In der 13. Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" wird ein Gespräch geführt, das anders verläuft als alle zwölf Folgen zuvor. Der Gast, Matthias Manfred Fuchs, hat bewusst auf ein Briefing verzichtet: Er wollte unvorbereitet in die Sendung springen und sich ganz auf sein Unterbewusstsein verlassen. Im Zentrum des Gesprächs stehen seine Heldenreise, seine Modelle rund um das "Leitwolfbewusstsein" und die Frage, wie vermeintliche Fehler zu richtungsweisenden Momenten im Leben werden können.
Das Eintagsleben als Denkmodell
Fuchs beschreibt sich selbst als "Fokus Mentor" und lebt nach einem seiner eigenen Modelle, dem sogenannten Eintagsleben. Es stammt aus dem zweiten Band seiner Leitwolf-Trilogie und ist inspiriert von fernöstlichen Denkschulen wie dem Taoismus.
Du wirst am Morgen geboren, Du lebst dein Leben und stirbst abends. Du reflektierst und wirst wiedergeboren.
Die Idee: Jeder Tag wird als vollständiges Leben verstanden. An einem Tag lebt man etwa die Rolle des großzügigen Menschen, verschenkt Liebe, Trinkgeld und Lächeln. Am nächsten Tag probiert man das Gegenteil aus. Durch das anschließende Reflektieren, so Fuchs, reife die Persönlichkeit schneller zu dem Menschen, den man in sich trägt.
Eine Kindheit zwischen Liebe und Dominanz
Fuchs wuchs nach eigener Beschreibung geliebt und wohlbehütet auf, als Kind hart arbeitender Eltern. Schon früh zeigte sich seine kreative Ader: Bereits im Kindergarten zählte er zu den besten Zeichnern, später folgten Kunst-AG, Gestaltungsabitur und eine Ausbildung zum Mediengestalter. Ebenso früh spürte er eine dominante Seite, etwa als er als Jugendlicher am Amiga 500 einen Freund dazu brachte, erst zahlreiche andere Spiele zu spielen.
Zugleich beschreibt er sich als von Natur aus introvertiertes Kind, das sich gern in sein Zimmer zurückzog, um in Fantasiewelten einzutauchen. Das Extrovertierte, so Fuchs, habe er sich erst später bewusst freigekitzelt.
Der Tod der Mutter als Wendepunkt
Der einschneidendste Moment seiner Heldenreise war der Tod seiner Mutter, als er 20 Jahre alt war. Er stand am Sterbebett, während sein Vater weinend den Raum verließ.
Der Mensch, der ich vorher war, ist mit meiner Mutter gestorben.
Aus diesem Erlebnis erwuchs für ihn der Entschluss, künftig selbst der Leitwolf für sein Leben zu sein. Er begann zu kochen, gestaltete seine Umstände nach eigenen Vorstellungen und las intensiv – unter anderem Bücher wie "Der Weg des friedvollen Kriegers" von Dan Millman.
Der BDSM-Vorfall als Lektion in Authentizität
Eine prägende Episode ereignete sich in seiner Zeit als Mediengestalter in einem Konzern. Fuchs hatte private, explizite Fotos versehentlich auf einem Firmenserver liegen lassen, wo sie von Kollegen entdeckt wurden. Statt sich zu verstecken, entschied er sich nach einem Rat eines Freundes für die Konfrontation: Er sprach jede Person offen darauf an.
Das Ergebnis überraschte ihn. Manche wandten sich ab, andere kamen proaktiv auf ihn zu – bis hin zu einer kleinen Gemeinschaft im Unternehmen. Die Kernaussage der Geschichte: Offenheit und ehrliches Bekennen zur eigenen Identität trennen die Spreu vom Weizen und schaffen echte Verbindungen. Genau über diese Geschichte kamen Gastgeber und Gast ursprünglich in Kontakt – und daraus entwickelte sich, nach anfänglicher Irritation, ein offener Dialog und eine Freundschaft.
Vom Leitwolf mit D zum Leitwolf mit T
Das Herzstück von Fuchs' Philosophie ist der Weg zum "Leitwolfbewusstsein", festgehalten in seiner dreiteiligen Buchreihe. Er unterscheidet dabei zwischen der "Vorhölle" – dem Zustand, in dem man nicht weiß, wer man ist – und dem eigenen Weg heraus. Diesen Weg fasst er in drei Schritten zusammen:
- Selbstsabotage stoppen
- Beeinflussung erkennen – für sich und andere
- Manipulationsfreiheit leben
Ein zentrales Werkzeug ist dabei die sogenannte Gründerliste. Fuchs bezeichnet sie als das einzige Führungsinstrument, das die Selbstsabotage aufrechterhält. Sein Rat: 13 Gründe aus dem Unterbewusstsein auf ein Blatt schreiben, sich der eigenen Überzeugungen bewusst werden – und die Liste anschließend verbrennen. Dadurch verliere der innere "Leitwolf" sein Führungsinstrument, und die Selbstsabotage sei gestoppt.
Fokus durch Verzicht
Bemerkenswert ist auch, wie Fuchs seine Bücher schrieb. Ein Mentor – der Vater einer früheren Lebenspartnerin – forderte ihn auf, mit dem Lesen aufzuhören und stattdessen selbst zu schreiben. Fuchs verzichtete daraufhin über Jahre komplett auf Bücher, um seinen Fokus nicht durch fremde Informationen ablenken zu lassen. Er lernte stattdessen vom Leben und suchte sich, im Sinne seines Eintagslebens-Modells, für einzelne Tage Mentoren.
Auch die Sprache seiner Bücher ist bewusst reduziert. Nach einer Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter, dessen Ausschmückungen ihm den Fokus nahmen, überarbeitete Fuchs die Texte erneut. Ziel sei es, dass Leser nach einzelnen Sätzen innehalten und den Inhalt verarbeiten können. Der Gastgeber bestätigt: Die Lektüre sei zunächst ungewohnt, funktioniere aber in kleinen Portionen von etwa zwölf Minuten hervorragend.
Eine Welt aus Leitwölfen
Auf die Frage, was passieren würde, wenn alle Menschen Leitwölfe wären, antwortet Fuchs mit einer klaren Vision: Dann münde die Dystopie in eine Utopie. Sein Lebenszweck sei es, Leitwölfe zu erwecken – Menschen, die ihre falsche Identität aufgeben, sinnentleerte Arbeit beenden und geschmacklose Beziehungen nicht mehr zulassen. Echtheit, so sein Appell, ziehe die richtigen Menschen an und stoße die falschen ab.
Das Gespräch endet mit dem Eindruck, dass sich das Verzichten auf ein Briefing gelohnt hat: offen, ehrlich und authentisch. Ein Wiedersehen in umgekehrter Rolle – Fuchs als Gastgeber – ist bereits vereinbart.