Euro in die Hand gedrückt, dann war der wieder weg und dann hat er's so weitergemacht, unvorstellbar. So, und an dieser Stelle einfach mal hin zu hinzugehen und zu gucken, okay, wie sieht's denn wirklich aus mit den Finanzen? Und sich sich da ehrlich zu machen an der Stelle und da hängt ja ganz viel Scham dann oft dahinter, dass der Partnerin beispielsweise zugestehen und zu sagen, hey, ich bin nicht der große Unternehmer, den Du geheiratet hast, sondern ich bin eigentlich pleite.

Da ist ja ist ja Scham dahinter. Und sich damit auseinanderzusetzen und dieses Ehrlichwerden gegenüber sich selbst, das ist, glaub ich, der entscheidende Schlüssel. Und alles andere ist dann nur noch methodisches Umsetzen. Das das ist langweilig. Da hast Du recht.

Also würdest Du sagen, als Unternehmer muss ich die Fähigkeit haben, Resilienz zu entwickeln? Resilienz und also grade spezifisch dies diese diese Ehrlichkeit an unterschiedlichen Stellen. Ich erleb so oft auch heute Leute, die haben, was weiß ich, zu zweiten Unternehmen gegründet, beide fuffzig Prozent Anteil und vertragen sich nicht mehr richtig so. Und dann stellen sie sich dem Problem nicht und ziehen das Problem über 5 Jahre, über 10 Jahre raus und haben haben einen Stress, wenn sie Strategie machen wollen. Der eine will nach rechts, der andere will nach links.

Und das das funktioniert so nicht. So und dann macht sie lieber noch 'n Strategieworkshop und noch noch irgendwie 'n Meeting, statt einfach irgendwann mal hinzusetzen sich und zu sagen, so geht es nicht. Wir kommen nicht miteinander klar. Also nicht die Strategie ist das Problem, sondern wir beide sind das Problem. Dann kann ich hergehen eine Mediation machen oder ich mach 2 Geschäfte draus.

Also da gibt's ja unterschiedliche Möglichkeiten. Aber der, das fängt erst mal damit an, dass ich ehrlich bin und sag, so wie's jetzt mit diesem Partner funktioniert, funktioniert's nicht mehr weiter. Mhm. Also diese Reflexion Resilienz, klar, Reflexion, ehrlich zu sich selber sein. Ja, das ist, ich glaub, das ist auch 'n deutsches Problem, oder?

Also erlaub mir, dass ich so ehrlich bin an der Stelle, weil viele Deutsche sagen halt oder das haben wir halt von früher so gelernt, ne. Also wenn das nicht funktioniert, dann ist das schlecht und wir erlauben uns dann nicht, diese Fehler zu machen. Du hast ja auch gerade gesagt, Du hast selber Fehler gemacht und Du gehst sehr offen damit Ich find das total gut, weil das zeigt eigentlich, hey, wir sind Menschen, wir dürfen Fehler machen und im Laufe unseres Lebens und wir haben nur ein einziges davon, will man doch das Beste rausholen, oder? Absolut. Und das war bei mir tatsächlich eine bewusste Entscheidung, wie ich mit den Fehlern umgehe.

Das war ja damals 2003 mit der Insolvenz und da konnte man durchaus noch bestimmte Suchergebnisse bei Google löschen lassen. Das heißt, es wär grade noch so möglich gewesen, die Insolvenz so über untern Teppich zu kehren und alle und also Sachen, die da drauf hinweisen, verschwinden zu lassen. Dann hab ich mir aber gedacht, hey, dann bist Du permanent mit allem, was Du machst dauernd in der Angst unterwegs. Irgendjemand kriegt das doch raus und es kost unglaublich Energie. Musst ja die ganze Zeit verstecken.

Und irgendwann hab ich mir gedacht, nee, mach ich genau umgekehrt. Ich geh proaktiv offen mit oben und sag, ich war in der Insolvenz. Ich hab da draus gelernt XYZ und deswegen mach ich's jetzt anders. Und ab dem Moment kamen eigentlich Leute nur noch auf mich zu und sagten, hey, geil, dass Du das so offen ansprichst. Glaub problematisch und die gibt's natürlich auch, sind Leute, die sagen, ja, ich bin da in die Insolvenz gegangen, weil was weiß ich, ich hatte da son blöden Mitarbeiter, der war schuld oder die Bank war schuld oder die Wirtschaftslage Keine Eingeständnis, ne.

