In der vierten Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" spricht Gastgeber Wolfgang Jung mit Kim Nadine Adamek, Gründerin der Agentur Digitallotsen GmbH, über ihre persönliche Heldenreise. Von der Mediengestalterin über die technische Redakteurin bis zur Agenturchefin mit elf Mitarbeitenden zeichnet sich ein Werdegang ab, der von Neugier, Beharrlichkeit und der Bereitschaft geprägt ist, aus Fehlern zu lernen. Ein Gespräch über Wendepunkte, Mentoren, Krisen und die Erkenntnis, dass man nicht gegen die Konkurrenz verliert, sondern gegen die eigene Unbekanntheit.

Vom Zeichentalent zur Mediengestalterin

Schon in der Schulzeit war für Kim Adamek klar, dass ihr Beruf etwas mit Kunst zu tun haben musste. Sie hatte immer gezeichnet, gemalt und gestaltet. Aus praktischen Erwägungen entschied sie sich gegen ein Studium – die gefürchtete Bewerbungsmappe traute sie sich damals nicht zu – und wählte den Weg der Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien mit Schwerpunkt Web.

Der Start verlief holprig: Nach einem Jahrespraktikum ging ihre erste Ausbildungsfirma pleite. Statt lange Bewerbungen zu schreiben, telefonierte sie drei Tage lang durch drei Städte, bis sie in einer Essener Agentur ihre Ausbildung beenden konnte. Es folgten Stationen in einer Printagentur, wo sie Verpackungsdesign machte und schließlich vier Jahre als technische Redakteurin Bedienungsanleitungen für aus China importierte Produkte verfasste – darunter ein Autoradio mit 80.000 Knöpfen und ein großer Grill, dessen Zusammenbau erst einmal erforscht werden musste.

Bemerkenswert: Elterliche Unterstützung gab es kaum. Ihr Vater war Energieanlagenelektroniker, ihre Mutter Hausfrau. "Ab 18 kannst du machen, was du willst", hieß es. Für ihre eigenen Kinder wünscht sie sich heute etwas anderes: "Mir wäre einfach wichtig, dass sie was finden, wo sie drin aufgehen."

Der Augenöffner: Ein BWL-Studium verändert alles

Während der Tätigkeit als technische Redakteurin begann Adamek berufsbegleitend BWL zu studieren, mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Diese Zeit beschreibt sie als entscheidenden Wendepunkt.

Das war so, als wäre ich so ein Pferd gewesen mit Scheuklappen. Und dann hat mir jemand diese Scheuklappen abgenommen. Und ich dachte, oh mein Gott, hier kann ich nicht bleiben.

In der folgenden Agentur wurde sie zur Assistenz der Geschäftsführung und Artdirektorin – und ausgerechnet dort zwang man sie, einen Facebook-Account einzurichten, obwohl sie das soziale Netzwerk zunächst skeptisch sah. Sie sollte die Social-Media-Kanäle der Agentur betreuen. Es war die Geburtsstunde ihrer späteren Spezialisierung. Ihre Bachelorarbeit zum Thema Social-Media-Tracking schloss sie mit der Note 1,1 ab.

Der Weg in die Selbstständigkeit – und die schmerzhaften Lektionen

Der Ruf zum Abenteuer kam, als Adamek aus der Grafik ins Projektmanagement wechselte und ihren Chef fragte, ob sie sich nebenberuflich selbstständig machen dürfe, um weiter gestalten zu können. Er sagte Ja. Die erste Gründung erfolgte 2011 gemeinsam mit ihrem Bruder, einem Entwickler, scheiterte aber nach einem Jahr an unterschiedlichen Zielvorstellungen. Sie stieg aus und gründete neu.

