Cover: Jobanzeigen sind tot – so baust du dir deine Fachkräfte selbst

Jobanzeigen sind tot – so baust du dir deine Fachkräfte selbst

15. Juli 2026 26:36 Min.
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Worum es geht

Keine Bewerbungen, keine Fachkräfte, keine Zukunft? Jens Gurk wartet nicht länger darauf, dass ihm geeignete Mitarbeiter zufällig über den Weg laufen. Er bildet seine Fachkräfte selbst aus – und hat die Zahl seiner Auszubildenden dadurch von zwei auf zehn gesteigert. Im Gespräch mit Oliver Oettgen erklärt Jens, warum klassische Stellenanzeigen kaum noch funktionieren, weshalb Schulnoten bei der Auswahl für ihn zweitrangig sind und wie Praktika zu einem der stärksten Recruiting-Werkzeuge seines Unternehmens geworden sind. Außerdem sprechen die beiden darüber, warum sich das Handwerk teilweise selbst unattraktiv für junge Menschen macht, welche Rolle Schulen und Bildungswerke spielen und warum echte Einblicke in den Arbeitsalltag häufig überzeugender sind als aufwendig produzierte Recruiting-Videos. Doch es geht nicht nur um Nachwuchs: Jens zeigt auch, wie sein Betrieb den Weg vom Papierchaos zu einem zu rund 97 Prozent digitalisierten Unternehmen geschafft hat – mit Tablets, digitaler Zeiterfassung, Materialscannern, Fotodokumentationen und KI-gestützten Arbeitsberichten. Eine Folge für alle Unternehmerinnen und Unternehmer, die nicht länger über den Fachkräftemangel sprechen, sondern ihn im eigenen Betrieb lösen wollen. Darum geht es in dieser Folge: 00:00 Ist das Handwerk nur noch ein Plan B? 02:05 Bremst der Meisterbrief das Handwerk aus? 03:35 Macht sich das Handwerk selbst unattraktiv? 04:58 Praktika statt klassischer Bewerbungen 07:05 Von zwei auf zehn Auszubildende 09:03 Warum Betriebe wieder in die Schulen müssen 11:25 Funktioniert Mitarbeitergewinnung über Social Media? 13:17 Azubis als authentische Botschafter des Betriebs 15:24 Ist die heutige Ausbildung noch zeitgemäß? 17:24 Der neue Beruf des Gebäudesystemintegrators 19:15 Vom Papierbetrieb zur digitalen Organisation 21:43 Digitalisierung beginnt im Kopf 24:44 Was sich im Handwerk radikal verändern muss Über den Gast: Jens Gurk ist Geschäftsführer der Jens-Gurk-Elektro-Bau GmbH und stellvertretender Obermeister der Elektro-Innung. In seinem Unternehmen setzt er konsequent auf Ausbildung, Kooperationen mit Schulen und Bildungswerken sowie die Digitalisierung der betrieblichen Abläufe. 🎙️ Gastgeber: Oliver Oettgen 🎧 Podcast: Handwerk spricht

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Transkript

Herzlich willkommen zur Handwerk spricht und heute haben wir wieder einen Gast hier bei uns. Jens Gurk ist bei mir. Jens, schön, dass Du bei mir bist hier heute bei Handwerk spricht in Berlin. Jens, ich hab auch für dich 3 Thesen vorbereitet, wo ich gerne mit dir den Einstieg in unser Gespräch mit starten möchte und werd dir die einfach mal vorlesen. Die 1.

These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr, es ist noch ein Plan b für alle, die nicht fürs Studium geeignet sind. Okay, dem würde ich erst mal vehement widersprechen. Also Handwerk ist ja inzwischen, wir haben uns ja, es ist ja viel passiert. Früher war das sicherlich mal so, dass alle studieren gehen sollten und dass da der große Weg des Erfolges ist. Inzwischen kann man im Handwerk 'n sehr gutes Geld verdienen, auch eben sehr früh erfolgreich sein, mit 'nem überschaubaren Ausbildungsweg kommt man schon ins Geldverdienen rein, ohne die ganzen Jahre dazwischen und auch in der durch die Tarifanpassung hat sich inzwischen viel getan.

