In einer Sonderfolge des Podcasts "Kevin allein im Marketing" verlässt Gastgeber Kevin sein gewohntes Terrain und wagt sich an ein heikles Thema: Politik. Zu Gast ist Magnus Trinkwalder, 21 Jahre alt, aktiv bei der Grünen Jugend sowie bei den Grünen in seiner Heimatstadt Augsburg und beruflich in einem Social Business tätig. Statt parteipolitischer Schlagworte entwickelt sich ein offenes Gespräch über die großen gesellschaftlichen Baustellen – von der Außenpolitik über den Klimaschutz bis zu Steuern, Rente und Wohnungsnot.

Warum Klimaschutz für ihn im Zentrum steht

Auf die Frage, warum er sich ausgerechnet den Grünen angeschlossen habe, antwortet Trinkwalder klar: Die Frage, wie wir unseren Planeten schützen, sei die zentralste Herausforderung dieses Jahrhunderts. Klimaschutz lasse sich dabei nicht von anderen Politikfeldern trennen.

Wenn wir Überschwemmungen haben, wenn sich ganze Landstriche bei Hochwasser verabschieden, dann haben wir auch eine Sozialfrage und eben nicht nur eine Klimaschutzfrage.

Sein Einstieg in die aktive Politik fiel mit dem Ende der Ampelkoalition zusammen – für ihn der Moment, an dem er nicht länger nur über die Medien schimpfen, sondern selbst Hand anlegen wollte.

Außenpolitik: Ukraine, Iran und die Abhängigkeit von den USA

Beim Blick auf die Weltlage betont Trinkwalder, dass das Engagement für die Menschen in der Ukraine richtig sei – und dass man sich zugleich stärker für die Menschen im Iran einsetzen müsste, ausdrücklich nicht für das dortige Regime. Die strategische Bedeutung der Ukraine als Puffer vor dem NATO-Gebiet sei ein wesentlicher Grund für die unterschiedliche deutsche Haltung.

Mit Blick auf einen möglichen NATO-Austritt der USA warnt er vor blinder Abhängigkeit: Man dürfe nicht jeden politischen Weg mitgehen, nur aus Angst, im Stich gelassen zu werden. Zugleich zeigt er sich überzeugt, dass ein solcher Schritt von einer künftigen US-Regierung vermutlich rückgängig gemacht würde.

Erneuerbare Energien: Ein verspieltes Bett

Ein besonderes Anliegen ist beiden das Thema Solarstrom. Kevin kritisiert, dass Deutschland trotz aller Klimaschutz-Rhetorik den Ausbau nicht in den Griff bekomme – etwa durch bürokratische Hürden bei Balkonkraftwerken oder fehlende Solarpflichten bei Neubauten. Trinkwalder gibt ihm recht und verweist darauf, dass genau dies eine Kernforderung seiner Partei sei.

Er erinnert daran, dass Deutschland einst weltweit führend in der Solarindustrie war und diese Position durch das Kürzen von Förderungen selbst verspielt habe. Heute kämen die Solarpaneele größtenteils aus China, das inzwischen mehr als die Hälfte seines Stroms aus Wind und Sonne beziehe. Damit widerlegt er auch das verbreitete Argument, ein deutscher Alleingang sei sinnlos.

Erst mal sollte uns niemand davon abhalten, das Richtige zu tun, auch wenn andere was Falsches tun.

Steuern, Sozialabgaben und der Staat als Sicherheitsgeber

Kevin bringt seinen Frust über die hohe Steuerlast auf den Punkt und fragt, wohin die Milliarden eigentlich fließen. Trinkwalder ordnet ein: Bei der Einkommensteuer liege Deutschland im europäischen Durchschnitt. Auch das vielzitierte Beispiel der "Radwege in Peru" relativiert er – es handle sich um einen Kredit, der zurückgezahlt werde, oft an Bedingungen gekoppelt, sodass deutsche Unternehmen davon profitierten.

Sozialabgaben verteidigt er grundsätzlich mit dem Credo, es dürfe Menschen unterschiedlich gut gehen, aber niemandem schlecht. Ein besonders eingängiges Argument liefert der Verweis auf ein Gespräch mit einem Professor der TU München: Es sei letztlich der Staat, der dafür sorge, dass man den Rest seines Geldes überhaupt behalten dürfe.

Gesundheit, Rente und die großen Reformbaustellen

Beim Blick auf rund 93 Krankenkassen sind sich beide einig, dass es zu viele seien – wobei Trinkwalder einräumt, sich in dieser Detailfrage nicht ausreichend auszukennen. Kevin plädiert für weniger Kassen und stellt die Berechtigung der privaten Krankenversicherung infrage.

Beim Thema Rente wird Trinkwalder deutlicher: Es gehe nicht nur darum, wer einzahle, sondern um eine grundlegende Neustrukturierung des Systems. Er wünscht sich, dass auch Beamtenjobs einbezogen werden – allerdings in ein radikal reformiertes System. Zu den Kernpunkten seiner Vision zählen:

  • Ein reformiertes Rentensystem ohne starres Renteneintrittsalter
  • Höhere Besteuerung sehr großer Vermögen und geschlossene Lücken bei der Erbschaftssteuer
  • Ein hoher Mindestlohn, dessen Anhebung nicht automatisch die Inflation antreibe

Die These, ein höherer Mindestlohn heize die Inflation an, entkräftet er mit Verweis auf mehr Kaufkraft und Nachfrage – die Zusammenhänge seien komplexer als eine einfache Lohn-Preis-Spirale.

Wohnen als soziale Kernfrage

Den größten Raum nimmt das Thema Wohnen ein. Angesichts von Mieten von 17 Euro und mehr pro Quadratmeter im Rhein-Main-Gebiet bezeichnet Trinkwalder die Wohnfrage als eine der drängendsten der Gegenwart. Er vertritt die pointierte Haltung, dass mit Grundbedürfnissen kein Spekulationsgeschäft gemacht werden sollte.

Als Lösungsansätze nennt er genossenschaftlichen Wohnungsbau nach Wiener Vorbild, gesenkte Baustandards bei gewahrter Sicherheit, weniger Bürokratie, Leerstandskataster mit Leerstandsabgaben sowie das Erbbaurecht, wie es Augsburg bei städtischen Grundstücken bereits praktiziert.

Der Rollenspiel-Ausblick: Erste Amtshandlungen

Zum Abschluss soll Trinkwalder sich als fiktiver erster grüner Bundeskanzler seine ersten 100 Tage vorstellen. Seine drei Prioritäten: eine massive Rentenreform mit flexiblerem Renteneintritt, radikale Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr statt in den Individualverkehr sowie ein harter Mietpreisdeckel, gepaart mit einem stärkeren staatlichen sozialen Wohnungsbau.

Am Ende zieht Kevin ein überraschtes Fazit: Das Gespräch sei weniger "grün" und ideologisch ausgefallen, als viele erwarten würden – und lädt seine Hörerinnen und Hörer ein, über eine zweite politische Spezialfolge samt Themenwünschen abzustimmen.