So gelingt der Weg von der Ausbildung zur Betriebsübernahme
Worum es geht
Ein Studium begonnen, Mutter geworden – und dann den eigenen Weg noch einmal völlig neu gedacht. Katharina Pech wollte nicht nur theoretisch arbeiten, sondern mit Menschen, mit ihren Händen und an etwas, dessen Ergebnis unmittelbar spürbar ist. So führte ihr Weg in die Augenoptik und zur Brillenkammer in Berlin. Dort bekam sie bereits während ihrer Ausbildung eine außergewöhnliche Chance: Ausbildung verkürzen, Meisterschule absolvieren und anschließend den Betrieb übernehmen. In dieser Folge erzählt Katharina, warum sie diesen Schritt nur mit einem starken persönlichen Netzwerk gehen konnte und weshalb Vertrauen, Offenheit und ehrliche Gespräche für eine Betriebsübergabe entscheidend sind. Außerdem geht es um die besondere Verbindung von Präzision und Einfühlungsvermögen in der Augenoptik, um die Attraktivität des Handwerks und um Nachhaltigkeit, die weit über ökologische Fragen hinausgeht. Katharinas wichtigste Zukunftsthese: Wir müssen uns von Konkurrenz hin zu mehr Kooperation entwickeln. Eine Folge über Mut, Verantwortung und ein Handwerk, das weit mehr sein kann als ein Plan B. Folge „Handwerk spricht“, speichere diese Episode und schicke sie einem Menschen, der gerade über seinen beruflichen Weg nachdenkt.
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Transkript
Herzlich willkommen zu Handwerk spricht und heute bei mir zu Gast ist Katharina Pech. Katharina, schön, dass Du hier bist. Ich freu mich auch. Bevor wir dann zu dir und zu deiner Person kommen, hab ich zunächst mal 3 Thesen mitgebracht. Die möchte ich gerne mit dir mal durchbrechen und bin schon gespannt, was Du mir dazu sagst.
Okay, na, dann mal los. Und die 1. These lautet, Handwerk kein Karriereweg mehr, es ist noch ein Plan b für alle, die das Studium nicht antreten. Das ist eine steile These. Das glaube ich überhaupt nicht, dass das so ist.
Ich hab eher den Eindruck, dass ich zumindest in der Bubble, in der ich mich bewege, die jungen Leute eher wieder strategisch dem Handwerk zuwenden, weil eben doch durch Social Media, durch welche Dinge auch immer, bekannter wird, dass man im Handwerk einfach 'n guten Job machen kann und Erfüllung finden. Ja, sehr gut. Die 2. These lautet, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Das ist schon 'n bisschen schwieriger.
Ich glaube, das ist tatsächlich zweischneidig. Es gibt Situationen, in denen das so ist. Es gibt aber auch viele Situationen, in denen es total gut ist, an Traditionen festzuhalten und auch am Meistertum festzuhalten, weil's einfach eine Qualitätsgarantie bietet und das deutsche Handwerk, Handwerksvorkommen in anderen Regionen sozusagen gegenüberstellt und besserstellt. Ja. Und die 3.
These lautet, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen. Na ja, das Handwerk hat 'n Nachwuchsproblem, so wie aufgrund des demografischen Wandels alle anderen Bereiche der Wirtschaft auch 'n Nachwuchsproblem haben. Von daher ist da schon einen Problem oder sagen wir eine Herausforderung da. Aber ja, der 2. Teil, den halt ich auch für richtig, denn Attraktivität ist 'n Ding, ne.
Also wenn die Leute sich die Arbeitnehmer*innen sich aussuchen können, wo sie arbeiten, dann geht's viel Attraktivität. Und da hat das Handwerk, glaub ich, noch einiges aufzuholen. Ja, Katharina, danke, dass Du da schon mal Rede und Antwort gestanden hast an der Stelle. Und jetzt möchte ich dich auch kurz vorstellen. Ja, Katharina Pech hatte ich ja schon gesagt, Du bist Inhaberin des der Brillenkammer hier in Berlin.