Also man kann inzwischen ein richtig gutes Geld verdienen, man kann sehr erfolgreich sein und man hat natürlich eine Perspektive. Studium ist aber so, erst mal klar, was will man machen? Man fängt an und schaut danach dann irgendwann, wo kommt man denn hin im Handwerk? Die Ausbildung, wenn man natürlich irgendwie sich mit dem Betrieb zufrieden ist, sich gut anstellt, hat man im Regelfall gleich auch den anschließenden Job im Angebot, kann direkt nahtlos weitermachen und kommt dann eben aus der Bildung die Ausbildung direkt ins Geld verdienen mit Aufstiegsperspektiven, mit Weiterbildungsperspektiven, mit natürlich auch Perspektiven, mehr Geld zu verdienen und Selbstständigkeit meistert Titel. Da gibt's ja dann viele Möglichkeiten, wo man sich dann spezialisieren kann und auch seine Nische findet, war da, woran worauf man grade Lust hat, sich dann quasi in dem Bereich zu spezialisieren und dort erfolgreich zu sein.

Also ich Ja. Danke dir dafür. Die 2. These lautet, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Dem würde ich auch widersprechen tatsächlich.

Also der Meisterbrief ist aus meiner Sicht schon sehr wichtig, weil er natürlich erst mal irgendwie die Basis bildet, die die Grundausbildung, auch quasi den Beruf zu überblicken. Es ist ja so, dass der, besonders unser Handwerk inzwischen, immer breiter wird, das Spektrum, was wir abdecken, sollen müssen und auch wollen, immer breiter wird. Wir haben natürlich ein ständig wachsendes Marktumfeld. Wir, jetzt kommt die E-Mobilität, elektrisch heizen mit den Wärmepumpen, die Photovoltaik, die Batteriespeicher, die Steuerbarkeit, das Smarthome, alles ineinanderwirkend und so weiter, damit wir dort die Energiewende wuppen. Also da ist, denke ich mal, der mit dem Meister ist man gut aufgestellt und dann kommt natürlich noch hinten dran ist man da nicht fertig, da kommt noch ganz viel Spezialisierung.

Es hört aber in dem Beruf das Lernen, denk ich mal, nie auf. Der der die Ausbildung, der Gesellenbrief ist der Staat, damit fängt man an. Wenn man dann aber quasi Der nächste Schritt sind Weiterbildungen und oben drauf und top kommt sicherlich der Meister und auch damit ist man nicht fertig. Auch da werden weitere Weiterbildungen folgen müssen, am Markt zu bleiben, immer auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein. Und dann natürlich auch, eben am Markt erfolgreich zu sein.

Ja, ja, definitiv. Und die 3. These, die lautet, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Menschen. Dem würde ich komplett zustimmen. Also wir sind, hatten auch das Problem natürlich, wir haben immer, wir wir sind eher geschrumpft, haben gesagt, okay, wir müssen, wir brauchen Fachkräfte, der Markt ist leer, das eine 1 in die Arme rennt, das ist wie 'n Lottogewinn, das kommt vor, ist aber sehr, sehr selten.

Die Regel, die normalen Werbe- und Inseratvarianten verwegen, ich inserieren der Zeitung im Internet und so, sind inzwischen nicht mehr von Erfolg gekrönt. Wir müssen unsere Fachkräfte selber machen. Und da müssen wir natürlich irgendwie sehr niederschwellig rangehen. Das ist nicht wie früher, man man inseriert, kriegt dann irgendwie 30 Bewerbungen und sucht sich an den Noten den besten raus. Wenn man so rangeht, denke ich mal, ist man recht schnell, wird man da auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, dass das so nicht funktioniert.

Also man beginnt eine Ausbildung, man legt sich fest, derjenige fängt an, hat noch nie in dem Beruf gearbeitet, stellt dann fest, ach, das ist ja ganz anders, als ich erwartet habe und dann wird son Ausbildungsverhältnis innerhalb von 3 Monaten gelöst. Dann ist die Stelle erst mal nicht besetzt. Der der Ausbildungsbetrieb hat natürlich eine Lücke, findet so schnell auch keinen mehr. Das Lehrjahr ist vertan. Der junge Mensch hat natürlich auch 'n Fehlstart hingelegt, findet jetzt auch erst mal im Anschluss nichts, muss irgendwie weitermachen.

Ich denke mal, da muss man's komplett anders denken. Wir haben damit angefangen, dass wir Praktika anbieten, dass wir eben aktiv mit den Bildungswerken sprechen, mit den berufsbildenden Schulen sprechen, inzwischen einfach mit allen Schulen sprechen, da weil die eben aktiv schon probieren, den jungen Menschen Orientierung zu bieten. Und da ist 'n Praktikum, denke ich mal, der der beste Weg tatsächlich. Ich sag immer, wenn man weiß, was man nicht will, ist man schon mal 'n ganzes Stück weiter. Weil oft starten ja die jungen Menschen und sagen, ich weiß nicht, will ich dies werden, will ich das werden, haben aber eigentlich keine Erfahrung, haben eine tolle Idee im Kopf und stellen dann irgendwann fest, ach, das ist ja gar nicht so oder das ist ja nur 'n kleiner Teil von dem, was eigentlich der Beruf bedeutet.

