Cover: Das Handwerk macht sich selbst unattraktiv! | Ilona Klein-Gasteyer

Das Handwerk macht sich selbst unattraktiv! | Ilona Klein-Gasteyer

16. September 2026 21:06 Min.
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Worum es geht

Das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem? Oder macht es sich selbst unattraktiv? Und warum passt eine 1,60 x 2,00 Meter große Glasscheibe manchmal nicht einmal durchs Treppenhaus? Oliver Oettgen spricht mit Ilona Klein-Gasteyer, Geschäftsführerin und Eigentümerin des Glashandel Klein, über die Lücke zwischen digitalen Vorstellungen, architektonischen Entwürfen und der Realität auf der Baustelle. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Handwerksbetriebe früher in Bau- und Planungsprozesse eingebunden werden müssen. Denn wenn die Praxis erst am Ende gefragt wird, entstehen nicht nur Missverständnisse. Es können teure Planungsfehler, unnötige Verzögerungen und Lösungen entstehen, die vor Ort gar nicht umsetzbar sind. Die Folge spricht über Nachwuchs im Handwerk, Bürokratie im Handwerk, das Glaserhandwerk und die Frage, wie moderne Bauplanung besser funktionieren kann. In dieser Folge geht es unter anderem um: Warum Bilder aus dem Internet häufig Erwartungen schaffen, die vor Ort nicht realisierbar sind. Was passiert, wenn eine große Glasscheibe zwar bestellt, aber nicht durch das Treppenhaus transportiert werden kann. Warum Glaser, Schreiner, Metallbauer, Fliesenleger, Architekten und Bauunternehmen früher miteinander sprechen müssen. Weshalb ein Zahlendreher beim Aufmaß oder eine Beschädigung beim Transport bei Glas besonders teuer werden kann. Warum Begriffe wie „Sicherheitsglas“ oder „Milchglas“ allein noch keine gute Planung ersetzen. Welche Chancen das Glaserhandwerk jungen Menschen bietet und warum der Beruf weit vielfältiger ist, als viele vermuten. Warum Ruhe, Sicherheit und sorgfältiges Arbeiten im Glaserhandwerk wichtiger sein können als Tempo und Hektik. Wie flexiblere Arbeitszeiten zu mehr Work-Life-Balance im Handwerk beitragen könnten. Ilona Kleingasteier spricht aus der Perspektive einer Unternehmerin, die Handel und Handwerk miteinander verbindet und täglich erlebt, welche Folgen gute oder schlechte Planung haben kann. Die Folge zeigt: Handwerk beginnt nicht erst bei der Montage. Es muss bereits dann beteiligt sein, wenn Ideen entstehen, Materialien ausgewählt und Abläufe geplant werden. Doch wer soll diese frühe Beratung leisten? Und wer ist bereit, sie zu bezahlen? Wie früh sollten Handwerksbetriebe in Bau- und Sanierungsprozesse eingebunden werden - und wer trägt die Kosten für diese Beratung? Diskutiert die Frage in den Kommentaren und teilt eure eigenen Erfahrungen aus Planung, Bau und Sanierung. Folge „Handwerk spricht“ auf Spotify und abonniere den Podcast, damit du keine neue Folge verpasst. Wenn dir diese Folge wichtig erscheint, teile sie mit Unternehmern, Planern, Handwerkern und Menschen, die das Handwerk weiterdenken. Nachwuchs im Handwerk Bürokratie im Handwerk Glaserhandwerk Handwerksberatung Bauplanung und Machbarkeit Ausbildung im Glaserhandwerk Work-Life-Balance im Handwerk Longtail-Suchbegriffe und Fragen: Warum müssen Handwerker früher in die Bauplanung einbezogen werden? Wie verhindert man Planungsfehler auf der Baustelle? Warum passt eine Glasscheibe nicht durch das Treppenhaus? Hat das Handwerk wirklich ein Nachwuchsproblem? Was macht den Beruf im Glaserhandwerk attraktiv? Hashtags: #HandwerkSpricht #Handwerk #Glaserhandwerk #Bauplanung #NachwuchsImHandwerk

Aus dieser Folge
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Transkript

Ja, herzlich willkommen zur Handwerk spricht zu 1 neuen Folge und heute ist meine Gästin hier Ilona Kleingasteier. Schön, dass Du hier bist. Danke, dass ich hier sein darf. Wir starten direkt voll rein mit 3 Thesen und ich bin gespannt, was Du uns zurückgibst dazu. Und zwar ist die 1.

These, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach unattraktiv für junge Menschen. Das sehe ich nicht so. Wenn die jungen Menschen sehen, wie vielfältig das ist und was es einem alles zu bieten hat, dann haben wir auch kein Nachwuchsproblem mehr. Definitiv. 2.

These, Bürokratie schadet dem Handwerk. Das unterstreiche ich doppelt, Punkt. Sehr gut. Und die 3. These ist, Handwerk ist unverzichtbar für Wirtschaft und Gesellschaft.

Ja, dann muss ich 3 Striche unten drunter und noch 3 Ausrufezeichen machen, ja. Ohne Handwerk geht gar nix. Und KI und das alles ist hilfreich, ja, aber Handwerk heißt Handwerk und ohne das Handwerk und das entsprechende Know how, das wenn das wegfällt, das funktioniert nicht. Ja. Ilona, da stell ich dich kurz son bisschen vor an der Stelle und dann starten wir mal in unser Gespräch an.

Ilona Klein Gasteier, Du bist Geschäftsführerin und Eigentümern vom Glashandel Klein. Und na ja, wir wollen mal über verschiedene Themen sprechen, unter anderem, dass Unternehmen im Handwerk etwas früher in so Planungs- und Bauprozesse bleiben bezogen werden sollten. Und ich bitte dich einfach mal, vielleicht ergänzte Du noch mal die Vorstellung und beschreibst noch mal 'n bisschen was mehr zu dir und sagst uns mal, was da aus deiner Sicht fürn Thema im Schwählt an der Stelle. Denn warum warum sagst Du, wir müssten früher den Prozess miteinbezogen werden? Und zwar ist da auch wieder das Internet eine, spielt da eine große Rolle.

Die Kunden, egal ob jetzt Privatkunden oder Firmen, die informieren sich dann über die digitalen Medien, was ja durchaus absolut auch gut ist. Aber das, was ich sehe im Netz, ist nicht unbedingt das, was ich vor Ort realisieren kann, ja. Also wenn ich mir jetzt Bilder anschaue mit 'nem tollen Haus, mit 'nem Strand und 'nem Meer davor, mit 'nem Ganzglasgeländer zum Beispiel und habe 'n Fachwerkhaus in hier in Koblenz, in der Altstadt und hab 3 Meter weiter schon das nächste Haus, da macht zum Beispiel ein ganz Glas Geländer mir nicht den Blick, wie ich den im Internet sehe mit Meer und Strand und so weiter. Und dann wird oft dann aber dann entsprechend, also jetzt bei Privatkunden oder eben, ist egal, auch bei Firmen dann halt zum Architekt gegangen, zu 'ner Baufirma gegangen, dann wird dieser Wunsch geäußert. Also dass man eben 'n Ganzglas Geländer oder diese, das er das haben möchte, ja, dann bekommen die das dann so, aber im Endeffekt ist es nicht das, was sie eigentlich wollten.

Und da ist eben genau der springende Punkt, dass eigentlich das Handwerk, die, die vor Ort mit Bausituation umgehen können, die die das Drumherum auch sehen, ja. Also gerade aktuell der Fall, ein Meter 60 mal 2 Meter Dusche, das Glas schafft es nicht durch das Treppenhaus. Die Fenster sind nicht groß genug, das per Kran durch das Fenster zu machen. Badplanung würde ich sagen, absolut mangelhaft, ja. Jetzt sind die Vorkehrungen alle so und das meine ich damit.