Ja, also also in dem Moment, wo hinter der Insolvenz eine Selbstverantwortung ist und was draus gelernt wird, in dem Moment find ich's unglaublich wertvoll. Mhm. Das find ich total interessant. Aber das heißt, Du sagst auch ganz bewusst, ich ecke an. Klar.

Also es gibt 'n paar wenige, die sagen irgendwie, der Typ war mal insolvent, wieso soll ich mich von dem jetzt als Unternehmer coachen lassen? Ja, meist doch selbst nix. Die die gibt's, wobei ich mir denk, hey, Alter, das war vor 23 Jahren. Ich hab 'n bisschen was gelernt zwischendurch, aber Ja. Gut, ist halt so.

Ja, aber das ist auch wieder eine Sache der Einstellung. Ich glaub, solche Kunden willst Du auch gar nicht haben, die einfach schlichtweg überhaupt nicht bereit sind, über diese 23 Jahre hinweg auch das Positive zu sehen. Genau. Jetzt hast Du ja gesagt, Internetunternehmen und Unternehmercoach, ich find das eine total tolle Entwicklung. Ich hatte ja eben auch gesagt, dein Buch habe ich gelesen und mehrfach gehört.

Die Phase, die mir immer wieder im Kopf hängen geblieben ist, es gibt ja diese 3 Typen in einem Unternehmen. Der Selbstständige, der ja alles macht. Dann gibt es den Manager. Ich stell mir immer dieses Boot vor. So hast Du son Boot mit mit, also 3 Master.

So und oben hast Du irgendwie den Ausguck. So und Du weißt, der Unternehmer, der sitzt ganz oben, der guckt in die Ferne und weiß wohin es geht. Das ist ja glaube ich auch genauso, hast Du es beschrieben. In der Mitte hast Du den Manager, der muss unten die Leute anleiten, damit Boot, wenn wir jetzt eine GALera hätten und kein Segelboot, dass die auch alle in die gleiche Richtung gehen. Ist das heute immer noch so oder findest Du, das hat sich etwas gewandelt?

Also ich glaub, also ich hab ja Unterschieden nicht zwischen 3, sondern 3 Rollen. Ja. Und und grade bei bei Gründern ist es ja so, die haben ja alle 3 Rollen gleichzeitig inne. Deswegen wissen die auch selten, wo ihnen der Kopf steht, weil sie alles gleichzeitig macht. Mhm.

Und wenn das Unternehmen größer wird, dann muss ich immer mehr die Rolle des Unternehmers einnehmen. So, als Unternehmer hab ich bestimmte Aufgaben wie Strategie entwickeln, zu überlegen, in welche Richtung soll sich die Kultur im Unternehmen entwickeln und und solche Dinge. Als Manager eher Ziele verfolgen, dafür sorgen, dass die Ziele erreicht werden, Leute Systeme schaffen und so weiter. Und als Fachkraft Dinge umzusetzen, sind aber Rollen. Ich glaub, was heute stärker der Fall ist, ist, dass Managementrollen auf Teilaufgaben wie Zielsetzung und so eher von Fachkräften ausgeführt wird.

Das heißt, dass sehr viel mehr Kompetenz auch zu Fachkräften wandert. Und ich glaub auch, dass 'n Teil der Strategieentwicklung nicht mehr nur beim Unternehmer liegen kann, weil als ich das Buch damals geschrieben hab vor 20 Jahren, da war die Welt noch vergleichsweise langsam. So, wenn die Welt langsam ist, dann mach ich einmal eine Strategie und verfolg die 10, 20 Jahre und das funktioniert einigermaßen. Heute mit diesen schnellen Umbrüchen durch KI, durch Robotik, durch Lieferketten, die jetzt grade gestört sind und so weiter, muss ich ja unter Umständen im, ich sag mal, 3 oder 6 Monatstag meine Strategie anpassen. So, das heißt, es muss viel mehr Strategiearbeit im Unternehmen geleistet werden, was dem Unternehmer wieder zur Überlastung bringen würde.

