Cover: Wer hat dem Handwerk eingeredet, dass es „zweite Wahl“ ist?– Andrea Peters über Zukunft, Prävention & Ausbildung im Handwerk | Oliver Oettgen

Wer hat dem Handwerk eingeredet, dass es „zweite Wahl“ ist?– Andrea Peters über Zukunft, Prävention & Ausbildung im Handwerk | Oliver Oettgen

19. Mai 2026 21:49 Min.
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Worum es geht

Warum gilt das Handwerk oft als „Plan B

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Autor: Handwerk spricht – Der Handwerk Podcast!

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Transkript

Herzlich willkommen zu Handwerk spricht heute mit Andrea Peters hier bei uns im Studio. Im Studio ist ganz witzig, weil Du bist ja eigentlich die Gastgeberin an der Stelle, aber da reden wir gleich drüber, denn auch für dich hab ich 3 Thesen dabei, die möchte ich dir gerne vorlesen und bin auf deine Reaktion gespannt. Die 1. These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr, es ist nur noch ein Plan b für alle, die fürs Studium nicht geeignet sind. Hui.

Also genau das Gegenteil würd ich eigentlich unterschreiben, dass das kein Plan b ist, sondern dass das eine Berufung ist. Also dass diejenigen, die ins Handwerk starten, richtig viel Spaß und Freude bei ihrer Arbeit haben. Und was man auch nicht vergessen darf, früher hat man immer gesagt, wer ins Handwerk geht, der hat auch keine großen Verdienstmöglichkeiten. Auch da würd ich das Gegenteil mittlerweile behaupten, weil die Wertschätzung fürs Handwerk absolut da ist und weil man da, wenn man Leistung bringt, auch gut für entlohnt wird und gutes Geld mitverdienen kann. Und das freut mich fürs Handwerk.

Von daher würd ich sagen, nee, das unterschreib ich so nicht. Sehr gut, danke. 2. These. Der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen.

Auch das nehm ich ganz anders wahr, weil so die Handwerksbetriebe und die Handwerker, mit denen ich spreche, ich glaub, die sind auf die Tradition richtig stolz. Und egal, ob ich jetzt an den Konditor denke, an meine Friseurin denke, die haben ihren Meisterbrief an der Wand hängen und da hängen teilweise von Generationen die Meisterbriefe an der Wand. Und das ist ja nicht so, weil's verstaubt ist oder weil's alt ist, sondern weil die da eine Leistung gebracht haben, auf die die eben stolz sind und die die auch gerne nach außen zeigen. Darüber hinaus ist das auch 'n Qualitätsmerkmal. Also einmal in Deutschland, aber auch außerhalb von Deutschland.

Also es gibt ja einige Meisterbriefe, die eine Zeit lang abgeschafft wurden, die jetzt mit viel Mühe wieder eingeführt werden. Und das hat ja 'n Grund. Also nicht nur, weil's für eine qualitativ hochwertige Ausbildung steht, sondern weil man eben, wenn man dieses Zertifikat in der Hand hat, auch im Ausland damit nachweisen kann, ich bin sehr, sehr gut ausgebildet und im Zweifel sogar besser ausgebildet als die heimischen Handwerker. Sehr gut, Dankeschön. 3.

These. Das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach unattraktiv für junge Menschen. Ich glaub, 'n Nachwuchsproblem oder Herausforderung haben wir da alle. Also egal ob's jetzt der Handwerksbetrieb ist oder ob's die Sparkasse ist, die haben früher Tausende Bewerbungen gehabt. Die haben heute auch nur noch wenige Bewerbungen und müssen gucken, dass sie qualifizierte Mitarbeiter bekommen.

Und die gleichen Herausforderungen hat das Handwerk auch. Von daher muss man einfach gucken, dass man attraktiv ist für den Markt. Man muss gucken, dass man die Jugendlichen bekommt und überzeugt. Und wenn wir, wir sind ja viel auch bei Ausbildungsmessen und bei Tagen des Handwerks und Sonstigem, wo junge Leute dann angesprochen werden, man kann das immer ganz gut beobachten. Immer dann, wenn die ins Tun kommen.