Also auch eine interessante Wortkombination, würd ich mal sagen, da können wir jetzt gleich direkt drauf eingehen. Aber stell dich doch gerne mal vor, nimm uns mal zum Thema Brillenkammer mit und verraten uns mal, warum Du ins Handwerk gegangen bist. Ich hab tatsächlich nach der Schule, ich hab 2000 Abitur gemacht und hab dann erst mal studiert. Ich hab angefangen, Osteuropa Studien und Religionswissenschaft zu studieren, also eine sehr abgefahrene Kombination. Damals gab's ja noch so Magisterstudiengänge, da hat man noch so abgefahrene Sachen gemacht.
Das hab ich auch erfolgreich das Grundstudium abgeschlossen und dann war ich schwanger und hab unsere unsere 1. Tochter zur Welt gebracht und war mit der zu Hause und hab überlegt, okay, Grundstudium rum, Ergebnisse sind gut, was kannst Du damit machen? Wo ist der Weg? Was interessiert dich? Wo wo kann dich das hinführen?
Und all die Dinge, die mich wirklich abgeholt und wirklich interessiert haben, haben mit Arbeit im Ausland zu tun gehabt. Mhm. Und das konnte ich mir einfach mit Familie nicht vorstellen. Und deshalb hab ich entschieden, okay, dann muss ich mich jetzt von der von dem Weg sozusagen verabschieden und eine andere Abzweigung nehmen. Und bin dann relativ schnell darauf gekommen, dass ich gerne was mit Leuten zu tun haben will, aber auch was mit meinen Händen machen und schaffen.
Das hat mir im Studium total gefehlt und da lag Handwerk einfach nah. Und dann hab ich ganz klassisch quasi die Ausbildungsberufe bin ich durchgegangen und hab geschaut, was mir gefallen könnte, war bei Augenoptik und Hörgeräteakustik hängen geblieben und hab mich dann schlussendlich für Augenoptik entschieden, weil ich mir tatsächlich zu dem Zeitpunkt damals nicht vorstellen konnte, mit alten Leuten zu arbeiten. Das war dann der entscheidende Punkt sozusagen. Hörgeräte, Akustik war mir quasi das Publikum zu alt. Inzwischen weiß ich, dass ich das sehr gut kann, aber wusst ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
So bin ich also zur Augenoptik gekommen, hab auch in der Brillenkammer schon gelernt bei meiner Meisterin, war mit der damals alleine. Und sie hatte eigentlich keinen Bock, auszubilden, weil sie grade mit 'ner mit der Auszubildenden davor quasi richtig, ja, ins Klo gegriffen hatte. So hat sie's, glaub ich, formuliert. Und ich hab ihr trotzdem meine Unterlagen dagelassen und dann hat sie 2 Wochen später doch angerufen und gesagt, ach Mensch, komm, wir versuchen das jetzt. Und es war eine total spannende und aufregende Zeit da mit ihr, die mir einfach schon in der Ausbildung von Tag 1 wahnsinnig viele Dinge beigebracht hat, mich zu Treffen mit anderen Handwerkerinnen mitgenommen hat, mit zu anderen Netzwerkgeschichten und so weiter, als da sehr offen und transparent war und deutlich über die Vermittlung des Fingerspitzengefühls, was meinem Handwerker ja braucht, hinausging.
Und dann hat sie tatsächlich damals noch während der Ausbildung, noch während ich in der Ausbildung war, beschlossen, der Liebe wegen nach Thüringen zu ziehen. Und hat mich dann, ich glaub, ich war am Anfang des dritten Lehrjahres quasi vor die Wahl gestellt, so, Du kannst jetzt entweder, ich trau dir das zu, Du kannst entweder früher deine Ausbildung beenden, deine Meisterin hinten ran machen und dann den Laden hier übernehmen aus der Ausbildung heraus. Oder aber Du sagst, nee, ist mir zu stressig, mach ich nicht, dann such ich mir jemand 'n anderen. Und bin nach Hause gegangen und hab das zu Hause mit meinem Mann besprochen und hab meine meine Eltern mit ins Boot geholt, weil mir klar war, dass das natürlich eine Entscheidung ist, für die man einfach quasi soziales Netzwerk und Absicherung braucht, weil das einfach eine wirklich stressige Zeit wird. Und hab dann entschieden, diesen Weg zu gehen.