Und die einzige Lösung an dieser Stelle ist jetzt, die Strategiearbeit auch auf mehrere Schultern zu verteilen. Also in, was ich in größeren Firmen ja machen muss, aber ich, mein mein Hauptfokus sind ja so diese 3 bis 100 Mitarbeiterfirmen. Da war's bislang hauptsächlich beim Unternehmer und jetzt muss es halt auch umverteilt werden. Grade sone Frage, wo setzt sich KI im Unternehmen ein, was ja auch eine strategische Frage ist. Das kann ein Unternehmer mit 100 Leuten nicht mehr allein entscheiden, geht gar nicht, weil der weiß gar nicht im Detail, was machen die Leute eigentlich?

Wo kann man vernünftig KI einsetzen? Also diese Kompetenzen wandern runter zu Fachkraft, zu den Fachkräften oder und oder zu den zu den Managern. Also das heißt, da gibt es schon eine Verschiebung. Aber ich glaub, diese Grundrollenaufteilung zwischen Fachkraftmanager und Unternehmer, die ist immer noch hilfreich, überhaupt mal zu verstehen, hey, hier gibt's unterschiedliche Aufgaben. Mhm.

Find ich interessant, weil da geht mir natürlich grade im Kopf rum. Ich hatte tatsächlich vor unserem Podcast noch einen Termin. Und da ging es genau darum, wenn Also KI empfand ich immer, dass das vom Unternehmer verstanden werden muss, weil der muss ja selbst auf die Idee kommen zu sagen, wir setzen das ein oder Du hast einen Manager, der sagt, pass auf, KI ist eine gute Sache, lass uns lass uns das im Unternehmen einsetzen, sagt er ja dann zum Unternehmer. Tatsache ist aber, dass wenn Fachkräfte davon hören, die sich vielleicht gar nicht so sehr damit auseinandersetzen, weil sie ja doch eigentlich ihren Job machen sollen, Die dann aber plötzlich irgendwie hellhörig werden, weil das heißt, oh, ich könnte ersetzt werden. Dann erzeugt das bei denen plötzlich die Dissonanz, ja, warum soll ich mir jetzt noch Mühe geben?

Ne, also das hatte ich genau gerade bei 'ner Beratung und es kam genau die Situation und es war 'n Programmierer und hab gesagt, also nee, dann dann dann mach ich nichts mehr. Und wie siehst Du das? Wie nimmst Du das mal? Also ich mein, die Logik ist aus Mitarbeiterperspektive absolut nachvollziehbar. Ich sehe, wenn ich jetzt meinen Arbeitsplatz hier auf die KI übertrag, dann mach ich mich ja selbst überflüssig und dann werd ich hinterher gekündigt und das ist ja dumm.

So, und dann gibt es alle möglichen ja, mehr oder weniger offenen Verweigerungsformen, warum es gar nicht möglich ist, den Arbeitsplatz zu, in die KI zu übertragen und so weiter. Das gibt's. Und ich glaub, an dieser Stelle braucht es eine Klarheit und das muss jeder Unternehmer natürlich für sich entscheiden, das haben wir schon vor vor 3 Jahren bei Unternehmercoach gemacht. Ich hab eine Garantie ausgesprochen, dass niemand wegen KI gekündigt wird. So.

Das heißt, mir geht es nicht dadrum jetzt, wenn jemand seinen Arbeitsplatz eine KI überträgt, dann schmeiß ich die Person nicht raus, sondern ich denk mir, das ist echt 'n cooler Mitarbeiter, der mitdenkt und weiß, wie man das an eine KI überträgt. Der findet bestimmt noch andere Sachen, die er auch an eine KI übertragen kann. Der ist superwertvoll, also behalt ich die Person. Mhm. So, und das das ist wichtig.

Ich hab ich hab das entschieden, halt meinen Mitarbeitern klar und offen zu kommunizieren. Es wird niemand wegen KI gekündigt. Wenn ich das als Unternehmer nicht mach, dann setzt genau dieser Angstmechanismus ein, den Du grade beschrieben hast. Und ich muss das halt als Unternehmer entscheiden, in welche Richtung will ich gehen? Will ich das mit der Angst haben oder will ich die Leute motivieren und zu sagen, hey, das ist ja richtig geil mit der KI.