Also wenn die selber was machen können, dann ist das Leuchten in den Augen da und ich glaube, dann werden wir auch keine Nachwuchsprobleme haben. Ja. Andrea, Dankeschön für die Rückmeldung schon mal zu den Thesen. Ja, ich hab schon gesagt, Du bist ja eigentlich die Gastgeberin hier, die die uns quasi die Räumlichkeiten hier für die Drehs zur Verfügung gestellt hat. Da schon mal vielen Dank zu.

Sehr gerne. Ja, nehmen wir uns doch mal mit. Wer bist Du? Was machst Du hier? Und ja, was sind so deine Themen, die dich vor allen Dingen bewegen, grade wenn's ums Thema Handwerk geht?

Mein Name ist Andrea Peters, ich bin Regionaldirektorin hier von der IKK, also für den Bereich Aachen, Düren und Euskirchen zuständig. Wir haben einmal die Kundenberatung hier im Haus, wir haben 'n Kundenberater im Außendienst. Wir sind also für alle Gesundheitsthemen ansprechbar. Und als Krankenkasse des Handwerks stehen wir eben sehr, sehr nah am Handwerk dran und kümmern uns ja, die Gesundheit der Handwerker bei uns in der Region. Und da gibt's mit Sicherheit viel zu tun, oder?

Ja, auf jeden Fall. Also gerade so das Thema Prävention, wir haben uns selber als Präventionsspezialisten hier bezeichnet oder tun das immer noch, weil wir ganz, ganz viel im Bereich Gesundheitstage, betriebliches Gesundheitsmanagement unterwegs sind. Und aus der Historie raus, Innungskrankenenkasse, sind wir von Handwerkern gegründet, haben also eine lange Tradition im Handwerk, arbeiten sehr eng auch mit den Handwerksorganisationen zusammen, sei es Kreishandwerkerschaften, die Handwerkskammern, die verschiedenen Innungen. Und sind auch im Bereich Forschung damit unterwegs und forschen also, warum das Handwerk vielleicht besondere Herausforderungen hat und wie wir als Krankenkasse auf diese besonderen Herausforderungen auch eingehen können. Sehr interessante Arbeit, die ich machen darf.

Es gab mal eine Studie, wo gesagt oder drinstand, dass da die Handwerksberufe, dass sie dass sie sehr erfüllend sind. Das einen Vergleich dann zu anderen Berufen, Bürojobs und so weiter, dass das Handwerk eigentlich vorneweg ist und dass die Werte viel besser sind. Hat sich das in den letzten Jahren noch mal bestätigt oder ist noch mal sone Studie gemacht worden? Ich glaub, sie ist schon 'n paar Jahre her, deswegen frag ich danach. Ja, die Studie ist aus den Jahren 20 20 bis 20 22 und da geht's tatsächlich darum, Handwerk macht glücklich.

Und das ist sehr, sehr schön zu sehen, denn die Handwerker sind nicht nur überproportional glücklich, sondern sie fühlen sich dadurch auch überproportional gesund. Denn diesen Werksstolz, den Handwerker mit sich bringt, weil er eben sehen kann am Ende des Tages, was er für 'n Haus gebaut hat, was er für tolle Wände bemalt hat, was er fürn tollen Kuchen gebacken hat und was auch immer. Das haben andere Arbeiter oder Angestellte eben leider nicht. Und das macht besonders glücklich. Und das führt auch dazu, dass man Faktoren wie Stress oder ja, Belastungen, die der Arbeitsalltag einfach mit sich bringt, besser ausgleichen kann.

Also man kann sich das wirklich wie eine Waage vorstellen und durch den Stolz und durch die Erfüllung, die man in seinem Job hat, kann man dann andere Sachen besser wegstecken. Ja. Ja, definitiv. Und trotzdem haben wir ja eine relative hohe Krankschreibungsquote gehabt in der letzten Zeit. Hast, habt ihr da schon eine Analyse gemacht, wie das zustande gekommen ist?