Und wenn man sagt, denjenigen einlädt, wo er diejenige kommt zu uns, lern den Beruf kennen, können die sagen, okay, der Beruf ist toll, aber die Firma mag ich nicht oder die Firma war toll, aber der Beruf war's nicht oder aber der Idealzustand ist natürlich, dass die dass die Firma sagt, Du toll, Du hast Talent, wir wollen dich. Der der oder die Bewerberinnen natürlich sagen, ja, ich will auch und dann hat man, gründet man daraus 'n Ausbildungsverhältnis. Wir sind inzwischen so weit, dass wir rund 30 Praktika im Jahr anbieten. Darüber ist im Regelfall so abwickeln, dass wir 3 Wochen vereinbaren, dreimal eine Woche mit einem Gesellen, dreimal eine Bewertung, dreimal Daumen hoch bedeutet, Du hast 'n Ausbildungsplatz Angebot. Kann derjenige dann sagen, ja möchte ich, möchte ich nicht.

Im Regelfall ist es dann aber so, dass sie sagen, ja, hat mir Spaß gemacht. Ich habe 3 Gesellen, die gesagt haben, ja, wir sehen das Talent und dann komme ich teilweise in die witzige Situation, dass ich Ausbildungsverträge abschließe und dann eben davor sitze und sage, okay, 'n Namen weiß ich, sind Sie überhaupt, denke ich mir. Und muss einmal kurz mal den Lebenslauf lesen und sagen, okay, wie alt, was ist für 'n Hintergrund, was für Noten, weil mir das grundsätzlich völlig egal ist. Wenn derjenige die Motivation hat, das Talent hat und Bock hat auf den Beruf, dann müssen wir eben bloß noch die Lücken an Wissen, an Ausbildung schließen, damit wir daraus einen fertigen Gesellen, Gesellen machen. Jens, Du hast uns schon quasi mit in die Lösung reingenommen jetzt grade in Antwort auf diese These, aber jetzt glaube ich, ist es an der Zeit dann auch dich mal kurz vorzustellen, ne.

Jens, Du bist Geschäftsführer der Jens Gurg Elektrobau GmbH und Du bist stellvertretender Europameister der Elektroinnum. Und na ja, jetzt sind wir einmal bei den jungen Leuten, lass uns doch da noch kurz bleiben. Ich mein, Du hast schon ganz viel ausgeholt gerade und ganz schon viel erzählt dazu, aber lass uns den bald an der Stelle aufnehmen. Das heißt ja, Du hast aus den Not eine Tugend gemacht, Du bist nach vorne gegangen, hast für Sichtbarkeit gesorgt in deinem Umfeld und bist dadurch im Endeffekt jetzt erfolgreicher geworden eben halt Ganz genau. Im Ausbildungsbereich.

Also eigentlich eine 1, ja, nennen wir's nicht Blaupause, Blaupause ist zu statisch, aber ein gutes Vorbild dafür, wie man's machen könnte. Das würde ich auch so sagen. Sicherlich kann man immer noch alles besser machen, aber es ist 'n Weg, wie's funktionieren kann. Es ist 'n Weg, wie's für uns funktioniert und wir haben früher so ein, 2 Auszubildende gehabt. Inzwischen haben wir Stand jetzt grade 10.

2 haben ausgelernt, haben jetzt schon grade eben, hab ich wieder einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, werde jetzt, wir suchen jetzt noch weiter, wären jetzt wieder im Regelfall so 2 pro Lehrjahr. Wenn wir viele gute Bewerber haben, wären's auch mal 4 Ja. Tatsächlich. Aber wir schaffen uns unsere Fachkräfte darüber tatsächlich selbst. Ja, ich glaub, das ist auch der wichtigste Weg gerade aktuell, wirklich die jungen Menschen im Betrieb schon auszubilden, damit sie wirklich auch verstehen, wie son Betrieb tickt oder wie der Betrieb ist.