Und dann muss ich bestimmte Dinge, die mir jetzt grade eigentlich gar keinen Spaß machen, muss ich ja gar nicht mehr machen, weil das kann ich an die KI übertragen und krieg eine ganz andere Dynamik. So. Mhm. Das ist letzten Endes Unternehmerentscheidung, welche Dynamik will ich? Da darf ich da 'n 'n 'n Use Case mit reinbringen, weil ich find das Ja.

Interessant, weil mich interessieren würde, wie siehst Du das? Also auch auch der Fall, Industrieunternehmer, Schwierigkeit. Wir wir wissen, dass das seit der Pandemie Schwierigkeiten macht, dass 'n Industrieunternehmen wieder in die Zahlen kommt. So, das ist auch generell der Fall, das wird jetzt nicht nur bei einem so sein. So, natürlich müssen die Entscheidungen treffen.

Unternehmer müssen die Entscheidung treffen zu sagen, gut, wir brauchen jetzt vielleicht gewisse Fachkräfte nicht mehr oder wir würden sie gern behalten, aber es geht einfach nicht. Dann machst Du Commitment, der Rest bleibt, der gibt Gas, will, dass das Ding weiterläuft. Das ist ja ganz stark auch. So, jetzt kommt der Mensch aber auf die Idee und sagt, gut, jetzt brauche ich aber vielleicht diese Anzahl, die ich ja jetzt gekündigt hab, auch nicht mehr, weil ich hab gehört, KI kann das besser machen und er versucht irgendwie dadurch die Zahlen zu verbessern. Er konnte einfach nichts anderes machen.

Was sagst Du dem dann? Also was würdest Du so einem Menschen sagen, der, sagen wir mal, mit dem Rücken so ein bisschen zur Wand steht? Also das sind Situationen, die sind ein Fakt für für für den Moment jetzt, ne. Also ich mein, ich war ja auch mal in dieser Vorinsolvenz Situation. Und den größten Fehler, den ich damals gemacht hab, war, dass ich, als ich gemerkt hab, das funktioniert nicht so richtig, dann hab ich von den 30 Leuten 3 rausgeschmissen.

Dann hab ich gedacht, das funktioniert, hat aber nicht funktioniert, dann kamen noch mal 4 hinterher. Dann kamen 2 Monate später noch mal 2 hinterher. Das heißt, ich hab sone Salamiaktik gemacht, hab immer gehofft, ich könnte möglichst viele Mitarbeiter halten. Und auf der Mitarbeiterseite kam an, na ja, in 2 Monate schmeißen da sowieso wieder 3 von uns raus. Das heißt, die waren komplett demotiviert.

Das heißt, es gibt solche Situationen, die Du beschreibst, wo ich als Unternehmer mich von Mitarbeitern trennen muss, weil sich's einfach nicht mehr rechnet, weil's nicht mehr funktioniert. Und an dieser Stelle, macht es bitte einmal. Lieber mehr als als zu wenig, also vermeid diese Salamitaktik, weil also zum einen wirst Du danach wahrscheinlich noch mal Leute rausschmeißen müssen und zum anderen, und das ist so superwichtig, es demotiviert dein Team. Wenn Du das einmal sagst und sagst, wir machen jetzt hier 'n Schnitt und jetzt Restteam, wir bauen gemeinsam auf, dann hast Du eine Chance, da noch eine Dynamik reinzubringen. Aber wenn Du dann nach 2 Monaten wiederkommst, ist jede Dynamik hin.

Mhm. Total legitim. Und was rätst Du ihm dann? Also der Unternehmer, der ist ja meistens, wenn er die Situation hat, er muss Also es hatte ich selber auch schon, gebe ich offen zu, dass ich gesagt habe, aufgrund der Situation, ich musste etwas verändern. Veränderung, Transformation ist ja auch erst mal für mich selber wichtig, aber auch für die Menschen, die mit mir diesen Weg gehen.