Also nicht immer erst dann, wenn die Handwerker Die Handwerker sind nicht diejenigen, die nur zum Schluss das Fertiger eben installieren oder wie auch immer, sondern die sollte man vorher einfach schon ins Boot holen. Jetzt ist die Frage, haben die Betriebe denn eigentlich jemanden, der den sie auch noch zusätzlich rausschicken können, der dann entsprechend so beraten könnte, dass sich vor Ort das anschauen könnte und es müsste theoretisch dann ja auch noch bezahlt werden? Ja, also ganz viele Punkte. Es geht Ästhetik, es geht Baustellenorganisationen, Abläufe, aber auch Machbarkeit der Umsetzungen nachher. Also ganz viele Punkte, die ja in vielen Gewerken auch absolut relevant sind und ja, Du sagst es schon, es ist am Ende auch eine Frage der Beratung, also von der Intensität der Beratung.

Und ich glaube, da ist die Zahl der Betriebe, ja, ich würd sagen fifty fifty, die es können und die es auch machen wollen in der Größenordnung, aber die anderen können's ja vielleicht auch gar nicht, weil sie eben halt tatsächlich selber auf den Baustellen sind und Genau. Dann gegebenenfalls erst nach Feierabend oder nach Feierabend auf den Baustellen dann eben die Betriebe oder die die Kunden besuchen können. Und ist ja schon immer eine sehr anstrengende Situation auch und von daher ist es schon manchmal schwierig und man muss vielleicht auch tatsächlich kritisch betrachten, Das Thema Beratung im Handwerk, wir machen es ja und wir wollen es ja auch, wie Du schon zurecht sagst. Wir wollen ja nachher auch den Prozess nachher entsprechend, ja, optimiert haben und so auch haben, dass es auch umsetzbar ist, weil wenn die Glasschale zu groß ist und irgendwo durchpasst, dann geht sie nicht ins Haus rein, ne. Also immer die Industrie macht's ja anders, die reißt dann das Dach auf und sagt dann, komm, wir schieben das.

Egal, wie Du's da durch? Genau. Aber das können wir im Privathaushalt nun mal nicht, so so einfach zumindest. Das heißt also, eine ganz vielseitige Forderung. Hast Du hast Du neben dieser Glasthematik, die Du gerade beschrieben warst, auch auch schon mal die Situation gehabt, dass Du gesagt hast, während wir von Anfang an miteinbezogen wurden, wär's anders gelaufen.

Genau. Das ist so. Das ist aber eben nur beim Glas, sondern das ist auch bei Holz oder bei Metall, das ist eben der springende Punkt. Und ich rede jetzt gar nicht vom Neubau, ja. Neubau, jetzt die ganzen Neubaugebiete, die entstehen, wo dann 'n Bauunternehmen beauftragt wird und die dann entsprechend ihr Team haben, die dann alle Hand in Hand arbeiten.

Da will ich nicht sagen, ist easy peasy, aber das ist so, sondern es geht hier tatsächlich die Sanierung, Hauskauf, was schon fertig ist und das soll dann umgebaut werden. Oder gerade Thema eben seniorengerechtes Badsanierung, Haussanierung, ja. Und wir haben wirklich grade aktuell auch wieder 'n Haus, was gekauft wurde und die bekommen noch nicht mal die Handwerker, weil sie, nicht weil die Handwerker, die da hinkommen, keine Lust haben oder sagen, ja, der Terminkalender ist voll, kannst Du in 3 Jahren noch mal fragen, sondern das ist gar nicht denen ihr Gewerk, ja. Also die sind zwar vielleicht Metallbauer, Mhm. Aber die haben jetzt bei 'nem Stahl- und Metallbauer gefragt, die Fassaden machen, ja.