Die größten Hürden lagen im Unternehmerischen. Anfangs schrieb sie keine Angebote und arbeitete auf mündlicher Basis – mit der Folge, dass ein Auftraggeber 2.000 Euro für Illustrationen nicht bezahlte, weil nie schriftlich beauftragt worden war. Der Vorfall war der Anlass, AGB erstellen zu lassen, die seither alle zwei Jahre aktualisiert werden. Auch Rechnungen schrieb sie zunächst in InDesign – bis ihr Mann sie auf die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und den Zeitverlust hinwies.

  • Frühzeitig für rechtliche Sicherheit sorgen (AGB, schriftliche Beauftragung)
  • Prozesse und Buchhaltung von Anfang an strukturieren statt improvisieren
  • Bei Einstellungen das Team einbeziehen und Probetage anbieten
  • In Krisen genau hinschauen, statt die Augen zu verschließen

Mitarbeiterführung als größte Herausforderung

Als emotionaler Mensch empfindet Adamek das Thema Mitarbeiterführung als die anhaltend schwierigste Aufgabe. Besonders prägend war die Erfahrung mit einer eingestellten Person, die ein Jahr lang das Team verunsicherte, indem sie ein enges Vertrauensverhältnis zur Chefin vortäuschte. Ein weiteres Jahr dauerte es, das Vertrauen im Team wiederherzustellen.

Die Konsequenz: Heute bindet Adamek ihr Team in Einstellungsentscheidungen ein. Bewerberinnen und Bewerber kommen nach dem ersten Gespräch für einige Stunden – oder bezahlte Probetage – ins Büro, damit die Chemie geprüft werden kann. "Fachlich kann man immer dazulernen, aber es ist super wichtig, dass die miteinander klarkommen." Ihr Mann Patrick beschreibt sie als "Hidden Hero" der Agentur: Als begeisterungsfähige Person schätzt sie seine ruhige, hinterfragende Art, die überschwänglichen Enthusiasmus wieder erdet.

Der Satz, der alles veränderte

Auf die Frage nach dem besten Ratschlag erinnert sich Adamek an einen Veranstalter, der zu Beginn eines Events sagte: "Du verlierst nicht gegen deine Konkurrenz, du verlierst nur gegen deine Unbekanntheit." Noch am selben Tag setzte sie ihren Blog auf und begann, Content-Marketing für ihr eigenes Unternehmen zu betreiben.

Als wichtige Mentoren nennt sie neben ihrem Mann ihren verstorbenen ehemaligen Chef Dirk Gemeinhardt, der sie immer wieder ins kalte Wasser warf und ihr vertraute – er stellte sie sogar schwanger ein. Ebenso dankbar ist sie Gerrit Sturm, dessen ehrliches Feedback zur Außenwirkung ihres Unternehmens einen Neustart der Website auslöste, sowie Mario Jung, der ihr Bühnen und Gelegenheiten bot. Ihr Appell an junge Menschen: einfach fragen. "Wer nicht schreit, der nicht gewinnt."

Rebranding, neues Büro und die erste echte Krise

Im vergangenen Jahr durchlief Digitallotsen ein Rebranding. Auslöser waren spürbar rückläufige Anfragen: Das frühere bunte Branding zog eher kleine Unternehmen, Coaches und spirituelle Kunden an und wirkte nicht so mächtig, wie die Agentur inzwischen aufgestellt ist. Fast ein Jahr dauerte die Neupositionierung. Rettend wirkte die starke Suchmaschinenoptimierung, die die Sichtbarkeit erhöhte.

Adamek begegnete der Krise als Problemlöserin: Zahlen auseinandernehmen, einen Forecast aufbauen, Bestandskunden ansprechen und Upgrades anbieten. Als zentrale Kennzahl dient ihr der Puffer – wie lange sie ihre elf Mitarbeitenden auch ohne Umsatz bezahlen könnte. Ein Wert, den Gastgeber Wolfgang Jung als deckungsgleich mit seiner eigenen unternehmerischen Orientierung bestätigt. Der Umzug in ein größeres, helleres Büro wurde für sie zum sichtbaren Zeichen des Erfolgs: "Das ist so wie so ein kleiner Sieg."