Er hat vor 180 Millionen Menschen live moderiert, als Kind aber solche Angst vor anderen gehabt, dass er sich am eigenen Geburtstag hinter der Tür versteckte: Bane Katić ist Speaker, Coach, Gründer der Speaker Academy, ausgebildeter Schauspieler und war 2008 Greenroom-Moderator beim Eurovision Song Contest in Belgrad. In Folge 19 von "Behind the Story" spricht er mit Host Wolfgang Jung entlang der Heldenreise über eine außergewöhnliche Vita – von einer schwierigen Kindheit bis hin zu einer Philosophie des Loslassens.

Eine Kindheit zwischen Angst und geschärften Antennen

Katić wurde in Berlin als Kind zweier Arbeiter geboren, die Wurzeln der Familie liegen in Serbien. Das Verhältnis zum inzwischen verstorbenen Vater war in der Kindheit angespannt und mitunter von Gewalt geprägt. Auf einer Skala von eins bis zehn beziffert Katić sein Kindheitsglück spontan mit einer Zwei. Die erste Adresse der Familie in München war das Frauenhaus.

Doch genau aus dieser schwierigen Zeit erwuchs eine Fähigkeit, die ihn heute auszeichnet: Weil er als Kind ständig einschätzen musste, ob Gefahr drohte, schärften sich seine Antennen dafür, Menschen zu lesen – Angst, Wut, Anspannung wahrzunehmen. Das sei bis heute die Grundlage seiner Arbeit.

Ich mache Leute nicht besser, ich führe sie nur zu sich selbst zurück.

Wie ein verschlafener Bushalt den Lebensweg bestimmte

Eine der prägendsten Wendungen war schlicht Zufall – oder eben doch nicht, wie Katić glaubt. Seine Mutter verließ den Vater, setzte sich in einen Bus Richtung Stuttgart, schlief ein und stieg in München wieder aus. Dort fand sie über Nacht Job und Zimmer. Statt in der Auto-Industrie-Stadt Stuttgart wuchs Katić so in der Medienstadt München auf, in der ProSieben und SAT.1 sitzen. "Ich hätte einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen", sagt er. Sein tiefer Glaube: Wir ziehen vieles selbst an, echter Zufall ist selten.

Vom Sendeleiter zum Moderator

Über eine Werbung mit 14 leckte Katić beim Fernsehen Blut. Beim Sender – damals Premiere, heute Sky – handelte er sich in einem Bewerbungsgespräch 300 Mark mehr Gehalt aus, indem er dem österreichischen Programmchef drei ihm unbekannte Witze erzählte. Als Sendeleiter beobachtete er Moderatoren hinter den Kulissen von Livesendungen und erlebte einen Schlüsselmoment: Sie verhielten sich völlig normal. "Das kann ich ja auch", dachte er – der Wunsch, endlich gesehen zu werden, war geboren.

Der ESC 2008: Wie aus 2.000 Bewerbern einer wurde

Die ESC-Geschichte klingt wie ein Drehbuch. 2007 sagte Katić seiner Frau voraus, er werde den nächsten Contest in Belgrad moderieren. Über eine Kette von Zufällen – ein trauriger Freund, ein spontaner Trip nach Mykonos, ein Bekannter beim serbischen Fernsehen – reichte er kurz vor Fristende seine Bewerbung ein. Beim Casting standen 2.000 Menschen an, darunter bekannte Schauspieler und Moderatoren. Weil er zum Flughafen musste, wurde er vorgezogen – und betrat den Raum lächelnd, während alle anderen vor Nervosität ernst gewirkt hatten. Von Runde zu Runde einer Live-Castingshow kämpfte er sich durch und stand am Ende als Greenroom-Moderator vor einem Millionenpublikum.

Über Honorare sprach Katić offen: In Serbien bekam er für alle drei Nächte 5.000 Euro, in Deutschland waren die Pressekonferenzen deutlich besser bezahlt. Der eigentliche Wert liege ohnehin in Präsenz, Reputation und Reichweite – der Währung der Aufmerksamkeitsökonomie.

Loslassen als Schlüssel gegen die Angst

Katić absolvierte eine Ausbildung zum "Kausaltrainer" bei Kurt Tepperwein und schrieb das E-Book "Wandlung durch Loslassen". Seine These zur Bühnenangst: Es gehe nie ums Reden selbst, sondern um die Angst vor öffentlicher Blamage. Wer vor 70 brasilianischen Vierjährigen spräche, die kein Deutsch verstehen, hätte keine Angst – weil kein Urteil, kein Ausschluss droht. Auch mit einer Hypnose-Ausbildung hilft er Menschen, gelernte Ängste loszulassen; verkaufen tut er keine Hypnose-Sitzungen, setzt sie aber gezielt im Coaching ein.

  • Storytelling-Tipp 1: Erzähle dir selbst mehr Geschichten – etwa beim Autofahren über andere Verkehrsteilnehmer.
  • Storytelling-Tipp 2: Erzähle im Präsens und schließe möglichst viele Sinne ein.
  • Konsistenz statt Kraftakt: Wie Amundsens "20 Meilen pro Tag" auf dem Weg zum Pol – jeden Tag ein wenig für Beziehungen, Gesundheit und Weiterbildung tun.
  • Fühlen statt nur verstehen: "Ich möchte nicht nur, dass ihr mir glaubt – ich möchte, dass ihr das fühlt."

Empathie, Erfolg und die Frage nach dem Genug

Sein Ziel im Leben sei es, mehr an Empathie, Liebe und Learning zurückzugeben, als er empfängt. Eine Begegnung in Belgrad 2008 mit einem bettelnden älteren Mann, dem er ein weiches Sandwich kaufte, habe ihn zu Tränen gerührt – er habe das Gefühl gehabt, der Mann habe mehr für ihn getan als er für ihn.

Zugleich verteidigt Katić das Feiern echter Erfolge und kritisiert die deutsche Neigung, Heldentum nicht zuzulassen. Vieles, was er im Privaten relativiere, tue er bewusst – um Menschen nicht zu triggern und ihnen den Zugang zu ihm zu erleichtern.

Der Blick nach vorn

Sein aktueller Glückswert: 7,84. Zur 8,5 fehle vor allem die Gewissheit, dass es seiner Mutter noch lange gut geht – und mehr Freiheit zum Reisen. Katić glaubt weder an ein Leben nach dem Tod noch an Wiedergeburt; Leben sei für ihn ein biologischer Vorgang. Entscheidend sei der Strich zwischen den beiden Daten auf dem Grabstein. Deshalb schiebe er nichts auf: "Was du tun möchtest, tu's jetzt."

2030 sieht er sich mit nur noch wenigen Klienten pro Jahr, ein, zwei Herzensprojekten und viel Leichtigkeit – ein Leben, das sich anfühlt wie Wind am Meer. Als Mentoren nennt er den Speaker Roger Rankel, den ehemaligen Sky-Vorstand Carsten Schmidt, das Buch "Der Alchemist" – und ausdrücklich seine beiden Söhne und seine Frau. Sein Leitsatz bleibt: Alles ist möglich, entscheide dich einfach dafür.