Ja, da natürlich die Coronazahlen auch mit rein, ne. Also wir hatten ganz besondere Jahre, das hat jeder mitbekommen und dadurch haben sich die Arbeitsunfähigkeitszeiten auch anders entwickelt. Es gibt aber Studien, wonach tendenziell jüngere Menschen auch mehr Arbeitsunfähigkeitstage haben als ältere Menschen, die beschäftigt sind. Da gibt's verschiedene Thesen zu, dass die jüngeren Menschen besser in sich hören und auch erkennen, wenn sie krank sind. Mag mit Sicherheit auch reinspielen, dass man sich heute eher krank meldet, wenn man zum Beispiel eine Infektionskrankheit hat, weil man 'n höheres Bewusstsein dafür hat, die Kollegen nicht anstecken zu wollen.

Aber die Tendenzen sind tatsächlich gegeben und das sehe ich auch hier bei uns im Kollegenkreis. Ja. Ja, ist ja im Grunde auch nicht immer verkehrt, ne. Wenn man ansteckend ist, dann sollte man auf jeden Fall zu Hause bleiben, weil dann hat man ja schon 'n Peak erreicht, der auch dann dazu führt, dass man auf jeden Fall sich funden sollte, ne. Ja, und jetzt hat man im Handwerk natürlich auch nicht die Möglichkeit, mit Homeoffice sich da zu isolieren und von zu Hause zu arbeiten zumindest in den meisten Fällen.

Von daher ja, sollte man manchmal vernünftig sein. Ja, genau. Was motiviert dich eigentlich so auch für das Handwerk auch, sich einzusetzen im Rahmen deines Jobs? Ich bekomm unheimlich viel zurück, weil wir sind in Betrieben unterwegs und wir kommen ja viel ins Machen. Also wir reden nicht nur, wir reden natürlich vorher auf und planen genau, was wir machen wollen, aber wir gehen dann ganz praktisch ran.

Und wenn man sich zum Beispiel sone Kurzintervention, also erst mal 'n ganz kurzen Impuls in 'nem Betrieb vorstellt, dann haben wir da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die haben sich vorher vielleicht nicht ganz so viel Gedanken darüber gemacht, dass sie jetzt heute mit dem Thema Gesundheit in Berührung kommen. Und dann kommen wir und wir kommen dann zum Beispiel mit 'nem Rückencheck oder mit so ganz niederschwelligen Dingen. Und diesen Aha Effekt dann in den Augen zu sehen, also ich kann aus der Praxis berichten, wir machen Gesundheitstage viel auch mit Tischlern Und dann hatten wir einen Back Checker. Also das war wirklich son Kraftgerät, wo sich der Mitarbeiter dann reinstellt und dann wurde die Muskulatur in verschiedene Richtungen getestet. Und dann waren da Mitarbeiter, die offensichtlich viel Zeit im Fitnessstudio verbringen und ja, da auch relativ stolz drauf waren.

Und die haben gedacht, die gehen jetzt in dieses Gerät und sind die Helden, weil die natürlich die Muskulatur schlechthin haben. Und dann hat dieses Gerät den, mit EDV Auswertung ziemlich deutlich gezeigt, dass die sehr, sehr einseitig trainieren. Und das führt dann auch wieder dazu, dass man Rückenprobleme bekommt. Das heißt, die hatten nachher ihre Auswertung in der Hand und haben wirklich hinterfragt, ob das Training, was die so durchführen, gesund ist. Und ich gehe davon aus, dass der eine oder andere mit Sicherheit mit seinem Trainer im Studio noch mal gesprochen hat und 'n paar andere Übungen mit in den Trainingsplan aufgenommen hat.

Und das sind genau die Dinge, die dann Spaß machen, weil die Mitarbeiter ausm Handwerk Spaß daran haben, weil 'n Aha Effekt an dem Tag rausgekommen ist und langfristig das für die Gesundheit gut ist. In welchem Rahmen macht ihr das denn? Das hört sich ja schon aufwendig an, wenn ihr sagt, wir fahren 'n paar Testgeräten raus und so weiter und so fort. Das macht ihr ja nicht in jedem Unternehmen oder wie macht ihr das? Grundsätzlich machen wir das natürlich in Unternehmen, wo die Mitarbeiter auch bei der IKK versichert sind.

