In der 36. Ausgabe des Podcasts "BTS – Behind the Story" spricht der Gastgeber mit Lisa Augustin, in der SEO-Szene lange bekannt unter ihrem Mädchennamen Lisa Rudolf. Sie gehört zu den jüngsten Gästen des Formats, das persönliche Lebenswege und Entscheidungen als "Heldenreisen" nachzeichnet. Der Kontakt entstand über einen handgeschriebenen Weihnachtsbrief, den Lisa dem Gastgeber schickte – ein persönliches Zeichen der Wertschätzung, das den Anstoß für dieses Gespräch gab. Herausgekommen ist die Geschichte einer Frau, die sich vom behüteten Dorfkind mit ausgeprägtem Technik-Interesse zur selbstständigen SEO-Expertin entwickelt hat.
Eine Kindheit zwischen Baggern und Computern
Aufgewachsen ist Lisa (Jahrgang 1994) in einem kleinen Dorf im Schwabenland mit rund 1.000 Einwohnern, fast eine Stunde von der nächsten Autobahn entfernt. Ihre Eltern sind seit dem Jahr 2000 selbstständig; der Vater führt ein Baugeschäft, die Mutter fährt Bagger, ihre zwei jüngeren Brüder arbeiten ebenfalls am Bau. Mit zwölf Jahren stellte man sie vor die Wahl: samstags auf die Baustelle und Baggerfahren lernen oder den Haushalt übernehmen. Sie entschied sich für den Haushalt – und wurde damit, wie sie schmunzelnd sagt, zum "schwarzen Schaf" der Familie.
Den Zugang zur Technik fand sie eher zufällig. Ihre Mutter brachte von einer Baustelle einen ausgemusterten Computer mit, den sie Lisa ins Zimmer stellte. Ohne Internet, aber mit viel Musik darauf, begann sie zu experimentieren: Sie baute ein zweites CD-Laufwerk ein, installierte Treiber und beschäftigte sich einfach mit dem Gerät, weil ihr langweilig war. So entstand früh eine Neugier auf Technik, die ihren weiteren Weg prägen sollte.
Politisches Engagement und der Weg ins Studium
Auf einer Mädchenrealschule zeigte sich bereits eine rebellische Ader. Mit 18 Jahren kandidierte Lisa für den Bundestag – für die Piratenpartei – und holte in einem Wahlkreis, in dem sie nicht einmal wohnte, 2,9 Prozent der Stimmen. Ihr Wahlplakat zeigte sie mit einer Gitarre, ihr Slogan lautete "urhebergerecht". Politisch ist sie heute nicht mehr aktiv, betont aber, wie wertvoll diese Erfahrung war:
Das ist so wichtig, weil ich da gelernt hab, auf Podiumsdiskussionen zu gehen, mich der Kritik anderer zu stellen und auch einfach mal rauszugehen in die Sichtbarkeit.
Als erste in ihrer Familie machte Lisa Abitur und absolvierte anschließend ein duales Studium der Informationstechnik mit Abschluss als Bachelor of Engineering. Bei einer Softwarefirma für Apotheken durchlief sie verschiedene Abteilungen – vom Techniksupport, den sie nie wieder machen möchte, bis zur Softwareentwicklung. In ihrer Bachelorarbeit programmierte sie ein Kassenbuch. Sie beschreibt sich als "Königin der Nachklausuren", die trotz Prüfungsangst und der einen oder anderen durchzockten Nacht ihr Studium erfolgreich abschloss.
Vom Blog zum Beruf
Der Einstieg ins Thema Suchmaschinenoptimierung verlief organisch. Nach einem Abnehmprogramm war sie in einem Forum aktiv, beantwortete immer wieder dieselben Fragen und begann, Antworten in Google Docs vorzubereiten. Daraus entstand 2016 ihr Blog "Lisas bunte Welt", zunächst über Ernährung und Fitness, später über das Radfahren. Der Blog wurde zeitweise zu einem der größten deutschen Fahrradblogs. Während Corona erreichte sie damit 50.000 Aufrufe im Monat und rankte etwa beim Thema Sitzbeschwerden auf dem Radhosen bei Google auf Platz eins.
Parallel arbeitete sie als Softwareentwicklerin, unter anderem im Maschinenbau, wo sie Anwendungen für Industrie 4.0 entwickelte, und schließlich in der Verteidigungsindustrie. Beim Bloggen lernte sie SEO nach dem Prinzip "Learning by Doing" – geleitet von der Frage: "Wenn ich Google wäre, was würde ich tun?" Als sie sich später auf SEO- und Onlinemarketing-Stellen bewarb, erhielt sie trotz nachweisbarer Rankings Absagen mit der Begründung, ihr fehle die formale Qualifikation. Statt zu zweifeln, entschied sie sich, ihr eigenes Ding zu machen.
- Der Blog wurde zur praktischen SEO-Schule und generierte über Kooperationen erste Einnahmen.
- Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen die ersten zahlenden SEO-Kunden.
- Zeitweise arbeitete Lisa 35 Stunden pro Woche als Softwareentwicklerin und zusätzlich 35 Stunden im SEO-Bereich.
Der Sprung in die Selbstständigkeit
Vor gut vier Jahren zog sie die Konsequenz, kündigte ihren gut bezahlten Job und machte sich mit der Agentur "einfach mal SEO" selbstständig. Der Name steht für ihre Grundhaltung: einfach mal machen. Ihr erster LinkedIn-Post kündigte den Schritt an. Heute unterstützt sie Blogger, Selbstständige sowie kleine und mittelständische Unternehmen dabei, sichtbarer zu werden – häufig mit einem Komplettpaket, das sie als "schlüsselfertige Website" bezeichnet: von der Technik über Texte bis hin zur Organisation von Fotografen.
Ihr Mann, Automatisierungsingenieur, ist inzwischen mit angestellt und übernimmt den kreativeren Part. Gemeinsam planen sie ein Haus mit integriertem Büro, um Familie und Selbstständigkeit besser vereinbaren zu können. Als ihren wichtigsten SEO-Tipp nennt Lisa, zur Entität zu werden – also Attribute nach außen zu tragen, Signale zu senden und wahrgenommen zu werden. Genau das, was sie selbst mit ihrer authentischen Kommunikation vorlebt. Für ihre neue Positionierung setzt sie auf mehr Klartext: "Ich bin nicht nett, aber ehrlich."
Krisen, Sport und Haltung
Lisa versteht sich als Problemlöserin: "Überall, wo ein Problem ist, gibt es auch eine Lösung." Diese Haltung zog sich durch Rückschläge wie eine Knieverletzung mit 15, drei Operationen wegen eines Lipödems und einen Fahrradunfall, bei dem ein Auto sie erwischte. Trotz der ärztlichen Prognose, keinen Leistungssport mehr treiben zu können, absolvierte sie den Ötztaler Radmarathon – mit rund 6.000 trainierten Kilometern und 80.000 Höhenmetern in der Vorbereitung.
Auf die Frage nach ihrer Botschaft an die Welt antwortet sie ohne Zögern: "Menschen kaufen von Menschen." Es ist ein Satz, der ihren Weg zusammenfasst – geprägt von Natürlichkeit, technischer Kompetenz und der Überzeugung, dass man einfach machen sollte, was sich richtig anfühlt.