Die machen mir kein Treppengelände, machen die auch mal. Aber das kann ich dann mehr oder weniger genauso im Internet bestellen. Das heißt, herauszufinden, wen brauche ich denn jetzt eigentlich hier, ja, das ist eine absolute Schwierigkeit oder da da ist die Herausforderung und können die Gewerke auch miteinander. Also weiß der Schreiner, dass wenn der das gemacht hat, dass der Glaser da auch noch kommt und vielleicht jetzt, wo das noch nicht da war, wäre der noch durchgekommen mit dem Glas, was dahinter verbaut werden müsste. Und so weiter oder die Fliesenleger, die dann mittlerweile eben die ein Meter 20 Fliesen haben, ja und die Dusche wurde dann geplant.

Man hätte aber auch noch eine Halterung anbringen müssen vorher oder, oder. Also dadurch, dass wir mit dem Glas wirklich, es sind ja nicht nur Glaser, also Glaserbriebe gibt's relativ wenige nur noch, sondern wir haben wirklich mit allen Handwerkern zu tun. Und ich bin auch ausgebildet worden für die Duschmontage, über Kopfmontage, zuschneiden, wenn dann mal 'n Opa kommt und brauch noch fürs Lämpchen das Glas, weil's unbedingt morgen aufm Friedhof stehen muss, dann machen wir das auch. Aber wir haben wirklich mit so vielen Gewerken zu tun. Es gibt keine, mit denen wir nichts zu tun haben.

Egal ob Bäcker, Metzger, wo man sich fragt, was hat 'n der jetzt mitm Bau zu tun? Nein, aber Metzger und Bäcker hat Glas in der Filiale und hat dann da auch wieder und hat sich eine tolle Theke ausgesucht, rundgeschwungen, die geht kaputt und dann fangen die Probleme an, wo man dann sagt, ja, das war in der Masse günstig und vielleicht nicht ganz so praktisch, weil sonst würden die nicht 1 nach dem anderen kaputtgehen. Also so, wir sind wirklich überall und Glas, man weiß gar nicht so, weil man's einfach nicht sieht. Also Metall sehe ich, Holz sehe ich, da kann ich mir was drunter vorstellen. Glas ist meistens durchsichtig und das ist einfach nicht präsent.

Ja, selbst von den Fenstern, man redet häufig über die Rahmen und man über die Konstruktion an sich dann, ne. Genau. Man redet nie über den Füllstoff in 5 Strich durchs Glas, ne. Genau. Und was das Glas alles können muss.

Und Glas ist 1 der wenigen Rohstoffe, die keine Fehler verzeihen. Mach ich beim Aufmaß 'n Zahlendreher, je nachdem, was es ist, wird's teuer. Da kann ich nicht noch was dran machen, da kann ich nicht was abmachen beim eben Transport entsprechend einmal angehauen, je nachdem, was es ist. Hab ich Sicherheitsglas, mach den bitch und dann hab ich wie eine Champagnerflasche, die sich öffnet und hab diese ganzen Teile irgendwo liegen, ja. Wie machst Du das denn?

Du sagtest eben, Du hast denen ja gesagt, Hand in Hand auf der einen Seite, dann dann gibt's ja dann auch noch mal das Verhältnis Handwerk zum Handel, ist ja spielt ja auch eine ganz wichtige Rolle. Wie sieht denn so dein Netzwerk aus oder welches Netzwerk würdest Du dir wünschen? Wie sollte es vom Ablauf her sein? Also ich denke, dass tatsächlich die, die dann entsprechend, sei es tatsächlich bei 'ner Bank schon die Finanzierung fürn Hauskauf, dass man da schon mit eingebunden wird für das, was die Leute sich dann vorstellen, was sie aus ihrem Haus machen könnten, wär jetzt ein Ansatzpunkt. Das andere ist eben Architekten, die wunderbare Vorstellungen haben, die dann aber auch irgendwie umsetzbar sein müssen und eben finanzierbar sein müssen.