Jetzt ist es natürlich so, oder in den meisten Fällen leider so, dass nicht alle Mitarbeiter bei uns versichert sind. Aber uns ist es wichtig, die Gesundheit in dem Betrieb zu stärken. Das heißt, Du hast selber 'n Betrieb. Was machst Du für deine Mitarbeiter zum Thema Gesundheit? Na ja, wir machen verschiedene Angebote natürlich und sie werden mal angenommen und mal nicht angenommen.

Also es ist ganz unterschiedlich. Wir haben auch schon mal mit eurem Haus zusammen auch schon mal Veranstaltungen angeboten. Ja. Also von daher, ja, Ja. Verschiedenste Sachen.

Und dann wird das wahrscheinlich auch so gewesen sein, dass dann 'n Gesundheitsmanager aus unserem Haus Genau. Zu euch gekommen ist und dann hat man sich zusammengesetzt und hat überlegt so, okay, was machen wir bisher? Was möchten wir in der Zukunft erreichen und wie kommen wir dahin? Und dann kann das eben sein, dass wir erst mal mit 'nem Gesundheitstag starten. Es kann sein, dass wir mit 'ner mit 'nem Training starten.

Also wir haben ganz viele Fachkräfte, die dann für uns in die Betriebe gehen und da zum Beispiel eine Bewegungseinheit machen oder zum Thema Ernährung sprechen oder zum Thema Sucht, was auch immer da grade gewünscht ist. Es kann aber auch sein, dass wir direkt mit, ich sag mal, Alemannen kommen und betriebliches Gesundheitsmanagement machen. War jetzt 'n bisschen übertrieben mit alle Mann, aber das kann man sich 'n bisschen vorstellen wie, ja, eine Unternehmensberatung zum Thema Gesundheit. Was ja wichtig ist und was mit Sicherheit auch zur Attraktivität bei steuert dann. Ja, total.

Ja. Denn man kann damit auch wieder bei neuen Mitarbeitern punkten und kann sagen, ich mach hier eine Menge, unter anderem sind wir mit 'nem betrieblichen Gesundheitsmanagement dran. Und das ist dann wirklich sehr, sehr strukturiert. Also da wird wirklich vorher eine Analyse gemacht, die Mitarbeiter werden mit ins Boot geholt, weil es für uns und auch für den Betriebsinhaber überhaupt keinen Sinn macht, wenn wir mit so, ich sag jetzt mal, unserem Koffer hinkommen und sagen, das ist jetzt unser Konzept und das ziehen wir durch. Deswegen wird erst mal geguckt, was ist der Bedarf in dem Betrieb?

Wie können wir helfen? Wo sind die Stellschrauben, wir die wir bewegen müssen? Und dann wird auch nachher eine Analyse durchgeführt, haben wir denn unsere Ziele erreicht oder müssen wir eventuell noch mal nachsteuern? Wer ist denn die härteren Nuss? Ist der Betriebsinhaber, die Inhaberin oder ist es dann am Ende dann die Beschäftigten an der Stelle?

Ja, das sind Menschen und die sind so individuell wie wir alle und das kann manchmal sein, dass die Mitarbeiter harte Nüsse sind. Das kann aber auch schon mal sein, dass der Chef der die harte Nüsse oder die Chefin die der harte Nüsse. Ja. Also das kann man so pauschal nicht sagen. Grundsätzlich ist es so, wenn wir am Tisch sitzen und über das Thema Gesundheit sprechen, dann sind wir ja schon weit gekommen.

Weil zur Wahrheit gehört auch hinzu, dass die Auftragsbücher der meisten Unternehmen ziemlich voll sind und damit auch die Kalender ziemlich voll sind. Und dann ist so das Thema Gesundheit das 1., was vielleicht hinten rüberfällt, was man erst mal schiebt. Von daher ist jeder Betrieb, mit dem wir an dem Thema arbeiten können, schon mal einen Schritt weiter als derjenige, der's nicht tut. Gibt's da auch tatsächlich eine richtig ablehnende Haltung? Ja, mit Sicherheit.