Und hab nach zweieinhalb Jahren, also vorzeitig meine Ausbildung beendet, parallel schon noch während der der Prüfungsphase mit den mit den ersten Teilen des Meisterkurses angefangen, dann meine Meisterin gemacht und dann tatsächlich den Laden übernommen. War der Laden inzwischen nur geschlossen oder war der Nee, der war die ganze Zeit offen. Ja. Und sie hat quasi aus der Ferne, sie lebte schon nicht mehr in Berlin, hat dann aber jemanden eingestellt, der Meister war, denn wir haben ja, sind ja Anlagea-Beruf, also Meisterpflichtig des Handwerks muss also immer Meistermeisterin vor Ort sein. Und in der Zeit, in der ich das noch nicht war und ja auch viel weg war, denn Meisterschule bedeutet ja, also eine Meister*innenschule in Berlin gab's nicht, ne.
Das heißt, es war Teilzeit, immer 3 Tage die Woche in der Nähe von Hannover da am Arsch der Heide weg und von morgens bis abends Druckbetankung mit theoretischen Inhalten und so weiter. Und das musste gestemmt werden und dafür wurde jemand eingestellt, genau. Eine sehr spannende Geschichte. Du hast ja quasi diverse Punkte ja schon direkt am Anfang der Karriere im Handwerk dann erlebt, wenn man so will, eine 1 klare Ausbildung auf der einen Seite, dann aber der Wechsel im Endeffekt auch vom Studium dann Richtung Ausbildung. Du hast erlebt, wie eine Ausbildung nicht funktioniert durch deine Vorgängerin, die ja quasi vielleicht sogar einen Weg dadurch versperrt hätte unter Umständen, den Du ja jetzt gegangen bist, grade an an der Stelle.
Ja, dann aus dieser Situation heraus sich dann an den den Meister zu machen und quasi die Entwicklung dann entsprechend so zu nehmen, ist ja nun mal auch eine einzigartige Geschichte an der Stelle. Dazu schon mal, ja, zum Glückwunsch, das ist schon ja sehr gut. Wie lange bist Du bist Du jetzt, Du bist jetzt selbstständig in 'nem Unternehmen, ne. Das ist jetzt dein Unternehmen, wie seid ihr da klargekommen? Weil Übernahme ist ja auch son Thema für der aktuellen Zeit.
Wie habt ihr das damals gelöst? Ja, das war tatsächlich relativ ungewöhnlich natürlich, weil meine Meisterin zu dem Zeitpunkt, also weil's sone keine sone harte Grenze gab, ne, sondern sie ja schon, bevor ich überhaupt in der Lage war, den Laden zu übernehmen, weil ich ja noch nicht Meisterin war, schon nicht mehr in Berlin war und sich sozusagen so sukzessive aus der ganzen Geschichte zurückgezogen hat. Ich hab das als 'n sehr vertrauensvolle und bereichernde Zeit erlebt. Sie war immer ansprechbar für mich, hat ihr auch schon von vornherein sozusagen auch über Zahlen und so weiter mit mir gesprochen. Und der Betrieb war damals auch ganz neu, ne.
Sie hat ihn 2003 gegründet, 2004 hab ich meine Ausbildung angefangen. Das heißt, das war alles, also wir sind quasi, wir sind zusammen mit diesem Betrieb son bisschen gewachsen, ne. Deshalb kam das für mich auch überhaupt nur infrage, weil das Risiko natürlich, also in Anführungsstrichen, gering war, ne. Die Leute kannten mich, die Kund*innen kannten mich, ich wusste genau, wie das Geschäft läuft. Wenn das so nicht gewesen wäre, hätte ich mich, glaub ich, nicht selbstständig gemacht.
Das, ich hatte das nicht aufn Plan. Das kam in meiner Welt nicht vor, ne. Und ja, ich geborene dir recht, Übergabe ist 'n ist 'n ist 'n Riesenthema und das Wichtigste ist, glaube ich, dass man einfach wirklich von Anfang an offen und ehrlich miteinander spricht und guckt, was kann der eine, was kann die andere und wo trifft man sich, ja. Ja, ja, definitiv. Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau.
Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu unseren knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den Besten zu gehören, deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter. So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen. Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität.
Ja, sehr, sehr spannende Geschichte direkt zum Anfang hier von dir. Aber nimm uns doch mal mit in dein Gewerk. Lass uns doch einfach mal da reinschauen. Ich sehe, Du hast auch Werkzeuge dabei und und wolltest auch mal son bisschen was zeigen. Im Grunde seid ihr ja in 1 Branche unterwegs, wo ja mindestens mal 50 Prozent der Menschen nachher zumindest mal auch Potenzial Potenzial, das Potenzial hat, dass die die zum Kunden werden, ne.
Ja. Ist es ein 1 Job, Du sagtest eben schon, der Mensch war für dich wichtig oder die Zusammenarbeit mit Menschen war für dich wichtig. Ist es 'n Job, der dich erfüllt? Absolut. Also da gibt's keine keine Einschränkungen dran, absolut.
Die Kombination aus direktem Kund*innenkontakt und zwar ja auch auf 'nem sehr, also mit 'nem sehr sensiblen Thema, ne. Gut sehen zu können, überhaupt sehen zu können und dann auch noch gut sehen zu können, hat 'n ganz hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft, die ja auch so viel auf gutes Sehen angewiesen ist, ne. Grade die die ganzen modernen Berufe, die ja ganz viel mit Technik und Computer und Hass nicht gesehen zu tun haben. Da ist es so zwingend notwendig, gut sehen zu können und auch anhaltend gut sehen zu können. Also auch mit jetzt nicht plötzlich, wenn dann die die fiese Alterssichtigkeit einsetzt und das mit dem Sehen in der Nähe so langsam schwierig wird.
Grade da ist es wichtig, dass man da die Leute abholt und versorgt und so weiter. Es ist grade bei Leuten, die nicht schon ihr ganzes Leben eine Brille tragen, sondern dann im Lesebrillenalter sozusagen neu einsteigen, 'n total son bisschen Angst- und Schambesetztes Thema. Wann wann beginnt das Lesebrillenalter oder natürlich als 10 Jahre? 10 Jahre ist doch Zeit, nein. Okay, also Nein.
Tatsächlich ist das unterschiedlich, je nachdem, was man so für eine Vorgeschichte hat, aber spätestens mit Mitte 40 ist der Drops eigentlich gewürzt. Dann brauchen dann die allermeisten Leute eine Lesebrille? Dann sind's keine 10 Jahre. Genau, also es ist 'n Thema, wo man auch einfach, wo's ganz viel Vertrauen braucht zwischen uns als Handwerker*innen und den den Kund*innen auf der anderen Seite. Und dieses Vertrauen muss man sich natürlich erarbeiten, das muss man schaffen, dafür braucht's Persönlichkeit und Einfühlungsvermögen und so weiter.
Also dieser ganze Part hat unheimlich viel auch mit mit Menschlichkeit und Psychologie und so weiter zu tun. Superspannend. Dann kommt das, Du hast es schon gesagt, das Gefrickel mit den mit den Werkzeugen in der Werkstatt dazu, na. Also unsere Werkzeuge sind im Gegensatz zu dem, was man sonst oft aufm Bau, sag ich mal, klassisch sieht, natürlich deutlich kleiner, ne, weil ja die Dinge, an denen wir bauen, viel kleiner sind, ne. Also wenn ich meine meine meine Brille absetze und mir angucke, was hier für minikkleine Schräubchen dran sind, ne, da gehört's halt son kleines Schraubendreherchen dazu.
Und dafür braucht's einfach Fingerspitzengefühl und das muss man, das dauert eine Weile, bis man das erlernt Aber ist zum Beispiel auch ökonomischer geformt als jede andere Schraubendreher. Absolut, absolut. Das frag ich mich tatsächlich häufig, wenn ich mit mit anderen Handwerker*innen zu tun hab, warum in unserer Branche tatsächlich die, Hab ich auch den Eindruck, dass die Dinge einfach besser in der Hand liegen und ökonomischer geformt sind. Aber man braucht halt auch wirklich ja dadurch, dass diese Dinge alle so klein sind, einfach ganz, ganz präzise Werkzeuge, ne. Genau.
