Als Mechanikerin abgestempelt: Wie tief Handwerksvorurteile sitzen
Worum es geht
Solange Handwerk als Plan B gilt, wird Nachwuchsgewinnung unnötig schwer. Aber liegt das Problem wirklich bei den jungen Menschen – oder noch immer in unseren Köpfen? Handwerk oder Studium? Karriere oder „nur“ Ausbildung? Genau diese gesellschaftliche Trennung hält sich hartnäckiger, als vielen lieb sein dürfte. Oliver Oettgen spricht mit Annette Blum , die ein Fahrradgeschäft in Berlin betreibt und selbst gelernte Mechanikerin ist. Ihr Weg ins Handwerk begann bereits als Teenager: alte Fahrräder vom Sperrmüll holen, reparieren, ausprobieren und verstehen, wie Dinge funktionieren. Heute erlebt sie auf der anderen Seite, was Nachwuchs im Handwerk , Ausbildung, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Anerkennung ganz konkret miteinander zu tun haben. Besonders deutlich wird das an einer persönlichen Erfahrung: Als Annette auf einer Party erzählte, dass sie Mechanikerin gelernt hat, rückte ihr Gesprächspartner nach ihrer Wahrnehmung regelrecht von ihr ab. Für sie ist das kein nebensächliches Erlebnis, sondern Ausdruck eines Denkens, das dem Handwerk bis heute schadet. Im Gespräch geht es unter anderem darum: • Warum das Bild vom Handwerk als „Plan B“ Folgen hat: Wenn Studium automatisch als höherwertiger Karriereweg gilt, wird es für Betriebe schwieriger, junge Menschen für handwerkliche Berufe zu gewinnen. • Wo Tradition zur Bremse werden kann: Annette sieht durchaus verkrustete Strukturen und feste Korsetts, die qualifizierten Menschen unnötige Hürden aufbauen können. • Warum gute Ausbildung mehr braucht als Fehlervermeidung: In ihrer Werkstatt dürfen Azubis ausprobieren, scheitern, verstehen und besser werden. Entscheidend sind für sie die eigenen „Heureka-Momente“ – der Punkt, an dem Fortschritt wirklich spürbar wird. • Was Selbstwirksamkeit mit Mitarbeiterzufriedenheit zu tun hat: Menschen müssen das Gefühl haben, durch ihre Arbeit tatsächlich etwas bewegen zu können – selbst wenn es zunächst nur kleine Schritte sind. • Wie Fachkräftemangel im Betriebsalltag sichtbar wird: Annette berichtet von mindestens sechs Wochen Vorlauf in der Werkstatt und zum Zeitpunkt des Gesprächs sogar von rund drei Monaten. • Warum Nachhaltigkeit im Handwerk konkreter werden muss: Reifen- und Schlauchrecycling, Teilewäsche, wiederverwendbare Putzsysteme und weniger Verpackungsmüll zeigen, dass auch ein grundsätzlich nachhaltiges Produkt nicht automatisch einen nachhaltigen Betrieb bedeutet. • Warum das Fahrrad für Annette weit mehr als ein Produkt ist: Gerade bei Mobilität, Gesundheit und begrenztem Platz in Städten sieht sie darin eine einfache und effiziente Lösung. Am Ende geht es deshalb um eine viel größere Frage als Ausbildung oder Fahrräder: Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit Menschen einen handwerklichen Beruf wählen können, ohne das Gefühl zu haben, damit auf einer niedrigeren Stufe zu stehen? Und wie viel Nachwuchs verliert das Handwerk möglicherweise noch immer durch genau dieses Denken? ▶️ Die Folge als Video: YouTube: https://youtu.be/Jau_Hwg38aU?si=q0Oi-OuzQ9j1RIB4 Was meint ihr: Ist das eigentliche Nachwuchsproblem des Handwerks der Fachkräftemangel – oder noch immer das gesellschaftliche Image handwerklicher Berufe? Schreibt eure Meinung und eure Erfahrungen in die Kommentare. Folgt „Handwerk spricht“ auf Spotify, abonniert den Podcast und teilt die Folge mit Unternehmern, Ausbildern, Führungskräften und Menschen, die das Handwerk weiterdenken wollen.