Ja. Aber mit denen sitzen wir im Zweifel auch nicht am Tisch, weil die werden sich nicht an uns wenden und die werden die Angebote einfach nicht wahrnehmen. Okay. Aber es gibt durchaus Chefs und Chefinnen, die sagen, hier, das ist mein Ziel und da muss ich hin und die nicht drüber nachdenken, wie kann ich's mir vielleicht leichter machen oder wie kann ich vielleicht auch Herausforderungen wie Personalbedarf und Sonstiges durch Zusatzangebote lösen, ja. Ja, das sind dann so die die die Betriebe, die noch so funktionieren wie vor 20, 30 Jahren wahrscheinlich dann auch, ne, oder?

Ich mag nicht beurteilen, wie gut die dann funktionieren, aber ja, die zumindest noch so aufgestellt sind. Ja, ja, ja, ja, genau. Ja, ja. Aber also wir merken das ja auch, wir haben Kundenberater im Außendienst, die wirklich zu den Kunden rausfahren, bei irgendwelchen besonderen Situationen da beraten und Hilfe anbieten. Da gibt es durchaus noch Betriebe, die so mit E-Mails eigentlich nichts zu tun haben.

Es sind ganz, ganz wenige, aber das gibt es noch und das kann man sich heute nicht vorstellen, aber die soßen das aus zum Steuerberater, das funktioniert auch irgendwie, ne. Ja gut, die haben noch 'n Faxgerät. Wie sieht's bei euch aus? Habt ihr noch 'n Faxgerät hier? Ich bin überfragt.

Ich glaub tatsächlich, unser Drucker könnte faxen, aber ich wüsste nicht, wann ich das das letzte Mal benutzt habe, ja. Ja, es ist leider so, das oder was heißt leider, es ist so im Handwerk, dass tatsächlich, wenn die Struktur einmal steht, glaube ich, dass es häufig so ist, dass man die nicht verändern möchte, weil wenn man die Struktur verändert, muss man sich selber verändern, ne. Ich erlebe gerade in der jetzigen Zeit unheimlich viele Betriebe, die ganz viel an den Strukturen und den Prozessen verändern. Das mag auch, ja, teilweise aus der Not heraus sein. Also das merken wir als Krankenkasse ja auch.

Also bei uns wird ganz, ganz viel digital und ganz viele Prozesse werden digitalisiert. Wenn ich überlege, wie viele Apps ich heute auf meinem Handy hab, die mit dem Thema Gesundheit zu tun haben, das hatte ich vor 10 Jahren nicht und ich hätte vor 10 Jahren auch nicht gedacht, dass ich das heute so brauche. Aber das ist einfach auch eine Erleichterung, weil das, was mein Handy dann macht oder das, was der digitale Prozess macht, das muss kein Mitarbeiter mehr machen und dadurch haben wir dann mehr Zeit, uns den Kunden zu kümmern und ganz individuell mit dem Kunden zu arbeiten. Und so ist es in Handwerksbetrieben ja auch. Also alles das, was die irgendwie durch technische Erleichterungen oder durch andere Prozesse vom Menschen wegbekommen, haben die dann wieder an Freiräume für ihre tatsächliche Arbeit.

Handwerk bedeutet machen. Deine Zeit ist zu wertvoll für viel Bürokratie. Wir setzen uns dafür ein, dass dein Alltag einfacher wird. Weniger Büro, mehr Fokus auf deine Projekte. Gemeinsam digitalisieren wir das Handwerk und gestalten die Zukunft.

Lass einmal zurückgehen zu dem Thema Prävention und und Gesundheit. Was würdest Du denn den Betrieben beziehungsweise den Inhaberinnen und Inhabern empfehlen, was sie dringend mal tun sollten, so ein Gefühl auch zu bekommen, was es für Möglichkeiten überhaupt gibt. Sprechen. Einfach anrufen bei der EKK Klassik. Wir kommen gerne vorbei, wie gesagt, wir haben Kundenberater im Außendienst und dann unterhalten wir uns einfach, wie sind die Bedingungen im Betrieb?

