In der 37. Folge des Podcasts "BTS – Behind the Story" beleuchtet Gastgeber Wolfgang die persönliche Heldenreise von Sven Giebler. Der gebürtige Münsteraner ist Digitalberater und Gründer von digitalberatung.de, hat verschiedene Phasen der digitalen Transformation aus nächster Nähe erlebt und Stationen wie Chefkoch.de und Computerbild.de in seiner Vita. Im Gespräch entsteht das Porträt eines Menschen, dessen ruhige, reflektierte Art sich durch seine gesamte Biografie zieht – und der eine klare Haltung zu digitaler Kommunikation entwickelt hat.
Eine behütete Kindheit hinterm Deich
Aufgewachsen ist Sven Giebler in Maschen südlich von Hamburg, gemeinsam mit einer älteren Schwester. Er beschreibt eine sehr behütete Kindheit, geprägt vom Draußensein: "Wenn die Laternen draußen angehen, dann kommst du nach Hause" – das war die Regel seiner Mutter, denn eine Uhr am Arm oder gar eine Smartwatch gab es nicht. Von seinem Naturell her sieht er sich als eher beobachtendes, zurückhaltendes, aber experimentierfreudiges Kind, das gerne mit Lego baute und im Sportverein aktiv war.
Mit elf Jahren zog die Familie nach Frankfurt, später nach Hamburg. Diese Ortswechsel bezeichnet er nicht als Krisen, sondern als lebensverändernde Momente, die ihn Offenheit und Neugier gegenüber neuen Situationen gelehrt haben. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Bonn – als selbst ernannter "Hamburger im Herzen und assimilierter Rheinländer", der mittlerweile sogar begeistert Karneval feiert.
Vom durchschnittlichen Schüler zum eigenen Weg
In der Schule war Giebler nach eigener Einschätzung ein durchschnittlicher Schüler – gut in den Fächern, die ihm Freude bereiteten. In der Mittelstufe stand einmal die Versetzung auf der Kippe. Bemerkenswert ist, wie er diese Situation schildert: Seine Eltern und er hätten gemeinsam entschieden, dass er sich hineinhängt statt eine Klasse zu wiederholen. Diese offene, dialogische Erziehung habe er von seinen Eltern übernommen und gibt sie nun an seine eigenen beiden Söhne weiter.
Die berufliche Prägung kam aus der eigenen Familie: Der Vater arbeitete 30 Jahre in Werbeagenturen, war Geschäftsführer bei Lintas und machte sich mit Anfang 50 als Berater selbstständig – ein Weg, dem Giebler später auffallend ähnlich folgte. Nach dem Abitur studierte er Amerikanistik, Jura und Kunstgeschichte, sammelte aber parallel von Tag eins Praxiserfahrung in Redaktionen, unter anderem bei NDR 4 und der Bild am Sonntag.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Nach Stationen bei Freenet, sechs Jahren bei Computerbild und schließlich einer Geschäftsführerposition bei Chefkoch trennten sich die Wege. Statt sofort weiterzumachen, nahm sich Giebler bewusst ein halbes Jahr Auszeit – ganz nach dem Motto seines Fahrlehrers: "Rechts ran, raus." Inspiriert vom Buch "Big Five for Life" von John Strelecki arbeitete er seine persönlichen Werte, Motivatoren und seinen Existenzzweck heraus. Daraus entstand seine berufliche Positionierung.
Heute begleitet er als Sparringspartner, Berater und Trainer Unternehmen dabei, digitale Strategien in Marketing, Kommunikation und KI zu entwickeln. Bewusst arbeitet er als "One Man Show". Im November feiert er sein zehnjähriges Jubiläum in der Selbstständigkeit. Als seine hilfreichste Eigenschaft nennt er Beharrlichkeit.
Was ist denn jetzt dein Problem? Hast du zu viel oder hast du zu wenig?
Diese Frage stellte ihm John Strelecki bei einem Live-Coaching – ein Impuls, der ihn zu der Erkenntnis führte, dass er zu viele Dinge angenommen hatte, die nicht zu seinen Werten passten. In der Folge beendete er einige Kooperationen im gegenseitigen Einvernehmen.
Eine klare Haltung zu Social Media und Kindheit
Reflektiert äußert sich Giebler zum aktuellen Thema Social-Media-Verbot für Jugendliche. Er verweist auf die Dokumentation "Social Dilemma" und die dort dargestellte Korrelation zwischen dem Aufkommen sozialer Plattformen und steigenden Suizidraten bei jungen Mädchen. Ein Verbot bis 16 hält er für unterstützenswert, wünscht sich aber eine fachliche Diskussion über das genaue Alter. Entscheidend sei die Verschränkung von analoger und digitaler Welt: Früher habe nichts in der Tasche vibriert oder gepiept und von dem abgelenkt, was man gerade tun wollte.
Melodie statt Lärm: Der Blick auf digitale Kommunikation
Beim Blick auf aktuelle Trends beobachtet Giebler eine gegenläufige Bewegung: Auf Plattformen wie LinkedIn nehme die Flut KI-generierter, blutleerer Inhalte zu – "immer mehr Lärm und immer weniger Melodie". Zugleich wachse die Sehnsucht der Menschen nach Authentizität und einer Rückbesinnung auf das Eigene.
Seine Empfehlung an Solopreneure und Unternehmen fasst er in mehreren Kernaussagen zusammen:
- Zuerst die Grundlagen klären: Wer bin ich, was sind meine Werte, meine Ziele und meine Zielgruppen?
- KI als Werkzeug und Sparringspartner nutzen – aber nicht darauf angewiesen sein.
- In einer Frequenz und Form kommunizieren, mit der man sich selbst wohlfühlt, statt sich von außen vorschreiben zu lassen, was man tun müsse.
Ein prägendes Erlebnis aus seiner Anfangszeit bei NDR 4 verdeutlicht seine Philosophie: Ein erfahrener Tontechniker ließ ihn einen Beitrag mehrfach einsprechen, bis er sich wirklich in die Situation zurückversetzte. Erst dann sagte der Techniker: "Jetzt warst du da." Ob in einem Text oder einem Audiobeitrag – das Gegenüber spüre, ob jemand mit Seele und Emotion dabei war.
Seinen wichtigsten Impuls formuliert Giebler als Unterscheidung zweier Arten von Kommunikatoren: diejenigen, die etwas tun und darüber berichten – und diejenigen, die reden, ohne etwas zu tun. Sein Appell: raus ins echte Leben, Dinge erleben und tun, um daraus authentisch berichten zu können. Als Botschaft für ein imaginäres Leuchtschild wählte er passend dazu drei Worte: "Glaub an dich."