In der 41. Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" erzählt Cordula Frandsen ihre persönliche Heldenreise – vom gemobbten Kind mit polnischen Wurzeln über einen abgebrochenen Medizintraum bis hin zu ihrer heutigen Positionierung als Expertin für LinkedIn, Corporate Influencer und Personal Branding. Unter dem Motto "Menschen machen Marken" begleitet sie heute Unternehmen und Einzelpersonen dabei, auf LinkedIn sichtbar zu werden, ohne ihre Persönlichkeit aus der Kommunikation herauszufiltern. Ihr Weg zeigt eindrücklich, wie prägende Erfahrungen und scheinbare Umwege am Ende zum passenden Beruf führen können.

Aufgewachsen im Ruhrgebiet zwischen zwei Kulturen

Cordula Frandsen bezeichnet sich selbst als "Ruhrgebietsperle". Sie wuchs in Bochum als Einzelkind auf, ihre Eltern flüchteten Anfang der Siebzigerjahre aus Polen nach Deutschland – der Vater mit dem Motorrad über Österreich, die Mutter als Teil einer Sportmannschaft über Tschechien. Weil ihnen der Kontakt in die Heimat lange verwehrt blieb, wuchs Cordula ohne die typische große polnische Verwandtschaft auf. Was blieb, war die Neugierde ihrer Eltern auf andere Länder und Kulturen.

Diese Offenheit prägte sie früh. Doch die Kindheit hatte auch Schattenseiten: In der Schule wurde sie unter anderem wegen ihres kulturellen Hintergrunds und einiger Grammatikfehler gemobbt.

Da bekommt man aber dann auch eine Sensibilität für andere Menschen und man baut sich Selbstbewusstsein auf. Das sind alles Dinge, die ich in der Schulzeit gelernt habe.

Als Austauschschülerin – nach eigenen Angaben sieben- oder achtmal in Ländern wie Frankreich, England, Kolumbien, Spanien und schließlich für ein Highschool-Jahr in den USA – fand sie Selbstvertrauen. Nach einem Schulwechsel gelang ihr ein regelrechter Neustart: Von der gemobbten Schülerin wurde sie innerhalb eines Jahres zur Schülersprecherin.

Der Umweg über das Medizinstudium

Frandsen wuchs mit der Überzeugung auf, es gebe nur drei erstrebenswerte Berufe: Jurist, Lehrer oder Ärztin. Aus dem Wunsch, Menschen zu helfen – auch geprägt durch die Herzkrankheit ihres Vaters, der mehrere Herzinfarkte erlitt –, begann sie ein Medizinstudium. Doch sie merkte, dass dies nicht ihr Weg war. Der Verlust ihrer Mutter fiel mit dieser Erkenntnis zusammen und bestärkte sie in ihrer Entscheidung, das Studium abzubrechen.

Im Rückblick betont sie, dass nicht der Studienplatz der eigentliche Erfolg war, sondern der Mut zum Abbruch:

Viel schwieriger war es, Medizin abzubrechen und sich für etwas zu entscheiden, wo meine Leidenschaft liegt und was mich glücklich macht.

Es folgte ein Studium der Amerikanistik (Interdisciplinary American Studies), das sie mit einem Master of Arts abschloss. Schon in Bachelor- und Masterarbeit beschäftigte sie sich mit der Social-Media-Präsenz von Politikern – konkret mit Barack Obama und Donald Trump.

Vom Radio zur Sichtbarkeit für andere

Der rote Faden ihrer Laufbahn war stets die Kommunikation. Ihren ersten Job bekam sie über ein Schülerpraktikum bei einem Radiosender in Bochum. Als der Chef eine Sendelücke füllen musste, forderte er die junge Cordula spontan auf, eine Stunde Radio über einen "Dönerreiseführer des Ruhrgebiets" zu bestreiten. Aus dem Spaß wurde ein Job, dem sie fast zehn Jahre lang treu blieb – zeitweise sogar aus 600 Kilometern Entfernung während ihres Studiums, ergänzt durch Arbeit beim Uniradio in Tübingen.

Bezeichnend: Sie moderierte selten selbst, sondern half anderen Menschen dabei, über ihre Themen und Lebensgeschichten zu sprechen. Genau dieses Prinzip zieht sich bis heute durch ihre Arbeit.

  • Frühe Prägung durch Auslandsaufenthalte und Kommunikation
  • Radio als erster Berufskontakt und Schule des Storytellings
  • Social Media als Verbindung all ihrer Leidenschaften: Schreiben, Bild, Video, Kontakt
  • Aufbau eines Geschäftsfeldes bei der Agentur Camao, bevor sie sich selbstständig machte

Menschen machen Marken

Heute arbeitet Frandsen als Solopreneurin und begleitet Unternehmen dabei, ganze Teams als Corporate Influencer aufzubauen – aus Recruiting, Vertrieb, HR oder Marketing. Ihr Kernthema ist es, Hürden zu nehmen: die Angst, das eigene Gesicht zu zeigen, als Selbstdarsteller zu gelten oder überhaupt für relevant gehalten zu werden.

Dass Sichtbarkeit zwangsläufig Selbstdarstellung bedeute, ist für sie der nervigste LinkedIn-Mythos. Ihre Positionierung "Menschen machen Marken" beruht auf der Beobachtung, dass persönliche Profile mehr Reichweite genießen als Unternehmensseiten und dass Menschen lieber anderen Menschen folgen. Als Vorteil des DACH-Raums nennt sie die Bereitschaft, offen und authentisch auch über Rückschläge zu sprechen – anders als im "Corporate America", wo Meilensteine im Vordergrund stünden.

Für die richtige Positionierung plädiert sie dafür, nicht die eigenen Leistungen anzupreisen, sondern die Fragen, Wünsche und Sorgen der Zielgruppe zu beantworten. Bildlich beschreibt Podcast-Host Wolfgang dies mit dem "Partyprinzip": Wer laut ruft, wie großartig er ist, vertreibt die Zuhörer. Echte Thought Leader sind die, denen man an den Lippen hängt.

Blick in die Zukunft: LinkedIn und internationale Programme

Frandsen sieht LinkedIn als dynamische Plattform, die stark auf das Nutzerverhalten reagiere – auch wenn dabei Funktionen wie das von ihr geschätzte LinkedIn Audio wieder eingestellt wurden. Solange sich die Plattform weiterentwickle, will sie mit ihr arbeiten. Zugleich ist ihr bewusst, dass ihre eigentliche Kompetenz kanalunabhängig ist: aus Menschen Geschichten herauszukitzeln und ihnen zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.

Für die Zukunft wünscht sie sich mehr internationale Corporate-Influencer-Programme und plant sogar eine Gründung in den USA. Dort sieht sie beim Personal Branding einen Vorsprung, beim Corporate Influencing hingegen noch eine Lücke. Als Menschen, die auch andere motivieren, nennt sie in dem Gespräch mehrfach ihren Sparringspartner Holger Kahnt – für sie ein wichtiger Impulsgeber.

Ihr Rat an ihr jüngeres Ich – und zugleich die Botschaft, die sie auf ein imaginäres Riesenschild in Bochum schreiben würde – lautet: "Höre mehr auf deine Talente und Leidenschaften und sei mehr du selbst." Ein Satz, der ihre gesamte Heldenreise zusammenfasst.