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Transkript
Herzlich willkommen bei Handwerk spricht und heute haben wir Annette Blumen zu Besuch. Annette, schön, dass Du hier bist. Hallo. Annette, wir starten direkt mal mit 3 Thesen und ich bin schon gespannt, was Du mir dazu sagst. Mhm.
Die 1. These lautet, Handwerk ist kein Karriereweg mehr, es ist nur ein Plan b für alle, die fürs Studium nicht klug genug sind. Ja, das wurde sehr lange so transportiert und den Schlamassel haben wir jetzt, nämlich zu wenig Handwerker. Dass man im Handwerk durchaus wesentlich mehr verglient als in unbezahlten Praktika in überbelegten Studiengängen, hat sich, glaub ich, inzwischen 'n bisschen hoffentlich durchgesprochen. Ja.
Durch, ja. Wichtiger Punkt. Die 2. These, der Meisterbrief und alte Traditionen bremsen das Handwerk aus, anstatt es voranzubringen. Würde ich teilweise tatsächlich ja sagen dazu, ja.
Also es gibt verkrustete alte Strukturen, die die alles unbeweglich machen, ne. Die die Trends verschlafen, die nicht schnell genug mitgehen und die auch Hürden aufbauen, die unnötig sind. Also es gibt jede Menge qualifizierte Leute, die weitergehen könnten, die was machen können, denen denen diese diese festen Korsetts einfach Fesseln anlegen, ja. Mhm. Mhm.
Ja, auch guter Hinweis. Drittens, das Handwerk hat kein Nachwuchsproblem, es macht sich selbst einfach zu unattraktiv für junge Leute. Das weiß ich nicht. In letzter Zeit ist da viel passiert, würde ich sagen, also sehr viel. Und ich bin selber manchmal verblüfft, was die Handwerkskammern auf die Beine stellen und die sind sehr bemüht.
Also nee, bemüht ist ja 'n schlechtes Zeugnis. Nein, sie sie geben sich Mühe und haben teilweise auch Erfolg, denke ich. Ja, definitiv. Es wird immer lauter, es wird immer transparenter und Ja, und das ist werden immer sichtbar an. Genau.
Was was halt nötig ist und das ist, sieht sie auf die 1. Frage, ist, dass dieses Bashing aufhört oder diese, ne, diese dieses Studium ist toll und wenn Du das nicht machst, dann bist Du 'n Loser und wenn Du schmutzige Hände hast sowieso. Das muss aufhören. Ja, definitiv. Ja, Nette, danke dir schon mal für die ersten Rückmeldungen von dir und ja, dann sag ich mal kurz, was Du machst.
Nette, Du hast 'n Fahrradgeschäft. Velofil hier in Berlin. Ja, vielleicht nimmst Du uns mal mit, wie bist Du ins Handwerk gekommen? Wie bist Du wie bist Du zum Geschäft gekommen und wie gerne machst Du das eigentlich? Fahrer schon immer.
Also ich hab quasi das, was ich für 'n normalen Fahrradmechaniker werdegang immer hielt. Das heißt, ich hab praktisch wirklich als Teenager schon damals in Süddeutschland über die Sperrmüllächte gezogen, Räder eingesammelt, wieder fit geschraubt so, ne. Teilweise antikes Zeug irgendwie noch mit Blockketten und weiß der Gammel, ne. Also wirklich. Und?
Das einfach wieder fit gemacht und da rumgebastelt, ne. Ich hatte zum Glück 'n Vater, der mir freien Zugang zu seinem Werkstattkeller ermöglicht hat. Das heißt, ich durfte da einfach immer rein und alles benutzen und spielen und ich fand es viel spannender, als in der Küche zu stehen oder irgendwie Babyhöschen zu häkeln, wie es im Handarbeitsunterricht in der Schule angesagt war. Also es war einfach viel, viel schöner, viel, viel toller und für mich war auch schon immer klar, dass das Fahrrad unfassbar viele Probleme löst, die wir haben in Sachen Transport, in Sachen Gesundheit, in Sachen Platz, in Sachen Also man müsste es erfinden, wenn's es nicht schon gäbe. Es löst so viele Probleme auf einmal, diese sehr einfache, sehr durchschaubare Maschine.
