Manche Lebenswege wirken auf den ersten Blick geradlinig und erfolgsorientiert. Doch hinter der starken, selbstbewussten Fassade steckt oft eine Geschichte voller mutiger Entscheidungen, prägender Begegnungen und einer klaren inneren Haltung. In der 33. Folge des Podcasts Behind the Story erzählt Gesina Kunkel, heute Managing Director der Impuls Q GmbH, von ihrer Heldenreise – von einem kleinen Dorf in Hessen bis in die Welt des Online-Marketings und der digitalen Sichtbarkeit.
Eine behütete Kindheit in Freiheit
Gesina Kunkel wuchs mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester in einem Dorf an der Grenze zwischen Hessen und Unterfranken auf – mit weniger als tausend Einwohnern, viel Wiese und Wald. Ihre Kindheit beschreibt sie als wohlbehütet und geprägt von Reisen ins Ausland: nach Italien, Spanien und darüber hinaus. Ihr italienisch klingender Vorname hat übrigens keinen italienischen Hintergrund, sondern entsprang schlicht der Kreativität ihrer Eltern.
Entscheidend für ihre spätere Entwicklung war das Vertrauen, das ihre Eltern ihr entgegenbrachten. Sie gaben ihr Sicherheit und zugleich große Freiheit.
Meine Eltern haben mir extreme Sicherheit gegeben, aber sie haben mir auch alle Freiheiten gegeben. Freiheit ist für mich eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben.
In der Schule war sie eine eher ruhige, teils schüchterne Person – weit entfernt von der Vorreiterrolle, die eine Führungskraft heute einnehmen muss. Der Wandel kam erst später.
Der Ruf nach Veränderung: Australien als Wendepunkt
Nach dem Abitur begann Gesina Kunkel eine Ausbildung zur Medienkauffrau in einem Verlagshaus. Doch dort fühlte sie sich schnell fehl am Platz – vor allem wegen der Menschen. Sie wollte weg, hinaus in die weite Welt. Die Entscheidung fiel auf ein Au-pair-Jahr in Australien, ursprünglich nur für drei Monate geplant.
Bemerkenswert ist, wie sie diesen Schritt erlebte: nicht mit Angst, sondern mit Vorfreude. Während ihre Eltern – insbesondere ihr Vater – am Flughafen mit den Tränen kämpften, überwog bei ihr das Gefühl der Aufregung. Aus den drei Monaten wurde schließlich ein ganzes Jahr. Prägend war vor allem ihre Gastmutter Ellen, die sie bis heute als Mentorin bezeichnet.
Sie hat mir immer wieder vermittelt: Gesina, im Leben ist einfach alles möglich. Und danach lebe ich auch.
Diese Erfahrung veränderte ihre Denkweise grundlegend. Interessant ist dabei ein Detail: In Australien traute sie sich ein Studium wegen der englischen Sprache noch nicht zu. Wenige Monate später war ihre Persönlichkeitsentwicklung so weit gereift, dass sie selbstverständlich für ein Auslandssemester nach Kanada ging.
Journalismus, Praxis und der Weg ins Marketing
Zurück in Deutschland folgte zunächst ein Kulturschock – drei Monate lang, so erzählt sie, habe sie geweint, weil sie zurück nach Australien wollte. Doch sie fasste neuen Mut und begann ein praxisnahes Journalismus-Studium in Berlin. Der Praxisbezug war ihr besonders wichtig: Sie sammelte Erfahrungen bei einem Auslandssemester in Vancouver sowie in Praktika beim SWR, bei Sat.1 Bayern, der ARD-Tagesschau und bei RTL in New York.
Nach dem Studium arbeitete sie als Producerin und Regisseurin für die Sendung Trucker Babes und drehte in England, Spanien und Frankreich. Als sie sich beruflich neu orientierte, lernte sie 2019 auf einem Gründerevent Martin kennen – und fand so den Weg zur Agentur Impuls Q.
- Kreative Wurzeln im Journalismus als Basis für Relevanz und Sichtbarkeit
- Mut zur Veränderung als roter Faden ihres Lebens
- Persönlichkeitsentwicklung braucht Zeit – Zweifel dürfen reifen
- Mentoren als entscheidende Wegbereiter
Führung: Vorbild sein und Menschen bestärken
Heute verantwortet Gesina Kunkel ein Team von 20 bis 30 Menschen. Ihr Leitsatz in der Führung lautet schlicht: Sei Vorbild. Lob nimmt sie selbst nur ungern an – lieber gibt sie es an ihr Team weiter. Bei Personalentscheidungen steht für sie der Mensch im Vordergrund, neben Fähigkeiten zählen vor allem Ehrlichkeit und gute Kommunikation.
Ihren eigenen Umgang mit Ängsten überträgt sie auf ihre Rolle als Führungskraft. Wo andere Menschen zögern, versucht sie zu bestärken und zu befähigen: Menschen sollen wissen, dass jemand hinter ihnen steht und an sie glaubt – auch wenn eine Restangst bleibt.
Als weiteren wichtigen Mentor nennt sie Martin, der Dinge in ihr gesehen habe, die sie selbst lange nicht erkannt hatte, und der ihre Entwicklung entscheidend gefördert habe.
Spiritualität, Struktur und ein Leben ohne Reue
So strukturiert und diszipliniert Gesina Kunkel nach außen wirkt – sie steht früh auf, arbeitet oft bis tief in die Nacht, lebt vegan und entscheidet nach Plan statt nach Bauchgefühl –, so offen ist sie zugleich für Spiritualität. Sie trat aus der Kirche aus, nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie sich nicht in eine Religion einordnen lassen wollte. Für sie sind alle Religionen einzigartig und gut, solange Menschen darin ihren Platz finden. Vor dem Tod hat sie keine Angst, weil sie an ein Weiterleben der Seele glaubt.
Ihre persönliche Botschaft, die sie auf eine Leuchttafel schreiben würde, fasst ihre Haltung zusammen:
No Regrets. Tue das, was du für richtig hältst, tue aber auch Gutes und vergiss die Menschen nicht, die Hilfe benötigen.
Zur Ruhe kommt sie bewusst durch Rückzug – etwa in der Sauna, mit einem Buch in der Hand. Ihre Kindheit klingt dabei nach: Die Küche ihrer Mutter verbindet sie mit dem Duft von Gemüse, mit Liebe, Geborgenheit und dem schönen Ritual des gemeinsamen Essens.
Gesina Kunkels Geschichte zeigt, dass Erfolg und Selbstbewusstsein selten vom Himmel fallen. Sie entstehen aus Mut, aus dem Vertrauen der Eltern, aus prägenden Begegnungen – und aus der Bereitschaft, immer wieder loszugehen, ohne sich von Angst leiten zu lassen. Am Ende bleibt eine klare Überzeugung: Es ist alles möglich, wenn man den Mut dazu hat.