Eben die Bauunternehmen, die sind raus, weil die ja eigentlich in der Regel nur neu bauen. Und die Privatkunden, dass die eben, wenn die sich, wenn die eine Idee haben und die sagen, okay, das kaufe ich mir jetzt oder hab ich gekauft, das stelle ich mir jetzt vor. Und dann a, wen frage ich denn jetzt? Wo finde ich denn die Firmen, die hier so was machen könnten? Haben die auch überhaupt noch Kapazitäten oder wann haben die die nächsten Kapazitäten zur Verfügung?

Und da ist eigentlich, wo man sagt, das muss, da muss es eigentlich jetzt wirklich niemand für geben, der sich da drum kümmert und das einem 'n bisschen abnimmt. Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau. Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den besten zu gehören, deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter. So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen.

Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität. Jetzt weiß man ja von den Herstellern zum Beispiel, dass sie ja Richtung Planung, Architektur und so weiter ja doch gute Kontakte pflegen. Man würde ja eigentlich meinen, dass schon viele Informationen ausgetauscht sind in die auf dem Weg, aber es ist dann eher die Produktinformationen, die dann da die dann da über den Tisch geht und weniger diese praktischen Erfahrungswerte beziehungsweise weniger die Praxis, die ja für uns dann nachher im im Handwerk selber ja dann die Rolle spielt, ne. Genau.

Weil das ist dann, dass man sagt, ja, ich brauch 'n Sicherheitsglas. Wofür? Und ich sag immer, das ist, wie wenn ich jetzt zum Autohaus geh und sag, ich hätt jetzt gern 'n Auto mit 4 Rädern. Und dann verstehen die Leute, ah, okay. Ah, okay, okay, okay.

Also dieser Vergleich ist dann immer relativ schnell, wo man sagt, okay. Weil oder es sind dann halt eben im im ja, in der Umgangssprache, dass man sagt, ja, ich brauche 'n Milchglas. Was ist bitteschön 'n Milchglas? Wofür brauche ich das denn? Brauche ich 'n Glas Milch oder also nein, also Spaß, aber das ist halt Die versuchen, Sicherheit zu informieren im Internet, das ist auch alles absolut gar keine Frage.

Aber ich merk grad, wenn auf Tiktok oder irgendwo grad eine Welle ist, weil dann so ganz lustige Anfragen kommen, wo ich denk, ah, da scheint irgendeiner gerade wieder irgendwas viral geschickt zu haben. Eigentlich kann ich nur 'n Kopf schütteln, ja. Und das den Leuten dann irgendwie versuchen zu erzählen, dass das nicht, ich will das, also ich verkauf denen alles, aber das ist nicht mein Anspruch. Eben drum, weil ich die Kombi bin. Ich verkaufe, ich hab den Handel, aber ich kenn halt auch das Handwerk und ich weiß, wie man was einbaut eben.

Ich jetzt ganz normal eben die Dusch schreibe, geh mal wieder zu dem Beispiel zurück, Meter 60 mal 2 Meter, wenn ich die jetzt irgendwo im Internet anfrage oder bei irgendeinem anderen Händler, der die verkauft, ja, warum soll er die nicht verkaufen? Der fragt nicht, wie der Weg ist. Wir schon. Weil ich weiß und wir auch ausliefern und ich selber auch trage und ich weiß, was es heißt. Also ich hab auch meine Grenzen, bis zu so und so viel Gewicht zu tragen, aber ich weiß eben, ich weiß genau, worauf's ankommt.

Und so sind wir alle halt in dem Team oder meisten, die im Team sind, die wissen beide Seiten. Und das ist halt son bisschen Und dadurch, dass Glas so ja, 'n bisschen verkümmert in Deutschland, es gibt nur noch 3 Glasfachschulen in Deutschland. Früher waren die Klassen voll, da gab's auch ganz, ganz viele Unterrichtszweige. Die sitzen mittlerweile alle in einem. Also das, weil man das auch nicht weiß, also dass das 'n Ausbildungsberuf ist tatsächlich.

