In der 16. Ausgabe des Podcasts "BTS – Behind the Story" nimmt der Gastgeber seine Zuhörer mit ans digitale Lagerfeuer, um die persönliche Heldenreise seines Gastes zu beleuchten. Diesmal sitzt ihm Robin Heintze gegenüber, Gründer und Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur morefire. Über 20 Jahre Erfahrung im Online-Marketing, ein Team von deutlich über 100 Menschen, gefragter Speaker – und dennoch ein Mensch, der seinen Erfolg vor allem einem verdankt: dem Vertrauen in das eigene Bauchgefühl. Ein Gespräch über Herkunft, Werte und die Frage, wie man ein großes Unternehmen führt, ohne sich selbst zu verlieren.
Kindheit im Sauerland: Bodenständig statt Bilderbuch
Anders als die KI-Recherche vermuten ließ, sitzt Robin Heintze nicht in Köln, sondern im Homeoffice in Olpe – dort, wo er auch aufgewachsen ist. Groß geworden ist er in einem 1.500-Seelen-Dorf, das er selbst als idyllisch beschreibt: der Sportplatz fünf Minuten entfernt, die Grundschule gleich um die Ecke. Seine Mutter ist Waldorf-Erzieherin, sein Vater war Journalist mit ausgeprägtem Politikinteresse – ein Interesse, das er an seinen Sohn weitergab.
Eine Unternehmerfamilie war das nicht. Im Gegenteil: Der Vater versuchte sich in der Selbstständigkeit, es lief "mittelgut", was für Robin lange ein Grund war, sich selbst nicht selbstständig machen zu wollen. Die Trennung der Eltern in der Jugend, das ständige Spielen "eins gegen zwei" gegen die drei Jahre älteren Zwillingsbrüder und wenig Geld prägten ihn. Aus dieser Zeit stammt vermutlich sein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Die Beziehung zu seinen Brüdern ist bis heute eng – einer der besten Freunde seines jüngeren Sohnes ist sein Patenkind, das in der Mannschaft spielt, die Robin trainiert.
Der Satz, der sein Leben begleitet
Auf die Frage nach dem wichtigsten Ratschlag antwortet Robin mit einem Zitat von Viktor Frankl, das ihn seit Jahren begleitet:
Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Und in diesem Raum liegt unsere Freiheit, Entscheidungen zu treffen.
Für Robin ist dieser Gedanke gelebter Alltag – etwa im Umgang mit Kindern in der Trotzphase: nicht sofort auf jeden Reiz reagieren, sondern kurz innehalten, wirken lassen und dann überlegt handeln. "Diese Freiheit nutzen wir viel zu selten", sagt er und konditioniere sich in kritischen Situationen bewusst darauf.
Auch seine anderen Lieblingsbücher verraten viel über ihn: "Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd" von Charlie Mackesy sei das Buch, das er am häufigsten verschenkt habe – voller Herz, Illustrationen und Gedanken, die zum Nachdenken anregen. Seine kreativsten Momente hat er beim Laufen: "Ich laufe da, wo andere Urlaub machen."
Vom Zivildienst zur Werbeagentur: ein Weg entlang des geringsten Widerstands
Robins beruflicher Weg begann mit dem Interesse an Wirtschaft und Gesellschaft. Nach dem Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule entdeckte er im Fach Sozialwissenschaften seine Begeisterung dafür, wie Wirtschaft und Märkte funktionieren. Über einen Freund kam er zur höheren Handelsschule und schließlich zum Marketing. Wichtige Entscheidungen traf er dabei oft allein und stellte seine Eltern vor vollendete Tatsachen.
Prägend war sein Zivildienst an einer Förderschule für körperliche und geistige Entwicklung. Schon an Tag eins musste er einen schwerstbehinderten Vierzehnjährigen wickeln – eine Erfahrung, die ihn menschlich stark formte. Dort lernte er auch eine Referendarin kennen, die heute seine Frau ist. Da sie noch immer an einer Förderschule arbeitet, sind Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit für ihn bis heute alltäglich.
Die Gründung von morefire: Bauchgefühl und ein sicherer erster Kunde
Nach der Ausbildung zum Werbekaufmann arbeitete Robin ab 2003 bei der hauseigenen Agentur des Verlags für die deutsche Wirtschaft (VNR). Dort kam er früh mit Online-Marketing in Berührung – zu einer Zeit, als Google-Klicks noch zwei Cent kosteten und man "Content Marketing machte, bevor es Content hieß". Gemeinsam mit seinem Kollegen Sascha Klapett, mit dem er als Zwei-Mann-Online-Team "komplette Narrenfreiheit" genoss, wagte er 2009 den Schritt in die Selbstständigkeit.
Der Sicherheitssinn zahlte sich aus: Der Verlag blieb als erster Kunde erhalten, wodurch der Start abgesichert war. 2015 kaufte Robin seinem Mitgründer die Anteile ab, 2017 folgte eine Fusion zweier Agenturen. Der Name morefire steht schlicht für die Überzeugung: "Wir brennen dafür."
- Sicherheit vor Risiko: Robin bezeichnet sich als vorsichtiger als andere in der Geschäftsführung – "all in" ist nicht seine Mentalität.
- Finanzielle Planbarkeit: Das Unternehmen will zwei Monate ohne jeden Zahlungseingang überleben können – das lässt ruhig schlafen.
- Team statt Alleingang: Bei Druck hilft ihm der Dialog mit seinen drei Mitgesellschaftern in der Geschäftsführung.
Führung, KI und die Zukunft: kein Wachstum um jeden Preis
Heute umfasst morefire rund 130 Mitarbeitende. Die Verantwortung empfindet Robin nicht als Last, sondern als Privileg – weil er mit Menschen zusammenarbeiten darf, die er selbst mit ausgewählt hat. Ein aggressiver Wachstumskurs ist nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen und gut durch die Umbrüche zu manövrieren, die künstliche Intelligenz mit sich bringt. Viele heutige Dienstleistungen werden künftig automatisiert – die Aufgabe sei es, sichere Arbeitsplätze und hohe Qualität gleichzeitig zu erhalten.
Sein privates Umfeld hält Robin bewusst frei von Arbeitsthemen: Mit seinen Brüdern, beide im Handwerk tätig, redet er nicht über KI – und schätzt genau diese Bodenständigkeit. Auf die Frage, was er über Nacht verändern würde, hat er eine klare Antwort: die Erderwärmung stoppen. Denn er ist überzeugt, dass viele künftige Konflikte – Ressourcenknappheit, unbewohnbare Landstriche – letztlich damit zusammenhängen.
Das Fazit des Gesprächs bringt der Gastgeber auf den Punkt: Man sieht, wie wichtig das Bauchgefühl im Leben ist. Hört auf euren Bauch, geht ab und zu laufen – und vielleicht lösen sich dann einige Probleme in Wohlgefallen auf.