Ich fand das schlimm, dass das 1. Mal, also wenn wir schon von Kündigung reden, jemandem zu sagen, dass er nicht mehr mitmachen darf. Also ich sehe das ja wie, da bin ich als dreiundvierziger immer noch wie son dreiundvierzigjähriger, der ich jetzt bald werde, immer noch wie 'n Kind. Das heißt, ich will ja gar nicht, dass jemand aus meinem Sandkasten rausgeht. Was hat ja Spaß gemacht, mit dem zu spielen, wenn wir mal in dieser Analogie bleiben?

Ja. Jetzt muss ich den Menschen aber sagen, tut mir leid, ich hab keine Förmchen mehr für dich. Also das ist ja traurig. Man will das ja eigentlich nicht. Das das liegt ja gegen der menschlichen Natur, ne.

Was wie kannst Du 'nem Unternehmer sagen, hey, das ist nicht schlimm. Welche Worte sollte ich wählen? Mit welchen Bedenken geh ich als Unternehmer auch abends ins Bett, wenn ich das vielleicht am nächsten Tag machen muss? Na ja, was heißt, das ist nicht schlimm. Also wenn die wenn ich jetzt, ich sag mal, Obllacement Berater bin oder wenn ich in 'ner Personalabteilung im Konzern sitz, die machen das täglich, dass sie Leute irgendwie kündigen.

Da ist das Alltagsbusiness, die schlafen auch danach gut. Aber 'n Kleinunternehmer, der das alle paar Jahre vielleicht mal zu tun hat oder vielleicht alle 10 oder 20 Jahre mal, für den ist das eine unglaublich belastende Situation. Mhm. Und natürlich beschäftigt einen das und natürlich kann man danach nicht gut schlafen. Ich glaub, was man für sich an dieser Stelle braucht, ist eine Unterscheidung zwischen ich als Mensch, Stefan, der mit diesen Mitarbeiter, der vielleicht gehen muss, irgendwie tolle Erlebnisse hatte, vielleicht sogar befreundet ist und wo da 'n emotionaler Schmerz zukommt.

Das ist so die eine Seite. Und ich als Unternehmer, der eine Verantwortung für das Unternehmen hat und für auch die anderen Mitarbeiter, die dableiben. Und ich hab die Verantwortung dafür, denen in den 4 oder 6 Monaten nicht auch sagen zu müssen, Du darfst auch nicht mehr mitspielen. Und deswegen bin ich gezwungen, in dieser anderen Rolle alles dafür zu tun, dass die anderen bleiben können. Mhm.

Und ich glaub, diese diese Unterscheidung klar zu haben und dann auch im Gespräch zu sagen, also hey, passt auf, als Stefan und was wir uns persönlich miteinander verbindet, mir tut's total leid. Als Unternehmer hab ich eine andere Aufgabe jetzt, die mir nicht gefällt, es ist aber meine Aufgabe. Das heißt wirklich, diese beiden inneren Identitäten, dies diesen inneren Konflikt zum Ausdruck zu bringen, das macht's meist erst mal für einen selbst einfacher. Für den Mitarbeiter ist es ätzend. Ich mein, wenn er gekündigt wird, ist ihm egal, ob da noch die großen, schönen Worte außen rum mitgegeben werden.

Klar, ich mein, es gibt auch richtig üble Kündigungen, Kündigung, aber Kündigung ist Kündigung erst mal aus Mitarbeiterperspektive. Ja. Im Grunde, ne, wenn wenn man mit mit dem Menschen gut klarkam, ich glaub, dann kann man auch immer, hat man immer eine gute Kommunikationsbasis immer dann, wenn das, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und wenn Dinge passiert sind, die nicht hätten passieren dürfen, ne. Dann klar, da geht man, glaube ich, auch menschlich dann anders damit Man will ja immer den guten Mitarbeiter haben und auch den Lügen halten. Du hast doch gerade gesagt, Du musst ja, da hast Du so eine Situation, ich will jetzt nicht nur auf dem Schlechten rumreiten.

Wir reden jetzt hier von Kündigung, ne und von Dingen, die schwer sind. Aber da noch mal eine Frage zu, jetzt hast Du vielleicht die Situation, Du hast 'n Teil weg, den musstest Du, es ging nicht anders. Jetzt haben die anderen die nächste Angst. Wie motivierst Du den Unternehmer? Wie motiviert man den Mitarbeiter?