Dann lass uns doch kurz 'n Land zu brechen für den Beruf. Und zwar, was macht denn den Beruf so attraktiv? Dass man entsprechend mit verschiedenen, also mit dem Materialglas, dass das aber in unterschiedliche Bereiche einsetzbar ist, dass ich klar das Bauglas habe, was für die Großbauten ist, wo dann aber auch dann mit Kran- und Saugeranlagen, also wenn ich sag, ich bin eher für das Grobe, auch wenn man bei Glas immer aufpassen muss. Ich kann aber ins Feintuning gehen, ich kann in das Geräteglas gehen, was eben überall gebraucht wird in Labore und und und so weiter. In die Veredlung gehen von dem Glas.

Klar, was mir dann eher bei den jüngeren Damen gewünscht ist, ist dann Bleiverglasung oder Glasmalerei, wobei das natürlich eine absolute Nische ist, weil dann kann man sich selber fragen, wie viel Bleiverglasung sehen wir hier zum Beispiel grade in der Handwerkskammer in Koblenz? Mir ist jetzt grade keiner aufgefallen auf dem Weg hier rein. Also das ist eine Nische, ja. Aber es macht einfach Spaß eben drum, weil das Glas so speziell ist. Wie lang dauert die Ausbildung?

3 Jahre. 3 Jahre. Du sagtest schon, es gibt 3 Standorte, wo er ausgebildet wird oder wo der Schule ausgebildet wird. Wo wo sind die Schulen? Also zum Beispiel in Rheinland Pfalz gibt's keine.

Die nächste ist dann eben in Hessen, in Hadamar. Das ist eben dann, was bei uns dann am dichtesten dran ist, Rheinbach und noch einen in Bayern. Okay. Also eigentlich ein Berufszweig, der auch wichtig ist. Absolut.

Also wir brauchen ja Glaserinnen und Glaser. Genau. Und das heißt, im Grunde könnten wir ja 'n Aufruf starten, ne, dass die jungen Leute sich das dieses Berufsbild auf jeden Fall sehr intensiv anschauen und überlegen, ob sie nicht da rein wollen. Denn wie viel Leute braucht ihr aktuell im Glaserhandwerk so insgesamt? Weißt Du das?

Nee, weiß ich auswendig nicht. Bei dir im Betrieb, wie sieht's da aus? Brauchst Du händeringend Leute? Nein, tatsächlich haben wir gerade erst noch 2 zum Montag eingestellt. Also wir sind tatsächlich komplett, weil wir eben auch breit aufgestellt sind.

Aber zum Beispiel haben von der Glasfachschule aktuell eine Glasfachpraktikantin, die wirklich jede Woche zu uns kommt, weil sie so gut gefällt und nach der Schule noch bei uns im Betrieb ist und ganz viele Sachen macht. Glas, die jungen Leute, die so innovativ sind, haben dadurch ja die Chance, eben auch mal 'n bisschen alte Krusten aufzubrechen, eben bunt, ja. Hier sehe ich auch wieder alles nur in Streifen, in matt und in Kla. Wo ist denn das Bunte, ja? Also was die Bleiverglasung eben kann, wo man halt künstlerisch kann man aber halt auch anders.

Also indem ich's halt zeichne und indem ich's halt dann irgendwo produzieren lasse, man kann eben mit Siebdruck, mit Lack Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, wo man sich so kreativ wirklich auch am Computer eben tätigen, tätig werden kann und dann eben vom Anfang an, wo man sagt, ich war beim Aufmaß, ich hab geguckt, ich war bei den Leuten, hab mir das angeschaut, man hat was entwickelt, man war vielleicht beim Hersteller*in, bei dem Verarbeiter in der Produktion, wo ich auch jedes Jahr bei fast allen meiner Lieferanten bin und selber gucke, auch eben aufm neuesten Stand zu sein und dann einfach dadurch halt auch Lanzen brechen kann, ja. Also da ist ganz viel Luft nach oben. Es ist halt nicht wie in anderen Gewerken, wo der Deckel schon oben drauf ist. Jetzt hast Du schon ganz viele Sachen gesagt, die für mich jetzt schon mal neu waren. Aber vielleicht hast Du noch die eine Sache, die kaum 1 weiß, die übers Glashandwerk total wichtig wäre, dass die Leute es wissen.

