In der Premierenfolge des Podcasts "Behind the Story" spricht Gastgeber Wolfgang Jung mit Theresa Futh, Director of Audience und SEO bei RP Digital, der digitalen Sparte der Rheinischen Post Mediengruppe. Das Gespräch führt durch Fuths Werdegang von der angehenden Journalistin zur Führungskraft, beleuchtet die Bedeutung von Mentoren und liefert einen offenen Blick auf einen persönlichen Denkfehler: das bedingungslose "All-In" im Beruf.

Vom journalistischen Idealismus zur Suchmaschinenoptimierung

Theresa Futh wollte ursprünglich Journalistin werden – getrieben von dem Wunsch, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zu Demokratie und Aufklärung zu leisten. Ihr Bild vom Beruf war zunächst romantisch geprägt, inspiriert von den verrauchten Redaktionen alter Schwarz-Weiß-Filme. Sie studierte Onlinejournalistik in Berlin und finanzierte ihr Leben zeitweise mit fünf Jobs.

Über eine Kommilitonin kam sie zu einem Werkstudentenjob bei Axel Springer, damals rund um die Zeit der Printübernahme. Dass die Publikationen zunächst nicht zu ihrem idealistischen Bild passten, relativierte sich schnell: "Ich habe während meiner Zeit bei Bild sehr schnell gesehen und gelernt, was für ein Handwerk dahintersteckt." Über die Verschlagwortung von Inhalten fand sie eher zufällig ihren Weg in die Suchmaschinenoptimierung – ein Feld, das sie später bei T-Online und schließlich bei RP Digital prägen sollte.

Die Rolle des Mentors

Ein entscheidender Wendepunkt war die Begegnung mit ihrem Mentor Maximilian Moore. Er habe sie mit seiner Begeisterung für SEO angesteckt, in die Branchennetzwerke eingeführt und ihr immer wieder Selbstbewusstsein zugetraut, das sie sich selbst nicht immer zusprach.

Ich glaube aber für dich, auch wenn Du's grade nicht glaubst, dass Du das schaffst – und auch wenn Du's nicht hundertprozentig schaffst, ist es auch nicht der Weltuntergang.

Futh appelliert an junge Menschen, sich gezielt Unterstützer und Mentoren zu suchen, die einen fördern und manchmal "ins Wasser schmeißen". Gastgeber Wolfgang Jung ergänzt aus eigener Erfahrung: Wer Mentoring suche, solle einfach ergebnisoffen nachfragen – viele erfahrene Menschen in der Branche seien bereit zu helfen.

All-In als Denkfehler

Der zentrale Erkenntnismoment des Gesprächs betrifft die Work-Life-Balance. Beim Aufbau der T-Online-Redaktion in Berlin ging Futh bewusst "all in" – mit einer Lernkurve, die man sonst kaum erlebe. Doch nach zwei bis drei Jahren erkannte sie die Kehrseite: viel Arbeit, wenig eigene Weiterentwicklung, eine Form von Langeweile und eine Krise.

Ihre Konsequenz: bewusst ein Privatleben und Hobbys aufbauen. Heute tanzt sie lateinamerikanisch, hat ihre Ernährung umgestellt und mit über 30 den Führerschein gemacht.

  • Balance ist kein Dauerzustand, sondern folgt Wellenbewegungen – Phasen intensiven Arbeitens wechseln sich mit Erholung ab.
  • Fehlende Energie für private Vorhaben ist ein Warnsignal, dass die Balance gerade nicht stimmt.
  • Neue Dinge auch spät zu lernen – etwa Autofahren oder Tanzen – schafft Selbstbewusstsein, das in den Beruf zurückstrahlt.

Ein besonderer Punkt betrifft die Gefahr der Überidentifikation mit dem Arbeitgeber: Wer sich vollständig mit dem eigenen Produkt identifiziere, fühle sich schneller angegriffen und verliere die innere Distanz.

Führung heißt nicht, alles auf 3000 Prozent zu machen

Als Führungskraft, so Futh, trage man Verantwortung als Vorbild – ob man wolle oder nicht. Wer selbst permanent überdreht, riskiere, dass ihm Mitarbeitende nacheifern und dabei an ihre Grenzen geraten. Sie berichtet, wie sie selbst einmal erfolglos versuchte, einem Menschen mit ganz anderem Energielevel nachzueifern.

Wolfgang Jung ergänzt: Wer als Führungskraft ständig "all in" ist, überfordere das Team und vergrößere das Delta zwischen sich und den Mitarbeitenden. Menschlichkeit, Hobbys und ein Privatleben seien deshalb auch aus unternehmerischer Sicht wichtig.

SEO trifft Audience Development

Für Futh ist die Verbindung von SEO und Audience Development ein logischer Schritt. Aus der Suchmaschinenoptimierung sei man ohnehin nah am Nutzer – über Daten aus Google Trends, News und weiteren Quellen. Der nächste Schritt bestehe darin, auch eigene Nutzerdaten des Mediums einzubeziehen: Umfragen, Community-Erkenntnisse und Daten der Vermarkter.

Konkret arbeitet sie derzeit an Projekten im Sport- und im Lokalbereich, teils im Rahmen einer Initiative von "Table Stakes Europe". Ziel ist es, gemeinsam mit den Redaktionen Zielgruppen und Potenzialzielgruppen klar zu definieren, passende Produkte wie Widgets zu entwickeln und die richtige Fragestellung wieder stärker in den redaktionellen Alltag zu bringen – etwa aus einer Unternehmensmeldung die für Verbraucher relevante Geschichte herauszukitzeln.

Wolfgang Jung zieht eine Parallele zum Storytelling: Gute Geschichten folgen auf "Story Listening" – und eine gute Audience-Performance folgt entsprechend auf Audience Listening.

Verantwortung übernehmen und Veränderungen zulassen

Als Botschaft an jüngere Menschen betont Futh, Verantwortung für das eigene Tun und die eigene Karriere zu übernehmen. Die Welt sei nicht immer fair, doch jeder könne seinen Beitrag leisten.

Baut euch dieses Supporter-Team auf, nehmt's selber in die Hand und scheut euch nicht auch mal vor Eskalationen und vor Veränderungen. Auch wenn's in dem Moment echt nicht schön ist – das wird besser und man wächst entscheidend.

Gefragt nach einem Wunsch für die Welt, antwortet Futh nachdenklich: Sie würde das Territorialverhalten aus dem menschlichen Instinkt nehmen wollen – jene Abgrenzung und den Selbstschutz, die aus ihrer Sicht viele Konflikte antreiben. Vielleicht, so ihre Vermutung, ergäben sich daraus Ergebnisse, die über den Weltfrieden hinausgingen.