In der 14. Folge des Podcasts Behind the Story setzt sich David Odenthal ans „digitale Lagerfeuer“ – und erzählt eine Geschichte, die weit über sein Fachgebiet hinausreicht. Als Gründer und Geschäftsführer von Conversion Digital gilt Odenthal als Experte für Conversion-Optimierung und digitale Geschäftsmodelle. Doch im Gespräch geht es weniger um Umsatz und Performance als um den Menschen dahinter: um Herkunft, Brüche, Glauben und die Frage, was einen Menschen wirklich trägt. Es wurde eines der emotionalsten Gespräche der Podcast-Reihe.

Eine behütete Kindheit – bis zum Bruch

Odenthal wuchs in Schildgen im Bergischen Land auf, katholisch erzogen, in einem traditionellen Rollenbild und, wie er sagt, „sehr behütet“. Er spielte Gitarre – bis heute liebt er den Blues – und schaffte es im Fußball bis in die Jugendmannschaft von Bayer Leverkusen. Sein Vater arbeitete als Radio- und Fernsehtechniker, unter anderem bei Sony, und machte sich später selbstständig. Seine Mutter war Krankenschwester.

Mit etwa 14, 15 Jahren zerbrach diese Welt. Die Trennung seiner Eltern verlief keineswegs harmonisch. Odenthal spricht von Situationen, die ihm nicht Angst, sondern Furcht einflößten – ein Gefühl, das aus dem Inneren kommt. Für ihn und seine Schwester gab es kein Zurück mehr in das alte Zuhause.

Der dunkle Raum und die Kraft des Glaubens

Was folgte, ist ungewöhnlich für einen Fünfzehnjährigen: Odenthal entschied sich bewusst gegen ein Leben bei Verwandten und lebte zeitweise obdachlos, später bei einem alkoholkranken Mann in einer nahezu leeren Wohnung. Seine Habseligkeiten: ein altes Sagem-Handy, eine Klappliege, ein Kissen und eine Decke. Immer wieder stellte er sich abends und morgens dieselbe Frage – wo will ich hin, welches Leben will ich führen?

Stell dir einen schwarzen Raum vor, du stehst drin und jetzt darfst du den Raum selber gestalten. Du kannst ihn mit Licht füllen oder du kannst ins Dunkle gehen.

Halt gab ihm sein Glaube. Katholisch geprägt betete er, sprach das Vaterunser, dankte und bat. Ob es um Gott gehe oder um „das Universum“, könne er bis heute nicht genau sagen – entscheidend sei, dass er in diesem Moment daran geglaubt habe, nicht allein zu sein. Der Mann mit der Bierflasche wurde für ihn zum Gegenbild: nett, aber gefangen in seiner Sucht. Odenthal erkannte, dass nur er selbst seine Situation verändern konnte.

Zurück in die Klasse: die Erfahrung von Zusammenhalt

Als seine Mutter eine Bleibe fand, nahm Odenthal lange Wege in Kauf – frühes Aufstehen, weite Fahrten, nur um wieder zur Schule gehen zu können. Ein Moment prägte ihn besonders: Nach seiner Rückkehr schrieb er eine Französischarbeit, für die er keine Chance hatte zu lernen, und bekam eine Sechs. Die gesamte Klasse stand auf und verlangte von der Lehrerin, die Arbeit gemeinsam neu zu schreiben – seinetwegen.

An die konkreten Inhalte der Arbeit erinnert er sich nicht mehr, wohl aber an das Gefühl. Für ihn ein Beleg dafür, dass Prägung über Emotionen und Geschichten geschieht – und dass Zusammenhalt das ausmacht, was Menschsein bedeutet.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Beruflich fand Odenthal über Umwege zu sich. Er baute Rechner zusammen, programmierte erste Websites für Gaming-Clans, absolvierte ein Jahrespraktikum in einer Agentur und eine Ausbildung zum Verlagskaufmann in einem IT-Verlag. Auf der CeBIT trug er als Auszubildender Zeitschriften aus – und begegnete dabei ganz beiläufig sowohl dem Firmenchef Sennheiser als auch Bill Gates, ohne dass ihn das damals sonderlich beeindruckte. Seine Aufgabe zu erfüllen war ihm wichtiger.

2006 machte er sich selbstständig, zunächst mit Websites und Flyern. Die entscheidende Wende kam, als Kunden ihm sagten, die Seiten seien schön, brächten aber keine Kunden. Gemeinsam mit Daniel Schlicker entwickelte er ein Maus-Tracking-Werkzeug. Als ein Kunde damit deutlich mehr Umsatz erzielte, war die Idee der Optimierung geboren. 2018 folgte die Gründung der GmbH Conversion Digital.

Der Warnschuss des Körpers

Trotz nach außen sichtbarer Stärke kämpfte Odenthal immer wieder mit Rückschlägen – gescheiterten Projekten, öffentlichem Druck und familiären Belastungen, etwa der Pflege seiner erkrankten Mutter. Im vergangenen Jahr meldete sich schließlich sein Körper: Mit schlaganfallähnlichen Symptomen – Lähmungserscheinungen, Kaltschweiß – wachte er neben seiner schlafenden Tochter auf. Die Ursache waren Bandscheibenprobleme im Halswirbelbereich.

Für Odenthal war es der nötige „Schlag vor den Bug“. Er begann, morgens zu trainieren, nahm erstmals mehrere Wochen Urlaub am Stück und stellte seine Prioritäten neu. Heute ist er Fußballtrainer der C-Jugend seines Sohnes. Eine Bildungsreise nach Salzburg, auf der sein Sohn ihn auf der Bühne erleben durfte, wurde zu einem prägenden Familienmoment.

Kernaussagen des Gesprächs

  • Nur man selbst kann die eigene Situation verändern – der Antrieb muss von innen kommen.
  • Menschen mit Problemen oder Süchten sollte man nicht vorschnell in Schubladen stecken.
  • Die wichtigste Frage im Leben und im Beruf lautet: Warum?
  • Ein gesundheitlicher Warnschuss kann der Anstoß sein, Prioritäten neu zu ordnen.
  • Zusammenhalt ist das, was Menschsein im Kern ausmacht.

Ein Wunsch für die Welt

Zum Abschluss formuliert Odenthal, was er sich wünscht, sollte er es sich herbeiwünschen können: ein Ende von Kriegen und Spaltung, mehr Achtsamkeit, gegenseitiges Vergeben und Zusammenhalt. Es sei die Erfahrung aus seinem eigenen Leben – aus dem dunklen Raum in eine Klasse, die füreinander einstand. Sein Rat an alle, die zuhören, bleibt einfach: Mut haben, es zu tun, niemals stehen bleiben und die richtigen Fragen stellen.