Es gibt sonst nichts anderes, was so Genial ist, würd ich sagen. Ja, und grade hier in der Großstadt, ne, ist es Ja. Mit Sicherheit ein Also wir kommen wir kommen nicht umhin. Also die Autos, selbst wenn sie nicht mehr werden, allein die Tatsache, dass sie immer größer werden, dass alle mit diesen quasi Truppentransportern durch die Gegend Kurven macht, dass dass es immer weniger Platz ist, ja. Und wir können nicht noch mehr die Taktik der U-Bahn erhöhen, wir können nicht noch mehr Busse, also es passt irgendwann einfach nicht mehr.
Das heißt, der Individualverkehr muss anders werden. Der muss kleiner, sparsamer, effizienter werden. Und am Rande, es gibt nichts, was so effizient ist wie ein radfahrender Mensch. Kein Tier kommt damit. Ja, gut, im Grunde ist ja Radfahren auch dann eine sehr nachhaltige Das Außerdem, ja.
Ja, ja. Wie erlebst Du das bei deinen Kundinnen und Kunden? Was ist der wichtigste Teil für sie, von a nach b zu kommen, gesundheitlich fit zu bleiben oder ist es auch das Thema Nachhaltigkeit? Ich glaub, das Thema Nachhaltigkeit führen unheimlich viele Leute an, dass ihnen das wichtig ist, aber sie handeln nicht danach. Wie Michael Kohlfield Andersen sagt, der dänische Vorreiter in Sachen, man braucht den Leuten nicht mit Eisbären kommen und der Antarktis die, mit der Arktis die schmilzt.
Das ist schön, aber danach handelt keiner. Das es gibt keinen direkten Pack an für die Leute zu sagen, na gut, dann mach ich jetzt das oder das. Das ist es nicht. Sondern der Weg in der in in Kopenhagen war das Fahrradfahren einfach zu machen und alles andere oder das Autofahren schwieriger. Das heißt, dort ist der schnellste Weg von a nach b zu kommen und der bequemste und der sicherste, wichtiger Punkt, ist das Fahrrad.
Und das Auto muss außen rum, so wie jetzt die Räder, ne. Also da da muss 'n muss 'n Paradigmenwechsel erfolgen, damit das Fahrrad bequem und sicher wird, ne. Die die wichtige Frage ist, würdest Du dein Kind mit dem Fahrrad zur Schule fallen lassen? Wenn Du die Frage mit nein beantwortest, haben wir noch keine guten Fahrradwege. Ganz einfach.
Ja, definitiv, aber die haben wir ja selbst am Land her teilweise nicht. Also ist ja also Nee, genau. Ist ja flächendeckendes Thema dann an der Stelle, ne. Ja, ja. Na ja gut, jetzt haben wir ja schon mal übers Thema Nachhaltigkeit grade angefangen.
Wie siehst Du denn das bei dir im Unternehmen? Wie wie kann man Nachhaltigkeit bei euch umsetzen, fördern und nach vorne bringen? Mhm. Ganz wichtiger Punkt. Also ich find, sehr lange haben sich die Fahrradläden drauf ausgeruht, wir machen Fahrräder, wir sind die Guten, ja.
Stimmt so natürlich nicht, auch wir haben Abfälle. Und es gibt da massive Bestrebungen, auch mehr zu tun. Also wir waren Pionier beim beim Reifenrecycling, jetzt das Letzte anzuführen, was Schwalbe eingeführt hat. Das ist das 1. Mal, dass Fahrradreifen tatsächlich komplett in ihre Bestandteile zerlegt und diese einzelnen Bestandteile auch wiederverwertet werden können.
Da machen wir mit Schlauchrecycling schon lange. Wir haben bei den Putzlappen, ja, haben wir einen Waschservice, also wir wir, das haben wir lange gemacht tatsächlich, aber wir machen jetzt nicht mehr in die alten Bettlaken, die dann zwar ölt in der Mülltonne landen, sondern auch das wird sauber entsorgt. Wir haben eine Teilewaschanlage, in der die das das Reinigungsmittel quasi sauber entsorgt oder wiederverwertet wird, ne, wo wir eben die die ganzen öligen Antriebsteile und so weiter wechselwaschen. Wir versuchen da sehr viel, ne. Wir versuchen Papier zu sparen.
