In der 18. Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" erzählt Markus Kellermann, Geschäftsführer der Digitalmarketingagentur MAI XPOSE 360 in Augsburg, von seinem Weg. Mit über 20 Jahren Erfahrung in Affiliate Marketing, SEO, E-Commerce und Performancemarketing zählt er zu den gefragtesten Experten im DACH-Raum. Doch sein Werdegang begann weder geradlinig noch privilegiert – sondern mit einer außergewöhnlichen Portion Neugier, Rastlosigkeit und dem Glauben an Fügung.

Eine behütete Kindheit auf dem Land – und eine Kugelschreibersammlung

Kellermann wuchs im schwäbischen Pfaffenhofen an der Roth auf, einem Dorf mit rund 950 Einwohnern, wo er bis heute lebt. Sein Vater war Verwaltungsbetriebswirt bei der Deutschen Bahn, seine Mutter Hausfrau. Er beschreibt sich selbst als rastlosen Menschen, der stets neue Herausforderungen gesucht habe. Schon als Kind engagierte er sich bei den Pfadfindern und moderierte eine Kindersendung beim lokalen Radiosender Radio RT1 Nordschwaben.

Bemerkenswert war eine seiner frühen Leidenschaften: Mit neun oder zehn Jahren baute er eine der größten Kugelschreibersammlungen Deutschlands mit über 20.000 Exemplaren auf – und bewarb sich aktiv bei Fernseh- und Radioformaten. So war er unter anderem beim SAT.1 Frühstücksfernsehen, bei VamPi auf RTL II und im bayerischen Fernsehen zu Gast. Diese frühe Affinität zu Medien und die Selbstständigkeit prägten ihn nachhaltig.

Es gab irgendwie nichts, was ich halbherzig gemacht hab, sondern alles, was ich gemacht hab, hab ich immer mit Vollgas vorangetrieben.

Vom Bürokaufmann zum Internet-Pionier

Nach der Realschule musste Kellermann nach eigenen Angaben 40 Bewerbungen schreiben, um eine Lehrstelle zu bekommen – schließlich als Bürokaufmann bei der Erzeugergemeinschaft für Ringferkel. Dort erkannte seine Ausbilderin Gabi Meyer sein Interesse für Computer und gab ihm die Freiheit, sich um das Intranet und schließlich um die erste Website zu kümmern. Ende der 1990er brachte er sich selbst HTML-Programmierung bei und stieß über die ersten Anrufe von Suchmaschinen-Dienstleistern auf das Thema Suchmaschinenoptimierung.

Im Jahr 2000 wechselte er als Internetmarketing-Manager zur Erwin Müller Versandhaus GmbH. Firmengründer Erwin Müller senior selbst gab ihm einen Zeitungsartikel über Tchibo und den Auftrag: "Markus, ich möchte so was auch haben." So baute Kellermann 2001 die ersten Affiliate-Programme auf. 2005 wechselte er zur Augsburger Agentur Explido, wo er innerhalb von sieben Jahren eine Abteilung mit 30 Mitarbeitern aufbaute.

Der Sprung in die Selbstständigkeit und die Gründung der Agentur

2012 kündigte Kellermann bei Explido – nicht wegen zu viel Arbeit, sondern weil ihm die Verantwortung für so viele Menschen zu viel wurde. Nach einem Jahr als selbstständiger Berater, das er als besonders erfüllend beschreibt, kam Alexander Kirchmeier auf ihn zu. Gemeinsam gründeten sie 2014 mit fünf Mitarbeitern die spätere Agentur. Ein rasantes Wachstum war nie geplant, entwickelte sich aber durch Großkunden wie Norma und Singapore Airlines von selbst.

Heute zählt die MAI-Gruppe rund 100 Mitarbeitende. Ein entscheidendes Learning aus seiner Explido-Zeit: von Anfang an Strukturen zu schaffen. So definierte man Abteilungsleiter bereits bei kleinsten Teams und wuchs mit bestehenden Strukturen. Mittlerweile tragen 15 Führungskräfte mit unternehmerischem Denken die Verantwortung mit.

Kernaussagen aus dem Gespräch

  • Freiheit und Vertrauen der Eltern prägten seinen selbstständigen Weg.
  • Beständige Weiterbildung – von Rhetorik über Führung bis Programmierung – zieht sich durch sein ganzes Leben.
  • Strukturen frühzeitig aufzubauen, ermöglichte gesundes Unternehmenswachstum.
  • Wer viel gibt, bekommt viel zurück – etwa durch jahrelanges Networking.

Werte aus dem Kampfsport und der Glaube an Schicksal

Seit 36 Jahren betreibt Kellermann Taekwondo. Der Sport hat ihm Werte wie Respekt, Disziplin, Durchhaltevermögen und Mut vermittelt. Von seinem langjährigen Großmeister übernahm er den Grundsatz: niemals aufgeben, weiterarbeiten, die Prüfung wiederholen. Diese Haltung überträgt er auch auf sein unternehmerisches Handeln.

Ein Schicksalsjahr um 2005/2006 – ein Kreuzbandriss und zwei schwere Autounfälle, die er nahezu unverletzt überstand – festigte seinen Glauben an eine höhere Fügung. Seit über 20 Jahren notiert er sich kurz vor Silvester seine Ziele auf einem DIN-A3-Zettel und erreicht diese nach eigener Aussage zu rund 80 Prozent. Er glaubt an die Kraft der Manifestation und beschreibt sich als spirituellen, zugleich sozial engagierten Menschen, der etwa für die Tafel fährt.

Routine, Ausgleich und ein Leben im Reinen

Trotz Familie, Agentur, Kampfsport und ehrenamtlichem Engagement wirkt Kellermann ausgeglichen. Fünfmal pro Woche treibt er Sport, lebt in festen Routinen und betont die Unterstützung seiner Frau. Seinen Beruf empfindet er nicht als Belastung, sondern als fließenden Übergang zwischen Privatleben und Leidenschaft.

Besonders nachdenklich stimmte ihn das Buch "25 letzte Sommer" von Stefan Schäfer, das ihm bewusst machte, wie wertvoll Zeit ist. Auf die Frage nach seiner Zukunftsvision antwortet er, dass er keine klassische Bucket List habe – er mache ohnehin all das, was er erleben möchte. Wichtig sei ihm, regelmäßig die Komfortzone zu verlassen. Auf die Frage, wie glücklich er sei, antwortet er ohne zu zögern: eine glatte Zehn.

Von nichts kommt nichts. Auch wenn ich viel Glück hatte und viele Förderer, muss man sich trotzdem viel selber erarbeiten.

Zum Abschluss teilt Kellermann eine Anekdote, die seinen Glauben an das Universum unterstreicht: Zufällig traf er im Urlaub auf Mallorca eine ehemalige Kollegin wieder, die sich einst von einem Honorar für Korrekturarbeiten an seinem Buch ein Rennrad gekauft und darüber ihren Partner kennengelernt hatte – mit dem sie nun im selben Hotel Urlaub machte. Für ihn ein Beweis, dass vieles kein Zufall ist.