Es kann fachlich sein, kann der Beruf an sich sein, kann der Alltag sein, irgendwas, wo Du sagst, das ist eigentlich total herausragend und eigentlich weiß es keiner. Das ist 1 der wenigen Berufe, wo Langsamkeit wichtig ist. Ruhe bewahren. Sicherheit geht vor und Ruhe. Hier ist nix mit Schnell und Hektik, sondern planen, in Ruhe arbeiten, also auch gerade für die, die son bisschen introvertiert sind, für die ist es super.

Du musst bei Glas nicht viel sprechen. Du kannst es halt dann auch schreiben am Computer. Da musst Du dann mit Kunden, aber das Team ist ja dann auch größer, da gibt's auch welche dann so wie mich, die halt dann gerne sprechen. Aber Glas ist immer ruhig. Ruhe bewahren und in aller Ruhe arbeiten, bedacht und das finde ich es absolut.

Da wird auch nicht geschrien beim Glas. Ich glaube, da ist 'n wichtiger Hinweis noch mal gewesen, Ilona, gerade noch mal diesen Blickwinkel auch noch mal zu geben. Auch davor schon die ganzen Punkte, die Du da rausgearbeitet hast, die total wichtig sind. Jetzt haben wir auch noch mal eine gute Werbung gemacht für den Beruf, also das ist auf jeden Fall auch wichtig. Und wir sind tatsächlich schon am Ende, Ilona, also wir sind durchgerast wie nichts und trotzdem hab ich noch eine abschließende Frage an dich.

Ja. Und zwar, wenn Du die Macht hättest, das Handwerk mit nur 1 vielleicht radikalen Entscheidung zu verändern, was würdest Du dann tun? Die Zeiten ändern. Also die Uhrzeiten, die Anfangs- und Endzeiten, was vorgegeben ist und einfach da mehr Flexibilität vom Endkunden als Verständnis, weil dann geht auch Work Life Bennet. Wenn ich aber Kunden habe, wie jetzt von hier, wir fahren nach Frankfurt und müssen 7 Uhr da sein, weil der Kunde das so vorgibt, müssen wir hier in dem Raum 5 Uhr losfahren.

Und aufm Rückweg stehen wir dann halt auf der a 3 wunderbar mit allen anderen im Stau. Wenn man da mehr Flexibilität generell einfach hat, ja, ich will nicht sagen 24 7. Ich war jetzt grad kurz in Dubai auf Fortbildung unter anderem und da geht das 24 7. Also da ist es wirklich 8 Stunden arbeiten, dann Pause, 8 Stunden arbeiten, Pause und so weiter, weil die Schichten von mehreren, also je mehr Schultern das tragen, umso besser geht das. Und es gibt einfach wirklich welche, die morgens, die kannst Du, mit denen kannst Du morgens einfach nix anfangen.

Und so gibt's aber auch Kunden, die ja morgens eben, mit denen Du auch nix anfangen kannst, die froh wären, wenn abends 6 'n Handwerker käme und wenn dann der Betrieb das freigeben würde und sagen wird, okay, dann geht der Trupp halt erst abends 6 los, ja. Ja, Ilona, zum Beispiel im Sommer ist das ja nun 'n Punkt, ne. Zum Beispiel. Bei Hitze und gucken. Genau.

Ja. Ilona, danke für deine ganzen Impulse und auch vor allen Dingen für die Werbung fürs Glasehandwerk. Es hat mich sehr gefreut, dass Du hier gewesen bist. Vielen, vielen Dank, dass ich da sein durfte. Das war Ilona Kleingastager hier bei uns im Studio.

Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Und denkt wie immer dran, liken, teilen, abonnieren und erzählt allen Freunde und Bekannten, dass es unsere Sendung gibt. Wir sehen uns beim nächsten Mal. Bis bald.

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