Wir versuchen auf die Industrie einzuwirken, eventuell mal über so was wie 'n Pfandsystem für Fahrradverpackung doch mal 'n bisschen intensiver wieder nachzudenken. Es gibt Hersteller, die machen das inzwischen, Reese und Müller ist der Vorreiter, weil was wir an Pappe weg, guter Pappe, wirklich hochwertigen Pappkartons wegwerfen, bei jeder Fahrrad. Lieferung geht auf keine Kuhhaut. Ja, es ist schade. Ja, im Grunde ist ja diese Fahrradumverpackung wahrscheinlich so ähnlich wie beim Fernseher, ne.
Also ich Ist ja, weniger Styropor. Okay. Immerhin. Es ist Pappe, aber es ist Pappe, ja. Ist 'n großer Karton, genau.
Ja. Ja, Und Fernseher sind ja in vielen Haushalten so aktuell ja alle ausgetauscht worden, deswegen, glaub ich, ist auch noch mal 'n gutes Beispiel einfach, um's noch mal zu nennen an der Stelle. Und wie ist das, wo kommt die Motivation her bei euch? Wo ist das gelagert? Ist das Die ist intrinsisch, also die ist in uns drin, sonst hätten wir diesen Beruf nicht.
Also es ist ja so, es gibt ja durchaus Berufe, in denen man schneller reich wird oder überhaupt reich wird. Aber für uns ist, wir sind alle Überzeugungstäter. Also wir stehen voll hinter dem Produkt Fahrrad für uns. Das ist 'n Leben. Also wir fahren alle Fahrrad, das ist so, das durchdringt alles bei uns.
Ist einfach, da gibt's gar keine Frage. Und damit einhergehen natürlich auch die anderen Sachen, dass man dann drüber nachdenkt, wie man Sachen besser und schöner und sauberer machen kann. Ja, und das ist, glaube ich, auch viel zu tun, ne, aktuell oder? Puh, immer. Also wir wir haben immer wieder Leute, die im Dezember anrufen und denken, sie können morgen kommen, weil ist ja Winter, aber wir, unser Vorlauf, der zieht sich durchs ganze Jahr durch, der liegt immer bei mindestens 6 Wochen.
Im Moment sind's 3 Monate in der Werkstatt, ne. Wir haben lange Zeit Leute gesucht und jetzt gerade toi toi toi in noch 'n Wohl. Haben wir genug. Gerscheid ist gut ausgestattet. Wir haben tolle neue Leute, wir haben tolle Azubi, ist jetzt wirklich ganz, ganz klasse, macht richtig Spaß.
Das heißt, wir hoffen, dass wir das 'n bisschen abschmelzen können diesen Vorlauf, aber wir sind rund ums Jahr, ist die Werkstatt voll, kann man sagen. Gut, das heißt also, wenn man auf die nächste Fahrradtour möchte, dann muss man auf jeden Fall mit Vorplanung eingehen. Sehr viel Vorplanung, ja. Ja, ja. Gut, der ist auch 'n wichtiger Hinweis.
Jetzt praste gerade Azubis an. Wie wie viel Azubis habt ihr? 2 im Moment. 1 hat gerade ausgelernt. Ja.
Hat bestanden. Der geht jetzt erst mal auf die Walz, der geht jetzt erst mal auf lange Radtour und konnte einem zum Glück wieder, freut uns sehr. Und dann haben wir jetzt noch 2 im, einmal im ersten und im zweiten Lehrjahr. Wir haben jetzt wieder 3 Frauen in der Werkstatt, was sehr schön ist. Ich bin großer Fangemischer Teams.
Von daher grade grade ist wirklich toll. Mhm. Mein Name ist Oliver Oetgen von der Overdach GmbH, den Spezialisten für Flachdach, Abdichtung und Fassadenbau. Als 150 Jahre altes Familienunternehmen haben wir ein gutes und transparentes Verhältnis zu nun knapp 50 Mitarbeitern. Wir bei Overdach streben danach zu den Besten zu gehören, deswegen legen wir sehr viel Wert auf Ausbildung und Fortbildung unserer Mitarbeiter.
So können wir ein langlebiges und zuverlässiges Ergebnis erreichen. Das beschert unseren Kunden einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Deshalb wissen alle Kunden, was sie bei uns erhalten, Qualität. Thema Ausbildung, Ausbildung ist ja nicht immer einfach. Es ist ja so, dass die die Schule ja oft nicht so wirklich auf Ausbildung vorbereitet, ne.