Na ja, und Du hast jetzt hier noch kleine Schräubchen liegen, die kann man gar nicht in der Kamera sehen, aber mikroskopisch, genau. Ich sag jetzt mal von hier aus gesehen, ich mal hoffe, ich kann noch ganz gut sehen, aber es sind so 3, 4 Millimeter, also das ist jetzt wirklich klein, also von daher, ja, man muss also nicht nur nicht nur dieses Feingespür haben, sondern man muss auch tatsächlich gut sehen können und sonst funktioniert's ja auch nicht, ne. Genau, sonst funktioniert's auch nicht. Genau und diese Kombination aus dieser diesem Part mit den mit den Menschen zu arbeiten und auch wirklich an 'nem Thema zu arbeiten, was für die Leute wichtig und lebensnotwendig ist und da wirklich einfach Gamechanger auch sein zu können, das ist super, ne. Und dann das Gefrickel in der Werkstatt und das, was als selbstständige Person dazukommt, einfach die Verantwortungsübernahme und die Gestaltungsmöglichkeit und so weiter, das sind dann natürlich auch top Dinge, die die wirklich einfach cool sind.
Ja. Jetzt haben wir ja schon super Werbung gemacht grade für den Beruf und für den Berufsstand. Lass uns doch mal einmal in das Thema Nachhaltigkeit reinschauen, weil ich glaub, die jungen Leute, für die ist das Thema Nachhaltigkeit auch sehr, sehr wichtig. Für uns natürlich auch, wobei bei uns ja, wir kommen, glaube ich, aus 'ner aus 'ner Generation noch, wo's wichtiger war, definitiv nach vorne zu kommen. Da war dieses Thema, wir wollen in im gewissen Rahmen, sagen wir mal, zumindest ökologisch akzeptabel arbeiten, war natürlich auch vorhanden, aber ich glaub, das Thema ist präsenter als bisher.
Wie siehst Du das für dich und vor allen Dingen, wie setzt ihr denn Nachhaltigkeit bei euch im Unternehmen Mhm. Ja, das Thema hat, ist glücklicherweise sozusagen weiter nach vorne gekommen, denn am Ende ist sozusagen die Frage, wie nachhaltig wirtschaften wir, wie gehen wir mit, wie wie sorgen wir dafür, dass wir innerhalb von planetaren Grenzen bleiben und so weiter, ist ja eigentlich, auch wenn sie's, wenn wir's jetzt hier, wenn wir hier sitzen sozusagen, nicht direkt spüren, aber eigentlich ja das Thema der Zeit. Wenn wir das nicht schaffen als Gesellschaft, als Weltbevölkerung, dann können wir womöglich irgendwann einen Haken ran machen und, weiß ich nicht, aufm Mars umziehen oder so. Das heißt, es ist 'n ganz wichtiges und und vordringliches Thema. Und für mich als als Inhaberin, für uns als Brillenkammer eine ganz, ganz, ganz Wesentliches.
Wir haben uns einem Gedankenkonstrukt oder 1 Bewegung angeschlossen, die sich Gemeinwohlökonomen nennt. Das ist eine weltweite Bewegung, die verschiedene Säulen hat sozusagen, auf die sie aufbaut, wo es aber immer darum geht, die Wirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft nicht Selbstzweck ist und nicht darum geht, dass einzelne Personen sich ihre Taschen voll machen und die nächste Jacht und 'n Heißluftballon oder so kaufen, sondern dass die Wirtschaft und wirtschaftliches Handeln dafür da ist, dass wir als Gesellschaft 'n gutes Leben für alle ermöglichen. Und zwar 'n gutes Leben für uns alle, die wir hier sind und 'n gutes Leben weltweit betrachtet, dass also nicht einzelne Gesellschaften andere ausbeuten und so weiter. Und diese weltweite Bewegung, die Gemeinwohlökonomie, stellt eine für Betriebe und auch für sonstige Organisationen ein Tool zur Verfügung, das nennt sich GWÖ Bilanz, also Gemeinwohlökonomie Bilanz. Und wie der Name schon sagt, bilanziert man.