Das ist ja für die Zuhörer interessant vielleicht. Was sagst Du denen? Also beim Unternehmer wieder zurück, es geht nicht dadrum, was ich ihm sag, sondern wenn der Unternehmer erst mal für sich Klarheit gefunden hat, wenn er für sich ehrlich zu sich selbst ist, wenn er weiß, also nicht aus Hoffnung irgendwie, ah, da könnt eine neue Strategie funktionieren, sondern wenn er wirklich durchgerechnet hat, okay, auch im Worst Case kommen wir so durch, dann schafft er sich dadurch selbst eine innere Sicherheit. So, und mit dieser inneren Sicherheit muss er jetzt ins Team reingehen und diese Sicherheit ausstrahlen. Weil jetzt mal 'n Wechsel in anderen Bereich.

Aber ich glaub, auf der militärischen Seite oder im Militär, das absolut schwierigste Manöver, was es da gibt, ist ein geordneter Rückzug. Ich mein, man erinnert sich Napoleon, als er aus Russland zurück war zurück ist, war nicht ganz geordnet. Ergebnis ist, da war kaum mehr jemand übrig von seiner Crowdarmee. Also das ist wirklich das schwerste Manöver überhaupt und es fordert vom Unternehmer alles ab. Also ich glaub, das ist einmal eine Ansage ans Team wirklich, hey, okay, ich hab das durchgerechnet, Glaubwürdigkeit gewinnen und da klarzumachen, in diese Richtung geht's.

Und wenn das Unternehmen kleiner ist, ich glaub, dann ist es auch unglaublich wichtig, mit allem noch mal 'n Einzelgespräch zu führen und da reinzuhören, also nicht nicht, da ich's das den den Motivationsguru zu machen, sondern reinzuhören, welche Ängste sind denn da grade? Und wie geht's den Menschen? Und einfach da sein an der Stelle, das ist, glaub ich, 'n ganz zentraler Schlüssel. Mhm. Ich glaub, das Thema Dasein und Kommunikation mit den Mitarbeitern in einem Unternehmen wird immer wertvoller.

Vor allen Dingen, ich würd noch mal auf das Thema KI kommen, weil das ist ja auch immer 'n Teil, der in Triebwerk eine Rolle spielen wird, nicht nur Wertschöpfung an sich. Künstliche Intelligenz ist ja etwas, was wo ich aber auch feststelle, dass das noch nicht überall angekommen ist. Also klar, ChatGPT tippt ein Text. Viele machen ihre Bewerbung damit oder versuchen eben eine E-Mail irgendwie zu schreiben. Das gibt's ja die dollsten Fälle, habe ich schon gehört, aber so richtig wirklich geht's ja so weit, dass man damit alles programmatisch verändern kann.

Man kann sich seine eigene Welt bauen. Wie siehst Du diese Entwicklung? Hast Du da schon also nicht nur als Stefan Erfahrung gehabt, sondern sind dir schon Unternehmer gekommen, die gesagt haben, wie gehen wir denn jetzt damit Hast Du Stefan, gibst Du denen Ratschläge, was künstliche Intelligenz betrifft? Du hast ja 'n Internetunternehmen gehabt. Ich denke, diesen diesen exponentiellen Wachstumsgrad, den wir ja grade sehen, bekommst Du ja auch mit.

Klar. Also ich mein, was jetzt KI anbetrifft, man muss nur mal in Youtube reingucken. Da kommt wirklich jeden Tag kommt entweder 'n neues Tool aufm Markt oder bei einem der bestehenden Tools, ob das jetzt ChatGPT oder Cloud oder Gemini oder was auch immer ist, kommt 'n neues Feature dazu. Also da passiert permanent was. Und da muss ich natürlich dranbleiben und schauen, was ist für mein Unternehmen einsetzbar?

Und da unterscheiden wir bei Unternehmercoach intern 2 Arten. Es gibt einerseits das, was ein Mitarbeiter für sich selbst an seinem eigenen Arbeitsplatz optimieren kann. Beispiel, wir haben jemand, die macht Verträge mit den Hotels für unsere Seminare. So, jetzt haben wir bestimmte Anforderungen an Seminarhotels, bestimmte Preisgrenzen und so weiter. Und dann kommt irgendwann, wenn da eine Anfrage in 'n Hotel gestellt wurde, son ellenlanges Angebot zurück, das bislang mühsam mit irgend 'ner Checkliste abgeglichen werden muss.