Da hat man ja eingangs schon, dass häufig das Studium ja favorisiert wird und vielleicht auch deswegen so manchmal diese dieses, ja gut, vielleicht durchs Praktikum 'n bisschen abgemildert oder aber die Realität einfach son bisschen fehlt mit dem Ausbildungsbeginn. Wie nimmst Du das so wahr bei den jungen Menschen? Ich denke, wir sind da 'n bisschen vielleicht 'n bisschen atypisch. Das heißt, unsere Azubis sind meistens Gymnasiasten. Okay.
Die leider dann entweder nachher studieren gehen, aber erst mal 'n Handwerk lernen wollen, erst mal da was was Handfestes machen wollen. Oder umgekehrt das mitm Studium probiert haben und gemerkt haben, das ich das erfüllt mich nicht aus. Ich möcht was Sinnvolles machen, ich möcht was sehen was sehen mit schnellen Ergebnissen. Ich möchte abends zufrieden sein, auf irgendwas gucken können, sagen, ja, guck mal. Das heißt, wir sind da 'n bisschen atypisch, was das angeht, ne.
Wir haben also viele Probleme nicht, die, glaub ich, andere Ausbildungsbetriebe haben, die dann erst noch mal, weiß ich nicht, rechnen und Schreiben beibringen müssen teilweise, ne. Also wir haben 'n Kollegen in München, der das auch son bisschen als seine Aufgabe ansah. Der sagte, er nimmt nur die Hauptschüler, das ist das, die will er als Mechaniker haben und er nimmt es dann auf sich, all das nachzuholen, was die Schule nicht geschafft hat. Ja, gut, das müsst ihr nicht in dem Fall machen. Genau.
In der Regel ist die schulische Ausbildung dann relativ gut. Mhm. Außer die Kandidatinnen und Kandidaten waren nicht so oft im in der Schule, aber da Da wirst Du wahrscheinlich drauf achten, dass das schon der Fall ist. Ja, nee, das das klappt schon. Dann hast Du über ein Projekt gesprochen, auch Azubis for Future.
Mhm. Nimm uns da gerne mal mit. Ja, das war sehr süß. Die haben uns angesprochen, weil die 'n 'n Podcast machen, auch zum Thema Nachhaltigkeit und die interviewen Azubis und gucken, befragen die, was die in ihrem kleinen oder manchmal auch vielleicht größeren Wirkungsfeld in die Richtung tun können in den Betrieben, wie sie schon drauf hinwirken können, Nachhaltigkeit besser zu etablieren. Und da wurde ich interviewt und unsere Arzt so wie Anna wurde interviewt.
Mhm. Das ist, glaub ich, noch nicht ihr Interview ist noch nicht online. Ich konnte das noch nicht hören, aber die Macher waren sehr begeistert von den Gesprächen und haben sich sehr gefreut. Also ist eine tolle Initiative, gefällt mir gut, ne. Waren sehr, sehr aufgeweckt junge Leute.
War schön. Das heißt also, grade die jungen Leute kriegen noch mal eine neue Plattform, wenn ich's richtig dann auch höre, ne, dieses Thema noch mal. Ja, auf jeden Fall. Auch eben halt auch in die Medien dann son bisschen zu gehen, Sichtbarkeit und so weiter. Selbstwirksamkeit auch.
Ja. Das finde ich, ist immer 'n ganz wichtiger Punkt bei allem, bei jeder Arbeit. Also ich glaube, wer keinerlei Selbstwirksamkeit verspürt bei der Arbeit, wird unglücklich. Ja, man muss das Gefühl haben, man kann irgendwie was bewegen und sei es nur kleine Steinchen, aber man muss was machen können. Ja, definitiv.
Dann nimm uns doch mal in sonen, ja, in sonen Alltag 1 Auszubildenden mal bei dir im Betrieb mal mit? Wie wie wie läuft der so ab? Was passiert bei euch? So richtig die ganze Routine morgens, fürs abends? Ja, ja.
Gut. Hast Du son Gefühl für den Beruf Ja. In der Fahrradwerkstatt zum Beispiel bekommen. Ja, es fängt morgens damit an. Meistens jemand macht die Kaffeemaschine an, ganz wichtig.
Dann werden erst etwas in die Werkstatt ausgeräumt. Unsere Reparaturräder stehen nachts drin, tagsüber aufm Hof. Dann wird der Tag durchgegangen, ne. Welche Aufträge sind da? Was muss gemacht werden?