Also man guckt sich mit der Lupe den eigenen Betrieb, das eigene Unternehmen, die eigene Organisation an, beantwortet Fragenkataloge und nähert sich so der Frage an, an welchen Stellen sind wir denn schon nachhaltig und an welchen Stellen können wir besser werden? Und was mich persönlich an der GWÖ so mitgenommen hat und was ich daran so großartig finde, ist, dass es 'n ganz, ganz ganzheitlicher Ansatz von Nachhaltigkeit ist. Es geht also nicht nur in Anführungsstrichen ökologische Nachhaltigkeit, sondern es geht auch Fragen der der Transparenz, der Solidarität untereinander. Und all diese Faktoren und Fragen werden angewandt auf, Sie nennen es Berührungsgruppen, andere Leute in wird 'ner Wirtschaft würden vielleicht Shareholder sagen. Also man fragt sich, wie steht es Mitbestimmung und Solidarität im Unternehmen, also mit dem Team?
Wie geht, steht es diese Themen mit mit Unternehmen, also Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten? Und wie steht's auch in unserem gesellschaftlichen Umfeld? Also wie wirken wir als besser zu machen? Ja, ist 'n spannendes Thema. Ich glaub, wir könnten da jetzt noch Stunden drüber sprechen.
Das glaub ich auch. Aber Du hast uns da an der Stelle auch sehr gut mitgenommen, deswegen, ja, wir kommen leider schon zur letzten Frage. Das ist schon Die Zeit vergeht, weiterhin. Ist schnell vorbei, das ist immer so bei uns in den Sendungen. Und die möchte ich dir gerne stellen.
Ja. Und zwar, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit vielleicht auch 1 radikalen Entscheidung zu verändern, was würdest Du tun? Tja, das ist eine schwierige Frage. Die Entscheidung, die wir treffen sollten oder müssten, ist die gleiche wie gesamtgesellschaftlich. Es geht darum, sich hinzuentwickeln von Konkurrenz zu Kooperation.
Ich glaub, das ist der der Schlüssel für alles. Wenn wir aufhören, uns gegenseitig Dinge abspenstig machen zu wollen und wegnehmen zu wollen und da hinkommen, dass Kooperation die Grundeinstellung ist, dass Zusammenarbeit das ist, was unser Sein und Leben bestimmt, dann sind wir weit, weit voran. Denn als Menschheit sind wir an diesen Punkt gekommen, wo wir jetzt hier sind, haben so viele Jahrmillionen überlebt, weil wir kooperieren können. Das unterscheidet uns von anderen Spezies. Und ich glaube, das sollten wir stärker in den Vordergrund stellen.
Ja, ist 'n sehr guter Punkt und grade ist aufs Handwerk bezogen im Grunde ja eigentlich schon in den letzten Jahren möglich gewesen, weil wir ja in sozusagen ja genug Markt auch haben, ne, für das, was wir in unseren Betrieben einzeln dann leisten müssen oder wollen halt einfach an der Stelle, ne. Also die Potenziale dazu sind gegeben. Sie sind auf jeden Fall da. Natürlich ist es grade 'n bisschen 'n bisschen schwieriger grade das Umfeld. Natürlich muss man jetzt 'n bisschen schauen, deswegen ist vielleicht der Weg in diese Kooperation ja, 'n bisschen gehemmter, als wie's noch vor 'n paar Jahren hätte sein können.
Aber ich bin da ganz deiner Meinung, da sollten wir uns auf jeden Fall hinbewegen und mehr miteinander und voneinander eben halt auch profitieren, lernen und wachsen an der Stelle. Ganz genau. Ja, Katharina, ich danke dir, dass Du hier gewesen bist Ja. Und dass Du uns mal einen sehr schönen Einblick in, ja, deinen deinen Berufsalltag auch gegeben hast und uns auf seine Reise mitgenommen hast. Also danke, dass Du hier warst.
Danke dir für das Gespräch. Ja, das war Katharina Pech hier bei uns bei Handwerk spricht. Denkt dran, wie immer liken, teilen, abonnieren ist ganz wichtig, damit wir mit unseren, ja, wichtigen Informationen, ja, in die Reichweite kommen. Und ich hoffe, euch hat's gefallen und wir sehen uns beim nächsten Mal.