Dann ist sie hergegangen, hat das Ganze praktisch in die KI reingepackt und jetzt passiert es innerhalb von 'ner Minute automatisch. So, ich hab da überhaupt nie drüber nachgedacht, weil ich wusste gar nicht genau, was macht sie da eigentlich, weil ich bin nicht so tief drin. Das heißt, auf der Mitarbeiterebene versuch ich, die Mitarbeiter dadrin zu fördern und zu inspirieren, selbst ihren eigenen Arbeitsplatz effizienter zu machen mit KI. Das ist die eine Seite. Und dann gibt es das unternehmensübergreifende, zum Beispiel haben wir 'n Management System, wie viele andere Unternehmen auch.

Da arbeiten jetzt bei uns etwa 12, 15 Leute mit dem Ding. Wenn da jetzt 1 anfangen würde, das Ding komplett umzuprogrammieren, dann wär das doof. Das heißt, das muss logischerweise koordiniert ablaufen. Da haben wir 'n externen Berater, der genau für solche Automatisierung und KI Sachen uns an dieser Stelle unterstützt. Also das das mach ich auch nicht selbst an dieser Stelle, weil meine Aufgabe seh ich tatsächlich eher woanders im im strategischen Bereich.

Ich hab das zwar initiiert und hab gesagt, macht, aber ich bin noch nicht mal bei den Meetings dabei. Aber kontrollst Du das dann? Würdest Du das tun? Nee, ich hab noch eine Co Geschäftsführerin, die macht das. Mhm.

Okay. Das ist super. Son bisschen Aufteilung auch. Also würdest Du auch sagen, es ist immer gut, jemanden Zweiten bei sich zu haben im Unternehmen? Ab 'ner bestimmten Größenordnung auf jeden Fall.

Allerdings das Wichtigste ist, also man muss sich mit dieser Person blind verstehen. Wenn das nicht der Fall ist, dann macht man's lieber alleine. Es ist weniger Arbeit. Jetzt eine eine harte Frage, woran machst Du's aus, dass Du jemandem blind vertrauen oder dass dass ihr euch blind versteht? Also es hat sich über die über den Lauf der Zeit entwickelt.

Also sie hat als einfache Mitarbeiterin 2 19 angefangen, dann war sie irgendwann mal stellvertretende Serviceleitung, Serviceleitung, Prokuristin, Geschäftsführerin. Sie hat sich in jedem Bereich bewährt und also das ist sozusagen meine Beobachtung erst mal. Und dann natürlich hab ich das auch gefördert, dass da hinführt. Es gibt einmal in 'ner Woche hab ich eine Stunde lang mit ihr 'n Gespräch, wo's halt nicht nur irgendwelche Sachthemen geht, sondern auch persönliche Themen. Wie verstehen wir Führung?

Dann haben wir einmal im Monat 'n ganzen Führungstag, wo wir unsere Führungsmethoden gegenseitig reflektieren. Und dadurch entsteht halt 'n gemeinsames Verständnis. Und über das gemeinsame Verständnis kann man sich dann blind vertrauen. Find ich total stark. Also Du gehst da, ich merke, mit ganz viel, ja, wie soll ich das sagen, wie in einem harmonischen Stück, einem Musikstück gehst Du da wirklich von Anfang bis zum Ende durch.

Und man merkt, dass Du das mit 1 mit 1 Intensität machst. Finde ich echt total schön. Jetzt ist das ja so, jeder, Du hast ja gerade von Rollen gesprochen und ich würde so langsam zum Abschluss des Podcasts kommen. Rollen heißt ja, ich schlüpfe in diese Persona hinein. Ich werde jemand.

Ich bin die Fachkraft, ich bin der Manager, ich bin der Unternehmer. Würdest Du sagen, dass das auch der Bezug zu dir selber sein muss? Also klar, wir machen das jetzt nicht nur, Geld zu verdienen, sondern wir identifizieren uns auch damit? Absolut. Also weil ich mein, jetzt einfach nur, Geld zu verdienen, es gibt immer mal wieder schwierige Situationen im Unternehmen, wo ich entweder mehr arbeiten muss, vollen Einsatz zeigen muss, wo ich in irgendwelche Konflikte reingehen muss.