Welche Neurräder müssen fertiggemacht werden? Wer macht was, ne? Also jeder dann nach seinem, nachdem, was er schon kann. Bei den Azubi fängt es meistens damit an, dass die erst mal Neurräder schrauben, also fertig aufbauen. Das ist bei uns 'n etwas aufwendigerer Prozess.
Also wir sind keiner der Werkstätten, wohnrad aus der Kiste genommen, dann Lenker grade Pedale ran, ja. Das ist es bei uns nicht. Also das kommt wirklich in Ständer, gibt noch mal eine Stunde Arbeit rein, wir checken alles noch mal durch. Das heißt, die a2 b lernen erst mal, wie 'n neues Fahrrad sein sollte. Mhm.
Ja, also das ist der Ausgangszustand und später werden sie dann an Reparaturen herangeführt, in denen sie lernen, okay, wie schaffe ich ein gebrauchtes Fahrrad wieder in diesen Zustand zu versetzen, den es mal hatte. Das sind so die Arbeiten, dann gibt es spezielle Dinge, die sie üben. Also sie werden relativ schnell an so was wie den Laufradbau herangeführt, weil das eine schöne systematische Tätigkeit ist, die einem Verständnis bringt für für das Systemlaufrad. Was passiert da? Einzelteile werden erklärt, wie funktioniert 'n Lager?
Die schrauben Lager auf und zu dürfen an Sachen üben, ne. Und ja, werden einfach nach ihren Möglichkeiten schon wirklich eingesetzt und dürfen auch Sachen ausprobieren und dürfen auch 'n bisschen scheitern, auch immer wichtig, ne. Und dran wachsen und lernen und dann besser machen. Ja, spannend. Also 'n sehr interessanter Einblick da in den Alltag.
Und ich glaub, es ist ganz wichtig, dass die jungen Leute auch tatsächlich auch mal Fehler machen dürfen, denn Auf jeden Fall. Wir alle haben ja nur aus Fehlern quasi, na ja, den Status erreicht, den wir dann hoffentlich auch erreicht haben, der mit Sicherheit auch positiv in der Regel dann auch anzusehen ist, denn nur durch Fehler können wir uns verbessern oder verbessern wir uns am meisten und am effizientesten vor allen Dingen. Genau. Und was ich immer anrege oder was wir generell immer anregen bei unseren Auszubildenden, sind die Heureker Momente. Schreib dir die auf.
Diese diesen Moment, wo Du, ah, so ist das, ja. Das sind so die, dass man 'n Fortschritt merkt, dass man, ah, ich erklimme Stufen und ich kann jetzt schon auf son Tal zurückgucken, wo ich mal drin war und das finden wir ganz wichtig. Ja, definitiv. Das persönliche Wachstum entsprechend nachvollziehen, ne? Genau.
Ja, Nadja, wir sind schon am Ende. Wir sind Ging da flott. Es ging fühlte sich wieder sehr kurz an, ja, aber tatsächlich hab ich noch eine abschließende Frage für mich. Und zwar lautet diese, wenn Du heute die Macht hättest, das Handwerk vielleicht auch mit 1 radikalen Entscheidung zu verbessern, was würdest Du tun? Ich weiß nicht, ob man radikal und was entscheiden wird.
Es muss nicht radikal sein, aber Ich glaub, das Haupt das Hauptding ist, dass in den Köpfen der Leute was passiert, dass das Ansehen des Handwerks ein anderes wird, ne. Diese White color, Blue color Geschichte, ne, dass diese diese Grenze auffällt, dass man Ich sag mal 'n Beispiel. Ich hab 'n Freund, der ist in sehr illustren Kreisen unterwegs und ich war bei einem seiner seiner Partys und sprach mit einem Menschen, der, keine Ahnung, seine unmittelbare Verwandtschaft ist irgendwie in der UNO, ja, also wirklich. Ohne dass er selber irgend sonen Posten hätte, aber er kommt aus sonem Umfeld. Und ich fing an, mit ihm zu sprechen und er fragte, was ich mache.
Ich sagte, was ich mache, ne, dass ich eine Mechanikerin gelernt bin und dann. Und dann guckte er ganz erschüttert und rückte von mir ab, als hätte ich gesagt, ich bin Leichenwäscherin. Ja. Ich hatte, in dem Moment hatte er, glaub ich, das Gefühl, er hat mit mir keinen Ebene, auf dem er, auf der er irgendwie sprechen kann. Es war 'n sehr seltsames Erlebnis.
