In der 29. Folge des Podcasts "BTS – Behind the Story" spricht der Gastgeber mit Christian Holzknecht über eine außergewöhnliche Lebensreise: vom Vorarlberger Elektrikerlehrling über den UNO-Soldaten und internationalen Glamourfotografen bis hin zum heutigen Mentor, spirituellen Coach und Buchautor. Im Zentrum steht die Frage, wie ein Mensch, der zwischen zwei so gegensätzlichen Welten wie dem Krieg und der Modefotografie hin- und herwanderte, schließlich zu sich selbst fand. Anhand des Erzählmusters der Heldenreise nach Joseph Campbell zeichnet das Gespräch die entscheidenden Wendepunkte dieses Lebens nach.

Ein Eigenbrötler mit früher Unabhängigkeit

Als Jüngstes von vier Kindern wuchs Christian Holzknecht in Vorarlberg auf – und war schon früh anders als seine Geschwister. Während diese belesen waren, Matura machten und teils studierten, wollte er so schnell wie möglich arbeiten und unabhängig sein. Er war der erste mit einem eigenen Einkommen, der erste Tätowierte, der erste Soldat, der erste, der auswanderte. Rückblickend erkennt er in dieser Prägung weniger den Einfluss der Eltern als vielmehr eine Wesensart, die er bei seinem Großvater und dessen Bruder wiederfindet.

Dennoch betont Holzknecht, dass er der Suche nach Begründungen für die eigene Vergangenheit heute wenig Bedeutung beimisst. Die Dinge seien einfach, wie sie sind. Statt in den Rückspiegel zu schauen, plädiert er dafür, das Leben nach vorne zu leben – mit mehr Leichtigkeit und weniger "Strings attached".

Ich würde zu 80 Prozent von allem, was ich heute lebe, sagen: Das sind Werte und Prägungen, die meine Eltern mir vorgelebt haben.

Der Vater als abwesender und doch prägender Mentor

Besonders bewegend ist das Bild, das Holzknecht von seinem Vater zeichnet. Über weite Strecken der Kindheit war dieser abwesend – sechs Tage die Woche im Dienst und in Vereinstätigkeiten. Doch an den Wochenenden wurde er zum ersten Bergführer im Leben seines Sohnes und nahm ihn schon mit acht Jahren auf Dreitausender mit. Der Vater, selbst aus tiefster Armut der Kriegsgeneration stammend, vermittelte Werte, Wissen und eine gewisse abgeklärte Gelassenheit.

Lange konnte der Vater den Beruf des Fotografen nicht ernst nehmen – für ihn war das nur ein Hobby, während ein Beruf Sicherheit und regelmäßiges Einkommen bedeuten musste. Erst als ein Arbeitskollege den Vater auf eine Fotoausstellung seines Sohnes ansprach und dessen Talent lobte, änderte sich seine Haltung. In den letzten zehn Jahren seines Lebens, nach dem Tod der Mutter, lebten Vater und Sohn zusammen und holten in dieser Zeit vieles nach.

Zwischen den Welten: Waffe und Kamera

Nach abgebrochenen Plänen – die Polizei, die Heeresbergführer-Ausbildung – kündigte Holzknecht sieben Tage nach der Gesellenprüfung seinen Elektrikerberuf. Was folgte, war ein außergewöhnliches Doppelleben: In zwanzig Jahren wechselte er im Rhythmus von etwa sechs Monaten zwischen der Arbeit als Fotograf und Einsätzen beim Militär, unter anderem als Personenschützer und in Kriegssituationen.

Diese ständige Bewegung war keine bewusste Lebensstrategie, sondern Ausdruck einer inneren Zerrissenheit. Die Glamourwelt der Fotografie empfand er als schön, aber oberflächlich und verlogen. In den Kriegseinsätzen dagegen fand er eine ungeschminkte Wahrhaftigkeit – dort, so seine Erfahrung, sei jeder froh, den Tag zu überleben. Er floh von der einen Welt in die andere, ohne in einer von beiden dauerhaft Ruhe zu finden.