Und dann dann ist immer die Frage, wo kommt die Motivation her? Mhm. Und die kommt nicht nur aus dem Geld. Also es gab mal 'n irgendwie über 20 Jahre alt eine Untersuchung, wo Sie mal geguckt haben, was sind eigentlich so die Motive von Unternehmern? Was weiß ich, Dinge umsetzen, Vision verwirklichen, keine Ahnung.

Und da waren 11 verschiedene Motive und das Geld war das 11. Von den Elfen. Also hat auch eine Rolle gespielt, aber war die die unwichtigste Rolle. Und ich glaub, es braucht immer eine gewisse Begeisterung für das, was man tut. Also in meinem Fall eben Unternehmern helfen und Unternehmer voranbringen.

Und wenn die nicht da wär, dann könnt ich die Bude zumachen ehrlicherweise. Macht keinen Sinn. Ich stelle zum Abschluss, so hab ich's vor, meinen Gästen immer eine sehr philosophische Frage. So wärest Du jetzt derjenige, dem ich diese stelle. Wer bist Du ohne deine Position und ohne deinen Namen?

Das ist eine interessante Frage. Also zum einen, Du stellst das jemand, der 7 Jahre Philosophie studiert hat. Also von daher philosophische Frage passt zusammen. Zum anderen mach ich tatsächlich jeden Morgen eine Übung. Und diese Übung heißt, verabschiede dich von all dem, was Du hast.

Weil das Problem ist ja, dass wir ganz oft uns an äußere Sachen binden. Was weiß ich, wenn ich 'n größeres Unternehmen hab, bin ich toller, als wenn ich 'n kleineres Unternehmen hab. Wenn mein Aktiendepot gestiegen ist, dann fühl ich mich toller, als wenn's gefallen ist. Wenn ich mit 'ner tollen Partnerin zusammen bin, fühl ich mich toller, als wenn ich allein bin. Das heißt, wir machen das an äußeren Dingen fest.

Und das ist schön, solang die äußeren Dinge da sind, aber die können ja auch verschwinden. Und dann entsteht eine Angst vor dem Verschwinden. Und aus 'ner Angst raus entstehen in der Regel ziemlich dumme Handlungen. Und ich glaub, als Unternehmer muss man lernen, angstfrei zu agieren. Aus dem Grund verabschied ich mich jeden Morgen in Gedanken, wirklich in in 'ner Gedankenreise von meinem Unternehmen, was wäre, wenn das Unternehmen nicht mehr da wär?

Ich geh noch 'n Stück weiter, was wär, wenn mein Vermögen nicht mehr da wär und so weiter. So, und da dann sitz ich, mal ganz platt gesprochen, am Ende auf 1 grünen Wiese und am am Anfang ist erst mal Trauer da, weil das alles weg ist. Und nach dieser Trauer kommt dann, hey, was können wir jetzt machen? Und dann kommt so so so son son fast schon Spielkind in mir hoch und denkt sich, geil, ich kann komplett neu anfangen. Und die dieses Innere, diese diese Haltung aus aus der Trauer ganz, ganz wichtiger Kern von mir.

Und das das, würd ich sagen, macht mich aus. Also Du bist der Stefan, der auf der Wiese sitzt und weiß, jeden Tag, wenn Du neu beginnst und wenn Du nichts hättest, Du wüsstest, Du hast dich, richtig? Genau. Das ist die Botschaft. Ja.

Find ich super. Stefan, das war eine wunderbare Podcastfolge. Ich bedanke mich sehr herzlich bei dir, dass Du teilgenommen hast und ja, an die Gäste da draußen. Mich würd's natürlich freuen, wenn ihr diese Folge teilt, wenn ihr abonniert und wenn ihr einfach dabei seid bei solchen Gästen wie Stefan und bedanke mich bei euch fürs Zuhören und sage bis zur nächsten Ausgabe. Danke für die Einladung, David.

Sehr gerne.