In der 43. Ausgabe des Podcasts "BTS – Behind the Story" erzählt Pouneh Pourabedin ihre bewegte Lebensgeschichte. Die Online-Marketing-Expertin, die aus dem Nordiran stammt und heute als SEO-Verantwortliche in Deutschland arbeitet, spricht über eine privilegierte Kindheit am Kaspischen Meer, die erzwungene Flucht aus dem Iran, den mühsamen Neuanfang in Deutschland und über ein Lebensmotto, das ihr Kraft gibt: "Tanze, als würde niemand zusehen."

Eine behütete Kindheit am Kaspischen Meer

Pouneh Pourabedin wurde in Langarud im Nordiran geboren, wo das Kaspische Meer liegt. Ihr Vater war Bankkaufmann und leitete mehrere Filialen, ihre Mutter war Grundschuldirektorin und Erstklasslehrerin. Die Familie lebte in guten Verhältnissen: viele Reisen, jeder Brückentag wurde genutzt, und im Sommer verbrachte die Familie drei Monate in einer Villa am Strand.

Bereits mit vier Jahren durfte sie in der Klasse ihrer Mutter lernen, weil der Kindergarten sie unterforderte. Ihre Mutter behandelte sie dabei bewusst wie jede andere Schülerin – eine Prägung, die bis heute nachwirkt. "Ich bin ein Perfektionist", sagt sie über sich selbst. Wenn sie heute die Augen schließt und Ruhe sucht, ist sie in Gedanken sofort wieder am Meer.

Konvertierung und die erzwungene Flucht

Nach dem Abitur mit den Schwerpunkten Mathematik und Physik absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau und studierte parallel Informatik. In dieser Zeit lernte sie über einen Nachbarn ihren späteren Mann kennen, der in Teheran eine Agentur im Bereich Computer und Software führte – ausgerechnet beim Verkauf ihres eigenen Computers.

Gemeinsam beschäftigten sich die beiden intensiv mit dem Christentum und entschieden sich bewusst zur Konvertierung. Im Iran ist dieser Schritt für Menschen mit muslimischem Hintergrund mit größten Gefahren verbunden. Als die Konvertierung nach rund zweieinhalb Jahren bekannt wurde, wurde die Familie politisch verfolgt und musste das Land verlassen.

Wir durften uns leider nicht verabschieden. Ich habe nur telefonisch von meinen Eltern Abschied genommen – und das war sehr schwer, weil ich meinen Vater über alles liebte.

Innerhalb weniger Monate organisierte die Familie über ein spanisches Visum die Ausreise nach Europa. Ein Zielland gab es kaum – nur die vage Idee Köln, weil dort ein Onkel ihres Mannes lebte. Im Januar 2001 kam sie schwanger mit ihrer ersten Tochter in Deutschland an.

Ein schwieriger Neuanfang in Deutschland

Der Start war hart: fremde Sprache, kein familiäres Umfeld und die ständige Bedrohung durch Abschiebetermine nach Spanien, weil das Visum über ein Drittland ausgestellt worden war. Die ersten Monate weinte sie fast täglich. Erst nach sechseinhalb Jahren – auch dank öffentlicher Unterstützung durch Presse, Radio und engagierte Menschen – durfte die Familie in Deutschland bleiben.

Eine Einladung in eine Kirchengemeinde öffnete Türen: Die herzliche Aufnahme half ihr, in der neuen Heimat anzukommen. Rückblickend beschreibt sie ihre größte Angst und deren glückliche Auflösung so:

  • Ihre größte Sorge war, das gute Lebensniveau aus dem Iran nicht wieder zu erreichen – eine Angst, die sich nicht bewahrheitet hat.
  • Ihre Hoffnung, dank Zielstrebigkeit doch Fuß zu fassen, hat sich erfüllt: "Ich fühle mich mehr als wohl in Deutschland."

Der Weg ins Online-Marketing

Da ihre iranische Bankausbildung in Deutschland nicht anerkannt wurde und sie für eine neue Ausbildung als zu alt galt, konzentrierte sie sich auf die IT. Sie absolvierte Fortbildungen als Multimedia-Assistentin und Web-Developer und begann ihren ersten Job als Webentwicklerin in Göttingen.

Nach dem Umzug nach Bergisch Gladbach bewarb sie sich auf eine Stelle im Bereich Suchmaschinenoptimierung – ohne genau zu wissen, was SEO ist. Sie bekam den Job, arbeitete acht Jahre in einer Kölner Agentur und ist heute bei der TWT Group in Düsseldorf tätig, wo sie ein Team mit SEO-Managern und Redaktion verantwortet.

SEO in Zeiten der KI

Der Behauptung, SEO sei tot, widerspricht sie klar. Für sie bleibt Suchmaschinenoptimierung das Fundament – auch im Zeitalter von KI und generativer Suche (GEO).

Wenn das Fundament nicht da ist, dann darf man keinen Wolkenkratzer bauen.

Das Suchverhalten verändere sich: Statt kurzer Keywords formulierten Nutzer heute ganze Problemstellungen. Das Ziel verschiebe sich vom klassischen Ranking hin zum Zitiert- und Erwähntwerden durch KI-Systeme. Die technische SEO bleibe dabei unverändert wichtig und zahle sich auch für GEO aus.

Ein Leben nach dem eigenen Kompass

Ihr WhatsApp-Status ist zugleich ihr Lebensmotto: "Tanze, als würde niemand zusehen." Gemeint ist nicht nur das Tanzen, das in ihrem Leben eine große Rolle spielt, sondern eine Haltung – das zu tun, was einem gefällt, ohne sich zu sehr um die Bewertung anderer zu kümmern. Beim persischen Singen im Auto oder daheim kann sie komplett abschalten.

Heute lebt ihre Mutter bei ihr im Haus, ihre Brüder wohnen in Köln, ihre beiden Töchter studieren Jura und Zahnmedizin und reisen viel. Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Freiheit und weniger Ortsgebundenheit im Arbeitsalltag. Und einen großen Traum hegt sie: Seit 25 Jahren war sie nicht mehr im Iran. Sie hofft, das Land eines Tages wieder frei erleben und ihren Kindern ihre Heimat zeigen zu können.

Ihr Wunsch an andere Menschen, die einen Neuanfang wagen, ist unmissverständlich: die Sprache lernen, mutig sein, zielstrebig bleiben und nach jedem Rückschlag wieder aufstehen. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie aus erzwungener Migration gelungene Integration werden kann.