Was können wir gemeinsam machen und wo können wir unterstützen? Wenn am Ende des Tages rauskommt, ich möchte das nicht, dann ist keiner böse und dann ist das auch in Ordnung. Aber man kann eben unheimlich viel für die Mitarbeiter und für den Betrieb da rausziehen und man glaubt das immer nicht, aber die Angebote sind sogar auch noch kostenlos. Also es ist nicht nur so, dass wir da mit ganz viel Know how hinkommen, weil wir eben auch die Erfahrung im Handwerk haben, sondern es ist für den Betrieb kostneutral erspart dadurch, bares Geld und ja, deswegen kann ich das jedem nur raten. Also gibt's im Grunde keine Hürde bis auf den Einsatz von Zeit, eben halt mal ein Gespräch zu führen und in den Austausch zu kommen dann halt, ne?

Genau, richtig. Und es wäre zumindest von Vorteil, wenn man eine gewisse Aufgeschlossenheit hat, auch etwas zu verändern. Weil es geht nichts Schlimmeres, als wenn wir in einen Betrieb kommen. Wir befragen die Mitarbeiter, was würdet ihr denn gerne verändern oder wo seht ihr deinen Änderungsbedarf? Und es wär vielleicht machbar, aber der Chef sagt dann so, nee, möchte ich nicht.

Weil dann kann das Ganze auch nach hinten losgehen, aber das würde man in 'nem ersten Beratungsgespräch mit Sicherheit schon feststellen. Ja, das ist ja meistens so, dass man outet sich ja relativ schnell dann, wie man da positioniert ist, das ist schon so. Gibt's irgendeine Erfolgsstory, die Du irgendwie erlebt hast in deiner Zeit hier, wo son Betrieb es eingeführt hat und wirklich dann in den Kennzahlen oder in die Statistiken oder auch auf den auf der zwischenmenschlichen emotionalen Ebene, wo's dann wirklich dann Veränderungen gegeben hat, grade weil dieses Thema viel präsenter geworden ist? Ich glaub, in jedem Betrieb, in dem wir waren, gibt es solche Erfolgsstories. Das sind manchmal ganz, ganz kleine Dinge.

Also das sind ja unsere Gesundheitsmanager, die dann in den Betrieben sind. Aber es gab zum Beispiel mal eine Bäckerei, da ist dann im Rahmen der Analyse bei dem BGM rausgekommen, dass die Handschuhe, mit denen die Bleche aus dem Backofen geholt wurden, zu kurz waren. Das heißt, die Mitarbeiter haben sich regelmäßig die Arme verbrannt. Ja, und dann waren das, das ist eine Kleinigkeit gewesen, einfach neue Handschuhe anzuschaffen. Die Mitarbeiter waren glücklich und für den Chef war's auch besser, weil weniger Verletzungen im Betrieb stattgefunden haben.

Oder 'n Autohaus, bei denen wir BGM gemacht haben, da haben sich die Mitarbeiter immer über die Mikrowelle aufgeregt, weil die grundsätzlich dreckig war. Ja, dann wurde einmal 'n neues Gerät angeschafft, da wurde 'n Putzplan für erstellt. Das sind ganz kleine Dinge. Das kann so, ich sag ja, die Mikrowelle ist ja jetzt nicht unbedingt entscheidend für dieses Autohaus, aber das führt eben dazu, dass die Mitarbeiter zufriedener sind. Ja.

Und das ist ganz, ganz wichtig für die Hygiene im Betrieb, auch die mentale Hygiene der Mitarbeiter. Und deswegen sind das kleine Stories, aber mit Sicherheit welche, die sehr, sehr wichtig sind. Ja, es sind ja häufig diese kleinen Steine, diese diese kleinen Dinge, die dazu führen, dass auch sone gewisse Strahlkraft vielleicht auch nachher wieder entsteht und dadurch eine Sogwirkung in den Arbeitsmarkt dann, ne, beziehungsweise zum Betrieb hin aus dem Arbeitsmarkt heraus. Ja. Das sind das sind ja genau diese Effekte, die wir ja im Handwerk ganz dringend dann brauchen, ne.

