Adorama gehört zu jenen Marken, die für Kreative seit Jahrzehnten eine feste Größe sind. Was 1974 als Fotogeschäft an der 34th Street in New York begann, ist heute ein digitaler Handelsakteur, der Foto-, Video- und Audioausrüstung, Drohnen, Musikinstrumente und Outdoor-Equipment vertreibt. Im Zentrum dieser Entwicklung steht CTO Hani Batla, der in einem Gespräch mit Ben Marks im Commerce-Famous-Podcast schilderte, wie ein traditionsreiches Unternehmen seine gewachsene IT-Landschaft modernisiert – ohne die eigene Identität als Community rund um Kreative zu verlieren.

Vom Finanzwesen zur Technikleidenschaft

Batlas Werdegang ist ungewöhnlich. Nach einem Finanzstudium an der Stern School und Stationen bis hin zu einem Hedgefonds entschied er sich, etwas Kreatives zu tun und Werte zu schaffen. Mit seiner Firma Moxie drehte er Werbespots, Dokumentationen und Trainingsvideos – getrieben von der Leidenschaft, Geschichten zu erzählen. Diese Neugier verband er stets mit einem seit Kindheitstagen ausgeprägten Interesse an Technologie.

Von dort führte sein Weg über den Spezialhandel bei Oceanair Enterprises, wo er ein Unternehmen mit 15 physischen Geschäften rund um Disney World von Papier und Stift auf Kassensysteme und Warehouse-Management umstellte. Später arbeitete er an Großprojekten bei Verizon, Comcast und HBO – etwa am milliardenschweren FiOS-Glasfasernetz. Bei Verizon Media war er an Edgecast beteiligt, einem der schnellsten Content Delivery Networks der Welt, das zeitweise rund 25 Prozent des weltweiten Internetverkehrs trug.

Ein roter Faden: Latenz vermeiden, Erlebnisse verbessern

Durch alle Stationen zieht sich für Batla ein gemeinsames Motiv: die Beseitigung von Wartezeiten und die Schaffung reibungsloser Erlebnisse in Echtzeit. Bei den frühen Streaming-Analysen ging es darum, Pufferzeiten zu verhindern – denn schon damals galt, dass mit jeder Verzögerung ein erheblicher Teil des Publikums verloren geht. Die Teams mussten eigene Spark-Streaming-Plattformen und Hadoop-Cluster bauen, lange bevor Cloud-Dienste wie AWS oder Google Cloud dies vereinfachten.

Bei Canary, einem per Kickstarter finanzierten IoT-Sicherheitsunternehmen, wandte er dasselbe Prinzip an. Statt zehn Minuten auf eine Sicherheitsmeldung zu warten, sollten Nutzer im Moment des Ereignisses informiert werden. Zugleich baute Batla dort ein Abonnementmodell auf – aus der Überzeugung, dass wiederkehrende Umsätze für nachhaltiges Wachstum entscheidend sind.

Es geht darum, Nutzer zu monetarisieren, ohne sie zu verärgern, und ihnen den Wert dessen bewusst zu machen, was sie abonnieren.

Er investierte früh in KI und maschinelles Lernen, etwa um Haustiere zu erkennen und Fehlalarme zu vermeiden – Funktionen, die heute selbstverständlich erscheinen. Der gemeinsame Nenner mit dem heutigen E-Commerce: reibungslose, schnelle und effiziente Erlebnisse genau dann, wenn der Kunde sie braucht.

Adorama als Bindeglied für Kreative

Batla kam 2019 zu Adorama – als langjähriger Kunde, der den Wert des Unternehmens aus eigener Erfahrung kannte. Adorama versteht sich als verbindendes Element zwischen den Marken, die Menschen lieben, wie Nikon, Canon oder Sony, und den Communities, die ihre Ausrüstung als Investition betrachten. Wer mehrere Tausend Dollar für eine Kamera ausgibt, soll auch das Wissen und die Erlebnisse erhalten, um diese Investition auszuschöpfen.

Dazu veranstaltet Adorama Events und Kurse mit ausgezeichneten Fotografen, betreibt reichweitenstarke Kanäle mit über einer Million Abonnenten auf YouTube, Twitch und Discord und bringt Kreative zusammen, die voneinander lernen und gemeinsam Projekte umsetzen. Das Unternehmen umfasst heute mehrere Geschäftsfelder – vom größten Drohnen-Reseller über eine eigene Gitarrenmarke bis hin zu scuba.com und leisurepro.com für Taucher und Outdoor-Fans.

  • Kundenzentrierung ist der Nordstern jeder Entscheidung.
  • Zwei Distributionszentren erreichen 94 Prozent der USA innerhalb von ein bis zwei Tagen.
  • Die Marke will nicht nur Ausrüstung verkaufen, sondern Loyalität und Inspiration schaffen.
  • Rund 600 Mitarbeitende arbeiten für Adorama, das Technikteam umfasst über 50 Personen, teils in der Ukraine.

Modernisierung einer gewachsenen IT-Landschaft

Als Batla ankam, existierten noch Reste einer Technik aus den späten 1990er-Jahren, darunter ein über 15 Jahre alter .NET-Monolith. Ziel der Modernisierung waren Geschwindigkeit, Stabilität und Skalierbarkeit. Die maßgeschneiderte Plattform wurde in eine Microservices-Architektur überführt, die in Kubernetes auf der Google Cloud läuft.

Wichtig ist Batla die Erkenntnis, dass seine Kunden nicht nur die Käufer draußen sind, sondern auch die internen Nutzer – Marketing, Web-Merchandising, Einkauf und Finanzen. Wenn deren Arbeit effizienter und angenehmer wird, entsteht am Ende ein besseres Erlebnis für den Endkunden.

Alte und neue Herausforderungen

Trotz aller Technik bleiben die Grundprobleme des Handels dieselben wie eh und je: das richtige Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Früher bedeutete das manuelle Zählungen, heute komplexe, teils noch auf IBM-i-Plattformen basierende Systeme. Für Batla liegt die eigentliche Herausforderung jedoch nicht in der Technologie selbst, sondern bei Menschen und Prozessen – darin, Mitarbeitende für den Wandel zu gewinnen und mitzunehmen.

Bei der Priorisierung von Projekten wägt sein Team mehrere Perspektiven ab: den Nutzen für den Kunden, den langfristigen Wert für das Unternehmen und die Stabilität der Plattform. Bewusst reserviert Adorama 10 bis 20 Prozent der Kapazität für Infrastrukturprojekte, die sich womöglich erst in fünf bis zehn Jahren auszahlen. Aktuell beschäftigt Batla die Frage, wie sich generative KI für Produktentdeckung und Kundenservice nutzen lässt – begleitet von internen Proof-of-Concept-Projekten.

Symbolisch für die gelungene Verbindung von Alt und Neu steht ein historisches IBM-System, das in einem gut gewarteten Rechenzentrum in Lower Manhattan weiterläuft. Modernisiert kommuniziert es über Python, Java und Google Cloud PubSub mit den Microservices. Batlas Fazit bleibt bescheiden: Man habe nicht alle Antworten und mache Fehler – doch genau daraus lerne man, um Adorama für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen.