In der neunten Folge des Podcasts „Behind the Story“ nimmt Gastgeber Wolfgang seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit ans „digitale Lagerfeuer“ – diesmal mit Nadja Jerzenbeck, Client Managerin bei der dänischen Agentur Partnertext. Ihr Weg führte von einer kaufmännischen Ausbildung über die Buchhaltung bis ins Onlinemarketing. Im Gespräch erzählt sie offen von einer geprägten Kindheit, bewussten Entscheidungen gegen eine Selbstständigkeit und ihrer Überzeugung, dass man Wissen am besten durch Neugier und Fragen erwirbt.

Eine Kindheit zwischen Ehrgeiz und Fleiß

Nadja Jerzenbeck wuchs im Saarland auf, in einem Elternhaus, das sie heute selbst mit ihren beiden Kindern bewohnt. Ihr Vater war selbstständig, arbeitete viel – oft auch sonntags, um Rechnungen zu schreiben. Diese Prägung hat sie ihr Leben lang begleitet: „Was meine Eltern mir sehr gut vermittelt haben, ist Ehrgeiz“, sagt sie. Faulheit hatte in der Familie keinen Platz, selbstständiges Denken dagegen umso mehr.

Ihr Leitspruch stammt aus dieser Zeit und hing schon über ihrem Schreibtisch: „Ohne Fleiß kein Preis.“ Auch ihre beiden Brüder sind heute selbstständig. Aus der Grundschulzeit sind ihr vor allem die Freundschaften geblieben – Freunde, mit denen sie seit rund 30 Jahren in Kontakt steht und heute gemeinsam auf Elternabenden sitzt.

Die bewusste Entscheidung gegen die Selbstständigkeit

Anders als der Rest ihrer Familie entschied sich Nadja Jerzenbeck bewusst gegen die Selbstständigkeit. Zunächst begann sie ein Lehramtsstudium – der „Ausbruch“ aus dem Familienbetrieb, wie sie es nennt. Doch das Studium erfüllte sie nicht, und mit der Schwangerschaft mit ihrer Tochter brach sie es ab. Heute ist sie froh über diesen Schritt.

Auf die häufig gestellte Frage, warum sie nicht selbstständig sei, hat sie eine klare Antwort:

Ich liebe mein Leben und meine Life Balance viel zu sehr, selbstständig zu sein. Ich sehe, was meine Brüder leisten, ich sehe, was meine Eltern geleistet haben.

Als Mutter zweier Kinder war ihr bewusst, dass ihr Ehrgeiz sie viel Zeit kosten würde. Diese Zeit wollte sie ihrer Familie nicht nehmen. Für Wolfgang ist gerade diese Klarheit bemerkenswert: Zu erkennen, was man nicht möchte, sei eine ebenso starke Entscheidung wie ein aktives Ja.

Ins kalte Wasser geworfen: der Einstieg ins Onlinemarketing

Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel rutschte Nadja Jerzenbeck zunächst in die Buchhaltung, in der sie jahrelang arbeitete – ein Bereich, den viele langweilig fänden, der für sie aber „genau mein Ding“ war. Der Wechsel ins Onlinemarketing liegt nach eigener Aussage erst rund zwei Jahre zurück. Ihre erste Station war die Agentur Performance Liebe, wo ihr eine Backoffice-Position angeboten wurde – ein für sie damals völlig unbekanntes Feld.

Als die einarbeitende Kollegin nach vier Wochen kündigte, war sie auf sich allein gestellt. Ihre Lösung: sich selbst schlaumachen. „Ich musste mich einfach durchlesen und durch googeln und alles in Erfahrung bringen“, erzählt sie. Fachbücher legte sie beiseite – nach etwa 30 Seiten. Ihr eigener Lernweg funktioniert anders:

  • Wissen recherchieren und praktisch anwenden statt trocken lernen
  • YouTube als hilfreiche Wissensquelle nutzen
  • vor allem: den Austausch mit Menschen suchen
  • selbst Erarbeitetes bleibt am längsten im Kopf

Als Mentor nennt sie Dieter Barbier, der sie in ihrer Ausbildungszeit bestärkte und ihr sogar einen attraktiven Job anbot – den sie mit Rücksicht auf ihre Tochter jedoch ausschlug.

„Es gibt nur zu wenig Fragen“

Ein zentraler Appell zieht sich durch das gesamte Gespräch: Fragen stellen. Auf Events wie dem OMT oder der Contentixx knüpft Nadja Jerzenbeck gezielt Kontakte und scheut sich nicht, Menschen mit großem Fachwissen direkt anzusprechen. So lernte sie etwa Stefan Bahnhof kennen, den sie nach einem Vortrag ansprach, um zu erfahren, wie man sich fundiertes Wissen aufbaut.

Wolfgang stimmt ihr nachdrücklich zu: In 26 Jahren als Agenturchef habe er noch nie jemanden weggeschickt, der eine Frage hatte. Sein Motto: „Es gibt nicht zu viele Fragen, es gibt nur zu wenig Fragen.“ Beide raten dazu, ergebnisoffen zu fragen – im schlimmsten Fall bleibe eine Antwort aus, in den allermeisten Fällen aber entstünden echte Learnings und wertvolle Kontakte. Auch ihren Job bei Partnertext verdankt sie einem solchen Netzwerk.

Arbeiten für einen dänischen Arbeitgeber

Bei Partnertext betreut Nadja Jerzenbeck heute Kunden und kümmert sich um Linkbuilding, On-Page-Themen und Contenterstellung – für verschiedene Märkte von Dänemark aus. Formal arbeitet sie mit deutschem Vertrag, erlebt aber deutliche kulturelle Unterschiede in der Arbeitsweise: Während in Deutschland Perfektion und strukturierte Organisation im Vordergrund stünden, gingen die dänischen Kolleginnen und Kollegen deutlich entspannter zu Werke – und auch das Klientel sei gelassener. Der Austausch funktioniere in beide Richtungen: Auch die dänische Seite lerne von der deutschen Herangehensweise.

Storytelling für den guten Zweck

Ein besonderer Moment des Gesprächs ist die Geschichte hinter dem Kennenlernen: Nadja Jerzenbeck besuchte beim OMT Wolfgangs Storytelling-Vortrag und war tief beeindruckt – nicht nur vom Vortrag selbst, sondern auch von den gezeigten Möglichkeiten der KI. Als Mutter einer Tochter, die sich für TikTok, Instagram und Snapchat begeistert, sah sie die Gefahren manipulierter Inhalte deutlich vor Augen.

Sie nutzte die Videos aus dem Vortrag für eine eigene Aufklärungsveranstaltung an der Schule ihrer Kinder – zu Themen wie E-Zigaretten, Drogen und den Risiken sozialer Medien. Ihr Ziel: die Kinder emotional zu erreichen und zu sensibilisieren. Der Effekt sei spürbar gewesen, ihre Tochter habe sich danach „180 Grad gedreht“. Für Wolfgang ist dieses Feedback der schönste Lohn seiner Arbeit – und er ergänzt einen Appell: Menschen, die einen weitergebracht haben, sollte man dies auch sagen.

Hinfallen, aufstehen, Krone richten

Auf die Frage nach Widerständen und Zweifeln betont Nadja Jerzenbeck, wie eng Berufliches und Privates oft zusammenhängen. Ein festes Rezept gebe es nicht, aber eine Grundhaltung: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter.“ Keine Situation sei so schlimm, dass man sie nicht lösen könne – wichtig sei, Hilfe anzunehmen, sei es von Mentoren oder der Familie.

Ihren Abschlusswunsch richtet sie auf das Schulsystem: Kinder sollten besser auf das echte Leben vorbereitet werden – vom Verfassen einer E-Mail bis zum Umgang mit beruflichen Umbrüchen. Bildung solle bleiben, aber praxisnäher werden. Onlinemarketing sei jedenfalls „mein Ding“, sagt sie – und mit ihrem augenzwinkernden Running Gag ergänzt sie, dass sie mit „25“ angekommen sei.