In der zehnten Jubiläumsausgabe des Podcasts Behind the Story nimmt Gastgeber Wolfgang einen ganz besonderen Gesprächspartner mit ans digitale Lagerfeuer: Marco Janck, ein Urgestein der deutschen Onlinemarketing-Szene. Nach dem Konzept der Heldenreise nach Joseph Campbell wird das Leben des Gastes Station für Station abgeklopft – von der Kindheit über die Polizeilaufbahn bis hin zur Selbstständigkeit. Herausgekommen ist ein ungewohnt offenes Porträt eines Mannes, der selbst zugibt, nicht gerne über sich zu sprechen.

Eine Kindheit zwischen Selbstständigkeit und Überforderung

Janck, Jahrgang 1969, wuchs im eingemauerten Westberlin auf – als "Kind der Transitstrecke", wie er selbst sagt. Seine ersten bewussten Erinnerungen setzen kurz vor der Einschulung ein. Anders als heutige "Helikopterkinder" musste er früh lernen, den Schulweg mit dem Doppeldeckerbus selbst zu bewältigen. "Bisschen Überforderung natürlich in dem Moment, weil viel Verantwortung auf meinen sechsjährigen Schultern lag", erinnert er sich. Rückblickend hält er diese frühe Selbstständigkeit für prägend und wertvoll.

Sein Vater leitete das Rechenzentrum der damaligen BFA (heute Deutsche Rentenversicherung), seine Mutter war Schneiderin und später Hausfrau. Über den Vater kam Janck vermutlich früh mit dem Thema EDV in Berührung. Die Kindheit war jedoch nicht unbeschwert: Alkoholprobleme im Elternhaus machten ihn zu einem eher scheuen Kind, das ungern Freunde mit nach Hause brachte. Ein besonders schmerzhafter Einschnitt war der Tod seines Vaters – nur wenige Monate vor der Fußball-WM 1974. Bis heute ist der 17. Dezember, der Geburtstag seines Vaters, ein schwerer Tag für ihn.

Vom Realschüler zum Polizisten

Auf Druck seines Vaters landete Janck zunächst auf dem Gymnasium, flog dort aber nach einem halben Probejahr wieder heraus. Auf der Realschule fand er ein soziales, unbelastetes Umfeld und wurde "relativ glücklich". Prägend war ein Deutschlehrer während der Polizeiausbildung, der ganz anders unterrichtete als gewohnt: Er zielte auf die Stärken seiner Schüler und weckte selbst bei Deutsch-Muffeln Begeisterung. Diesen Lehrer traf Janck Jahre später zufällig im Krankenhaus wieder – mit der Diagnose Krebs. Ein Wink des Schicksals, der ihn bis heute prägt.

Da war anscheinend meine Grenze. Und dafür hat's super getaugt.

Mit 16 ging Janck zur Polizei – aus voller Überzeugung. Er blieb 27 Jahre. Vieles, was ihn heute als Selbstständigen auszeichnet, führt er auf diese Zeit zurück: das Reden vor Menschen und vor allem die Fähigkeit, in Drucksituationen nicht endlos zu analysieren, sondern zu handeln. Diese Prägung überträgt er bis heute auf sein Geschäft: "Was muss ich denn jetzt damit machen, damit ich morgen noch kraftvoll zubeißen kann?"

Der Weg in die Selbstständigkeit – vom Druckertoner zu SEO

Der Anstoß zur Selbstständigkeit kam pragmatisch: Als seine ebenfalls bei der Polizei beschäftigte Frau für den gemeinsamen Sohn zu Hause blieb, fiel ein Einkommen weg. Janck experimentierte zunächst mit Hardware-Verkauf, stieß aber schnell auf die winzigen Margen von fünf bis zehn Prozent. Deutlich lukrativer war das Geschäft mit Druckertinte – ein Liter für 29 Mark eingekauft, 100 Milliliter für 59 Mark verkauft. "Wie Drogen verkaufen", beschreibt er die Margen.