Und ne, Du hast ja eben auch gesagt, nicht jeder Betrieb passt zu den Personen oder zu den Menschen und nicht jeder Mensch passt zu dem Betrieb, ne. Also die Leute suchen sich ja das Umfeld ja im Endeffekt ja selber aus, ne so und Genau. Deswegen, aber ich bin da völlig bei dir, dass Ausbildung 'n absolut wichtiger Weg ist, da wieder ja in die in die Schlagfertigkeit auch zu kommen, denn sagen wir mal die Menschen, die man jetzt im Moment bekommen kann, die gerade frei sind, dann muss man so, ja da weiß man ja auch nicht, was man dann kriegt, ne. So oft ist ja so 6 Monate läuft's super und ab dem sechsten Monat und einen Tag hat man dann son Thema auf einmal, ne. So und ja deswegen ist wahrscheinlich mit dem Thema Ausbildung oder ist mit Sicherheit das Thema Ausbildung 'n attraktiver Weg und vor allen Dingen auch in die Schulen reinzugehen, aktiv das Handwerk, aber auch das Gewerk natürlich zu repräsentieren, macht sehr viel, denn junge Leute wissen häufig nicht genug übers beziehungsweise haben sich überhaupt nicht mit dem Handwerk auseinandergesetzt, weil alle sagen, brauchst Du nicht.

Ja, leider ja. Ich hab selber erlebt, also ich bin in in Schulen gewesen, 8., 9. Klasse saß in der Aula, ich weiß nicht 120 junge Leute und irgendwie 8 haben sich mit dem Handwerk auseinandergesetzt und wenn sie son bisschen Informationen kriegen zu Potenzialen, zu Chancen, zu Möglichkeiten, die dann die es im Handwerk gibt, aber auch zu den Berufen, die es alle gibt, auch vor allen Dingen die Unbekannter Berufe jetzt, Du bist ja auch in deinem Themenfeld unterwegs, was ja sehr präsent ist und wo jeder weiß, dass es diesen Beruf gibt. Es gibt ja auch ganz viele Nischenberufe oder Berufe, die klein klein sind, weil sie auch nicht mehr son großen Markt einfach auch haben. Und da da hab ich also festgestellt, wenn man son bisschen mal die Transparenz geht, verdoppelt und verdreifacht sich auf einmal die Zahl der jungen Menschen, die sich dann auf jeden Fall mitm Handwerk auseinandersetzen möchten.

Und ich glaube, das ist irgendwie 'n großer Hebel und dann bist Du natürlich weit vorne mit. Ist das vielleicht auch dem geschuldet, weil Du auch ehrenamtlich tätig bist oder hättest Du den Weg auch ohne Ehrenamt eingeschlagen? Den Weg hätte ich tatsächlich auch ohne Ehrenamt eingeschlagen, weil das Ehrenamt kam ja bei mir tatsächlich erst später. Also der der Weg mit diesem wie, wir finden keine Auszubildenden, das war ja schon viel früher, das war schon vor 8 Jahren der Fall und schon da haben wir eben angefangen, wie kommen wir voran und waren froh über jede Bewerbung. Und da hab ich gesagt, wir können ja nicht stillsitzen und abwarten, dass das passiert, sondern wir müssen irgendwie aktiv werden und müssen eine Lösung für uns finden.

Und haben dann eben quasi, sind an die Schulen ran, an die Bildungswerke. Es gibt ja ganz viele Orientierungsklassen und es gibt viele Bildungsträger, die man gar nicht kennt. Googeln findet man eine ganze Menge und die sind alle immer sehr dankbar über sone Angebote, weil die natürlich allen Jugendlichen eine Chance bieten wollen. Und da die die entgegengestreifte Hand sehr gerne nehmen und daraus tolle Kooperationen entstehen. Ja.

Ja, grade hier in Berlin ist, glaube ich, sehr viel in dem Bereich schon an an Vorleistung auch gemacht worden und ihr fangt ja auch teilweise schon in den Grundschulen an und und geht ja dann hoch dann auch bis in die Altersklassen, wo es dann Richtung Entscheidung auch geht und das macht ja absolut Sinn auch an der Stelle. Dann lass uns mal son bisschen versuchen, den Weg Richtung Digitalisierung mal jetzt zu gehen. Welche Rolle spielt denn bei euch im Unternehmen Social Media? Auch Social Media selbst, so weit sind wir tatsächlich noch nicht. Da sind wir noch zu gut ausgelastet für ehrlich gesagt, wir haben quasi für die Berufs, also für die Stellenbewerbung schon den Weg über Social Media gemacht, haben hat uns halt den nächsten Berater genommen, haben der der uns für uns dann quasi uns dargestellt hat, darüber eben offene Stellen aufzuzeigen und haben darüber auch tatsächlich Bewerbungen generieren können.

