Rund zwei Wochen nach der zweiten Ausgabe der Vertrieb Business Live (VBL) in Köln zieht Veranstalter Leif Mergener gemeinsam mit seinen Gästen Steffen Wetzel und Florian Gypser Bilanz. In dieser Podcastfolge – zugleich der vorläufig letzten Ausgabe von "Irgendwas mit Vertrieb" vor dem Start einer neuen Staffel in verändertem Format – geht es um die Highlights der Konferenz, neue Formate, ehrliches Feedback und einen Ausblick auf 2025. Der Tenor: Die Veranstaltung wurde im zweiten Jahr spürbar geschärft, ohne ihren besonderen Charakter zu verlieren.

Eine Konferenz, die Nähe schafft

Das prägende Merkmal der VBL ist für alle Beteiligten die Nahbarkeit. Speaker werden nicht hinter der Bühne abgeschirmt, sondern sind den ganzen Tag über für die Teilnehmer greifbar. Steffen Wetzel, der die Konferenz moderierte, hebt dieses Konzept besonders hervor:

Ich finde dieses Flair dieser Veranstaltung, dass Du die Leute nicht einsperrst hinter der Bühne, sondern sie die ganze Zeit greifbar sind für die Leute – das finde ich nach wie vor ein geiles Konzept.

Auffällig war auch die Kommunikationsfreude des Publikums. Die Teilnehmer nutzten die – bewusst verlängerten – Netzwerkpausen intensiv und kamen kaum vom Reden ab. Für Florian Gypser, der die Konferenz eher aus der Perspektive eines Nicht-Vertrieblers betrachtet, war die Stimmung sogar mit einem Klassentreffen vergleichbar. Selbst mitreisende Teamkolleginnen und -kollegen, die inhaltlich mit dem Thema Vertrieb wenig anfangen konnten, lobten die einzigartige Atmosphäre.

Experten aus der Praxis statt reine Bühnenprofis

Ein bewusster Schwerpunkt lag auf der Zusammensetzung der Speaker. Neben einigen professionellen Rednern – genannt wird etwa Stefan Heinrich – standen vor allem Brancheninsider auf der Bühne, die direkt aus der Praxis berichteten. Für Steffen Wetzel war genau diese Mischung entscheidend:

  • Die inhaltliche Bandbreite reichte vom Vertrieb "on the ground" bis zum Aufbau von Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern.
  • Viele Referenten waren Praktiker, die dieselbe Sprache sprachen wie das Publikum.
  • Die gesunde Streuung sorgte dafür, dass jeder Teilnehmer passende Impulse mitnehmen konnte.

Wetzel betont, dass gerade Fachleute mit starkem Hintergrund zu Wort kamen, die man auf anderen Veranstaltungen eher im Publikum als auf der Bühne findet – obwohl sie den Platz auf der Bühne verdient hätten.

Neue Formate: Hotseat, Round Tables und Panel

Für die zweite Ausgabe wurden mehrere interaktive Formate ergänzt. Der von Steffen Wetzel angeregte Hotseat brachte Teilnehmer und Experten direkt zusammen: Das Publikum konnte reale Fälle vorbringen und Fragen stellen, die von den Fachleuten beantwortet wurden. Das Format kam gut an, soll aber im nächsten Jahr auf zwei Durchgänge aufgeteilt werden, damit die Experten nicht alle gleichzeitig auf der Bühne stehen.

Auch die Round Tables, übernommen von einem anderen Veranstaltungskonzept, funktionierten deutlich besser als bei früheren Anläufen. Florian Gypser leitete einen Tisch zum Thema Videokommunikation mit rund sieben Teilnehmern und generierte daraus zwei konkrete Leads – von einer angebahnten Kooperation bis zu einem fertigenden Betrieb, der Videokommunikation im Vertrieb umsetzen will.

Ein Round Table geriet ungeplant zum spontanen Erfolg: Weil der zum Thema LinkedIn vorgesehene Slot beinahe untergegangen wäre, blieb die Gruppe kurzerhand auf der Kinotreppe stehen und beantwortete zugerufene Fragen – vom Schreiben einer Headline bis zu praktischen LinkedIn-Tipps. Immer mehr Interessierte stießen dazu. Für die Beteiligten ein Beleg dafür, dass das Format grundsätzlich trägt, wenn es klar angekündigt wird. Ergänzt wurde das Programm durch ein Panel zur Vertriebseffizienz, in dem eine Vertriebs- einer Marketing-Perspektive gegenübergestellt wurde.

Das Pop-up-Studio als Erfolgsgeschichte

Florian Gypser war erneut mit dem Podcast-Pop-up-Studio vor Ort – für ihn die bislang erfolgreichste Veranstaltung mit diesem Angebot. Nach dem aufwendigen ersten Jahr lief der Aufbau diesmal reibungslos, das Team war eingespielt und der Fokus klar. Aus den Gesprächen ergaben sich mehrere Leads, aus denen bereits der erste Deal entstand. Auch Leif Mergener profitierte von der besseren Abstimmung: Weil Steffen Wetzel moderierte, konnte er selbst gezielt Speaker ins Studio holen und mit ihnen Interviews führen.

Das Kino-Format: Chance und Baustelle zugleich

Die Konferenz fand in einem Kino statt – in diesem Jahr in einem etwas größeren Haus mit kürzeren Wegen. Der Content wurde in 90-Minuten-Blöcke gegliedert, gefolgt von rund einstündigen Netzwerkpausen. Das Kino-Flair mit großer Leinwand und bequemen Sesseln kommt gut an, fordert aber auch Konzentration. Für die Zukunft plant Mergener, das Format stärker zu inszenieren – etwa mit individuellen Trailern und Einlaufmusik für jeden Speaker.

Ausblick und der Wert des Netzwerkens

Die VBL wird 2025 erneut stattfinden, der genaue Termin steht noch nicht fest. Die Teilnehmerzahl ist auf rund 250 Personen begrenzt – eine bewusste Entscheidung zugunsten der Community, die sich nicht beliebig skalieren lässt. Eine frühzeitige Voranmeldung wird daher empfohlen. Diskutiert wurde zudem, das ohnehin geplante After-Show-Event stärker in den Vordergrund zu rücken und das Netzwerktreffen möglicherweise auf den Vorabend vorzuziehen.

Ein zentrales Fazit betrifft den Wert von Veranstaltungen generell. Mergener rät, sich bewusst Zeit zu nehmen und nicht nebenher zu arbeiten – dann treffe man immer jemanden, mit dem sich Geschäft entwickeln lasse. Er empfiehlt zudem, gezielt auch außerhalb der eigenen Bubble zu netzwerken. Florian Gypser ergänzt, dass kleinere Formate für ihn deutlich wirkungsvoller seien als große Messen, weil man schneller in echten Kontakt komme. Als nächste Termine wurden unter anderem die Social Drinks in Düsseldorf, die Verhandlungsbasis in Köln sowie die EVlounge-Wiesn im Oktober genannt.