13 Jahre lang betrieb er sein Geschäft nebenberuflich, bevor er 2011 endgültig bei der Polizei kündigte. Über die Zwischenstationen – etwa den frühen Preisvergleich "Lookforyou" – kam Janck schließlich zur Suchmaschinenoptimierung, gerade als Google das Licht der Welt erblickte. 2009 startete er die erste seiner heute bekannten Campixx-Konferenzen, deren Name sich als kapitalistisch tragfähige Weiterentwicklung der kostenlosen Barcamps versteht.

  • Frühe Selbstständigkeit: Prägend, weil sie eigenverantwortliches Handeln erzwang.
  • Polizei als Schule fürs Leben: Reden, Handeln unter Druck, Reifung.
  • Antrieb: Nicht das Geld, sondern Selbstbestimmtheit und die Möglichkeit, etwas Eigenes aufzubauen.
  • Verlustangst: Ein prägender Charakterzug, der auch unternehmerische Entscheidungen bestimmt.

Krisen, Verlustangst und der Wert des Bauchgefühls

Eine Blaupause für Krisenmanagement hat Janck nicht. Stattdessen verlässt er sich auf sein Bauchgefühl. Besonders die Corona-Zeit war hart: Während andere Unternehmer schnell Personal entließen, hielt er möglichst lange an seinem Team fest – unternehmerisch vielleicht die schlechteste Entscheidung, aber Ausdruck seines Charakters. Eine Kündigung ist für ihn bis heute "das schlimmste Teufelszeug". Diese ausgeprägte Verlustangst führt er auf die frühe Trennung seiner Eltern zurück.

Wichtig sind ihm der soziale Wert eines echten Büros und der Austausch mit Menschen. Seine Gesundheit ist seit August angeschlagen, das Unternehmen befindet sich zudem im Umzug – dennoch will er unbedingt wieder zurück ins gewohnte Umfeld.

Reibung, Respekt und das große Ganze

Aus der Begegnung mit seinem einstigen Deutschlehrer zieht Janck eine Kernhaltung: Empathie und die Bereitschaft, andere Perspektiven auszuhalten. Auch in Social Media bemüht er sich, Diskussionen nicht eskalieren zu lassen, sondern Standpunkte im direkten Austausch zu klären. "Man kann auch hart zuhören", fasst der Gastgeber diese Haltung zusammen – immer auf Basis von Respekt.

Seine Erfahrung bei "Höhle der Löwen", deren Folge nie ausgestrahlt wurde, brachte ihm eine Lebenserkenntnis: Unter 13 Kameras verfällt er in einen Tunnelblick und kann nicht standhalten. "Fernsehen ist scheiße", lautet sein nüchternes Fazit – wertvoll war die Erfahrung dennoch.

Ausblick: Boutiqueagentur statt Zeit gegen Geld

Für die Zukunft plant Janck eine kleine "Boutiqueagentur" mit Schwerpunkt auf Events – die Campixx bleibt bestehen und ist für 2025 angekündigt. Er will weg vom Modell "Zeit gegen Geld", das ihn weder ausreichend rentiert noch befriedigt, weil jede Einstellung ihm am Ende mehr Arbeit brachte. Stattdessen reizt ihn Mentorship für Freelancer, die am Anfang stehen. Angesichts seines Alters – mit 55 hat er nach eigener Rechnung noch rund zwölf Jahre bis zur Rente – braucht es zudem eine gesündere Marge, um für das Alter vorzusorgen.

Am Ende bringt Janck seine Lebensphilosophie auf den Punkt – jene Weisheit, die ihn durch gute wie schlechte Zeiten trägt:

Zwischen ganz unten und ganz oben findet Glück statt. In schlechten Zeiten denke ich: Die gehören dazu. Und in den hohen Zeiten versuche ich, mich wieder runterzubringen. Die Mitte ist das, was mich ausgeglichen glücklich macht.