Allerdings war es auch nicht so erfolgreich, wie wir gehofft hatten. Das ist mag an unserem Firmensitz liegen, mag an unserem Tätigkeitsfeld liegen, mag vielleicht auch an der Dichte, an Nachfrage in Berlin liegen, dass dass da wirklich wir ganz viele freie Stellen wenige Interessierte buhlen, dass es da vielleicht 'n bisschen dünner ist. Und haben tatsächlich eben angefangen, eher über herkömmliche Wege viel über Mundpropaganda, über wirklich den Aufkleber am Fahrzeug und tatsächlich über zufriedene Mitarbeiter werben neue Mitarbeiter. Das ist son Weg, der für uns dann gut funktioniert hat. Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau.

Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu rund knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den Besten zu gehören. Deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter. So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen. Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt.

Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität. Du sagst gerade, ihr habt jetzt 8 Auszubildende, die 10. 10 tatsächlich. Habt ihr mal darüber nachgedacht, vielleicht sone son Ausbildungsprojekt daraus zu machen? Social Media könnte ja gerade mit den jungen Leuten zusammen ja dann auch 'n Riesenhebel sein.

Haben, ja, also wir haben zum Beispiel gerade am Girls' Day teilgenommen, hatten darüber 7 Bewerberinnen und hatten aber am ganz am Anfang gefragt, wir würden's gerne verwenden, wir würden gerne in Social Media und als wir dann quasi die Zustimmungs-, die Einverständnisserklärung verteilt haben, guckten alle irgendwie auf die Nägel, auf die Schuhe und in den Raum und konnten irgendwie so keinen mehr überzeugen, wo wir sagen, möchtest Du nicht unser Gesicht werden an der Stelle? Da möchten, würden wir jetzt noch mal den Weg probieren mit unseren eigenen Azubis, dass wir eben quasi die Idee ist, dass wir darüber tatsächlich eben Social Media Content erzeugen und vielleicht in Zusammenarbeit mit Erinnerung mit dem ZEVEH den Azubiskanal mit ausfüllen und füttern. Da denk mal, für uns ist es zu klein. Wir würden probieren eher, das quasi 'n bisschen größer aufzuziehen und 'n bisschen repräsentativer zu werden als über unseren kleinen Social Media Account, dass wir wirklich eben auch mehr Reichweite, mehr Leute erreichen. Denn ich glaube, häufig ist so diese dieses echte Leben aus dem Unternehmen noch mal viel mehr wert als son son Recruitingvideo, ne.

Also natürlich 'n Recruiting Video ist auch gut, weil's auch fürs Image ja dann auch gut ist, aber es sind so diese diese lustigen Geschichten, es sind so diese diese diese ehrlichen Momente auch, die mal nicht so gut laufen und das wollen ja die Leute sehen und das wollen vor allen Dingen auch die jungen Leute sehen, damit sie 'n Einblick daran haben, was erwartet mich, wenn ich zu diesem Unternehmen gehe, ne? Ja, klar. Ja, so deswegen, deswegen komme ich da nur drauf und ja, denke einfach auch für die, die jetzt gerade zuschauen, ist auch noch mal 'n Impuls, den man davon mitnehmen kann. Gerade wenn man so viel in Ausbildung investiert, ist es halt eigentlich noch mal eine Möglichkeit, weil wenn jungen Leute sich untereinander erzählen, macht Sinn, macht Spaß und so weiter oder das macht vielleicht auch keinen Spaß, muss man auch ganz ehrlich sagen, die sagt gibt's dieses Ja, das ist auch alles Honiglecken. Ne, so dann dann dann ist es ehrlich, authentisch und und dann kommt's auch entsprechend an, ne.

Ja. Du sprachst jetzt eben schon die die Breite eures Berufsspektrums an. Du sprachst erneuerbare Energien an. Du sprachst Ladeinfrastruktur an E-Mobilität. Jetzt jetzt sind da ja ganz viele Anforderungen auch, die da auf auf die jungen Leute zukommen, wenn sie die Ausbildung dann machen.

Und da hab ich vielleicht auch eine Frage, die son bisschen kritischer ist an der Stelle. Wie siehst Du, dieses Aufgabenfeld ist ja mittlerweile sehr breit und sehr groß. Ist die Ausbildung, so wie wir sie heute haben, das ist 1 1 1 1 Ausbildungsberuf quasi gibt, wo diese ganzen Themen reinfallen, ist das noch zeitgemäß oder müsste man vielleicht darüber nachdenken, dass son bisschen in Scheiben zu schneiden, sagen wir mal so diese diese Art zweijähriger Grundausbildung und dann eine Spezialisierung da aufzusetzen, son Themenfeld auch wirklich intensiv dann auch betreuen oder oder angehen zu können dann auch. Na gut, das haben wir ja grade schon durch die Neustrukturierung der Ausbildungsberufe probiert, ihm gerecht zu werden. Und wir haben jetzt zwar den den neuen Ausbildungsberuf des Gebäudesystemintegrators, der grade eben diese Schnittstellen zwischen Kraft Wärme Kopplung, Energie, Smarthome genau das abbilden sollen, dass wir eben immer mehr Spezialisierung brauchen und dass man man Elektriker ist ja nicht mehr einberuft, sondern es gibt ja quasi die Maschinenbau, die Netzwerktechnik, Gebäudesystemtechnik und jetzt eben neu auch den Gebäudesystemintegrator.

