Podcasts sind längst mehr als ein Nischenformat – auch im Handwerk und in der Baubranche gewinnen sie an Bedeutung. Wie es gelingt, aus einer einfachen Idee ein Format mit über 150.000 Hörern zu entwickeln, erklärt Fabio Gentile im Gespräch bei Handwerk spricht. Gemeinsam mit seinem Podcast-Partner Julian betreibt er das Format "Der Höfliche und der Baustein" und zeigt, dass Beständigkeit, Authentizität und die richtige Themenwahl der Schlüssel zum Erfolg sind.

Wie aus einer Bauidee ein Podcast wurde

Der Name des Podcasts hat eine charmante Herleitung: Gentiles italienischer Nachname bedeutet auf Deutsch "höflich", sein Partner Julian trägt "Stein" im Nachnamen – so entstand "Der Höfliche und der Baustein". Julian hatte vor fünf Jahren ein Haus gebaut, vor drei Jahren folgte die Podcast-Idee. Ausschlaggebend war eine Lücke im Markt: Bauherren-Tipps aus einer Laiensicht gab es damals kaum.

Genau dieser Ansatz macht das Format aus. Gentile und sein Partner verstehen sich ausdrücklich nicht als Experten, sondern holen sich diese ins Studio. "Wir möchten die komplexe Bauwelt ganz einfach dem Laien, dem Menschen, dem Handwerker oder auch dem Experten näherbringen, auf einer einfachen Sprache", erklärt Gentile.

Reichweite durch Beständigkeit und Netzwerk

Aktuell erreicht der Podcast rund 157.000 Hörer und hat über 172 Folgen auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music veröffentlicht. Das Erfolgsrezept ist für Gentile keine geheime Formel, sondern konsequente Arbeit: Jeden Freitag erscheint eine neue Folge.

Neben der reinen Kontinuität setzt das Team auf einen Marketingmix. Dazu gehören Präsenz auf Messen, aktives Netzwerken und das Ausprobieren neuer Wege – auch mit dem Risiko, dass manches nicht funktioniert. Ergänzend sind sie auf TikTok und Instagram aktiv, wo sie in fünf Monaten rund 2.000 Follower aufgebaut haben.

Am Ende über den Menschen kommt man am weitesten.

Die Mischung aus Information und Unterhaltung ist dabei entscheidend. Während Gentile am liebsten Comedy einbaut, sorgt Julian für den inhaltlichen Ausgleich – ein bewusstes Gegengewicht, das den Podcast trägt.

Warum Gastbeiträge unverzichtbar sind

Ein zentraler Baustein des Formats sind Experten. Da Gentile und Julian sich selbst als Laien verstehen, laden sie zu konkreten Themen Fachleute ein – meist Unternehmer, Unternehmen oder Handwerksbetriebe. Diese liefern die fachliche Tiefe, während die Gastgeber die richtigen Fragen stellen.

  • Beständigkeit: Regelmäßige Veröffentlichungen schaffen Vertrauen und Reichweite.
  • Themenwahl: Aktuelle, relevante Inhalte am Zahn der Zeit binden Hörer.
  • Authentizität: Humor darf nicht erzwungen wirken, sondern muss echt sein.
  • Experten einbinden: Gastbeiträge liefern die fachliche Substanz.

Drei Säulen – und Ideen für Handwerksbetriebe

Das Format steht auf drei thematischen Säulen: Bauherren-Tipps, Inhalte fürs Handwerk mit Fokus auf Innovation sowie globalere Themen wie Infrastruktur und nachhaltiges Bauen. Für Handwerksbetriebe, die selbst einen Podcast starten möchten, skizziert Gentile ebenfalls drei mögliche Richtungen: das Handwerk als attraktiven Beruf für junge Menschen präsentieren, die eigene Arbeit und Qualität transparent zeigen sowie den Umgang mit Digitalisierung und Zukunftsfragen thematisieren.

Der praktische Einstieg in den eigenen Podcast

Auf die Frage, wie ein Handwerksbetrieb einen Podcast ohne großen Aufwand starten kann, antwortet Gentile ehrlich: Ohne Aufwand geht es nicht. "Wenn man Qualität haben möchte, dann muss man Aufwand einfach reinstecken und Zeit und Liebe." Wer dafür keine Leidenschaft empfindet, solle es lieber lassen.

Sein wichtigster Rat lautet dennoch: einfach machen. Es gebe kein Richtig oder Falsch, und man finde immer jemanden, der zuhört. Zu Beginn hätte er sich 50 Hörer im ersten Jahr gewünscht – heute sind es über 150.000.

Technisch braucht es zum Start keine teure Ausrüstung. Eine Tonaufnahme über das MacBook, das Smartphone oder eine Videokonferenz-Plattform wie Zoom reicht aus, um kostengünstig zu beginnen. Wichtig ist ein sogenannter Host – ein Anbieter, bei dem man sich anmeldet, die Tonspur hochlädt und Text, Keywords sowie ein Cover-Bild hinterlegt. Dieser Host verteilt den Podcast anschließend automatisch auf alle Plattformen. Die Jahresgebühr sei überschaubar.

Auch bei der Bearbeitung gibt Gentile Tipps: Man sollte jede Folge vor der Veröffentlichung anhören und darauf achten, was man sagt. Pausen und Versprecher lassen sich herausschneiden, doch ein Rest an Unperfektheit dürfe bleiben, denn er sorge für Authentizität. Verschiedene Bearbeitungsprogramme und KI-Tools helfen, die Tonqualität zu verbessern.

Ein Lifehack aus der Praxis

Statt klassischer Werbung baut das Format regelmäßig Lifehacks ein. Einen davon teilte Gentile auch in der Sendung: Wer Wasserflecken auf der Armatur vermeiden möchte, kann diese mit einer weißen Kerze einwachsen und anschließend auspolieren. Das Wasser perlt dann rund eine Woche lang ab – ein einfacher Trick für eine dauerhaft saubere Armatur.

Das Handwerk auf dem richtigen Weg

Zum Abschluss zeigt sich Gentile optimistisch. Das Handwerk mache derzeit große Schritte, besonders die nachrückende Generation setze auf Digitalisierung und modernes Denken – vom Marketing über den Vertrieb bis zum Auftreten auf der Baustelle. Natürlich werde noch vieles falsch gemacht, doch die richtigen Entwicklungen überwiegen. Diese Fortschritte, so Gentile, seien es, die ihn jeden Tag aufs Neue motivieren.