Wie tritt man 2026 auf Instagram auf? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer weiteren Folge des Podcasts "Kevin allein im Marketing", in der Gastgeber Kevin gemeinsam mit dem Social-Media-Experten Frank S. Fischer in den Instagram-Tiefgang ging. Das zentrale Thema: der Abschied vom Perfektionismus zugunsten von Authentizität. Nach Kevins Besuch der OMR zeichnete sich für ihn ein klarer Trend ab. Perfekt inszenierte Videos verlieren an Bedeutung, echte und ungeschliffene Inhalte gewinnen.
Der Perfektionismus verschwindet – zumindest bei den Klugen
Auf der OMR fiel Kevin auf, dass zahlreiche Creator ihre Reels und Fotos produzierten, dabei aber der frühere Perfektionsdruck weitgehend fehlte. Wenn etwas unscharf war, sei es drum, Hauptsache der Ton stimmte. Frank bestätigte diese Beobachtung, wenn auch mit einer Einschränkung: Der Perfektionismus sei nicht komplett verschwunden, sondern nur bei jenen, die verstanden haben, wie das Spiel heute funktioniert.
Besonders bei Selbstständigen erlebe er einen deutlichen Wandel. Filter und Masken fallen zunehmend weg – oft auch aus reinem Pragmatismus, weil schlicht die Zeit für aufwändige Produktionen fehlt. Bei größeren Unternehmen mit eigenen Social-Media-Teams sei die Lage dagegen noch anders, dort werde häufig noch stark auf perfekte Inszenierung gesetzt. Das sei bis zu einem gewissen Grad auch legitim, betonte Frank, es hänge davon ab, wie ein Unternehmen wahrgenommen werden möchte.
Schneiden am Handy oder am Rechner?
Ein praktischer Streitpunkt der beiden: Wo bearbeitet man Videos am besten? Kevin gestand, aufgrund seiner vielen parallelen Tätigkeiten keine Zeit für aufwendigen Schnitt zu haben und lieber am Laptop zu arbeiten. Das Schneiden am Handy empfinde er als Vollkatastrophe.
Frank hielt dagegen. Als Teil seines Jobs müsse er das Schneiden am Handy beherrschen. Der entscheidende Vorteil liege in der verfügbaren Zeit. Am Rechner sitze er meist beim Arbeiten, unterwegs jedoch – etwa in der Bahn, seit er kein Auto mehr besitzt – habe er ausreichend Gelegenheit, seine Videos zu schneiden. Seine Reels seien meist minimalistisch: einmal reinreden, maximal eine Minute, dann online.
KI-Content und die Gefahr der perfekten Avatare
Ein wachsendes Thema ist der Aufstieg KI-generierter Inhalte. Deep Fakes und künstliche Influencer werden immer schwerer von echten Personen zu unterscheiden, und mit ihnen lässt sich erhebliches Geld verdienen. Frank sieht darin eine besondere Gefahr für Dienstleister mit persönlichem Kundenkontakt – Coaches, Fotografen und andere, die im direkten Austausch arbeiten.
Wenn die anfangen, nur noch KI-Content zu machen, dann werden die auch mit diesem perfekten KI-Avatar verglichen. Und dann triffst du die Person im echten Leben und dann denkst du so, okay, du bist jetzt die kleine Schwester.
Für Angebote, die ausschließlich online und massenhaft stattfinden, könne KI funktionieren. Für persönliche Dienstleistungen entstehe jedoch eine Erwartungslücke zwischen dem optimierten Avatar und der realen Person.
Was ein gutes Reel ausmacht
Neben Authentizität und dem Verzicht auf Filter nannte Frank mehrere Faktoren für erfolgreiche Reels. Ganz oben stehen Untertitel – sowohl aus Gründen der Barrierefreiheit als auch, weil ein Großteil der Nutzer Instagram zunächst ohne Ton konsumiert. Wer in den ersten drei Sekunden nicht erkennt, worum es geht, springt ab.
Der wichtigste Punkt aber ist für Frank die Intention hinter dem Video. Er berichtete von einer Kundin, deren Reels stets einen unterschwelligen Verkaufsimpuls enthielten. Diese Videos erreichten jeweils nur 200 bis 300 Aufrufe. Ein reines Vorstellungsvideo ohne jede Verkaufsabsicht dagegen brachte es auf über 3.600 Aufrufe.
- Untertitel sind Pflicht – wegen Barrierefreiheit und stummer Nutzung
- Die Intention entscheidet: Mehrwert statt Verkaufsdruck
- Ein Reel muss nicht in 30 Sekunden verkaufen
- Nicht jedes Video braucht einen Call-to-Action
Der Grund für den Erfolg liege nicht primär am Algorithmus, erklärte Frank. Videos werden zunächst neutral gescannt und einer vergleichbaren Zielgruppe gezeigt. Bei echten, verkaufsfreien Inhalten bleiben die Zuschauer länger dran, was zu mehr Reichweite führt. Der Algorithmus arbeite dabei stets für die Nutzer, nicht gegen die Creator.
Reels statt Storys – warum Sichtbarkeit zählt
Frank setzt inzwischen fast ausschließlich auf Reels, auch für persönliche Momente, die er früher nur als Story geteilt hätte. Der Grund: Eine Story sehen nur die aktuellen Abonnenten und sie verschwindet nach 24 Stunden. Ein Reel dagegen bleibt sichtbar und ergänzt das Gesamtbild der Person. So entstehe über viele Videos hinweg ein Puzzle aus Expertise, Leidenschaft und Interessen, das neue Menschen anzieht.
Auch Kevins Umgang mit seinen OMR-Eindrücken kam zur Sprache. Er hatte diese nur in Storys festgehalten – für Frank grundsätzlich schon besser als das, was die meisten Menschen tun, aber eine nachträgliche Zusammenfassung als Reel wäre sinnvoller gewesen.
Live-Test: In fünf Minuten zum fertigen Reel
Als Höhepunkt der Folge produzierte Kevin live während des Gesprächs ein Reel. Über die Story-Funktion nahm er eine Minute auf, bearbeitete das Video anschließend in der App Edits – Instagrams Alternative zu CapCut – fügte Untertitel hinzu und lud es hoch. Frank empfahl Edits klar gegenüber CapCut, da dieses seit einer Datenschutzänderung Videos beim Upload weiterleite, ohne echte Widerspruchsmöglichkeit.
Innerhalb weniger Minuten war das Reel online, inklusive Kollaborationsfunktion, über die beide Accounts von der jeweiligen Reichweite profitieren. Der Beweis: Instagram-Content muss weder Kunst noch Hexenwerk sein.
Fehlerkultur und die Kraft der Menge
Zum Abschluss betonten beide die Bedeutung einer gesunden Fehlerkultur. Technikpannen – wie die mehrfach ausfallende Kamera während der Aufnahme – gehören dazu und passen zur Idee der Authentizität. Franks entscheidender Rat: Wer regelmäßig postet, kann sich Fehler leisten, weil der nächste Content schon bereitsteht. Nur wer bloß einmal im Monat veröffentlicht, wird von einem Ausrutscher hart getroffen.
Die Botschaft der Folge ist eindeutig: einfach anfangen, sich vorstellen, Mehrwert bieten und nicht alles zum Verkaufspitch machen. Echtheit schlägt Perfektion.