Ja, ja genau. Und wir haben seit einigen Jahren ein relativ neues Modul, das heißt Teambuilding. Da geht's wirklich nur das Zwischenmenschliche, die Zusammenarbeit, weil grade in Handwerksbetrieben, wenn man sich vorstellt, man hat oft verschiedene Kolonnen, die sind den Tag über auf verschiedenen Baustellen unterwegs, die sehen sich relativ selten. Und das kann man sich vorstellen wie bei 'nem Bürojob, wenn alle im Homeoffice sind. Die Sozialkontakte gehen verloren.

Und in der Vergangenheit hätte man dann eine Betriebsfeier organisiert und es hätte Freigetränke gegeben und dann hätten alle gesagt am nächsten Tag, ja, jetzt ist das Betriebsklima wieder super. Aber da geht's eben ganz strukturiert daran. Also die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bekommen Lego Steine und bauen ja 'n eigenen Arbeitsplatz. Und am Ende wird das Ganze zusammengesetzt und man analysiert also, wie man auch so den Arbeitsplatz des anderen sieht. Und es geht dann die Kommunikation untereinander, die Prozesse, wie wird ein Arbeitsschritt zum Beispiel vom Innendienst an den Außendienst gegeben?

Und wie kann man das Ganze erleichtern? Und das sind alles so Dinge, das läuft im Alltag. Und das läuft auch wahrscheinlich sehr, sehr gut. Aber man kann's immer noch optimieren und dabei helfen wir eben. So mal 'n interessanter Ansatz an der Stelle, der definitiv ja auch berechtigt ist, denn die der Austausch, grade wenn man auf Baustellen arbeitet, ist natürlich gering dann, ne.

Und und ich vergleiche auch oft Mannschaftssport, also wenn ich son Betrieb sehe, da kann man schon viele Brücken schlagen und die Betriebe machen, bei Weitem ja noch nicht das, was son Mannschaftssport so üblich ist. Und da kann man schon viel schon viel draus noch mal ableiten, deswegen auf jeden Fall 'n wichtiger Baustein an der Stelle. Ja, und im Grunde sind wir auch schon am Ende unserer Sendung und ich hätte aber trotzdem noch eine Frage an dich. Mhm. Und zwar, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit 1 entscheidenden Entscheidung zu verändern, was würdest Du da tun?

Ich glaube, ich würde in den Schulen mehr den Schwerpunkt aufs Handwerk legen. Dass also Schüler mehr Berührungspunkte mit dem Handwerk haben, einfach in ihrer Berufswahl 'n bisschen offener zu werden. Ich hatte ihm erzählt, wir sind viel auf Berufsmessen auch unterwegs, da mit jungen Leuten zu sprechen und wir haben auch schon mal Seminare angeboten für 'n Gymnasium in der neunten Klasse zum Thema Berufsfindung. Und das war superinteressant, weil da ganz viele junge Menschen waren, die gesagt haben, ich möchte gerne ins Handwerk gehen, Sanitär und also wirklich die verschiedensten Bereiche. Und wenn man dann in der 13 mit den Gleichen gesprochen hätte, dann geh ich davon aus, dass viele auf dem Weg vielleicht 'n anderen Weg eingeschlagen hätten.

Na ja, das würde ich eigentlich dem Handwerk wünschen, da 'n direkteren Zugang an die Jugendlichen zu bekommen. Weil ich glaube, dass da viel Herzblut fürs Handwerk besteht, was dann aber nachher nicht ausgelebt wird. Und das für beide Seiten eigentlich traurig. Das ist auf jeden Fall 'n guter Wunsch, den nehm ich so mit. Andrea, vielen Dank, dass Du hier ja zu uns gekommen bist.

Hört sich jetzt komisch an an der Stelle, aber dass wir die Räumlichkeiten natürlich hier nutzen durften und dass Du auch Zeit hattest, hier teilzunehmen. Herzlichen Dank dafür. Und ja, das war unsere Folge mit Andrea Peters. Schön, dass ihr dabei wart und wie immer denkt dran, liken, abonnieren und teilen und bis zum nächsten Mal.

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