Und genau da probieren wir das ja schon vorher, dass man eben, dass man eben diese Grundausbildung hat und dazu Ende hin die Spezialisierung. Und ich denke, das ist eine gute 'n guter Weg, eine gute Entscheidung gewesen, da die Ausbildung anzupassen. Und dem müssen wir jetzt noch mal 'n bisschen Chance geben, dass es sich quasi jetzt in die Breite irgendwie erst mal Bekanntheit gewinnt, dass da auch Nachfrage entsteht. Bisher ist es ja, kennt den diesen Ausbildungsweg kaum noch jemand. Also wenn die wenn die Betriebe das nicht aktiv anbieten, wird kaum 'n Azubi kommen und sagen, ich möchte das lernen, weil er noch diese Berufsbezeichnung noch gar nicht kennt.

Dann lass uns kurz 'n bisschen Werbung machen. Was steckt genau dahinter? Was was wird gelernt in dem Teil des der Ausbildung? Was ist der Schwerpunkt nachher in der Tätigkeit? Im Gebäudesystementtegrator geht's grade darum, eben quasi gewerkübergreifend die die Schnittstellen abzubilden.

Also wir wir rücken ja immer näher zusammen. Also von der Fotovoltaik mit dem Dachdecker, die Kooperation, die wir benötigen und auch die Schnittstellen, die wir benötigen zum Sanitärfachbetrieb, mit dem wir jetzt über die Wärmepumpen viel enger zusammenarbeiten müssen und natürlich auch dieses übergreifende Verständnis viel genauer verhindern brauchen. Es reicht ja nicht, ich lege da 'n Kabel hin und der Klempner stellt da seine Wärmepumpe hin, sondern wir müssen schon irgendwo an der Stelle die gleiche Sprache sprechen, dass wir voneinander sprechen, wo sind unsere Schnittstellen? Was brauchen wir gegenseitig an Infos, an Zuarbeit, damit wir miteinander funktionieren und nicht irgendwie aneinander vorbei arbeiten und dann platt die Inbetriebnahme eben nicht. Das ist wichtig und das für eben der Gebäudesystemintegrator, dass man eben quasi über diesen Tellerrand hinwegguckt, dass man eben quasi auch in die anderen Gewerke mit reinschaut, dann eben die Heizungssteuerung mit abbilden zu können.

Aber auch zu verstehen, ich geborene nicht nur 'n Befehl raus, sondern was macht denn die Heizung dahinter? Was ist denn da nötig? Wie wie funktioniert so was überhaupt? Was ist 'n hydraulischer Abgleich? Oder die Jalousiesteuerung, da ist viel Mechanik mit dran, was wir so nicht immer im Beruf mit drin haben.

Da sind dann irgendwann auch Schlossertätigkeiten mit drin. Also es wird schon, wir müssen schon über den Tellerrand hinausschauen, ihm auch Schnittstellen und Schnittmengen zu verstehen und genau diese dann auch sinnvoll abdecken zu können. Ja gut, und jetzt seid ihr natürlich von der Branche her auch prädestiniert dafür, dass, klar, elektrisch, Elektrik und sagen wir mal, das Thema Digitalisierung fällt ja quasi zusammen, wenn man so will, ne, grade in in in vielen Sachen, Smarthome und Co. Und so weiter. Wie ist denn bei euch im Unternehmen?

Wie seid ihr denn da aufgestellt? Also wir sind ja, uns gibt's ja schon eine ganze Weile, es sind ja in zweiter Generation. Und ich wir kommen noch wirklich mit dem Block Papier, wo dann aufgezeichnet, Spalten, Name, Mitarbeiter, wo fährt der heute hin mit Bleistift und Radiergummi, zu dann irgendwann mit 'ner Excel Tabelle, das war dann so der 1. Digitalisierungsschritt, zu dann ausgedruckten dreilagigen Arbeitsnachweisen mit Durchschrift und einreichen und den dann abschicken, 1 für 'n Kunden, 1 für uns, zu, wo ich dann irgendwann gesagt hab, kann nicht sein. Wenn da 1 hinter 'n Schrank fällt, ist das wie 'n unterschriebener Scheck, den man verloren hat.