Der Tiefpunkt und die Wende

Mit 45 Jahren, während eines Einsatzes zur Bewachung von Schiffen vor Somalia, erreichte Holzknecht seinen Tiefpunkt. Er ertappte sich bei dem Gedanken, eigentlich die Kugel zu suchen, die ihn von diesem sinnlosen Hin und Her befreien würde. Über diese Leere erschrocken, hängte er Waffe und Kamera an den Nagel und holte sich zum ersten Mal in seinem Leben Hilfe.

Es war seine damalige Ex-Partnerin, die ihm eine indianische Schamanin vermittelte. Trotz seines abweisenden, provozierenden Verhaltens blieb diese Frau stabil sitzen und ließ sich nicht vertreiben. Aus dieser Begegnung entwickelte sich ein langer Heilungs- und Ausbildungsweg – über Energiearbeit, eine zweijährige Psychotherapie bis hin zur eigenen Ausbildung zum NLP-Coach und Kommunikationstrainer.

Die entscheidende Erkenntnis: Die strikte Trennung zwischen der Wahrhaftigkeit des Krieges und der Lüge der Fotografie war nur seine eigene Vorstellung. Was wäre, wenn die Wahrhaftigkeit in die Fotografie einzöge? Aus dieser Frage entstand sein Buch "Perfekt – fühle deine innere Schönheit", das der Gastgeber als das wertvollste Buch in seinem Regal bezeichnet. Von da an führte Holzknecht beide Welten zu einem Leben und einer Tätigkeit zusammen.

Vom Herz-Berühren zum Vorangehen

Lange verstand Holzknecht seine Mission darin, Menschen im Herzen zu berühren. Heute geht er einen Schritt weiter: Es gehe darum, Menschen vorauszugehen, die einen bestimmten Weg gehen wollen, ihn aber aus Angst allein nicht wagen. In seiner neuen Firma "Mountain Bootcamp" verbindet er seine Leidenschaften – er nimmt Menschen mit in die Berge, um sie aus ihren alten Mustern zu holen und zu sich selbst kommen zu lassen. Damit tritt er, ähnlich wie einst sein Vater, erneut als Bergführer auf, diesmal auf einer inneren Ebene.

Zentral bleibt für ihn der Begriff der Wahrhaftigkeit, die er schlicht als Ehrlichkeit sich selbst gegenüber definiert. Als Vorbilder für authentisches Sein nennt er Tiere und Kinder, die im Moment leben, nicht bewerten und aus reinem Willen immer wieder aufstehen.

  • Sinn statt reiner Sicherheit: Jüngere Generationen fragen nach dem Wofür einer Tätigkeit, nicht nur nach dem Gehalt.
  • Werte verbinden: Firmen wie Marken brauchen heute Wahrhaftigkeit, Haltung und Führung.
  • Kraft aus dem Inneren: Echte Kraft ist mit einem persönlichen Auftrag verbunden, nicht mit äußeren Umständen.
  • Die Natur als Verstärker: Ehrfurcht vor Bergen und Stille ermöglicht echte Transformation.

Eine Generation im Übergang

Ein roter Faden des Gesprächs ist der gesellschaftliche Wandel. Wo frühere Generationen Jahrzehnte lang unverändert dasselbe tun konnten, erlaubt sich heute kaum noch jemand einen so langen Stillstand. Holzknecht und der Gastgeber sehen darin eine Chance: Die eigene Generation als "Mischgeneration" könne die verlässlichen Werte der Vergangenheit mit der neuen Lust an Erfüllung und Freude verbinden. Als leuchtendes Beispiel dient ihnen der Podcast selbst – nicht kommerziell motiviert, sondern für die Seele gemacht.

Auf die Frage, welche einzige Botschaft er einen Monat lang auf eine Leuchttafel an einer Kreuzung schreiben würde, antwortet Holzknecht mit einem einzigen Wort: "kraftvoll". Es steht sinnbildlich für seinen heutigen Weg – Menschen dabei zu begleiten, ihre innere Schönheit und ihre innere Kraft zu spüren.