Wie lang ist das her? Paar Jahre. Ja. Ja. Ich hab es diesem Freund erzählt und er sagte, nein, das kann ich mir nicht vorstellen, ne.
Und es gab aber 'n späteres Erlebnis, wo er eine Situation provoziert hat und das das wurde wiederholt. Und das mag jetzt speziell 'n Problem dieses Menschen sein, aber ich glaube, das ist in der Gesellschaft sehr verankert. Dieses Schichtendenken und das das mangelnde Ansehen für bestimmte Leute, ne. Und die diese diese vor, dieses Vorurteil, mit denen kann man kein vernünftiges Wort reden, mit denen kann ich weder über Literatur noch über Film noch sonst was reden. Das stimmt einfach nicht.
Und ich glaube, das ist nicht radikal, sondern das muss einfach jeder seine Vorurteile durchforsten, damit auch Leute Bock haben, wenn sie Bock haben, Handwerk zu lernen, aber das Gefühl haben, oh, dann bin ich aber in der Ecke, wo ne, wo keiner mehr mit mir redet auf 'ner Party. Das kann doch nicht sein. Nee, definitiv nicht. Und ich glaube auch, Du hast vollkommen recht natürlich. Dieses Denkmuster muss weg, dafür müssen wir als Gemeinschaft, die Betriebe, dann die Kammern, die ganze Struktur, die dazugehört, aber auch Alle Unternehmen, die eben halt mit dem Handwerk zusammenarbeiten, Hersteller, auch die Banken und Co.
Also alle, die wirklich damit zu tun haben, müssen da nicht zusammentreten und gemeinschaftlich grade an diesem Image Thema auch arbeiten. Aber ich darf dir eine Erfahrung sagen, die ich im letzten Jahr gemacht habe. Ich hatte, war im letzten Jahr eingeladen, da waren viele, also bei 'ner Veranstaltung, wo mich keiner kannte und da waren auch dann Bankerinnen, Banker und alle alle, die die halt, sagen wir mal, wo man nicht weiß, wie sie reagieren, so wie in deinem Fall zum Beispiel, die die Erwartungshaltung hat man ja, die ist ja so immer mal eben gewesen. Und da darf ich dir aber davon berichten, dass das sich geändert hat mittlerweile. Also zumindest mal in diesem Fall jetzt grade.
Also ich stand eher mehr im Mittelpunkt tatsächlich nahe, weil ich der Exot in Anführungsstrichen gewesen bin in dieser Runde und wurde mehr oder weniger befragt aus ganz vielen Perspektiven und mit ganz verschiedenen Sachen auch. Also es ist schon Anfang gemacht, glaube ich. Ich glaub, es gibt viele Berufsgruppen oder oder oder nennen wir's mal, Klientele, die die bisher nicht mit dem Handwerk so zu zusammen sein wollten und so weiter, wo ein Umdenken schon mal dabei ist zu starten. Heißt nicht, dass wir schon fertig sind, aber es ist definitiv 'n großer Nachholbedarf da. Von daher, eine 1 sehr gute Idee, die Du da hast oder eine einen sehr guter Punkt, den Du da einbringst.
Da dürfen wir mehr dran tun, da darf aber auch generell in der in der Politik beziehungsweise Gesellschaft natürlich mehr passieren an der Stelle, ja. Ja. Dieser dieser dieser aufkolportierte Spruch, irgendwann sitzen überall nur noch dreißigjährige Akademiker, die 5 Monate aufn siebzigjährigen Klempner warten, weil irgendwas kaputt ist, ne? Ja. Das kann so kommen, werden wir nicht aufpassen.
Genau. Definitiv. Annette, schön, dass Du hier bei uns warst Gerne. Dass wir mal 'n Einblick bekommen haben in deinen Alltag oder in den in deinen Beruf auch vor allen Dingen und da mal 'n Gefühl für bekommen haben. Herzlichen Dank.
Sehr gerne. Ja, das war Annette Blum, hier bei uns in der bei Handwerk spricht. Ich freue mich, dass ihr dabei gewesen seid und denkt wie immer dran, wir brauchen Reichweite, deswegen liken, teilen, abonnieren. Und dafür vielen Dank und bis zum nächsten Mal.