Dann haben wir irgendwann gesagt, wir fangen mal mit Tablet an, wir fangen mit 'n PDF, was man einfach stumpf beschreibt und haben irgendwann gesagt, das muss einfach noch einfacher gehen. Und wir haben für uns tatsächlich die Digitalisierungsförderung genutzt vom Land Berlin und haben Corona genutzt. War 'n bisschen ruhiger. Wir sind mal so von 130 Auslastung mal so auf 90 runtergekommen, hatten mal son bisschen Luft, durchzuatmen, haben wir die Chance gehabt, uns mal an uns selber 'n bisschen zu arbeiten und zu verbessern. Haben zu dem Zeitpunkt die Software gewechselt, haben viel Mitarbeiterschulung gemacht, viel ausprobiert, bis wir uns für eine Software festgelegt haben und sind dann natürlich wirklich in die Digitalisierung eingestiegen, zu, dass wir dann erst mal so 60 Prozent papierlos waren, 80 Prozent.

Inzwischen sind wir 95, 97 Prozent papierlos. Wir haben wirklich von ehemals 2 Schränke, 2 Meter breit, 2 Meter hoch, Akten voll pro Jahr sind wir jetzt bei 3 bis 5 Ordnern, die wir tatsächlich, wo wir noch 'n bisschen Belege ablegen. Der Rest ist sonst, ist voll digitalisiert. Wir sind arbeiten sehr dezentral. Die Techniker haben ihr Tablet, da sind ihre Aufträge drauf, da haben sie ihre Unterlagen drauf, die Schallpläne drauf, da buchen sie ihre Zeiten, da haben sie ihre Materiallisten, buchen das Material mitm Scanner drauf, sprechen den Arbeitsbericht.

Wir haben auch KI dahinter, dass wir dann gleich, wenn wir zum Beispiel jemanden mit Migrationshintergrund haben, der in Deutschland nicht ganz so sauber ist, dann wird eben der Text noch mal schön strukturiert und die Fehler korrigiert. Der gibt da wird eine Fotodoku erzeugt, da kann man auch mal was reinschreiben. Da hat man einen einen kundenbezogenen einen Kundendienst Logbuch, dass man sieht, wer war denn davor? Was haben wir schon mal vorher gemacht? Von wegen, ah, hier ist doch was verändert worden.

Ach guck mal, das waren wir ja selber. Und natürlich auch die ganze Abrechnung ist einiges flüssiger geworden. Von später Zettel abgeben, abschreiben, das ist inzwischen bloß noch umwandeln, fertig. Also Ist das eine Software, das ist jetzt die mehrere Software. Das ist eine einzige Software.

Ja, das ist super sehr gut, wenn es einen Anbieter gibt, der tatsächlich das ganze, den ganzen Prozesse abbilden kann in der Stirn, ne. Also es ist, zu digitalisieren, das muss vor allem vom Kopf beginnen. Man muss quasi jeden Ablauf neu denken und infrage stellen, ob der so, der Ablauf noch Sinn macht oder ob man den quasi nicht irgendwie abändert, damit er einfach digitaler und flüssiger wird. Und das ändert eine ganze Menge, aber es schafft auch eine extremen Effizienz zu gewinnen tatsächlich. Also wir, es ist richtig messbar in Stunden, was was an Ersparnis ersteht.

Wenn man Abläufe und Prozesse im Unternehmen hat, oft ist ja so, wir sind ja im Handwerk, also ich hab jetzt rausgehört, ihr habt ja auch 'n größeren Betrieb. Da geht's ja dann irgendwann nicht mehr anders, aber gerade in in in den Standard, in den durchschnittlichen Betrieb 3 bis 5 Mitarbeitende, ist ja nun mal so, dass der Prozess in der Regel Inhaber oder Inhaberin ist, ne. Ja, richtig. Aber auch da gibt's inzwischen ganz kleine einfache Tools von von einfachen Apps, wo man einfach schon Dokumentation, Übermittlung, Informationsfluss einfach bündeln kann und nicht hier 'n Weg, da 'n Weg, hier 'n Zettel, da 'n Brief, da eine E-Mail, sondern irgendwie alles strukturiert als Zeitfaden von wegen, das war zu dem Zeitpunkt waren wir an dem Punkt, das haben wir kommuniziert, das kam als Zusatzauftrag, dass man wirklich einen Kommunikationsweg hat und darüber sauber das macht. Sicherlich ist dann umso größer wird, haben wir noch Rechnungslegung, Tablet, alles mit einbringen.

