In der 24. Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" ist Professor Dr. Mario Fischer zu Gast – Hochschulprofessor, Buchautor, Unternehmer und Herausgeber des Fachmagazins "Website Boosting". Im Gespräch, das an einem der heißesten Aufnahmetage überhaupt entsteht, folgt der Gastgeber der Struktur der Heldenreise: von der Kindheit in Franken über das Studium bis zu den Meilensteinen einer langen Karriere im Onlinemarketing. Herausgekommen ist ein Porträt eines Menschen, der Technik, Wissbegier und Humor auf besondere Weise verbindet – und dabei stets seinen eigenen Weg gegangen ist.

Eine behütete Jugend zwischen Neugier und Widerstand

Geboren in Neustadt an der Aisch, wuchs Mario Fischer überwiegend im mittelfränkischen Schwabach auf. Seine Eltern waren keine Akademiker – der Vater Großhandelskaufmann, die Mutter gelernte Steuerfachgehilfin und später Verkäuferin. Beim Lernen half oft die Oma, die einige Häuser weiter wohnte, oder eine organisierte Nachhilfe, insbesondere im ungeliebten Fach Latein.

Schon als Kind faszinierte ihn Technik: Er zerlegte Plattenspieler und Tonbänder, lötete und verlegte Leitungen. "Schwarze Boxen aufmachen, analysieren, testen" – diese Haltung zieht sich, wie er selbst sagt, durch sein ganzes Leben und bildet die Grundlage seines späteren Blicks auf SEO. Sein eigentliches Berufsziel war lange Zeit Toningenieur, geweckt durch die Faszination großer Mischpulte auf Konzerten und Schulpartys.

In der Schule galt Fischer als aufgeweckt und humorvoll – nicht immer zur Freude seiner Lehrer. Ein Lateinlehrer riet der Mutter sogar, ihn vom Gymnasium zu nehmen. Sie entschied sich für das Gegenteil. Sein Abitur beschreibt er offen mit einem Schnitt von 3,6, verbunden mit dem Prinzip, nur so viel zu tun, wie unbedingt nötig war. Erst im Studium sollte der "Knoten" richtig aufgehen.

Vom Umweg über Mathe zur Betriebswirtschaft

Der Weg ins Studium verlief nicht geradlinig. Das Toningenieurstudium in Düsseldorf scheiterte an den musikalischen Aufnahmehürden, die Informatik-Einschreibung an verpassten Fristen. Über einen Umweg landete Fischer zunächst in der Mathematik in Erlangen – und war von der ersten Vorlesung völlig überfordert. Ein Professor entzauberte auch die Informatik mit dem Satz, man könne sie studieren, ohne je einen Computer eingeschaltet zu haben.

So schrieb er sich schließlich für Betriebswirtschaft in Nürnberg ein, mit Wirtschaftsinformatik, Industriebetriebslehre und Kommunikationswissenschaft als Schwerpunkten. Nach einem Prädikatsexamen gründete er direkt ein Beratungsunternehmen und promovierte extern – über ein ungewöhnliches Thema: Kunststoff-Recycling und Kunststofflogistik, wobei er sich als Kaufmann tief in Physik, Thermodynamik und Entropie einarbeitete.

Das freie Denken und der Wert von Alternativen

Fischer betont mehrfach, wie viele Freiheiten er als Kind hatte – und wie prägend das war. Wichtige Lebensentscheidungen traf er stets selbst; seine Eltern gaben nur grobe Leitlinien vor. Für ihn steht fest: Wer nicht in einer starren Struktur arbeiten will, muss die Fehler, die er macht, auch selbst ausbaden – und lernt gerade daraus am meisten.

Als seinen wertvollsten Mentor nennt er seinen Studienprofessor Werner Pfeiffer, der ihm systemisches Denken, Systemanalyse und den Blick hinter die Oberfläche vermittelte. Von ihm stammt auch der beste Ratschlag seines Lebens:

Macht hat, wer Alternativen hat. Das bedeutet, für alle wichtigen Verhandlungen und Entscheidungen in deinem Leben musst du immer rechtzeitig und proaktiv für einen Plan B sorgen.

Diesen Satz gibt Fischer bis heute an seine Studierenden weiter. Als politischen Menschen beschreibt er sich zwar, doch für eine Partei wäre er nach eigener Aussage nie "fraktionsfähig" – weil er nicht gegen die eigene Überzeugung stimmen könne.

Website Boosting: Vom Buch zum Magazin

Aus dem Wunsch, das Thema Onlinemarketing ganzheitlich zu erklären, entstand das Buch "Website Boosting". Der Verlag wollte den unbekannten Titel zunächst verhindern und plante nur wenige Hundert Exemplare. Fischer setzte sich durch – und behielt recht: Die erste Auflage war nach drei Wochen vergriffen, insgesamt verkaufte sich das Fachbuch rund 45.000 Mal.

Weil sich das Wissen im Onlinemarketing immer schneller drehte und Bücher rasch veralteten, entstand die Idee eines Magazins. Nachdem mehrere Verlage abwinkten, gründete Fischer einen eigenen Verlag. Das Magazin erscheint bis heute im Zweimonatsrhythmus – ein bewusst gewählter Takt zwischen Aktualität und Machbarkeit.

Kernaussagen des Gesprächs

  • Technik-Faszination als roter Faden – vom zerlegten Plattenspieler bis zur "Black Box" SEO.
  • Wichtige Lebensentscheidungen entstanden aus eigener Neugier, nicht aus elterlichem Druck.
  • "Macht hat, wer Alternativen hat" – der prägende Ratschlag für Verhandlungen und Leben.
  • Lehren und Wissen weitergeben schafft eine eigene Befriedigung, die stärker wiegt als finanzielle Anreize.
  • KI könnte laut Fischer die letzte von Menschen gemachte Disruption sein.

Erfüllung durch Lehre – und Sorgen wegen KI

Als Professor an der TH Würzburg-Schweinfurt sieht sich Fischer durchaus als Mentor. Er hatte das Glück, das Thema Onlinemarketing früh wissenschaftlich zu besetzen, als es andernorts noch kaum existierte. Zahlreiche Absolventen gründeten Unternehmen oder gingen zu Google; die Agentur Eology etwa entstand aus seinem Umfeld. Diese "nicht ausgesprochene Dankbarkeit" der Studierenden nennt er als eigentlichen Grund für die Professur – trotz vergleichsweise schlechter Bezahlung.

Große Sorgen bereitet ihm hingegen die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung. Er fürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen, Privatsphäre und Vertrauen in Bild und Ton – und damit sozialen wie demokratischen Unfrieden. Anders als bei früheren Umbrüchen wie dem Auto fehle diesmal die Zeit zur Anpassung: Wo Innovationen sich über Generationen durchsetzten, gehe es nun um wenige Jahre oder gar Tage.

Gefragt, was er sofort auf der Welt verändern würde, nennt Fischer den Neid – und vor allem den Dunning-Kruger-Effekt: Je weniger jemand wisse, für umso schlauer halte er sich. "Wer leichter glaubt, wird schwerer klug", fasst er zusammen. Zum Abschluss empfiehlt er Gäste wie Markus Tandler, Stefan Fischerländer und Google-Mitarbeiter John Müller – und erinnert an den legendären Heiratsantrag, den er mit Hilfe von Karl Kratz auf der Bühne der OMX in Salzburg inszenierte.