Aber es fängt mit 'ner einfachen App und 'nem und 'nem Smartphone an und dann kann man sich quasi die nächsten Schritte quasi ja dazu nehmen. Ja. Immer immer weiter digitalisieren und dann eben auch wachsen nach Bedarf. Man kann das auch ganz kleinlassen und hat aber eben nicht hier eine 1 Telegram Signal Whatsapp Gruppe und und da noch eine E-Mail und noch 'n bisschen Papier, sondern wirklich strukturiert. Die Kommunikation.

Das ist auch schon das A und O tatsächlich. Ja, ich glaub, das ist auch eine wichtige Botschaft, ne. Dann auch alle, die jetzt gerade zuschauen, es geht auch im kleinen Stil, man muss nicht die Komplettlösung direkt integrieren. Ist natürlich der einfachste Weg, ist einmal hart und dann ist durch, ne, so, aber kriegt halt eben auch in kleinen Schritten, ne, ist eine ganz wichtige Botschaft. Jetzt sagst Du 96, 97 Prozent papierlos, Hand aufs Herz, wie oft nimmst Du gern noch mal 'n Blatt Papier zur Hand und fängst noch mal an son bisschen per Hand zu schreiben beziehungsweise aufzuspezieren beziehungsweise die Notizen zu machen?

Total ungern, ehrlich gesagt. Also ich hab auch 'n Tablet und wenn ich verschreibe, ich hab 'n Notizbuch doch und mach meine Notizen, meine Skizzen alles nur noch digital, Ja. Weil's eben quasi, ich kann das Gerät da hinlegen, kann das Telefon aus der Tasche holen, hab's immer noch bei mir, kann's nicht verlieren, hab mein mein Tablet wird geklaut, ich hab immer noch meine Daten, passiert jedem mal. Schon als wir noch dicht digital waren, mehrfach durch und dann ist immer alles wächst. Das ist natürlich auch eine Datensicherheit, die man damit hat und eine wirkliche Reichtum.

Und dieses von wegen Zettel, 'n kleinen Abreißblock, wo man sich mal schnell mal sone Notiz hinschreibt, das ist, glaube ich, das Einzige, was ich noch habe. Gut, ich bin zufrieden. Du warst also noch 'n Kugelschreiber bei dir und dich. Ja. Schon mal gut.

Jetzt, wir sind schon am Ende unseres Gesprächs. Wir haben, glaub ich, 'n guten Einblick in viele, viele Punkte bekommen. Aber ich hab noch eine abschließende Frage für dich. Und zwar ist diese Frage, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk mit nur 1 vielleicht auch radikalen Entscheidung zu verändern, was wäre das? Also wir müssen über Handwerk mehr Wertschätzung verschaffen, mehr Wertigkeit, dass wir uns darüber überhaupt verwenden für die Zukunft.

Wir müssen begeistern mit als Handwerk. Wir müssen viel mehr in die Köpfe der Menschen. Wir müssen weg von dieser Schublade, Handwerk, da da kommst, da hast Du keine Karrierechancen, da hast Du keine Aufstiegsmöglichkeiten. Und wenn Du was werden willst, mach was Richtiges. Das ist Quatsch inzwischen.

Ja, ist eine ganz wichtige Thematik. Also wir müssen das Handwerk ins richtige Licht rücken, ganz wichtig. Und das kann nicht nur eine Kammer alleine, so wie es so die letzten 20 Jahre gewesen ist, sondern da müssen wir alle dran arbeiten, müssen jeder unseren Beitrag leisten inklusive. Und das kann ich immer nur wieder tun, inklusive Industrie und allen, die quasi mit dem Handwerk auch ihr Geld verdienen. Ist einfach nötig, dass wir uns mehr zusammenschließen und mehr an diesem Thema arbeiten, denn da kommt noch ganz viel auf uns zu.

Da kommt noch ganz viel auf uns zu. Und deswegen ist es umso wichtiger genau das, was Du sagst, eben halt dann auch zu tun und umzusetzen. Ja Jens, ich danke dir, dass Du hier gewesen bist und Sehr gerne. Ja, waren viele Themen dabei. Danke dafür und hat mich sehr gefreut.

Möchte eben so. Ja, das war Jens Gurke hier bei uns zu Besuch und ja, ihr wisst ja wie immer, liken, teilen, abonnieren ist für uns und für den Kanal ganz wichtig. Deswegen freue ich mich auch, wenn ihr das schon umgesetzt habt und wünsche euch einen schönen Tag und bis bald.

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